Feenseele

Feenseele

Als das Feenvolk unsichtbar wurde für die Menschen und die Grenzen, die das Feenreich trennten von der Menschenwelt nicht länger durchlässige Membranen waren, sondern zu hohen Zivilisationsmauern wuchsen, beide Völker in ihren Reichen gefangen bleiben mussten, überdauerten von den Völkern die Geschichten in der Erinnerung. Die Feen vermissten die Körperlichkeit und die sinnlichen Menschenfreuden, sie sehnten sich nach Berührungen, denn ihre leichten Körper waren Gespielen des Windes und ihre schwerelosen Herzen träumten vom Gewicht der Nähe. Die Menschen hingegen versanken in ihren Alltagen, gingen arbeiten, zogen ihre Kinder auf, lebten ihr begrenztes Dasein und starben mit den Träumen der Unsterblichkeit in ihren warmen Menschenherzen.

Doch sie vergaßen einander nie und wie sie sich einst ergänzten, das Schwerelose die Schwere trug, die Endlichkeit in der Unsterblichkeit leuchtete und Wärme sich in Leichtigkeit speicherte. Das Feenvolk wusste um die Geheimnisse und den Kreislauf der Natur und gab diese in früherer Zeit an die Menschen weiter. Und wenn auch die meisten Menschen irgendwann vergaßen, wie alles miteinander verbunden war und zusammenhing, nur noch eilig nach vorn strebten und alles Maß nur an Steigerung und Forschung gebunden war, gibt es heute doch noch einige, die nicht vergessen haben, wie man in einem Moment innehalten kann, die Zeit bindet wie einen Strauß wilder Blumen, welche Namen das Wolkenvolk trägt, die in den Frühlingsnebeln barfuß eine Handbreit über der Erde laufen können und strömendes Wasser durch ihre Finger laufen lassen als flüssige unbegrenzte Zeit. Sie erinnern sich nicht wehmütig ihrer Kindheit, weil sie sie nie verließen und sie sterben, wenn ihre Zeit kommt, als glückliche Menschen mit leichten Herzen weil sie wissen, dass ihre bunten Feenseelen das Geheimnis der Unsterblichkeit nicht bei der Geburt vergaßen und alle Endlichkeit nichts anderes ist als ein weiterer Übergang in ein anderes Reich.

Advertisements

15 Kommentare zu “Feenseele

  1. schön, dass du das auch als kommentar zum juliet marillier beitrag bei mir dort eingestellt hast, vielen dank dafür…

    • karfunkelfee sagt:

      Lieber Lu, umgekehrt wird ein Schuh draus! :))) Dein schöner Text hat mich zur Feenseele inspiriert. Und ich dachte, er passte sehr gut zu meinem neu entstandenen Kinderkönigreich, so dass ich ihm einen Einzelplatz bei mir gab. Ich textarbeitete noch ein wenig daran und feilte ihn glatt. Im Kommi bei dir kann ich solche Dinge schlecht ändern, was steht, steht. Ich liebe es! Dass du mich immer auf Gedanken bringst! Das ist so schön, du! Du Muse, du! :)))

  2. bruni kantz sagt:

    ein wunderbarer Text, doch feilen tat nicht Not, liebe Fee
    *lächelnd* einen Gruß von mir

  3. Karfunkelfee sagt:

    Bruni, die Fee ist in punkto ihre Texte eine Perfektionistin musst du wissen, ich hab nicht eher Ruhe, bis ein Text für mein Empfinden genau passend ist und werkele manchmal sogar noch nach Jahren daran herum, wenn ich denke, dass man ihn noch besser, noch runder, noch perfekter feilen kann, ist also alles ganz normal für mich, Feilerei, das „Feintuning“, wie ich dazu zu sagen pflege….:)))

  4. Wolfgang sagt:

    Deine Worte schweben sacht durch den Kopf des Lesers, und durch die sorgsam platzierten Kommata hebt die innere Stimme jeden Satz, kurz bevor man ihn beendet wähnt, wieder an, wie eine Feder, die, kurz bevor sie den Boden berührt, immer wieder von einem Windhauch erfasst und emporgehoben wird, ihre Reise fortsetzt, bis sie, von ein paar nassen Grashalmen gebremst, auf einer taubedeckten Wiese, die nur wenige Menschen jemals sahen, schließlich niedergeht.
    Der Text gefällt mir, er ist Dir hervorragend gelungen.
    LG – Wolfgang

