Straßenbahn-Waka (mit Minoru Miki)

Image

 

In der Straßenbahn

sitzen mir

Augenpaare gegenüber

kalt zieht grünende

Stadt am Fenster vorbei

Meine Gedanken 

liegen bloß

vielleicht friere ich

meine Haut

schattet weiß

im spärlichen Abendsonnenlicht

 

Ich hätte Gedanken

an dich im Sinn

doch in den Gesichtern

der anderen Fahrgäste

sehe ich nur

Gleichgültigkeit

 

Das Leben fährt

an mir mit mir vorbei

an Häuserfronten

ich denk in ihr Inneres

betreibe rastlose

Fassadenkletterei

jemand vor mir versperrt

mir die Sicht

 

Die Wärme schläft

im Heizgebläse

zu meinen ratternden

wohligen Füßen

sehe ich Münder sprechen

in eine Koto-Rhapsodie

von Minoru Miki

in der jeder Ton schwingt

im Echo

unhörbarer Worte

 

In verschwommenen

hinter mir gelassenen

Passantenköpfen

grenzt Unwirklichkeit

haarscharf an die Realität

einer nur scheinbar

ruhigen Übergangszeit

 

Ich finde meinen Widerhall

in japanischer

Zwanzigsaitenmusik

denke ein Haiku

in siebzehn Silben

oder ist es ein Senryu?

egal,

es geht um Vertrauen

noch um etwas anderes

Ungenanntes im Ausdruck

zwischen drei Zeilen

und in der Bahn

im atemlosen Ruhemoment

stiegen währenddessen

schon wieder

ein paar Leute zu

 

 

 

 

 

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5 Kommentare zu “Straßenbahn-Waka (mit Minoru Miki)

  1. bruni8wortbehagen sagt:

    Du fährst
    und du siehst
    fremd fühlst du
    die anderen
    die dich begleiten
    nein
    sie begleiten
    dich nicht nur
    zufällig sind sie
    vorhanden
    Du frierst und
    erstarrst im
    Angesicht
    blassbleicher
    Gleichgültigkeit

    Liebe Fee, nun mal andere Worte von Dir,
    aber gut sind sie,

    wirken so schlicht
    als seien sie
    ein leichtes Gedicht
    doch das ist es nicht

    Einen ganz lieben sehr späten sonntäglichen Gruß
    von Bruni

  2. Karfunkelfee sagt:

    Liebe Bruni,
    ich liebe schlichte Worte beinahe noch mehr als die prunkvollen und prächtigen.
    Und du hast mal wieder wunderschöne gefunden….

    Danke dafür!
    Dir einen lieben Dienstagsgruß
    vom feechen

  3. bruni8wortbehagen sagt:

    es war mir eine große Freude.

    Verbesser doch bitte mal – falls das möglich ist – den blöden Tipfehler von mir. Die letzte Zeile muß natürlich heißen:
    doch das ist es nicht
    Lieber Gruß in einen regnerischen grauen Tag
    von mir zu Dir

  4. hat mich irgendwie sehr traurig gemacht
    dein poem mit melankolischer pracht
    und bald wird es auch noch nacht
    wann das herz wohl wieder lacht?

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