Der Schatten des Geistes (aus den Geist(er)geschichten)

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An den Felsen
maß sich
die Zeit auf
in jahrzehntelang
gekannte Beständigkeit
getaktet in vor- oder nachsaisonalen
Zwischenspielen
Ort der Veränderung
immer gleich bleibend
im Rausch der Jahreszeiten.

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Zeit, wie sie sich zerrieb
in den trockenen Blättern, wie sie rechts und links der Reifen zu braunen Fetzen zerstob, als sei es Asche, die blieb von der letzten Sommerglut.
In den Herbstlandschaften
hangüber
fokussierte sich
das Sehen
wünschte sich
Weitwinkelperspektiven
am langen Anstieg
Sterne vor Augen.
Wind, kein zärtlicher, der schwarzgeschattet an der Haut rieb, Übermut, von dem an der langen Steigung bis auf Muskelsabotage nichts als ein Krampf und Herzklopfen übrig blieb, als der Atem überschnappte während der bloße Wille den meuternden Körper
weiter voran trieb.

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Kam der Blick oben dann endlich zur inneren Ruhe,
satt getrunken
von Ferne volltrunken
blieb er
immer wieder
an der horizontalen
Mittelbildlinie stehen.

Dann ließ es haltlos sich los, wollte stürzen, in die vielfarbigen gefallenen Auguststerne, löwenzahngelb, kornblumenblau und klatschmohnrot. Wollte noch einmal Sommertrost in sich saugen, berauscht von Wärme.

Oben wurde unten, der Rest dazwischen rotierte, es ging talabwärts, mit welcher Leichtigkeit stürzte es sich doch, der Fall hatte etwas Hedonistisches, eine Art wildes Lachen, einen Jubel, der der Vergänglichkeit einen überschwänglichen Gruß tonlos entgegenschrie, nur begleitet vom Pfeifen des Windes in den Ohren und dem rauschenden Blut.

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Wege durch die Senne suchen, alle Panzerstraßen gesperrt, Achtung, hier wird scharf geschossen, steht die Zeit im Zeichen des Krieges, als sei sie nie weitergeflossen, erikalila, so weit die Heide reicht, die verlassene Windmühle, Mahlmal mahnt an die alliierte Vergangenheit, Durchgang zur Freiheit hier.
Kein Sektordenken, sondern flächenweise, durchkreuzt von Birken und Wiesen. Keine Durchreise heute zu Idyllen wie diesen, jede Biegung ein nächster Irrtum, eine verfahrene Begebenheit. Schon leuchtet Altgold in der Sonne, stiehlt sich kälteres Blau in die erdwarmen Farben, die Vorhuten der Dämmerung
beginnen in länger werdenden Schatten die Sonnenflächen schwarz zu narben, auf den Feldern unbewegt, unbeteiligt Riesenspielzeug, in gelben harten Rädergarben.

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(Bild m.f.G. von P.H.)

Später zu spät zu dunkel
auf dem Heimweg die innerlichen Ordnungshüter munkeln, auf den langen Zwischendistanzen kein Ort in Sicht.
Westlich ein Blau unter dem roter das Abendsonnenrot nie schien, es schwelgte in herbstlicher Tiefe wie knisternde Laubfeuer, es wollte Zyklamen wie Magenta sein, es glühte in feurigen Schlieren der Nacht entgegen, die Sonne in sich selbst verzehrt und versunken.

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Im Waldschweigen schwarze Bäume, Wurzeln, talgig weiß, der Weg wies die Richtung, still wie ein Band, das wie eine Schlange sich in die Dunkelheit wand.
Nirgendwo Licht, nur Föhren ringsum in einem Sandmeer. Alles schmerzte, wollte nicht mehr -weiter, hier war eine hundertkilometerlange Grenze erreicht, der Wille fast von Selbstmitleid aufgeweicht, doch im tröstlichen Wissen: es ist nicht mehr weit.
Nachtduftend die Schwärze, nach Holz, Kiefern, nach Gras und Moos. Flüsternd die Waldbewohner grüßend, die belebte Stille fühlend, lautlos und groß, wie welche die
Spalier stehen und anfeuern, im Aufwenden letzter Reserven denkt es sich am besten an Erneuerung in Kreisläufen.

