Zeit für ein Liebeslied

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Zeit für ein
Liebeslied haben
suchen
nach passenden
Worten
an bedeutungsvollen
geheimen Orten
fliegt es
bomberschwer
im Bauch.
Wie viele Tonnen können Schmetterlinge wiegen,
als alle Worte schwiegen,
wie dankbar kann
Frieden sein,
wenn das Schlachtfeld
noch raucht?
Der Gang
selbst zu zwein
geht sich
dennoch allein
manchmal
Richtung Canossa.
Er nimmt die
Vergangenheit
demütig
hin, seine Ziele
sind mit den
Wünschen und Träumen
nach Nähe
im Zeitstromtreiben
Richtung Zukunft
geflossen.
Mensch bleibt Mensch.
mutig unverdrossen
Wort um Tat
Idee und Rat
Hand in Hand
unverwandt
Liebe als Band
im veränderlichen
Sand
der Zeit.
Wir sind bereit.

Saisonabschied (aus den Geist(er)geschichten)

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Es war die Geist(er)zeit, eine Traumsaison
das Grün, es geriet
außer Façon, tanzte sich welk, huschte die Straßen voran, Laubblätter wie die Späher der kalten Zeit, der Geist leise und schnell wie ein apokalyptischer Reiter, der dem Ende des Grüns entgegenjagt, umtanzt von toter leichter Erinnerung, warm und bunt.

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Vor dem Steinbruch stehen, zu sehen die sandsedimentierte geschichtete Zeit, kalkig weiß, wie eine Wunde im Berg, den nicht die Zeit ihm schlug mit Weile, abgeschlagen Bruch um Bruch, gewaltsam und mit Eile.
Ungeduldig Menschenwerk.

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Sich hochkreisen zu dem alten Gemäuer, fast weiß strahlt die alte Räuberburg, als hätte sie dem Zahn der Zeit nie widerstehen müssen, als zähle für sie einzig der Weitblick über schutzbefohlene Stadtdächer bis ins Land.

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Mit dem Johannisbach flussaufwärts wandern, herb umfangen in der Umarmung des Waldes, die Auen entlang, in denen immer noch der Sommer zirpt und fliegt. Den Berg hochstrampeln im Blick über jungkeimgrüne Wintersaaten, zarte Hälmchen, draußen den Landfrieden, im Herzen den Krieg.

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Immer wieder die Grenzgänger, schon entlaubt, sind sie wehmütig, verändert, über das gleichgültige Land, die immerselbe Aussicht, so wunderschön sie auch sei, sie jeden Tag Leben immer gleich sehen, Stürmen zu trotzen, als sei Stehenzubleiben, Auszuhalten eines Baumes geduldige Pflicht.

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Sie vorbeiziehen lassen, hinter sich lassen, Sonne von vorn warm im Gesicht, an den Beinen auf Haut, traut sich das Herz neue Wege zu suchen, im Gewirr der Straßen der Stadt. Trinkt sich an Begegnungen, heute alle lächelnd, satt und zufrieden, fährt die alten Wege ab, zu prüfen, was übrig sei aus der Vergangenheit, fand es an bemalten Häuserwänden, einer Eingangstür, Bild eines Kindes mit aufgeschürften Knien in einem weiß-grün gepunkteten Kleid, Kindheit, von der an das Leben lauter Kleinemädchenfragen übrig blieben:
Warum ist mein Schatten größer als ich?

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Schauen, was die mit Stein und rosa Kreide vor langer Zeit aufs Pflaster gemalten Sonnenuhren dazu sagen.

Heute sind sie fortgewaschen, die Steine noch die gleichen,
das Herz zerrt weg von diesem alten Ort, er war einmal Geborgenheit, doch sie starb mit den Menschen, die sie einst gaben, sie muss für ein Leben lang reichen.
Es war, flüstert der Geist in jeder vorandrängenden Umdrehung seiner Naben, alles hinter sich lassend, die ganze lange Zeit in Jahren in einen Rückenwindstoß fassend. Es eilt. Fahr schneller…

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Der Wind stemmt sich in Böen, wie leicht wirft es sich aus der Bahn, scheint was sicher sich glaubte, nun verhaltener, vorsichtiger zu sein, wie auf Seife rutschen die schmalen Reifen durch nasses Laub, nun heißt es, konzentriert den Lenker fester zu greifen, angstgeklammert im schleifenden, nichtfassenwollenden Bremsgeräusch, es nützt nichts, hier greifen sie nicht, Augen auf und Bremsen verboten, ansonsten den Asphalt küssen mit blutigen Knien und Pfoten.

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Die Stadt, scheinbar vertraut in Einzelorten wie Ergebnissen aus Gleichungen mit unbekannten Lösungswegen, die, im Kennenlernen, Abfahren unbekannter Straßen sich beginnen wie die Maschen eines Netzes zu verbinden und sich zusammenfinden in Knotenpunkten, auch aus den Sackgassen findet ein Geist Auswege, lässt sich leicht über Treppen tragen und rollt gutmütig, ohne zu klagen über Wiesen, Stock und Stein, querstadtfeldaus- und -ein.
Er scheint führerlos, doch will ein Führer sein.

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Zeitweilig die Atemnot, immer mal wieder, das kleine klamme Gefühl in den schönen alten großen Windgesängen, dann wieder ruhig und frei in den Gedanken mit der Landschaft weitertreiben
leer und ohne Ziel,
von diesem Gefühl noch viel mehr wollen, unbeschwert weiterrollen bis zum nächsten Berg.
Ihn wütend traurig hochtoben, verausgabt sich, es ist im Herzen Sommerschlussverkauf, alles wird verschleudert, zu Billigpreisen, entwertete bunte Träume auf Wühltischen
alles muss raus.
In der Natur stellenweise schon in ganzen Gruppen gedeckte Farben, wintermaßgeschneidert.
Die Sonne höhnt warm, als wär’s noch Sommer.

