Marjettas Kalevala-Fragen

Bild
Bist Du Beere Leibesschwere?

ich will fragen und nicht klagen

bist du gar ein Königreich?

ich wills wagen, nochmal sagen:

bist du gar ein Königreich?

dich zu essen, wärs vermessen

bist Du rot und bist Du weich

bist mein kindlich sorglos leicht

schmeckst Du süß, wie Liebesgrüß

dein Genuss ist unerreicht

bist Du eine Preisselbeere?

wie gut, dass ich Marjetta heiß‘!

schon schmeck ich Deine süße Schwere

ach, dass ich nicht Marjetta wäre

weil ich es weiß                                                                                                                                  
weil ich es weiß…                                                                                                                              

mein noch ungeborener Sohn                                                                                                                        

kostet mich den Unschuldspreis                                                                                                                     
bis er einst besteigt den Thron.

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8 Kommentare zu “Marjettas Kalevala-Fragen

  1. finbarsgift sagt:

    ach meine liebe reimefee, was könnte mich mehr davon überzeugen, dass ich dort bei mir UNRECHT habe mit meinem kleinen artikel übers reimen in poemen als DIESE perfekten reimezeilen von dir, hier?!
    mit schmunzeln gelesen
    gleich mehrfach
    und öfters *lach*
    nun bin ich genesen

  2. karfunkelfee sagt:

    Lieber Lu…
    nix unrecht. Hier geht es doch gar nicht um Recht oder Unrecht, sondern nur um subjektives Empfinden. Du schreibst selbst Gedichte und Geschichten und Du kennst das:
    Du beginnst und es fließt. Manchmal gereimt und manchmal eben auch ungereimt. Müßig, sich den Kopf zu zerschlagen an Diskussionen, wie wichtig Reime seien oder auch nicht, oder?

    Sie sind Musik, und in jedem ungereimten Gedicht findet sich auch wieder Musik. Wortmusik, Rhythmen…die Dich mitnehmen in den Text, die Gefühle und Stimmungen transportieren, es ist Musik, die Du Dir vorliest, vorsingst oder einfach in den Gedanken fühlst.
    Und DAS und nichts ANDERES macht die Qualität eines Gedichtes aus, das technisch noch so versiert sein kann, wenn der Fluss nicht stimmt und Dich mitträgt, wenn der Inhalt nicht stimmt und Dich berührt.
    Insofern kann ein Kindergedicht Tiefe entwickeln wie ein großes Epos.
    Wichtig die Philosophie und die Wortmusik, die sie transportiert.

    Ich freue mich, lieber Freund, dass Du eben nicht absolut denkst. Das ist etwas, das ich sehr schätze….
    jaaaa….lass Dich überzeugen….denn ich mag Deine Reime! 🙂

    Liebe Grüße
    von der Fee

    P.S. Das Gedichtchen ist aus Gesang Nr. 50

  3. wundervoll sind sie, diese Worte
    schon alleine dieser Beginn:

    Bist du Beere Leibesschwere

    läßt mich fliegen in poetische Gedanken mitten hinein.
    Ein Gedankenstrom, der melodisch fließt und auch mal
    in Reimen sprießt *lächel*, wie es eben gut ist für die Zeilen,
    die sich beeilen und nie zu lange verweilen an einer bestimmten
    Stelle, sondern die sofort wieder zu neuen bildschönen Gesängen
    aufbrechen.

    Einen lieben sonntäglichen Gruß lasse ich Dir hier, Rabenschwesterchen, bärenstarkes 🙂

    • karfunkelfee sagt:

      Die Kalevala-Gesänge sind in der Tat wunderschön, wie ich finde. Und Marjetta ist das finnische Synonym zu unserer Maria. Nur, dass sie eben durch den Genuss einer Preisselbeere schwanger wurde und dann wurde es alles erst ziemlich schwierig, denn der zukünftige kleine König von Kalevala sollte ja abgemurkst werden wegen dieser Prophezeiung, na ja…also der Rest ist Kriegsgetümmel und Kabale und Liebe, wie meistens bei diesen Geschichten.

      Ich recherchierte sie vor ein paar Tagen, als mir jemand eine Preisselbeerfrage stellte und aber Preisfrage meinte und ich daraufhin wieder ein bisschen gebildeter war. Also hinterher. Nach Wiki & Co.
      Ich musste das Thema einfach verdichten.
      Zumal wir ja auch die Diskussion in Lu’s Blog hatten und ich es in diesem Zusammenhang spannend fand, etwas zu verdichten, das einer ganz strengen Versmaßvorgabe folgt, so, wie die Kalevala.
      (und das in finnisch!!!)
      Es war eine Herausforderung für mich, etwas Finnisches zu erfühlen im Lesen und dann ins Deutsche zu transportieren, zu versuchen, diese Musik, die den Gesängen der Kalevala innewohnt irgendwie zu tranportieren in meinem Gedicht.
      Dabei aber auch die Tiefe, klare Schönheit der Worte und das Gefühl zu entwickeln in der strengen Versvorgabe.
      Das war nicht so leicht und ich weiß auchj nicht, ob es mir wirklich gelungen ist, was ich wollte.
      Doch diesen Versuch war es mir wert und das Gedicht mag ich sehr.
      Also richtig in jedem Fall, wie gut es auch geworden sei.

      schauma:

      Das ist ein Auszug aus der Kalevala. In Finnisch und daneben die deutsche Übersetzung. Achte auf die alliterarische Musik. 🙂

      Mieleni minun tekevi,
      aivoni ajattelevi
      lähteäni laulamahan,
      saa’ani sanelemahan,
      sukuvirttä suoltamahan,
      lajivirttä laulamahan.
      Sanat suussani sulavat,
      puhe’et putoelevat,
      kielelleni kerkiävät.
      Werde von der Lust getrieben,
      von dem Sinne aufgefordert,
      dass ans Singen ich mich mache,
      dass ich an das Sprechen gehe,
      dass des Stammes Lied ich singe,
      jenen Sang, den hergebrachten.
      Worte schmelzen mir im Munde,
      es entschlüpfen mir die Töne,
      wollen meiner Zung‘ enteilen.

      Alles Liebe,
      mal etwas länger,
      von der rätselhaften Fee

  4. *großes Lächeln*
    Liebe Fee, da ich ein neugieriges Wesen bin, hatte ich genau diese Worte schon gefunden und mich darüber hergemacht, weil ich sie auch so unendlich gut fand. Ich wußte bisher nichts davon u. wurde durch Deine Wunderworte aufmerksam… Es war ein Text, der mich faszinierte und wie ich finde, hast Du dieses Thema außerordentlich gut und richtig bedichtet.

    Liebe Grüße von mir

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