Im Näherkommen von Abzweigung um Abzweigung, erschien es als ein Labyrinth des Herbstes, dessen Mittelpunkt weiß wie Sennesand den Winter prognostizierte, er war in Ahnungen in der Nachtkälte bereits deutlich zu spüren in den Berührungen der Natur waren Abschiedsgesten, die deutlicher nicht hätten sein können, das alles, der Wald, wie er roch, nach toten Blättern, das trockene Rascheln, während sie fielen, wurde das Ziel ziellos, war das Wenigste viel angesichts waldverschwiegener Orientierungshilfen bis wieder glatte Straße unter den Reifen rieb, die seltsam leere Straße,
der zweirädrig wandernde Schatten des Geistes
eine Laterne einholend
als letzter sinnbildlicher Gesamteindruck blieb.

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Das letzte Blatt (Haiku 5-7-5)

Liebe Blogleser,

Eine Zusammenarbeit zwischen meinem Blogfreund Autopict und der Karfunkelfee.

Das Blatt-Foto und die schöne Herbstpoesie sind von ihm, sein Gedicht erinnerte mich in seiner präzisen Form mit dem melancholischen Mono-no-aware- Gefühl über die Vergänglichkeit allens an japanische Lyrik und ein Haiku kam mir in den Sinn.

Hier geht es zu Autopicts Blog, der immer zu einem Ausflug in andere Blickwinkel und Perspektiven, so wie feiner Lyrik, einlädt:

http://autopict.wordpress.com/2014/09/23/shades-of-autumn/

Ich wünsche viel Freude beim Schauen und Lesen.

Viele Grüße
von der Karfunkelfee
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Fallen
Im Spätsommer
Ich gehe weiter
Etwas wird sich ändern
Herbst

(Autopict)

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Früh erkahlterAst
trägt leicht am letztenSommerblatt*
Wind kommt auf von Nord.

(*Sommer eine Silbe)

Reminiszenz an den Sommer (aus den Geist(er)geschichten)

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Der Tag beginnt mit Vogelstimmen wie im Frühling. Duft gemähten Grases, übersät von gelben Ahornblättern.
Die Luft kühl und feucht vom Morgentau, prickelt in der Nase. Schwarzer heißer Kaffee mit Milchschaum, pastellös verhaltenes Morgenerröten im Osten. Es fröstelt im Nacken, Wind von Ost, Ahnung von Herbst. Der Wald fault, herb, modrig-süß und doch bitter beim Einatmen. Herbst nimmt den Mund ein wenig zu voll, bis hin zur Übergärigkeit. Genuss bis zur Überforderung, bis es kippt zur Winterstille hin.

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Doch heute noch einmal das Versprechen des Sommers, dass er unvergessen bleiben soll in seiner Wärme, unbeschwert, Unvergänglichkeit gaukelnd, überschäumend von Leben, wenn Winter von Leben eisig noch träumt.

Könnte ein Rennrad wiehern, dieses täte es. Es rollt von allein den Berg hinauf, zottelt durch ein paar kleine, noch unbekannte Straßen, der frische Wind streicht um die nackten Beine, die bloßen Arme, kommt mal von der Seite in Böen, drückt gegen das leichte Rad, stemmt sich dagegen wie ein Kind, das ein anderes Kind abdrängen will, um jeden Preis.

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Gelbe Felder ziehen vorbei, es duftet nach Heu, dann nach Kuh, ein Stück weiter waldwürzig nach Kiefern, dann Häuser, Abgase, eine Knoblauchfahne aus der Pizzeria rechts, vorbei und hochkriechen den Berg, diese Straße da nie gefahren, dafür jetzt belohnt von üppigem Rosenduft schwer von Süße, sinnenverwirrend, eine ganze Hecke, direkt um die Ecke.

Anhalten und eine Weile, die so lang und weit sich dehnt wie eine ganze Sommerzeit dauert, staunend den duftenden Moment einatmen und nicht mehr hinauslassen bis die Lungen volltrunken sind von Herbstrosenseligkeit und sich wieder nach Abwechslung sehnen.

