Deine Zeit

Bild

sieh nur Deine Zeit

wie sie geht

die linke Hand

den krummen Rücken stützt

die recht hält

die Sanduhr

in der 

Endlichkeit zerrinnt

während der zukünftige Wind

ihr die Jahrzehnte

aus dem Gesicht weht

 

sieh nur

wenn sie den Kopf dreht

um nach hinten zu schaun

kaum traut sie sich…

ihr Ausdruck wechselt

von glückselig bis bitterlich

in ihren Augen

spiegelt sich der Mond

während Sonne

all ihren Bewegungen innewohnt

 

sieh nur

wie sie ihre Falten streichelt

den samtenen Stoff Deines Lebens

wie er reich bestickt

ihre breit gelaufenen Füße

sinnlich umschmeichelt

sie büßen im Vorwärtsgehen

für jedes Stehenbleiben…

kaum beschreiblich

wie die Füße Deiner Zeit

gelitten haben

unter dem ständigen

Vorwärtstraben

 

sieh nur

Deine Zeit lächelt und weint

laut und leise

ein 

transzendentes Kind

allsehend allblind allweise

es weiß nicht wie alt es ist

noch kennt es selbst sein Maß

es heilt  Dich nur

wenn Du es vergisst

weil es Dich nie besaß

 

 

 

 

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12 Kommentare zu “Deine Zeit

  1. Maiks sagt:

    Hallo Fee, das ist mal wieder eins deiner Wortkinder, dass mich direkt berührt hat. Sehr melancholisch mit einen Glitzern von Optimismus und Wehmut.

    • karfunkelfee sagt:

      Das ist aber schön, Dich hier wieder zu lesen…:)

      Melancholisch…ein Glitzern von Optimismus…eine Glücksmomentjägerin.
      Das bin ich wohl…
      und ab und zu…
      muss ich meiner Zeit mal ein paar Zeilen widmen.
      die nimmt mich sonst nicht ernst…:)

      Ich wünsch Dir heute einen schönen Sonnentag!

  2. Meine mir zugemessene Zeit, ich kenne sie nicht, kann sie nicht beeinflussen, was die Vergangenheit anbelangt, muß ich sie annehmen mit all ihren Höhen und Tiefen, dem Glück, den Schmerzen, sie hat mich zu dem geformt, der ich heute bin. Sie vergeht viel zu schnell, denn meine Lebensspanne neigt sich dem Ende zu, auch wenn vielleicht noch 20 kurze Jahre vor mir liegen sollten….
    ja, in Deinem Gedicht ist viel Wehmut, Melancholie, aber auch Zärtlichkeit und Trost versteckt….
    Wortkind…eine schöne Wortschöpfung von Maiks….
    Deine Wortkinder sind zeitlos
    einen lieben Gruß in Deinen Morgen vom Herrenkind

    • karfunkelfee sagt:

      …und darum, liebe Freundin, ist es so wichtig, dass Du Deine Zeit auch vergessen kannst. Vielleicht so, wie Bruni es schrieb in ihrem schönen Gedicht, ein selbstvergessener Glückmoment, der kein Zeitmaß, keine Wehmut, kein Leid kennt….wenn er bloß nicht so schnell wegrennt….halt…HIERBLEIBEN! 🙂

      Wo wir wieder beim Goethe wären mit verweilenden Augenblicken, diesem Zueignungstrick (Ich weiß, dass mir nichts angehört, usw…etc. pp…), der eigentlich ein Enteignungstrick ist und dem ganzen Frustprogramm, das prompt um die Ecke schlurft, wenn der Glücksmoment verduftet ist, weil ihm die Alltagsumgebung nicht gefiel…

      es ist so wichtig, seine Zeit vergessen zu können
      denn mit Endlichkeit werde ich ständig konfrontiert, an allen Ecken und Enden, egal wo ich hinschaue, was geschähe mit mir, hinterfragte mein Blick jede Sekunde meine mir verbleibende Zeit? Ich würde zu einer Gehetzten…im allzu schönen kurzen Leben.
      Einen Glücksmoment hinterfrage ich zu keiner Zeit, weil alle Glücksmomente die Faszination der Unsterblichkeit in sich tragen und die leuchtet weit in die Zukunft voraus.

