Aus den Geist(er)geschichten: Atemfragment

Ich bedanke mich für die Schreibeinladung bei  textstaub und der versakrobatischen Worteschmiedin poeta, die Wortspenderin der Tags: Fragment, Zuhause, Uferlos

Hier meine utopische Idee.

Atemfragment

Die Ohren dröhnen so, dass dringend Substantielles wie ein märzener Fahrtwind hineinmuss. Der kann sich dann uferlos vorm Trommelfell stauen. Eine weint, die ist liegengeblieben. Aufgeschürftes Knie, nur eine Fleischwunde, sagt sie und schämt sich, weil es weh tut und man das sieht. Gibt man Lindes drauf, bremst für einen Schmetterling, so ganz behutsam, wird das Ding wieder flugtauglich und torkelt sich frei ohne zu plappern dabei.
Die Eine hat’s Knie verbunden und stützt sich auf wen. Die ersten Bewegungen sind saudoof, schmerzschmerzschmerz.

Egal, aufsteigen und weiter mit den anderen. Die haben gemeckert, war ja klar. Sie haben durch ihren Unfall Zeit verloren. 

Sie trägt jetzt ein Gänseblümchen unterm Helm. Sie ist abergläubig und widerkünstlig, denkt an Wunder. 
Die anderen warten. Komm schon, Alte, hau rein, drück los!

Das Geräusch, wenn die Beine mit viel Kraft im schwersten Gang die Kette auf dem rechtsten Ritzel ziehen. Ergibt ein rasantes Schleifen, einen kilometerschlingendes Durchgreifen. Bewegung in die Leere gewinnt Gestalt, formt sich zu einem unglaublichen Hinterteil. Toller Typ, Du, warte bloß, meine Ausdauer, ach Gottchen!!!
Plapperplapper schließt zur Einen auf und schiebt mit der Hand im Rücken. Du schaffst das, Süße, bleib in der Spur. Süße schaut rüber, ein kurzer mitteilvoller Schulterblick, kurzatmig dankend. 

Der Andere holt auf und zieht vorbei, setzt sich bergan an die Spitze. Zieh, Lok, zieh! Er dampft. 
Die Eine ist übern Berg, ein anderer kämpft noch, im Wiegeschritt stehend, prustend und außer Atem. Die Luft ist ein Jadekissen, sie salzt das Innenmeer. Vogelzeichen bäumen umeinander und sie umschlingen die Schwingen. 
Haltet durch, es ist nur noch ein kleines Stück zur Kuppe hoch, dort oben kühlt das weite Land die Fragmente unseres Atems und wir sind wieder einmal zuhause angekommen.

Tag X für Cantodora

Liebe blogfreunde,

vor fünf Jahren gesellte sich zur Karfunkelfee ihre kleine Schwester Cantodora, eine Geschichtenerzählerin, eine Träumerin. Sie hat ihre große Schwester gebeten, den blog vom Netz zu nehmen, mit dem sie versucht hat, die lyrische Karfunkelfee von der prosaischen Erzählerin zu trennen und etwas Eigenständiges aufzubauen. Die Fee ist mit ihren Geschichten genauso verbunden wie mit ihrer Lyrik. Sie ist ein Sprachengeist. Cantodora wurde das deutsche Klima zu langweilig, zu oberflächlich, zu gründlich unlebendig und zu kaltschnäuzig, es zog sie in den warmen Süden, denn schon seit gefühlt immer hat sie sich besser mit Spaniern als mit dem Bauhaus neuer Sachlichkeiten verstanden.

Den anderen blog fütterte ich schon länger nicht mehr, meine Geschichten lest Ihr schon seit geraumer Zeit auch wieder bei der Karfunkelfee.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken für das Lesen meiner Cantodora-Geschichten (Ibrahim z.B.) den Austausch, die Kommentare bei der Cantodora. Sie haben mich inspiriert, mich weitergebracht, mir Freude bereitet.

Bis heute Abend besteht noch die Möglichkeit, im blog zu lesen. Danach wird dort für die Öffentlichkeit die Tür verschlossen. Ab und zu kuck ich in den Briefkasten und nehme unerwünschte Werbung raus. Das Haus der Cantodora bleibt ein Denkmal im Kinderkönigreich.

Viele liebe Grüße von der Karfunkelfee