Parts of the Process (16)

ein zwielichtiger Gedanke,

einer…

 

was wäre,

wenn es von Anfang an

anders gewesen wäre

als ich denken will?

Du mich suchtest

vertraut fandest

wie vielleicht andere

vor mir

die Du zum bestimmten

Zeitpunkt

fristlos entließest

das Dir entgegengebrachte Vertrauen

Deine und ihre  Strafe sein ließest?

 

Was wäre wenn?

 

Der Gedanke schmerzt.

 

ich müsste ihn nehmen

wie all diese anderen Fragen

die mich im Kreise führen

mir den Kopf verdrehen

mir sagen

dass er realistisch sei

nicht bitterer

nicht unversöhnlicher

nur spekulativer Natur

wie all die anderen Ideen

ich bräuchte ihn nicht zu verstehen

 

wäre es Unglück, durch Unachtsamkeit geschehen?

wie meistens?

 

könnte ich mit nichts in der Hand

als  meinen Trümmerillusionen

 

mir selbst ein Stück entgegengehen?

 

um ein kindliches Lächeln zu sehen?

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Bastelanleitung für verschenktes Glück

Wenn Du heute losgehen würdet in das wolkige und trockene Herbstwetter, vielleicht ein Stück in den raschelnden Wald hinein und ein besonders schönes buntes Ahornblatt fändest, eines von der flammenden Sorte, in allen Rottönen von Zyklamen bis Magenta wie ein kleines handwärmendes Feuer leuchchtend und es hätte auch noch alle seine fünf Ahornblattzacken, hättest Du Glück gehabt.

Du könntest eine Postkarte basteln für einen lieben Menschen und diesen damit auch glücklich machen.
Oder gleich mehrere Ahornblätter sammeln, weil Du so viele Freunde hast, denen Du gern damit eine Freude machen möchtest.

Doch das könnte in Arbeit ausarten.
Bedenke, Du wärst den halben Nachmittag damit beschäftigt, bunte Blätter zu sammeln, Dich dann damit an den Küchentisch zu setzen, mit der Schere herumzuschnippseln, damit Du Pappkarton postkartenkompatibel zurechtstutzen könntest und dann müsstest Du mit Kleber herumklecksen, damit auch alle fünf feinen spitzen Ecken des Ahornblattes wirklich festpappen auf Deiner Postkartenpappe.
Anschließend suchtest Du nach hübschen Gedanken, die Du auf Deinen bunten blattbeklebten Pappuntergrund schreiben könntest. Das dauerte je nach Gedankengut, Wortschatz und Kreativität ungefähr fünf Minuten.
Es reichte aber auch schon, wenn Du draufschriebst: Viel Glück!
Dann noch den Namen des Freundes oder der Freundin in besonders schön gestalteten handgeschriebenen Lettern, wenn Du es gern ein wenig aufwendiger hättest.
Du könntest auch noch ein knallrotes Herz auf die Postkarte malen (oder pink?), damit Deine Freunde wissen, dass ihnen das Glück von Dir liebevoll gewünscht wird.
Darunter schriebst Du wie ein Kind langsam und bedächtig, gut lesbar, Deinen Namen.
Damit Deine Freunde wissen, von wem sie die Glückwünsche bekommen.

Denn dann…ja dann…wenn sie Deine Postkarte aus dem Umschlag zögen, diese, mit der Du so viel Arbeit hattest, allein, bis Du den passenden roten oder pinken Buntstift gefunden hast, um dieses
Herz zu malen…und wenn sie dann das bunte Blatt sähen, das sie an die Herbsttage ihrer Kindheit erinnern soll. Weißt Du, woran Deine Freunde denken würden, wenn sie das bunte Blatt auf Deiner
Postkarte sähen?
Sie würden an Drachensteigenlassen inmitten von haufenweise solcher bunten Blätter denken und an einen guten Drachenwind, damit ihr Drachen oben bliebe.  Sie würden an klare leuchtende Oktobertage denken und an einen Himmel, der so ein tiefes Blau spiegelt, wie es nirgendwo auf Deiner Karte vorkommen könnte, selbst nicht im Indigo der Tinte, mit der Du das Glück auf die Karte schriebst. Nur im Kopf Deiner Freunde wäre genau dieses Himmelblau, weil nur sie wüssten was für eine Sorte blauer Himmel notwendig wäre, damit bunte Ahornblätter auf genau diese Weise leuchten könnten wie das von Dir auf die Postkarte geklebte Blatt.

Wenn sie Dein rotes gemaltes Herz sähen, würden sie denken: Jetzt ist sie völlig durchgeknallt. Nun malt sie uns rote Herzen und schickt uns Kinderbastelpostkarten.

Sie würden vielleicht etwas verlegen sein und nicht recht wissen, was sie jetzt von Dir halten sollen.
Doch sie würden Deine Karte nicht wegwerfen. Sie würden auch nicht zulassen, dass die ausgelesene Tageszeitung daraufliegt.
Vielleicht stellten sie sie in ein Regal, weil die Karte ein bunter Naturklecks in der sonst eher pragmatischen Wohnlandschaft wäre. Oder weil sie ein liebevoll zugedachter Moment wäre, den
sie Dir in dieser Form nicht zutrauten.
Oder sie trauten es Dir doch zu und dächten: Verrückt, typisch!
Weil sie Dich inzwischen besser kennen.

