Melinas Schal

Bild

Es war Ende September; die Kraft der Sonne schwand mit jedem Tag, die meisten Bäume zeigten jetzt die ersten bunten Nuancen. Der Herbstmarkt lockte die Besucher in Scharen zum Fluss, an dessen Ufer sich die vielen bunten Stände präsentierten. Es lockte von nah und fern, überall klumpten Menschen in bunten Haufen, noch in Sommerfarben, andere schon wärmer angezogen im Hinblick auf kommende kühlere Tage, blieben stehen, schauten sich die im Wind klingenden Spiele aus Bambus an, probierten Ohrringe, tranken Kaffee, lächelten in die Sonne, gut gelaunt, selbst mit schreiendem Nachwuchs im Gepäck, es herrschte geschäftige Marktstimmung, jahrmarktsbunt, für jeden Preis etwas Kleines und Großes dabei und für die duft verliebten Nasen ein ganzer Stand nur mit Tee, mit Gewürzen, dazwischen der Geruch von rustikalem Leder, daneben ein Stand mit hochwertiger Bekleidung, es war für jeden Geschmack etwas zu finden, den Hunger stillten Stände mit landestypischen Spezialitäten, süßen Leckereien, es gab Suppenstände, Stände mit Gesottenem, Gebratenem, Chinesischem und Italienischem, wie die Mägen der Besucher es vertragen wollten.

Es ging ein leichter Wind der bereits oktoberkühl um die Schultern und zwischen den Füßen pfiff, zwei Arm in Arm eingehakte Freundinnen zog es die Budengasse Richtung Kaffeeduft hoch, sie wussten noch nicht so recht wohin, ließen sich einfach treiben von den Düften der Stände und genossen die herbstliche Stimmung, die Sepembersonne, die entspannten Menschen.
Melina fasste den Arm ihrer Freundin fester: „Da, siehst Du den indischen Stand mit den Schals?“
„Oh, Pashminas, ich verstehe…“, grinste Karola, ihre Freundin und äugte zu dem Stand hinüber, an dem ein kräftig gebauter beturbanter indischer Mann gerade damit beschäftigt war, einer älteren Dame mehrere Schals in leuchtend bunten Farben um den Hals zu drapieren.
„Komm, wir gehen mal hin zu ihm, ja?“, fragte Melina.

Die beiden Freundinnen steuerten, sich geschickt durch den ihnen entgegenkommenden Besucherstrom lavierend, den Stand mit den Schals an.

Er erinnerte beim Näherkommen an ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.
Der Verkäufer war in einen prächtigen Seidenmantel gehüllt, trug eine farblich perfekt dazu abgestimmte seidene Pumphose und an den Füßen Kalifenschuhe mit langen Spitzen.
Seine dunkelbraune Haut stand in starkem Kontrast zum Magentarot und Türkis des arabesk durchsetzten glänzenden Mantels und seine schwarzen Augen leuchteten, während er versuchte die ältere Dame zu überreden, einen der edel schimmernden Schal um ihren Hals zu kaufen.
Melina durchstöberte inzwischen die verschiedenen Ständer mit Schals, während Karola sich die jaquardgewirkten Seidenjacken auf der anderen Seite des Standes näher ansah.

Melina fand einen hinreißenden Schal. Die matt glänzende Maulbeerseide glitt durch ihre Finger. Das war wirklich hohe Qualität, seidenschwere fließende Haptik. Sie sah sich die eingewebten Ornamentiken näher an, achtete auf die Unregelmäßigkeiten im Muster, die ihr zeigten, dass es sich um handgefertigte Ware handeln musste. Neugierig suchte sie nach einem Preisschild.
Karola trat an ihre Seite.
„Oh, Mel, der ist ja umwerfend! Was soll der denn kosten?“
„Ich weiß nicht, finde nirgendwo ein Preisschild, doch egal wieviel, er wird wahrscheinlich mein Budget völlig sprengen im Preis…“, antwortete Mel traurig und suchte zwischen den anderen Schals nach einem Preisschildchen.
„Ach, Mel, lass mich mal fragen, vielleicht, schau mal, ich hab ein Preisschild gefunden, hier, das ist doch eindeutig eine Eins vor der Fünf, oder?
Karola deutete auf die verwischten Zahlen auf dem Preisetikett, auf dem tatsächlich ein Preis von 15 Euro zu stehen schien.
„Hier, auf diesem Schild, 15 Euro, also wenn ich es Dir sage, Deine Gelegenheit heute Deinen Traumschal zu bekommen, sei mal optimistisch und, warte mal….
…bitte entschuldigen Sie, Hallo…?“, rief Karola zum Schalverkäufer, der sich mit unwilligem Gesichtsausdruck von seiner Kundin abwandte.