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Die Septemberwärme, diese Illusionistin, die selbst die Vögel verwirrt, so dass sie zilpzalpen amseln und finkenschlagen wie im Frühling, veranlassten den auf Vollherbst schon eingestimmten alten Apfelbaum ein zweites Mal schneeweiß zu blühen. Seine diesjährigen Früchte liegen wurmzerfressen und verrottet zu seinen Wurzelfüßen. Hoffnung lässt neues Leben grüßen…

Die Straße kurvt hinunter, fette grüne Wiesen rechts und links, der Wind pfeift in den Ohren, fast sechzig schnell. Ein Gefühl wie zu fliegen. Landschaft verschwimmt, zieht in chlorophyllinen Grünschattierungen vorbei, die Straße ein graues Band, die Stille, der Wind, die ständig wechselnden Gerüche im Gefühl von Leichtigkeit.

Quer durch das Tal, ein Auf und Ab, der tiefe dunkle Räuberwald. Dunkelgrün gefiltertes Licht, die Sonne tief, die Hänge rechts und links voll von schwarzen Schatten. Waldvögelechos von irgendwoher. Sonst Stille bis auf das helle Reiben der schmalen Reifen.

Dann wieder Felder und waldige Berge, kleine Straßen, die zu vereinzelten Häusern oder Gehöften führen. Ein Falke auf einer Stromleitung thronend. Keine Spur von Angst. Stolzer Vogel.

Die Stille, nur dieses Surren in der Luft, fein hoch und klar, jener Ton, der erzeugt wird, wenn sich Insektenflügel an der Luft reiben.
Über dem Wiesengrün buntes summendes Treiben.

Dort eine Weile liegenbleiben, in den Himmel sehen, Wolken beobachten, ein Gewitter zieht auf, es ballt sich kumulativ im Osten. Oh oh…

Vor ihm herradeln, so schnell es geht und dann die lange Abfahrt, während der aufgefrischte Wind im Rücken steht und schiebt, als sei er in die Geschwindigkeit verliebt, feiner Regen, Donnergrollen, es drückt nach vorn als säße auf den Fersen der Zorn des Allmächtigen.

Tief gebeugt gegen den Luftwiderstand antreten und ab nach Hause, in den Stall. Es riecht nach Gewitter, Vögel schweigen, autoleere Straße, noch immer Sommerwärme in der Luft spürbar.

Später am Fenster stehen und den Nebelgestalten bei ihrem Tanz um den Berg zusehen.
Cappucchino mit Milchschaum in den Händen, die Haut noch leicht gebräunt, eine Reminiszenz an den Sommer.

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Tagnachtgleiche

Liebe Blogleser,

Angeregt durch die Themen Isolation und Dunkelheit in den beeindruckenden Texten vom Herrn Faktoid (Schwärze) und Herrn Disputnik (Isoliert.)ist etwas Eigenes entstanden.
Ich würde gern verlinken zu Euch beiden, darf ich…?

http://foodandwineporn.de/2014/09/19/schwarze/

http://disputnik.com/2014/09/18/isoliert/

Herzliche Grüße von der Karfunkelfee
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Diese Tage, in denen der Zweifel wie eine dünne Staubschicht alles inwändig bedeckt. Es lässt sich nur schwer atmen in dieser stickigen verzweifelten Luft, angefüllt mit einer Dunkelheit, in der es vielstimmig raunt, obwohl sie von einer eher leeren Art ist wie Nacht über weiten Eisfeldern.

An solchen Tagen stockt der Fluss, Momente septisch skeptisch, von Verwegenheit keine Spur. Angst kauert in Ecken, hat die Beine angezogen, umklammert die Knie wie ein Kind. In der Mitte des Raumes sitzen die Weisen, maulfaul, ignorant und stockblind.

Diese Tage, die wie komprimiert auf einen Herzfixpunkt akribisch genau
zielen. Sinne, die übergenau justiert, alles und nichts zu gleicher Zeit fühlen wie ein Kompass im Magnetfeld, die Nadel rotierend, ohne Ziel.
Zeit, die nach Nichts fragt,
als nach der Tagnachtgleiche
in der Innerwelt. Jede Bewegung wird Zeichen, Symbol, noch während die Stunden vorwärtsschleichen und sich die Füße an ein paar sonnigen Erinnerungen wärmen mit lauwarmer Motivation als moralischem Gegenpol.

Leere Tage, an denen nichts gelingt, gelähmtes Gefühl, während draußen vor der Tür das Leben auf der Straße vorbeigeht und mit Radiostimmen durch das geöffnete Fenster hineinsingt.
Unbestimmt wie das diffuse Licht, das kaum durch die zugezogenenen Vorhänge dringt.