      20 Jahre?
      woher willst Du das denn wissen?
      Das ist völlig unrealistisch.
      In zehn Jahren ist die Forschung so weit, dass Du hundertvierzig werden kannst und dann hättest Du zehn Jahre Endlichkeitsdenken verpowert, obwohl es gar nicht nötig gewesen wäre.
      Ein Hoch auf die Stammzellenforschung UND die Geriatrie.
      Also…was sind das denn für Gedanken?
      20 Jahre…also nee…da wird der Fee…
      ja weh…ums Herz…
      …das wär ja…vorweggenommener Trauerschmerz…
      weioweh…
      …ich das nicht einseh…
      …nee…neee…..:)

  3. finbarsgift sagt:

    ist es nicht schön,
    was mann/frau
    im poetischen sinne
    alles mit der ansonsten
    ja so langweilig
    voranschreitenden
    zeit alles machen kann?
    wundervolles zeitpoem!

    • karfunkelfee sagt:

      ja, Lu…aber…hm…
      langweilig?
      Na ja..also ich kann mich nicht über Langeweile beklagen,
      wenn ich richtig darüber nachdenke…habe ich mich
      selten bis nie gelangweilt…dazu bin ich nämlich
      viel zu neugierig und stecke meine blöde Nase
      immer in Sachen, die ich garnicht wissen soll!

      Ich bin höchstens manchmal darüber traurig, dass ich nicht noch viel mehr Zeit habe, um lauter Dinge zu tun, für die ich einfach zu lange brauche
      für mein ungeduldiges Ermessen und es ist meine verflixte Lektion, endlich mal geduldig mit mir zu sein und zu versuchen, mich so richtig, aber wirklich herzlich richtig ….
      🙂 zu langweilen mit mir…und den anderen… 🙂
      so…booooooring….oh…je m’ennuie….:)))
      mich zu fragen, was ich bloß anstellen solle, damit mir endlich nicht mehr so furchtbar langweilig wäre…das ist so ein himmlischer Gedanke!
      klingt nach Entspannung pur…ich üb das aber und lese auch zur Sicherheit noch mal Momo von Michael Ende, den ich für einen unschlagbaren Zeitphilosophen halte…und überhaupt…aber na ja…

      Danke für Dein Lob.
      Mhmm….darüber habe ich mich natürlich wieder sehr gefreut. 🙂

  4. wenn die Jahre Spuren hinterlassen
    die in Falten und vielen Gebrechen stecken
    dann leben die Erinnerungen
    Sie richten manchmal den Rücken
    für einige Zeit
    nehmen den müden Füßen
    die schmerzenden Stellen
    und es geht wieder weiter
    solange es geht und der Wind
    nicht allzu eisig u.bissig weht

    Wie recht hast Du mit den Worten
    die Zeit lächelt und weint

    Glückselig ist sie und manchmal bedrückt

    • karfunkelfee sagt:

      …doch…ich verliere mich nicht in Erinnerungen…sie sind gewesen…
      sie sind trügerisch und weichzeichnerisch, ich darf nicht vergessen
      bei all ihrer scheinbar unvergänglichen Schönheit…
      dass es nur noch Hüllen sind, angefüllt mit Gefühlen und ob diese
      zu diesem Zeitpunkt wirklich genauso waren wie in der Erinnerung…
      ziehe ich auch in Zweifel.
      Aber egal…
      es ist schön sich zu erinnern und wie Du sagst, kann es tröstlich sein in Zeiten,
      in denen es nicht so viel gibt, das schön ist.
      Doch gleichzeitig suche ich dann schon wieder das Neue, das Unbekannte, die
      Erinnerungen an das Morgen.
      Sie riechen wie frische Wäsche. 🙂