Die ältere Dame lächelte, legte die um ihren Hals drapierten Schals ab und legte sie dem Verkäufer über den Arm mit den Worten, dass sie sich den Kauf doch lieber noch einmal überlegen wolle. Dann verließ sie den Stand.
Karola hielt den kleinen weißen Papieranhänger am roten Bändchen hoch und zeigte auf ihn:
„Entschuldigen Sie, aber kostet dieser Schal 15 Euro?“
Der Inder verlor sein Lächeln.
„Ich habe keine Schals für 15 Euro.“
Er war beleidigt, das war klar erkennbar an seiner ganzen Haltung und der Mimik. Außerdem hatte er gerade eine Kundin verloren.
„Danke, Karola, dass Du gefragt hast“, mischte sich Melina in das Gespräch ein.
Dann wandte sie sich an den Verkäufer:
„Sie haben sehr hochwertige Ware, sie sind aus Maulbeerseide, denke ich`?“
Sie schaute den Verkäufer fragend an.
„Ja Maulbeerseide, handgewebt und sehen Sie sich mal die Farben an.“
„Ja, dieser hier ist besonders schön.“
Melina lächelte und zeigte dem Verkäufer den Schal, den sie entdeckt hatte.
„75 Euro kostet dieser“, sagte der Verkäufer.
„Das ist ein Wahnsinnspreis“, entgegnete Melina, „wenn man bedenkt, dass es schwere hochwertige Maulbeerseide ist, „finde ich, Sie haben so gesehen, noch sehr günstige Preise für so etwas Schönes und Hochwertiges und ich kenne mich mit dieser Ware aus, weil ich schon so lange von einem solchen Schal träume, ich habe schon viele gesehen.“
Karola legte den Kopf auf die Seite:
„Sag mal, Mel, Du hast doch wohl etwa nichts vor, von dem ich noch nichts weiß? Eine Erbschaft gemacht, im Lotto gewonnen oder so etwas in der Art?“
Melina lachte.
„Ich kann ihn nicht kaufen, das ist hoffnungslos“, sagte sie und zuckte mit den Schultern.
„Leider kann ich es nicht, doch wenn ich das Geld hätte, würde ich nur bei Ihnen kaufen und zwar genau diesen Schal hier. Das müssen Sie mir einfach glauben und ich will ihn einmal umlegen, dann sind Sie mich los, darf ich das?“
Der Verkäufer stand einen Moment unschlüssig mit den Schals der Kundin auf dem Arm da, dann legte er sie auf den Tresen, wo sie als buntes Farbknäuel ineinander verschlungen ein wildes Muster bildeten.
„Warten Sie“. Er trat zu Melina.
„Sehen Sie mal, fühlen Sie mal, wie er fließt, wie weich er ist und der Farbverlauf, wie wundervoll er ist!“
Er legte Melina den Schal um die Schultern.
„Ihre Farben, aber so genau“, murmelte der Inder,
„türkis, kupfer, frühlingsgrün, rot, bringen schöne Farbe in Ihr Gesicht…“
Melina lächelte traurig.
„Glauben Sie mir, ich würde ihn so gern kaufen… glauben Sie mir bitte, meine Freundin hat auf Ihrem Preisschild die 1 mit der 7 verwechselt, aber tatsächlich hat sie sich auch darüber Gedanken gemacht, dass ich nicht mehr als 20 Euro im Portemonnaie habe, das ist es. Es hatte gar nichts mit der Qualität Ihrer Schals zu tun, dass sie Sie fragte nach dem Preis, sondern sie wünschte sich so sehr, dass ich mir vielleicht dieses schöne Stück hier hätte kaufen können, wenn er sich in so einem Preisrahmen befunden hätte, dass sie 15 Euro sagte, statt 75 Euro.“

