Parts of the Process (20)

 

unterwegs

in der von Herbst verfärbten Stadt

verspiegelte Hochausfensterfronten

wirken eine Weile verwunschen

hinter Gelbgoldblättern

im Weichzeichnerlicht

der Oktobersonne

wehen mir Menschen vor die Füße

schwirren abwesend

ihre Handys streichelnd

um meinen Kopf

schlingern mir entgegen

mit  verstöpselten Ohren

auf die Füße gerichteten Augen

im Rhythmus ihrer Zeit

Konträre Wellenreitergefühle

 

ich lächele

in all die auf mich zukommenden

mir abgewandten Gesichter

es wäre beinahe unmöglich

ein bestimmtes finden zu wollen

unter so vielen.

 

keine Fragen

von den Leuten

um mich herum

sie scheinen aufgehoben

in ihren Welten

wenige

wirken glücklich

 

meine Gefühle

haben eine Konsistenz

manche sind flüssig,

beweglich wie Wasser

es gibt welche, die sind

wie frische Luft schmeckt

andere fassen sich weich an,

wie erlesene kostbare Stoffe

 

die, die erinnert werden

wollen leicht wie Luft sein

andere sind schwer

sinken langsam tiefer

wie Steine

auf den Grund eines Sees.

 

Wut, Hass und Angst

kalt, metallisch

Fremdkörpergefühle

sich ihnen zu stellen

bedeutet

dass ich mich nicht frage

ob ich träumen werde

 

denn ich werde es.

das weiß ich.

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

4 Kommentare zu “Parts of the Process (20)

  1. Du willst Dich stellen,
    den Weichzeichnergefühlen?
    nein, eher denen, die dich
    fremdkörperlich berühren?
    Lasse sie wandern,
    ein Handy zum andern
    flüssige gegen versteinerte Gefühle
    reite mit Wellen
    auf wilden Gesellen
    die dich in Weiten tragen
    die dir behagen

    Lasse Dich nie beirren, liebe Fee
    LG von Bruni, mal wieder spät in der Nacht, in der kaum einer außer mir wacht

    • karfunkelfee sagt:

      Ich reite Drachen, Bruni….
      hadere nicht länger mit meinen Siegfried-Stellen…;)
      Hagen von Tronje war mal wieder stärker…*grins*
      Hachhuch…ich hör lauter Wagner…diese Götter, die dämmern so schön vor sich hin, wenn es herbstelt.
      alles ist so toll theatralisch..

      Du hast formidable Zeilen gefunden.
      Ein wilder Gesell bin ich selber schon…es zieht mich in die Weite…Du hast es richtig erkannt.
      Die Fremdkörpergefühle sind verdichtet und somit beim Kuckuck, wo sie hingehören nach meinem Gusto.
      Alles andere wird zwar nicht weichgezeichnet, doch in mildem Licht betrachtet. Das schont die Augen und wirkt beruhigend.

      Von Nachtkind zu Nachtkind:
      Manche Texte fragen nicht nach Uhrzeiten.
      Frag mal Kafka….*grins*

      🙂

      viele liebe Grüße vom feechen

  2. Schutzengel sagt:

    die Gefühle, die erinnert werden,wollen leicht wie Luft sein…….
    liebes Feechen,
    der Prozeß des Abschiednehmens, der Verarbeitung des Verlustes, er nähert sich vermutlich langsam dem Ende zu…..möge es ein versöhnlicher Abschied sein…., nimm das Schöne, das es ja auch gab, an Gefühlen aus der Enttäuschung mit…..laß die Erinnerungsgefühle leicht wie Luft sein…….
    Ich habe gerade ein berührendes Buch „Abschied ohne Ende“ von Wolfgang Hermann gelesen, in dem er nach 13 Jahren den plötzlichen Tod seines Sohnes literarisch verarbeitet….schon der Titel ist wunderbar gewählt, denn in diesem Prozeß des endlosen Abschieds befinden wir uns ja alle….trotzdem unser Leben zu bejahen, Verluste hinzunehmen, ohne daran zu zerbrechen….. das müssen wir alle lernen……die Angst vor Verlusten verlieren….immer wieder werden wir vor solche Entscheidungen gestellt.
    Aus Deiner Trauer ist bisher ein wunderbarer Gedichtzyklus entstanden…er wäre einen eigenen Gedichtband wert.

    mit lieben Grüßen in Deinen Morgen
    bin ich Deine Karin

  3. karfunkelfee sagt:

    Liebe Karin, danke für Deine Worte.
    Abschied ohne Ende…das ist wirklich ein beeindruckender Titel,
    hat jedoch auch etwas zutiefst Verstörendes, ohne den Inhalt zu kennen und die versöhnlichen Worte zu finden, die das endlose Abschiedsbild entzerren und die Qual herausnehmen, denn es ist ein zweidimensionales Wortbild.
    Ein Abschied muss nicht unbedingt ein Ende bedeuten.
    Das sagt es auch aus, damit behandelte es den Zweifel der Endgültigkeit.
    Wichtiges Thema.
    Na, ja…
    …ich habe es auf meine Weise berührt und bin liebevoll und fragend damit umgegangen, wie es sein muss, wenn alles andere zuvor auch liebevoll war.

    Nun ist der Prozess abgeschlossen, die Akte wird zugeklappt und es wäre mein Traum, wenn es die (Akten-)Deckel eines Gedichtbandes wären…


    lieben Gruß und Dank,
    vom feechen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s