    • karfunkelfee sagt:

      Mit Deinem Kommentar hast Du meinen Text berührend und sehr wunderschön weitergedacht und ich wusste erst gar nicht, was ich dazu sagen sollte, so viel Poesie steckt in Deinen Worten, das könnte man prima verdichten…
      und will das auch gar nicht weiterreden, sondern poste Dir einfach den Link zu der Musik, die ich zu Deinen Worten sofort im Kopf hatte.
      Magst Du mal gucken? (und nein…es ist nicht das Feather Theme von Forrest Gump, obwohl es thematisch besser zu Deinen Worten passen würde)
      Ich hatte diese Musik hier im Kopf und den Tanz einer Tüte:

      Danke, Wolfgang.
      So ein schöner Komm…

  5. Schutzengel sagt:

    Wenn Ihr Dichter und Du als dichtende Fee schreibt:

    Schrift und Gegenschrift

    Wenn wir schreiben
    tun wir es auch heute
    -lebend in einem
    provisorischen Zustand –
    mit einer Feder
    aus den Flügeln des Ikarus,
    der Gegenschrift folgend,
    die aus Pflanzen, Tieren, Menschen
    besteht, aus dem Zerfall, der
    eingeboren ist allem Werden,
    aus Steinen und Wellen, den großen
    Unternehmungen der Landschaft
    und dem Labyrinth, zu dem
    jeder Weg werden kann. Walter Helmut Fritz

    • karfunkelfee sagt:

      Ein tolles Gedicht…
      es gibt so welche,
      die liest man einmal
      und dann braucht man
      sie nicht noch einmal.
      Doch dieses Gedicht hier
      könnte ein Lieblingsstück
      der Fee werden (sie hat schon viele gesammelt…).

      Danke, Engelchen.
      (und natürlich dem Fritzen auch einen Dank, den Herrn Lyriker
      kannte ich nicht einmal…Bildungslücke, oh, welch Tücke!)

  6. Ulrike Sokul sagt:

    Liebe Karfunkelfee,
    Dein heutiger Kommentar bei Finbarsgift (KANT und Co) hat mich auf Deine Saite geführt.
    Du verfügst über ein beeindruckend vielfältiges und lebendiges Schreibspektrum. Ich werde gewiß noch oft zum Lesebesuch hier erscheinen.
    Darf ich Dich mit nachfolgendem Link zu meiner Rezension eines Buches über Naturgeister auf mein Buchbesprechungs-Blog einladen?
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/07/02/naturgeister/

    Frühlingsgrüne Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

    PS:
    Unter der Seite LYRIK findest Du auch einige schüchterne Gedichte aus meiner Feder … 🙂

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Ulrike, ich habe mich sehr gefreut, als ich heute sah, wie viele meiner Texte Du besucht und geliked hast.
      Danke für Deine Worte, sie sind Öl auf das Feuer meiner Schreiber- und Feenseele und sehr gern besuche ich Deinen Blog. Es geht schließlich um Naturgeister, das sind mir Artverwandte, also Familie. ✨😉

      Ich bin gespannt auf Deine Gedichte und hier in meinem Blog bist Du jederzeit herzlich willkommen. Zwei ernste nachdenkliche Geister haben Dich hergeführt, ernst kann ich auch sein, doch noch lieber lache ich….😊

      In diesem Sinne,
      viele liebe Grüße
      von Stefanie,
      der Karfunkelfee

      • Ulrike Sokul sagt:

        Liebe Stefanie,
        gerne habe ich einige Wohlgefallensspuren bei Dir hinterlassen. Natürlich kann ich mich nur langsam, genüßlich und wohllesedosiert durch Deinen Fundus „arbeiten“…

        Feenstaubige Gutenachtgrüße
        von Ulrike,
        der Bücherfee

      • karfunkelfee sagt:

        Das Wissen um die richtige Dosierung ist ein wertvolles…

        Ich wünsche Dir wohlige Träume.
        Gute Nacht…✨

  7. Das finde ich wirklich wunderbar, liebe Stefanie…. oder soll ich eher Stefeenchen sagen 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s