Leute gingen am Schalstand vorbei, niemand blieb stehen. Sie interessierten sich für die anderen Dinge um sie herum, für den Keramikkunststand mit den Springbrunnenfröschen, den Rost-Skulpturen oder sie tranken Kaffee am Stand nebenan.
Niemand schien sich für den Stand mit den bunten Schals zu interessieren.
Nachdenklich rieb sich der Inder sein Kinn.
„Sie meinen, sie hat gefragt, obwohl sie es besser wusste?“
Er rollte das „R“ weit hinten im Gaumen, setzte sorgfältig jedes Wort wie ein Schriftsetzer.

Verliebt betrachtete Melina den Schal.
„Sie ist doch meine Freundin und sie macht solche Sachen, weil sie mich eben gern hat und genau weiß, wie lange ich schon nach genauso einem schönen Stück wie diesem hier suche und auch, wie erfolglos diese Suche bleiben muss, weil es in dieser Qualität nichts für mich Erschwingliches gäbe. Sie ist klug, ich glaube, sie weiß es.“
Melina grinste Karola offen an, die etwas hilflos zurückgrinste.
„Das ist aber ein sehr schöner Charakterzug“, hörte sie den Inder sagen, der sich immer noch nachdenklich das Kinn rieb.
„Wissen Sie, ich handele seit zehn Jahren mit diesen Schals. Ich lebe seit über vierzig Jahren in Deutschland und reise zwischendurch nach Indien, um die schönsten Pashminas zu finden und weil ich die Leute, die sie weben gut kenne, darf ich sie zu diesem Preis verkaufen. Doch eigentlich sind sie viel mehr wert. Sie haben halt kein tolles Label wie aus einer Boutique, doch sie sind Handarbeit von Künstlern, die von dieser Art zu arbeiten ihr karges Leben bestreiten, es sind Menschen, die diese schönen Stücke herstellen in langer aufwändiger Arbeit mit viel Geduld und hauchzarten Seidenfäden, darum knittern sie nicht, weil sie so weich sind, dass sie immer nur fließen wollen und das kann nur sehr hochwertige schwere gute Seide.“

Der Inder war ein wenig außer Atem gekommen, sein Turban zitterte und seine großen dunklen Augen glänzten verdächtig.
„Danke,“ sagte Melina, „dass Sie sich die Zeit nehmen, mir das alles zu erklären. Es wäre schon moralisch gesehen, nicht korrekt, wenn eine solche Ware zu einem solchen Schleuderpreis verkauft werden würde.
Es wäre ein Unrecht an den Leuten, die sie fertigen.“
Die bunten Schals an den Ständern bewegten sich im leichten Wind, erzeugten Farbreflexe, glänzten im Sonnenlicht.

„Wieviel haben Sie mit, sagten Sie?“, fragte der Verkäufer und rieb sich eine Stelle zwischen den dichten schwarzen Augenbrauen. Seine Stirn lag in tiefen Falten.
„Hm?“, machte Melina und sah ihn fragend an.
„Sagten Sie 20 Euro?“
„Ja, die habe ich. Und noch ein bisschen Klimperkleingeld, so um die drei Euro fünzig in Silber, Messing und Kupfer.“
„Sie haben sich wirklich in den Schal verliebt, oder?“, fragte der Inder und schaute Melina an, die gerade den Schal zurückhängen wollte auf den Ständer.
„Ich kann mir das eigentlich überhaupt nicht leisten. So groß ist meine Gewinnspanne nicht bei diesen Stücken. Sie wissen, was Sie in den Händen halten, ich brauche mich nicht zu verstellen vor Ihnen. Es ist 180 Euro-Ware, die ich zu einem Spottpreis von 75 Euro verkaufe und keine 23,50 Euro-Ware. Keine Frage. „
Karola fing sich einen strengen Blick vom Verkäufer ein.
„Aber die Absicht zählt. Stimmt das, was Ihre Freundin da sagt? Haben Sie absichtlich meinen Preis so klein gemacht, um ihr ein bisschen Hoffnung zu machen?“
„Hab ich gemacht“, seufzte Karola..“es war wirklich Wunschdenken.“
„Das finde ich gut.“, sagte der Inder.
„So einen Freund wünschte ich mir auch, der so zu mir wäre. Und wenn Sie es könnten, würden Sie Ihrer Freundin auch helfen, den Schal zu bezahlen?“
„Ja klar, das würde ich sofort“, rief Karola, zückte ihr Portemonnaie und holte einen Fünf-Euro-Schein daraus hervor. Dann schüttelte sie vor den Augen des Verkäufers das Portemonnaie, so dass er sehen konnte, das sich nichts weiter darin befand und hielt ihm den Geldschein hin.
„Mein Obolus, jetzt sind es schon 28,50 Euro!“
Melina lachte.
„Wir sind zwei arme Kirchenmäuse, sie hat schon Recht, wir müssen immer gut rechnen,
um unser Auskommen zu haben und da sind so hohe Ausgaben nun einmal leider nicht drin und es geht auch nicht, es wäre nicht gut, ich hätte kein reines Gewissen dabei, aber zu träumen, das erlaube ich mir!“