Parts of the Process (15)

Ich bin unzurechnungsfähig

kann meinen Gefühlen

nicht mehr trauen.

Sie sagen, sie seien

meine größten Fans.

 

Es gab die andere Zeit,

in der ich

mich aufgehobener sah,

nicht weniger schmerzvoll,

doch mit scheinbar

sicheren Zukunftsgarantien

hinter der Fassade

schön gedachten Lebens.

 

die Erkenntnisse kommen

wie Aufwärtshaken

mit der vollen Kraft

der Faust

aus dem toten Winkel.

K.O.-Lektionen…

 

Versuchung ist  mein Gegner,

Moral mein Ringrichter

das Leben  mein Trainer

schüttet mir das kalte Wasser

menschlicher Geringschätzung

über den Kopf,

damit ich zu mir komme.

 

werde ich ausgebuht

von meinen Menschen

weil ich verloren habe?

ich werde  ausgezählt…

 

Denke nicht daran, wie Du gewinnst.

Denke daran, wie Du nicht verlierst.

Alte Kämpferregel.

 

Schadensbegrenzung

Parts of the Process (14)

 

 

 

Ich sehe Euch

doch manchmal

erkenne ich Euch nicht

weil ich mir im Licht stehe

mein Schatten

Euch verdunkelt.

 

Ihr seid die geliebten Unbekannten

steht meinem Herzen am nächsten

seid Ihr mir darum

so selbstverständlich

wie mein Arm,

meine Hand,

meine Finger?

 

Eure Fehler, Eure Kanten

kenne ich wie meine eigenen

Eure Zeit steht in meinen Uhren

ich spüre wann immer ich will

Eure Wärme

in meiner Haut.

Ihr seid Herzensmenschen

zutiefst vertraut.

 

was wäre ich ohne Euch?

was ohne Dich?

 

verließet Ihr mich

fühlte ich mich

ein Stück

weniger komplett.

 

Ihr Anderen

was glaubt Ihr

gehört wohl dazu

ein wichtiger Mensch

für jemanden

sein zu können?

Für Anna zum Geburtstag

Image

 

Ich wünsche Dir diese Mädchenträume,

die blonden, die so hoch fliegen,

das ganze große Herzensgeschäume,

es soll Dich nie brechen,

sondern immer nur biegen.

 

Ich wünsche Dir Mut und Freiheit,

zu tun was immer Du willst,

Zeit zu haben für die wichtigen Wünsche

die Du Dir irgendwann erfüllst.

 

Dann wünsch ich Dir ein Lachen,

das vor Gesundheit nur so strahlt,

es soll Dich zufrieden machen,

wenn es Dich mit Glück anmalt.

 

Dass, was bis jetzt in Deinem Leben war,

gut sein soll so wie es geschah,

Du nimmst es erinnernd mit Dir,

–          in Dein hoffnungsvolles, neues Lebensjahr.

 

Und zum guten letzen Schluss:

…gibt es noch einen

Geburtstagskuss! 🙂

 

Herzliche Grüße zum Geburtstagskind,

von der Karfunkelfee

Parts of the Process (13)

Achterbahnfahrt.

auf – ab – auf – ab

ich sitz im vordersten Wagen

Landschaft kleckst um mich herum

Magen rebelliert

oben ist unten

die Welt ein auf den Kopf

gestelltes Fragezeichen

ich bin der Punkt

jenseits des Horizonts

 

es kämpfen:

Verleugnung gegen Wahrnehmung

Pragmatismus gegen Sinnlichkeit

Vernunft gegen Ähnlichkeitsgefühl

klischeebeladene Situationskomik

gegen den traurigen Ernst der Lage

Verstand gegen Wunschdenken

 

– ich lese auch noch Dante

als wäre nicht sowieso

alles schon schlimm genug…

werde ohnmächtig

beim Besuch der Philosophen

in meiner Hölle

wo ist Vergil?

puder mir die Nase, Römerfreund,

ich seh die Lichter nicht mehr…

 

unten…

 

danke.

für Deine Zeit.

es ist schön, Dich

gekannt zu haben.

besonders.

 

so, wie es

bei manchen Begegnungen

im Leben geschehen kann,

dass sie besonders sind.

 

dankbares und glückliches Gefühl.

 

oben…

Parts of the Process (12)

Image

Die kleinen Alltagsfluchten

in den Wochenendmoment.

stille warme Bettdeckenzeit

mit geschlossenen Augen

bevor der fliehende Tag

mich mit sich reißt.

 

Brandgeruch

treibt mich von allen fort

zieht mich zu allen hin

die ölige Tränen

sind Feuernahrung

allein sein brennt

 

bunte schöne laute Stadt

mit mir mittendrin

niemanden berühren

träumen bleibt  erlaubt

 

wippender Pferdeschwanz

warme englische Boots an den Füßen

dunkelrote Strümpfe

Howard Jones in den Ohren

Teeroosendufterinnerung

 

Manga-Comic-Frau

Kabuki mit den großen Augen

wie konnte das geschehen?

wo ist Deine Maske?

wo sind Deine Schwerter?

 

die Blätter des

japanischen Fächerahorns

bluten in den

alten grünen

Sommervorgärten.

 

lauf!

lächele!

 

andere fliehen

so wie Du

jeder für sich