Nichts kann die innere Stille durchbrechen, die Seelengummizellenwände mit Erinnerungen in weißen Kitteln, mit starken Armen und einer Zwangsjacke. Sie sind kein Dienstpersonal, sondern haben liebende Augen voller Vertrauen.
An diesen gefesselten Tagen gezwungen den Erinnerungen in die Augen zu schauen, zu starren, hypnotisiert von ihrer Eindringlichkeit mit der sie jeden Gegenstand zu tränken versuchen.

Haltlos sein, unwissend und treibend.
Reden ohne zu sagen, flehen ohne zu bitten, blicken, ohne zu sehen, rückwärts gegenstromläufig die kleinen Alltagsschnellen bewältigen, im Gefühl, dabei innerlich gänzlich stillzustehen, die Wärme des bewegten Draußen ist ein umso spürbarer Gegensatz zum eisigen atomaren inneren Stillstandsgefühl, eine Dornröschenzeit, in der draußen die Heckenrosen um so überwältigender duften.

Andersarten

Liebe Blogleser,

Ich fand im Blogland eine homogene Masse in verdichteter Substanz und fand sie anders. Das beeindruckte die Karfunkelfee. Dabei kam ein Gedicht heraus. Natürlich ein anderes, andersartiges.
Zu Frau Literaturfalkes Blogeintrag mit der homogenen Masse und den Kommentaren vom Herrn Hund würde ich gern hier verlinken, darf ich…?

http://literaturfalke.wordpress.com/2014/09/16/die-homogene-masse/#comments

Viel Spaß beim Blogstöbern und Lesen
wünscht die Karfunkelfee.
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Bin anders
als du
willst
nicht mit mir sein
drehst dich um
sagst,
ich sei dumm
bleib ich
eben stehen
– allein.

Werde ich
wie du
passe mich an
kann mich zwar
mit dir sehen
was du sagst
jedoch
nicht verstehen
schweigen
fasst mich an
frage mich
warum fängst
nicht lieber du
die Sache an?
weil ich nicht
auf dich
zugehen kann?

Will nicht sein
wie du
mich denkst
noch mir wegen
einheitlich
anderer Köpfe
den Hals beim
Hochschauen
verrenken
noch mich
der Allgemeinheit
beliebig ergeben
doch will ich
mit anderen
gemeinsam leben
hab Kompromisse
grad im Angebot
Rücksicht gibt es
aufs Pausenbrot
Toleranz nickt
dienstbeflissen
Geduld wie Wüstensand
inwändig
ameisenzerbissen
Nervenkostüm
fadenscheinig
zieht Fäden
ist verschlissen

deine Meinung
ist nicht meine
müssen wir uns einig
sein?
du ganz groß
ich dafür klein
dann mal wieder
umgekehrt?
oder aber
ist es eitel
Zweifel der
sich selbst verzehrt?
vorgefertigt
spekulativ
zum
äußerlichen Schein
schön
abgeklärt?

Nenn mich eigen, ungewöhnlich
oder bleibe stumm
aber sage nicht
weil ich anders
bin und denk als du
nochmal -
ich sei dumm.

Herbsttendenzen (Stromberg-Oelde)

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Steigungen wie Herausforderungen
winden sich
straßenhoch
baumviele Wünsche
in rindengeritzte
Herzen
geht
noch höher
steigt noch steiler
Lungenpfeifen
Atemschmerzen
irgendwo zittern
Luft schmeckt
herbstbitter
Brustkorb eng
Augen stur auf
innenwipfelgrün
gerichtet

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stück
lichtverspieltes
himmelblau
oberhalb
gesichtet
nur noch
ein wenig
durchhalten
atemhaushalten
muskelvertrauen
nach vorne schauen
im langsamen
stetigen
Berganrollen
immerweiterwollen
dann den
moosschattigen Tann
hinter sich lassen
Zuversicht fassen

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in pflaumenfarbenen
Tendenzen
dann
oben stehen
auf das
Land sehen
In Feldstudien
Kraft zurückgewinnen
Resourcenmanagement
betreiben
einen Schwalbenschwarm
im Flug
um den Berg
beschreiben
im unbegrenzten
Blick
rundumerneuern
sich auf den
Geschwindigkeitsrausch
der Abfahrt
zusammen mit den
Vögeln freuen.

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