Der Verkäufer legte die Hände auf den Rücken und drehte eine kurze Runde auf den Schuhen mit den langen Spitzen in seinem Stand umher, einmal exakt in die Runde.
Er fasste wieder sein Kinn und legte den Kopf schräg.
„Wenn Sie wollen gebe ich Ihnen diesen Schal für 28,50 Euro. Ich bin wahnsinnig geworden.
Ich lebe von Luft und Liebe. Du meine Güte, hier bleibt doch keiner stehen…“
Melina schnappte nach Luft.
„Echt…?“
„Ja, echt“, kam es vom Verkäufer zurück, „es ist Ihrer.“
„Wow“, sagte Melina, „ich bin absolut sprachlos!“
„Ich auch, denn es ist schwer geschäftsschädigend, was ich hier mache!“
Das kam mit Verve vom Verkäufer, der sich mit den Händen nun durch die Haare fahren wollte und nur seinen Turban fand, der bedenklich auf dem Kopf zu schwanken begann.
Der Inder nahm das Geld und wünschte der glücklich strahlenden Melina noch viel Freude mit dem Schal, dann verließen die beiden Freundinnen eingehakt, Melina umwickelt mit der neuen Errungenschaft den Stand und mischten sich unter die Leute.

Am Glühweinstand drängelten sich viele Menschen, lachend, schwatzend und entspannt.
„Schau mal, Karola, siehst Du die Gruppe mit den Frauen da?“
Ihre Freundin nickte ihr zu.
„Da gehen wir jetzt hin und stellen uns in Hörnähe daneben, ich hab was vor.“
Nun schaute Karola sie überrascht an.
„Was?“
„Warte“, lächelte Melina, „ich habe da so eine Idee.“
Sie positionierten sich neben der Gruppe Frauen, die einander mit Glühwein zuprostend, in Hörnähe standen.
Dann wandte sich Melina laut und gut verständlich mit leuchtenden Augen zu ihrer Freundin:
„Also wirklich, das war ein Schnäppchen! Den gleichen Schal, den ich hier trage, sah ich in F. für 180 Euro in einer Boutique hängen, exakt das gleiche Modell!“
Die Frauengruppe vis-à-vis wurde etwas leiser und schweigsamer.

„Unglaublich, nicht? Schau mal, wie weich der ist! Und reine Maulbeerseide, das sehe ich genau, sie knittert kein bisschen!
Wenn ich das meiner Freundin erzähle mit ihrer Boutique, die kauft den Inder mit seinen Schals dahinten glatt auf und verschärbelt die Dinger für 180 Euro bei sich, ich schwöre es Dir, so gut sind die!“
Melina setzte gefühlte drei Ausrufezeichen hinter ihre Ansage.
Karola kommentierte nachdrücklich nickend.

