Ich, Frosch (Für Reiner)

Für Reiner, der mir Antony Hegarty brachte, mich weiterdachte. Danke Reiner.

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sie sagen

es sei die wasserspannung

die frösche nicht verletzen

wenn sie über wasserspiegel

scheinbar schweben

als würden ihre haftscheibenfüße

die oberfläche

nicht einmal netzen

 

physik und biologie behaupten

anders funktioniere das nie

es sei naturwissenschaft

die wüsste auf alles ein wie

und warum und alles andere

zu glauben, sei menschlich

und  dumm.

 

ich sehe mein froschleben

als wunder

muss es nicht erklären

es würde meinem wunder

den zauber verwehren

wenn ich über die teiche springe

den klang des wassers unter mir

ich dem wagemut zur leichtigkeit

mein froschleben darbringe

nicht nachdenke

wie mir geschehen mag

in meinen froschtagen

seien sie auch

voll kummer und klag

 

macht es mich nicht klüger

im gegenteil

wenn ich es nicht sein lassen konnte

zu springen

wider mein besseres wissen

dabei zu vergessen

dass dieser tag diese zeit

dafür nicht günstig sei

ist dies, mir frosch,

manchmal einerlei

so spring ich dann doch

versinke drohe zu ertrinken

doch eben weil ich ein frosch bin

mit froschinstinkten

geb ich mich im vertrauen

dass schon alles gelingen werde

dem nichtwissenkönnen hin

 

kommt eine Zeit in der ich

weil der sprung eben nicht gelungen

aus der dunklen raunenden

tiefe meiner wassergruft

den bauch gefüllt

mit einem kleinen rest luft

gegen den wasserdruck

wieder nach oben streben muss

um nicht unten zu bleiben

mit schmerzenden lungen

weiter vor mich hinzuleiden

nicht aufgrund meines fehlsprungs

daraus zu schließen

dass ich nun verloren sei

mein leben aufzugeben

 

kannst du mich dann

mit den kleinen gliedmaßen

den fünffingrigen

auftrieb suchend

strampeln sehen

hin zum tageslicht

das sich von oben herab

sandhell leuchtend

in bewegten spiegelungen

auf dem teichgrund bricht

es lockt mich hoch

zieht mich zu sich hin

im licht findet ein

frosch wie ich einer bin

immer wieder seinen

lebenssinn

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5 Kommentare zu “Ich, Frosch (Für Reiner)

  1. Karin sagt:

    fein, Dich wieder an der Wasseroberfläche willkommen zu heißen, aber bitte nicht übermütig werden und gleich auf die Bäume klettern…wie der da bzw. vorher einen Schmerbauch ansetzen…. -:)))
    Fink und Frosch
    Auf leichten Schwingen frei und flink
    Zum Lindenwipfel flog der Fink
    Und sang an dieser hohen Stelle
    Sein Morgenlied so glockenhelle.
    Ein Frosch, ein dicker, der im Grase
    Am Boden hockt, erhob die Nase,
    Strich selbstgefällig seinen Bauch
    Und denkt: Die Künste kann ich auch.
    Alsbald am rauhen Stamm der Linde
    Begann er, wenn auch nicht geschwinde,
    Doch mit Erfolg, emporzusteigen,
    Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen,
    Wobei er freilich etwas keucht,
    Den höchsten Wipfelpunkt erreicht
    Und hier sein allerhöchstes Quacken
    Ertönen läßt aus vollen Backen.
    Der Fink, dem dieser Wettgesang
    Nicht recht gefällt, entfloh und schwang
    Sich auf das steile Kirchendach.
    »Wart«, rief der Frosch, »ich komme nach!«
    Und richtig ist er fortgeflogen,
    Das heißt, nach unten hin im Bogen,
    So daß er schnell und ohne Säumen
    Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen
    Zur Erde kam mit lautem Quack,
    Nicht ohne großes Unbehagen.
    Er fiel zum Glück auf seinen Magen,
    Den dicken, weichen Futtersack,
    Sonst hätt’ er sicher sich verletzt. –
    Heil ihm! Er hat es durchgesetzt.

    Wilhelm Busch

    es gibt noch ein Gedicht von ihm mit diesem Titel, das endet aber traurig……

    winterliche Sonntagsgrüße in Deine Klause

    Karin

  2. karfunkelfee sagt:

    Liebe Karin,

    Wenn ich nicht übermütig sein könnte, wäre ich nicht ich,
    sondern ein kategorisches Vernunftsgedicht mit kantigen Versen
    drum lass ich mich lieber von Wilhelm Busch belehren
    der die Welt liebevoll sarkastisch betrachtete
    durch eine karikativ durchdachte Nachtsichtbrille
    kleckst er freche bunte Bilder
    in meine
    schöne weiße resignative Stille
    wo ein Wilhelm Busch ist,
    fand ich schon seit immer Versöhnung
    und einen glücklichen Willen.

    Danke, Du.

    Lieben Gruß vom feechen

  3. finbarsgift sagt:

    klasse schmunzelpoem
    von karfunkelfeen

    und während ich immer wieder darinnen las
    stellte ich mir deine froschtätigkeiten für mich vor

    und dann sprang ich plötzlich über mich selbst hinaus
    direkt aufs hervorragende linke großohr

    • karfunkelfee sagt:

      Die Poesie der Frösche ist eine poetische, lakonische,
      dabei jedoch tief- und feinsinnige.

      Wenn mein Froschleben Dich zum Sprung reizt
      raunt das Wasser besonder schön.
      Und Basho lacht.
      Und Hagerty auch.

      🙂

  4. ein Fröschlein zu beobachten, macht großen Spaß, auch wenn es Dich neckt und nicht daran denkt, während Du ihm zusieht, auch nur einen einzigen winzigen Sprung zu riskieren.
    Drehst Du Dich um, da spingts in die Höhe und Du kannst es nur an der anderen Stelle bewundern in seiner grasgrünen WunderPracht, doch den Sprung selbst, wie hat er da über das Menschlein gelacht, den tat er im geheimen. Sein Geheimnis bleibt es alleine, wie er mit leichtem Gewicht und wässrigen Resten in seinem Gesicht nun wieder mitten im Licht sitzen kann, als säße er da schon wochen- und monatelang und hätte sich nie von der Stelle bewegt.
    Ein durchtriebener kleiner schlauer Kerl, der Bewohner des verwunschenen TeichReiches. Wie schön, daß Du mit ihm und über ihn gedichtet hast. Schmunzelworte hast Du gefunden und ich sehe mir meine Lieblingscollage an, von ihrer Majestät, Quaktus, dem Herrscher des Teiches. Er hat mir zugeblinzelt und wenn ich sein Quaken richtig deute, dann hieß es: Diese Fee möchte ich doch zu gerne mal kennenlernen. Sie würde verzaubert sitzen und jeden meiner Sprünge gebührend bewundern, nicht so wie Du, Bruni, Du hast mich hier an die Wand gehängt u. gönnst mir seit dieser Zeit kaum mal einen Blick…

    Ich bin froh über Deine Worte, liebe Fee, sie zeigen, daß Du weit und hoch gesprungen bist vom Teichgrund nach oben mitten hinein in des Lebens Sinn. Ein guter Sprung
    Einen lieben Gruß von Bruni, die schnell mal ihrem Froschkönig einen Blick gegönnt hat. 🙂

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