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Nach Hause kommen, es sehen wie die goldene Stadt, die Zuflucht, der traute Stall. Fing auf noch immer jeden schweren Fall, viel wert, ein Lager zu haben, in das man jederzeit gehen kann.
Nun steht der Geist, Lenker Richtung Tür, sie ist immer offen.
Der Geist weiß genau weswegen, wofür, lockt mit dem Draußen, es schmeckt verwegen nach Freisein, Frieden und Hoffen.

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Zum Todestag von Ingeborg Bachmann

Schlaf, Große,
Dein Leben war
kein Traum.
Alles echt
alle Deine
Worte
so wahr
dass sie
ohne Dich
lebendig
weitergehen
bis in alle Zeiten
so zeitlos schön
dass sie bewahrt
bleiben
vor dem Verfall
wohin ich auch
gehe, sehe
stehenbleibe
Deine Worte
finde ich
überall.

In einem Tropfen Zeit

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Zärtlichkeit im
Wärmestrom
verkörperlicht
das volle
warme Fleisch
beseelte Hände
Fingerspitzen
berühren
heiße Bahnen
ritzen in
brennende
Hautwände
dunkeltiefvertrautes
Gefühl.

Miteinander
bedeckt
ineinander
versunken
die Augen
von der
anderen Seele
wie berauscht
wie betrunken
in einem
salzigen Meer
gestundeter Zeit

Umarmt sich
vereint sich
der Moment
der nach
nichts fragt
nicht nach Namen
nur nach Nähe
in der Lust
des andern
die eigene
wiedererkennt
in unzähligen
Details
weit gereist
um im andern
sich gespiegelt
zu fühlen
zu sehen
eine Weile
Kontinuität
in weiche
in gleiche
Berührungen
gehüllt
einander
ganz verbunden
sich wiedergefunden
in einem
Tropfen Zeit.

Ganz in deinem Sinn

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Erst,
wenn ich
deinen Wunsch
nach meiner Nähe
nicht mehr
zwingend
spüren kann
zwischen
deinen Handlungen
Absichten
Ansichten
werde ich
zu dir
kommen.
Doch nicht,
weil du
es willst,
sondern
weil ich
es will.

Erst,
wenn deine
Untröstlichkeit
über den
Lauf der Dinge
sich aus
dir heraus
in dir selbst
heilt und stillt
werde ich dir
mein Wasser
reichen können
ohne dass
es dich
vergiftet.

Erst,
wenn du
gelernt hast
nicht mehr
alles verstehen
hinterfragen
zu müssen
nicht mehr
die Grenzen
überschreiten
die Tiefen
gänzlich
ausloten
zu wollen
kann ich
dir genügen
indem
wie ich bin.

Erst,
wenn ich
dein Vertrauen
in mich
fühlen kann
findest du
zusammen
mit mir
was du wirklich willst
ganz
in deinem Sinn.

Immergrün Vergissmeinnicht

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Kaleidoskopzeit
buntblätterweit
aufgebrochen
die Flammenfarben
in Sonnengischt.

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Aufgesprochen
alte Zaubersprüche
vermischt mit
dunkelrotem
Amaranth und
rosarostigen
Rosen
umwunden
von einem
wortverwobenen
Bann
zu einem
zarten Bouquet
gebunden
um das
dunkelstgrünstes
Moos
sich wand.

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Worte
wie ein
Zikadenkonzert
im hohen
braunen Gras
hohes feines Zirren
etwas,
das der Sommer
vergaß
mitzunehmen
in den
Zikadenflügeln
transparent
schimmernd
als seien
sie aus Glas.

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Hingegeben an
Blauvariationen
aufgegeben
was sich
nicht lohnt
darin
das Gefühl
zu bewahren
das tief im
Innern wohnt
es schwärmt
in Wolkenscharen
es ist spektralbunt
wie alle Farben
doch so einig
in sich selbst
wie die
Erde rund.

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Seidezeit,
spinnwebzart
Abschied
sich
mit Hoffnung
paart
ein jeder schaut
nach
seiner Art
in den
welkenden Gärten
mehrt sich
Blatt um Blatt
in krausen
Laubhaufen
nachts darin
übermütig
die jungen Füchse
raufen
um die
ersoffene Ratte
im Ententeich,
der haarlose Bauch
aufgedunsen, bleich
oben treibend
das nasse zottige Fell
dunkelgrau
wie Kohlefeuerrauch
die toten Augen
spiegeln
gleichgültig
Nachtdunkelblau.

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Die jahreszeitlichen Strukturen
gegliedert
in endliche
Intervalle,
das Herbstlaubfallen
eine fortgesetzte
periodische Funktion
Fourier-Reihen
an deren frostigen
Enden schon wieder
Frühlingssaaten
hellgrün keimen
in diskreten Spektren.

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Nebelzeit für
die Einsamen
die sich
auf Parkbänken
selbst umarmen
die Barfußtänzer
mit den Schellen
an den Fußgelenken
den Tambourins.

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Grauwindtage
mit hochgestellten
Kragen
spektralanalytische
Regenbogengedanken
über einer
Sommerbirkenallee
die Brücke
von der Schneeschmelze
zum ersten Bodenfrost
spannend
von der Frühlingshoffnung
zum Sommerwissen
ruhend in Herbsttrost
fließend
das Winterweiß
in Ahnungen von
Immergrün
südwärts mit
den Vögeln zieh’t
vergißmeinnicht

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