Die Frauengruppe nebenan war nun aufmerksam. Die Köpfe drehten sich leicht in Melinas Richtung.
Melina machte unbeirrt weiter. Schwärmte über die unvergleichlichen Farben ihres Schals und pries an, wie wunderbar er im Sommer kühlen und im Winter wärmen würde, weil er aus Maulbeerseide gewebt war.
Karola flüsterte: „Sie hören Dir zu, mach weiter so, erzähl ihnen was von den Webern, den Künstlern!“
Melina gab wieder, was der indische Schalverkäufer ihr erzählt hatte.
„Darum sind diese Schals ja auch so teuer! Sie sind ihren Preis wert, was für ein Vorteil, sie nun so günstig erwerben zu können, was für eine Gelegenheit, ich freue mich wirklich sehr!“

Mittlerweile hatten sich zwei Damen aus der Frauengruppe verabschiedet, ihre Glühweingläser zur Pfandrückgabe gebracht und bewegten sich zielsicher auf den Schalstand zu.
„Mensch, Mel!“, lachte Karola, „das funktioniert ja wie geschmiert warm Brötchen! Aber Du schwindelst doch!“
„Nein“, entgegnete Melina, „ich erzähle Ihnen eine Geschichte, eine bunte und laute, doch ich lüge nicht, wenn ich ihnen erzähle, dass dies hier wirklich ein mehr als fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis ist, es ist ein Versuch…komm, wir machen weiter, hier gibt es noch mehr Leute, die unseren tollen Schal-Inder kennenlernen sollten.“

Sie verbrachten eine knappe Stunde damit, sich an den Plätzen zu positionieren, an denen viele
Frauen anwesend waren und Melina wiederholte jedes Mal ihren Text. Manchmal improvisierte sie ein wenig, doch jedes Mal brachte sie irgendwann irgendwen ein, der vorhatte, die Schals des Inders vom Stand allesamt aufzukaufen und für das Doppelte zu verkaufen.
Inzwischen war sie mutiger geworden und erzählte, dass ihr Vater mit Schals handelte, schon seit dem Krieg und ein indienerfahrener Globetrotter war.
Dann erzählte sie, ihre Mutter sei Inderin und malte den anderen am Stand ein pflanzenfarbiges Indienbild, das nach Curry und Mango-Chutney schmeckte, nach lehmiger heißer Erde in Dörfern roch, und es machte ihr Freude, wenn sie sah, wie interessiert die anderen zuhörten, spürte, wie ihre Neugier auf das Fremde und Exotische wuchs.
Der letzten Frauengruppe, die sie an einem Cappucchinostand fand, erzählte sie, indem sie es ihrer Freundin Karola erzählte, die interessiert lauschte, dass sie selbst in Indien aufgewachsen sei und Maulbeerraupen gezüchtet hätte und wieder tauchte am Ende der Geschichte jemand auf, der die Schals des Inders vom Schalstand vorhatte, der weiblichen Allgemeinheit zu entziehen und für sie völlig unerschwinglich zu machen.
Dieses Mal drehten sich zehn Frauen um und gingen in die Richtung des Schalstands.

Die tiefer stehende Sonne glitzerte über dem Wald und tauchte den Herbstmarkt in goldenes Licht, es wurde merklich kühler.
„Nach Hause? Hast Du endlich genug?“ lachte Karola übermütig und zog Melina fröstelnd am Arm.
„Komm, ach bitte, nur noch einmal nach dem Inder schauen, ja und…unauffällig, Karola…wir dürfen nicht auffallen, sonst fliegen wir nämlich auf.“
Die beiden Frauen pirschten sich hinter den Ständen entlang auf den Schal-Stand des Inders zu.

Dort drängten sich nun Menschen, es waren alles Frauen, manche mit ihren Männern an der Hand, zu zweit, allein, zusammengenommen stöberten um die fünfzig Frauen in den Schals herum und Melina erkannte, wie gerade eine jüngere Frau in schicker Kleidung dem Inder Geld in die Hand gab.
„Diese Frau kauft nicht nur einen Schal, sondern ein indisches Märchen gleich mit dazu“, flüsterte sie ihrer Freundin zu
„ und das alles zu einem wirklich unschlagbaren Preis. Das ist doch wohl ein Traum, oder?“
Karola lächelte.
„Komm mir noch moralisch, Du halbseidenes Frauenherz, wir gehen nach Hause!“

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s