      Danke für Deine schönen Zeilen…

      Lieben Gruß,
      von der Fee

  5. sich in Erinnerungen verlieren, passiert auch nur dann, wenn um Dich herum nichts Neues mehr passiert, liebe Fee. Ich denke, es ist am Ende des Weges so, aber nicht an einer früheren Stelle; es sollte jedenfalls da noch nicht so sein, denn beim Mittendrin passiert ja noch so viel im Lebensspiel, da rufst Du die Erinnerungen noch nicht ab.
    Ihre Zeit kommt viel später…
    Liebe lächelnde Grüße von mir

    • karfunkelfee sagt:

      oh, Bruni…ich bin so respektlos…

      also ich versuche mich gerade so in locker gefühlt 50 Jahren zu sehen:
      arthritisgebeutelt, gichtverkrümmt mit einem eigenen Frisör, weil ich mir die langen Zotteln nicht mehr selbst kämmen kann und einem breiten Lächeln im Gesicht, weil ich meine Enkelkinder gerade mal wieder zum Lachen brachte mit einem dummen Witz, denn ich könnte dann noch denken und wenn ich dann nicht mehr denken könnte, könnte ich mich vielleicht auch nicht mehr erinnern, außer…da war doch noch was….?

      Ehrlich?
      Der Gedanke, nichts Zukünftiges mehr zu haben, das mich umtriebe in irgend einer Weise, sei es gedanklich oder körperlich, nicht mehr neugierig zu sein und einen neuen morgen zu wollen, diesen Gedanken empfände ich als quälend…
      denn im ausschließlichen Erinnern findet sich die Stagnation und die Stagnation leitet das Sterben und den Abschied, die Abwendung vom Leben ein.

      ich erinnere mich ständig, unausgesetzt.
      an alles, an vieles, an manches schön, an anderes schlimm
      und das passiert im gleichen Maße wie ich nach vorn schaue..
      auf das, was kommt, wie geht es mir mit dem, was ich erinnere?
      kann ich das zukünftige besser nehmen, wo sehe ich mich vor?
      abwägen…
      zeitweise versinken in einer Sekunde erinnertem Glück
      zeitweise nicht denken, einfach fühlen
      Hände in die Sonne, Handflächen nach außen gedreht: pure Energie, geht bis in die Fuß-Spitzen! 🙂
      und dann wieder weiterlaufen…
      schauen, wo öffnen sich Türen
      wo schließen sich welche
      zwischendurch Pause…innehalten
      sich nach Menschen fragen…
      wie geht es
      Dir, Dir, Dir, Dir
      und Dir…..???
      Denen ein paar gute Vibrations wünschen.
      Weiterlaufen…oder sitzen oder stehen
      denken, planen – was ist zu tun
      oh, was Spannendes, das will ich wissen!
      Nachschauen…
      etwas sehen, riechen, spüren, schmecken
      assoziieren mit
      einem tiefen Blick, einer Nase Duft, einer Berührung, köstlich
      erste Assoziation
      ein wütendes Gesicht, eine Stinkbombe, jemand tritt mir auf die Füße, es schmeckt bitter
      zweite Assoziation
      aber erst das Schöne…
      und dann so zwischendurch
      die geht ein Tagesmoment
      ganz in die Tiefe
      und rührt dort an die alten Schlafenden
      die drehen sich dann manchmal um
      ein lauter Schnarcher
      und dann verlässt der Tagesmoment
      auf Zehenspitzen die alten Gründe
      und hofft, dass die Alten weiterschlafen
      bloß nicht wecken!
      leise sein…

      Erinnerung ist das gestrige Momentlebetum.
      Die Erinnerung an morgen soll Röte sein
      vor tiefem Blau.

      ach, schau…ein kleines Gedicht…Bruni…
      eine erinnernde Mehrsatzfluse – klingt völlig bekloppt, aber reimt sich auf:
      MUSE!

  6. *grins*
    Toll, Deine Gedankenkaskade
    und wenn
    Rotes Morgen in tiefstem Blau erstahlt,
    die sich erinnernde Mehrsatzfluse voll Wonne
    von gestrigen Sommern prahlt
    dann lächelt die Muse vom himmlischen Dach,
    alle Feengedanken purzeln herum
    und erinnern sich, wie´s damals war
    in ihrer Erinnerung… *lächel*

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