Aus den Geist(er)Geschichten: Meinem Schwarzen

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Könnten Rennräder kettenschmierige Tränen weinen, wäre mein creme-weißer Gabbehteppich voller schwarzer Flecken. Du fehlst mir jeden Tag in der Retrospektive meiner Gefühle, mein Schwarzer. Dieses Jahr ist kein gutes, gesundes und heißes für uns beide und das weiß ich. Ich stecke in einer mir inzwischen endlos vorkommenden Heilzeit fest. Wir beide trieben es nicht zu doll, andere Umstände sorgten für die Verschlechterung meines Gesundheitszustandes. Du heilst mich immer nur, machst mich wieder leicht, wenn ich schwer bin und zeigst mir die Schönheit der Welt, die ich mit dir erfahre. Du Ding, erscheinst mir oft seelenvoller als mancher Mensch und sei es auch nur, weil ich dich mit meiner Liebe beseele, erfülle und an dir hänge, es ruhig darf, weil du ja kein Mensch bist, der sterben oder weggehen kann. Weil du, bei aller Liebe zum Ding, eben ein Ding bleibst, wenn auch ein geliebtes und weil du eine Therapiemaschine bist, die nicht nur glückliche Erinnerung der Vergangenheit in jeder weiteren Umdrehung bewahrt, sondern auch den Trost der Gegenwart in eine lebendige Zukunft transportiert. So bist du rundes geschwungenes Ding  bis in die letzte Konsequenz sachlicher Details am Ende mehr Hoffnung als mancher Mensch mir ist, von dem ich nie wissen kann, wann er wieder aus meinen Lebenskreisen heraustritt und ob ich ihn wiedersehen werde.

Wenn du so kaputt bist, dass du nicht mehr fahren kannst und ich eine hoffentlich quietschfidele und aktive Alte bin, die es immer noch nicht lassen kann, montiere ich dein federleichtes Vorderrad, das ich am kleinen Finger tragen kann, auf einem Holzhocker wie 1913 Marcel Duchamps sein „roue de bicyclette“, damit ich es täglich im Arbeitszimmer drehen und zufrieden sein kann, weil es mir gut tut die kreisende Bewegung zu sehen, auch im geringstmöglichen Anschwung in einem Finger die Bewegung fühlen zu können, als drehte ich die Welt am kleinen Finger. Mein lieber Freund und Kupferstecher! Das werde ich tun! Ich hänge deinen Rahmen an die Wand, doch ich werde mir dann auch wieder einen schnellen und leichten Nachfolger zulegen. Dein Andenken dabei in hohen Ehren haltend, Ehrensache. Du bist kein Mensch, sondern ein Ding. Darum kannst du mir das nicht übel nehmen wie es Menschen vielleicht täten.

Dieses Jahr ist der Sommerklang deiner Schwertspeichen im Wind ein allzu theoretischer. Dieses Jahr fehlen mir die Touren mit dir. Jeden Tag streichele ich dein mattschwarzes Gestänge und wische den Staub ab, bevor er sich setzen kann oder pumpe deine Reifen auf 8,5 Bar auf, als könnten wir jeden Moment losfahren, im ärmellosen Trikot und in kurzen Hosen. Weder mir Mensch noch dir Ding tun die Bewegungslosigkeit gut. Ich prüfe regelmäßig die Geschmeidigkeit deiner Kette und weine schmierige Tränen zwischen ihre Glieder wie ich Mensch mir die Worte für dich Ding in mein Herz weine damit wir beweglich genug füreinander bleiben können um schon einmal die Septembertouren zu planen. Ich schwärme dir Altgoldstimmungen vor und erzähle dir vom dunkelmoosigen Geruch des Waldes kurz bevor die Pilze in Schwung kommen. Du Ding, bist inzwischen ein fester Bestandteil meiner Poesie. Könnte ein Mensch jemals so viel sein? Sollte er es können? Ja oder Nein? Du, Ding, antwortest mir, als sei dies selbstverständlich, mit einem Ja. Wahr, doch warum? Ich vertraue dir Ding  vor allem anderen darum in diesen Dingen und stelle mich als dein Mensch dir gegenüber manchmal auch gern dumm.

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(Bildquelle: P.H.)

Art Deco Nouveau

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Als der Plattenarm über die schwarze Scheibe rillt ein Rascheln und Knistern wie das Geheimnis langsam abgerollter Seidenstrümpfe in einer Sepiastudie, als blasses Fleisch vornehm war und Kristallüster sich regenbogenfarben durch dunkel getäfelte hohe Räume spektralisierten. 

Die Windungen der Muschel am alten Grammophon zeichnen das verblichene Zart des gediegenen Sesselsamtes in den verschossenen Fasern leuchtet es verhalten goldrandgekettelt. Noch in Gegenwärtigkeiten mitgenommen und fühlbar der Wagemut der Lilie im Bleiglasmotiv des Gründerzeitsekretärs.

Der Atem salonrauchiger Bilder, im üppigen Farbauftrag, ein Überschwang wie in märchenhaft anmutenden Wunderwindungen. Mit jeder Umdrehung, noch ein paar Walzerschritte weit, diesseits der jenseitigen Verbindungen, im Herzen der Erinnerungen Galanterien unvergängliches Geleit.

Anouar Brahem, Mila Gee – Vague

Liebe Blogfreunde,

Ihr täuscht Euch nicht, diesen Künstler stellte ich Euch bereits vor mit diesem wunderschönen Wüstenjazz vor. Doch Art of Arkis empfahl mir dieses umwerfende Video, den umwerfend weiblichen Tanz von Mila Gee wollte ich Euch keinesfalls vorenthalten. Die sinnliche Dame hat mich auch zu dem vorausgehenden Stück Liebeslyrik inspiriert. Hier im Teuto kehrt der Sommer nächste Woche zurück. Was könnte schöner darauf einstimmen als eine solche Darbietung. Ich wünsche viel Freude und bedanke mich bei meinem Blogfreund, Art of Arkis.

Herzliche Grüße von der Karfunkelfee

(die selbst krank das Künstlern nicht ganz sein lassen kann)

Anima

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Dies alles fing ich im Möwenschrei:

die Sandläufer auf

dem Salz deiner Haut

den bewegten Horizont

als Meeresgischt um meine Füße

Daseinssüße ein Wellenlaut weit

mein enges Kleid um meine Hüften

schwingend wie das Wasser selbst

der ozeanisch weite Geist

mit sandgeläuterten baren Füßen

fließen in kleinen Strudeln

auf deinem Land

sind meine Haare der Wind

wie er sich zeitweise fängt

in der Wärme deiner

ihn umschließenden Hand.

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