excalibur

20140328-090947.jpg

himmelwagt
traut sich
excalibur
wolkenschwert
aus blauem
un-stein zu ziehen
kondensstreifentränen
über berge
haltlos fliehen
in streifenweiß
zerfasernd
sedimental
wolkengemasert

ehrenpreis
tief verborgen
in waldes trost
augenblaue kleine
blüten
wollen dir
den mut vergüten.

dein weiches herz
wahrer reichtum
in deinem
inseldenken
wird zuverlässig
deine kraft in
deine hände
lenken
excalibur
wird
dir gebühren
das schwert
erkennt
in deiner
hände
führen
deinen
königswert.

20140328-091300.jpg

blumenpionier

20140324-104047.jpg

geduldig
abwartend
in der ferne
die silhouette
mit blütengebinden
als ankerketten
trautsichschaut
wohin
den fels
in der
blumenmeerbrandung
im rücken
das
gegenlichtgewicht
zum
ansichdrücken
dem wind
trotzend
lebenluststrotzend
schwarzsatt
verwurzelt
in fruchtbarem
boden
um seine füße
fließend die
schieren erdsoden
hat der
blumenpionier
mit dem ersten
lauwind
mitten in der
frühlingsnacht
das ruhelose
winterschiff
von weiter fahrt
willkommen
geheißen
und liebevoll
nach haus
gebracht.

In memoriam

20140321-001941.jpg

Ich brauch mal eine Pause, hieß es. Bis irgendwann dann mal.Die Tage wurden still, nachdenklich, manchmal verweint. Am Anfang kam noch die bereits todkranke Hoffnung auf Lebenszeichen vorbei, später war sie wie ein sterbendes Tier. Draußen vorm Fenster die Kirschblütenzeit, hier drinnen zwischen den Wänden, den Kopf in den Händen. Wochen vergingen, dann Monate. Langsam dämmerte die Erkenntnis herauf, es war keine Pause, es war ein Abschied gewesen. Einer ohne Wiederkehr. Sie war ausgelöscht worden, rückstandslos.All dieses viele, das geschrieben worden war, gesprochen, gefühlt, gemeinsam durchlebt, durchlitten, war nichtig geworden im Angesicht der launigen Gleichgültigkeit, die gelbe Krokusse wie teuflische Variationen in strahlendem Gelb in die Landschaft punktete, Blumen blühen ließ und dem Leben die übliche Ode sang, doch dieses Mal in ihr ohne Widerhall, ohne Nachklang, mitten in all diesem draußen stattfindenden Überschwang. Es war zum Blumenmordenwollen, während die Hoffnung in Agonie lag und ihre letzten Zeilen sang, eine bittersüße Melodie.An jenem regnerischen Nachmittag fasste sie sich endlich ein Herz und öffnete die ersten Mails. Sie waren ein paar Jahre alt. Sie suchte und fand und suchte wieder und fand nichts mehr wahr von all dem, was vorher war. Es war zur Farce, zur Lüge degeneriert, es hatte sich ins Gegenteil verkehrt, es war überzüchtet und mutiert, Sätze schlierten scheinbar ziellos ohne Anfang ohne Ende über virtuelles Briefpapier. Zögerlich strich ihr Finger über die Löschtaste. Sollte sie? Es waren viele Mails gewesen, geschrieben aus einer Distanz, die sich nicht eben auf eine Tasse Kaffee treffen konnte. Gedankenaustausch, auch Innigkeit, Verbundenheit, alles nur ein Fake? Eine beschissene Illusion, wie so vieles in ihrem Leben beschissene Illusion gewesen war, bloßblanke Theorien, das geschriebene Wort, aller realen Gefühle Mord?

Die erste Mail war fort, ausgelöscht in Nichtigkeit, es war nicht so schwer, wie sie dachte, sie lachte sogar darüber, laut und verloren. Es klang hohl in ihren vier Wänden, es wollte überhaupt nicht mehr enden, dieses wahnsinnige Gelächter, das den Schmerz überspielte in seinem launigen Humor, er überschminkte munter den darunter liegenden schwarzen Tränenflor.Eine Mail von über tausend. Sie überlegte, wie lange sie zum Löschen jener einen Mail bereits brauchte, fluchte, sortierte, überlegte, was sie wollte:Sie wollte den Schmerz endlich löschen, reinen Gewissens sein. Nein.Eigentlich wollte sie alles nur noch nihilieren, verneinen, so tun, als hätte es dieses andere, dieses Schönere, nie gegeben. Es hatte sich verlebt, war welk geworden und dann gestorben, einfach so.Zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben….dabei war es vorerst geblieben. Sieben Mails an einem Tag von über tausend.Morgen, das hatte sie sich vorgenommen, würden es mindestens vierzehn Mails sein, die sie löschen wollte, mindestens, sie träumte von fünfzig Mails am Tag, hoffte, jede einzelne würde etwas weniger weh tun, zwang sich, sie nicht mehr zu lesen, noch einmal oder noch einmal.Sagte sich, dass es das nun gewesen sei, alles einerlei, das Leben geht weiter, unbeschwert, blumenverliebt und immer schön ignorant und heiter.

Es war ein virtuelles Spießrutenlaufen, es war wie in Buchstaben und netten Worten zu ersaufen, zu ertrinken, es war letztendlich ein letztes Abwinken.Kann das sein? Überlegte sie hin und her und sortierte die lila Tulpen in der Vase vor dem Spiegel. Draußen lärmte etwas vorbei, es drang in die Stille ein, ein Störfaktorgeräusch, eine dissonante Kakophonie von Tönen, kaputter Auspuff? Es stank nach Abgasen im Zimmer, das Fenster stand einen Spalt weit offen.Wer lila liebt, der heirat‘ nicht, dachte sie und wer lila liebt, weiß, es ist vergebens, immer zu hoffen auf das, was unvergeben bleiben muss,letztlich hatte es dann die Hoffnung doch umgebracht, entleibt, sie wurde aufgebahrt im Raum, als Traum der Vergangenheit, verdorben, schlussendlich an sich selbst erstickt und gestorben. In memoriam.

Aktuelles

20140317-110255.jpg

Liebe Blogfreunde,

In den letzten Monaten habe ich pro Tag meistens einen Eintrag geschafft. Im Augenblick jedoch ist das reale Leben wichtiger. Letztes Jahr dauerte die Pause ein paar Monate, dieses Jahr würde ich es gern hinbekommen, immer mal wieder ein Textchen zu schreiben, zu bloggen und auch an den anderen Schreibprojekten weiterzuarbeiten. Ich hinke Euren Kommentaren etwas hinterher, danke schön erst einmal. Antworten kommen natürlich auch noch, wie gesagt, das pralle Leben ruft, die Worte fragen nach frischen Impressionen und neuen Musen und letztens fragte mich jemand nach meinen vielen Frühlingsgedichten der letzten Zeit: Und ja, das geht mir jedes Jahr so, wenn draußen endlich wieder das erste Grün sichtbar wird und die Vögel zurückkommen, dass ich dann euphorisch werde und beginne zu schwärmen. Machen Dichter sowas? Ja, tun sie. So ziemlich ohne Ausnahme, weil sie eben verliebt sind in das Leben und in die Natur und die Welt. Manchmal hassen sie sie auch und hadern damit herum. Doch wer kennt das nicht? Zu hadern mit dem, was kommt im Leben, was schwer ist, was weh tut oder das losgelassen werden muss. Wie sagte die Mutter von Forrest Gump? “Das Leben ist eine Pralinenschachtel. Du weißt nie, was Du bekommst.” Ich mag dieses Zitat sehr… Es will um seiner selbst angenommen und geliebt werden mit allen Facetten, auch den traurigen und den bitteren Seiten.Wie lernte ich als Kind? Die bittere Medizin ist die, die am besten heilt.

Letztens las ich etwas bei jemandem, der freundlich dankte für einen Kommentar und dann jedoch im gleichen Atemzug darauf hinwies, dass sich der Kommentator keine Sorgen zu machen bräuche, es ginge dem Autor ausgezeichnet. Der Text sei schon älter gewesen und auch nicht bezogen auf jemanden Bestimmtes. Vielmehr seien in den Text viele Einflüsse zusammengeflossen. Na, klar…sind meine Texte manchmal dem aktuellen Leben gestundet. Natürlich! Aber sie sagen dennoch über mich als Mensch oder Autorin wenig aus. Es ist  Theorie, die ein Teil, auch wieder des praktischen Teils ist, untrennbar damit verbunden, Geistgrundsubstanz und dennoch eigenständig als etwas, das der ausschließlich schreibende, der Texteranteil von mir ist, der sich in den Texten widerspiegelt als menschlicher Aspekt. Die Texte sind meistens abstrahiert, Wortwesenheiten. Der Mensch, der sie schrieb, ist meistens abwesend, oft schon davon distanziert, wenn der Leser sie endlich liest. Oder es sind Phantasieprodukte, Träume, wer weiß es schon? So ungewiss wie die Gedanken in den Köpfen der anderen. Da bin ich aber wieder schön kompliziert, au weia!  Aber so ist Eure Karfunkelfee nun einmal eben, wenn sie, so wie jetzt, manchmal hinter den Konstrukten um die Worte verlegen ist und herumsucht.

Nun jedoch besinne ich mich auf Disziplinarisches, mache es mir so bunt wie möglich zwischen Akten und Textarchiven und hoffe, ich spucke ab und zu mal ein bisschen Poesie aus, denn das Autorenmodell rostet sonst ein, wird erst stoisch und dann ungenießbar, außerdem schreit es geradezu nach einer Wartung und Modulerweiterung, wesentliche Reparaturen im Gestänge und ein bisschen Elektrokram, Kontakte reinigen usw. usfort…

Ich wünsch Euch eine gute Frühlingszeit und hoffe, Ihr bleibt mir gewogen wie ich Euch.

Eure Karfunkelfee

20140317-110223.jpg

20140317-110354.jpg

herza

20140314-101142.jpg

1.

herzas

ionenlichtkinder

sich

von zelle zu zelle

ausbreitend

über freie kreuzungen

gap junctions (tight functions…)

auf den

herzhautwegen.

 

 

2.

 

venöser blutschlag

bradykardisch

langsam laut ein

arteriell

schnell

tachykardisch

leise aus

ständige unruhe im

unzählzelligen

herzhaus

verbunden durch

hauchnanodünne

membrane wände

 

3.

 

wenn obere hohlvene

sich nach

rechtem herzohrklang

verzehrt

entsteht ionenlicht

das unablässig

niemals müde werdend

von zelle zu zelle

reist

vom kreislauf des lebens

erzählt und spricht.

 

4.

 

ionenkinder

informationsverbinder

für zelluläre gespräche

die nie versiegen

alles tot wäre

ohne das sprechende licht im

ionenfliegen

dem perpetuum mobile

des lebens

sich selbst gründet findet

in unzähligen

informationen

schlagweise

spontane selbstentzündung  

im

verdrängungspumpenprinzip

autobiographische

herzpoesie

elektrokardiographisch

sich selbst bezeichnend

in koronaren

zellgesprächen

über die

vibrierende energie

des lebens

ich nenne sie

herza

ohne sie

wäre alle liebe

vergebens.

blühbermütig

20140313-094344.jpg

konsequenzen
grenzen
draußen
lenzt es dieweil
auf den
grünenden
meilen
feldern fluren
will sich was
voran-weilen
im ersten milderen
sonnenlicht
gesundkuren
in der blühbermütigen
frühlingsfrohnatur
auf zwei rädern
wandernd
auf-ablandend
wie gezeitenwindwellen
in den stromschnellen
der Wassergischt
am alten Wehr
im Seitenwinkelblick
quecksilbrige Elritzen
an den
alten Weiden
am Fluss vorbei
auf den nackten Armen
bräunt es warm
ohne Harm, ohne Fragen
unbegrenzt natürlich
um sich selbst ergänzt:

das bewegte Frühlingsbild
Wachstum zeigend
in der Sonne
knackende austreibende
Baumknospen
eine Art Vibrieren
übermütige Freude
auch bei den Tieren
es will keine Grenzen
es will lenzen
in duftend Veichenblau
sternanemonenweiß

im schmalen
Niemandsland
den Weg säumen
sich konsequent
grenzenlos
träumen.

20140313-094412.jpg