Sir Percy

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Wenn du mich so ansiehst

mit den grünen Augen

denk ich an Baudelaire

an seine Katzenmagie

wie ich sie in dir finde

alter Herr

führst im Namen den Sir

denn du bist ein Vornehmer.

*

Dein Seidenweichfell

bisschen wirr

dunkelgraue Haare

in deinem Hell

zärtlich fahre ich

durch dichten weißen Pelz

dir gefällt’s.

*

Die subtile Eleganz

deiner minimalistischen

Bewegungen

anmutigen Gesten

führst du manchmal

nicht mehr ganz

nicht bis zu Ende aus

dann schaust du

mich traurig an

wie ein ehemals

behänder geschmeidiger

nun  alter Mann.

*

Dein Gesichtsausdruck

wandert peripher

über Schnurbarthaare

über die Augen

in deine Mundwinkel

wie Stromlinien

läuft dein Gefühl

über die Flanken

Richtung Schwanzspitze

irrwitzig wie ich dich

am ganzen Körper

in Schwingung  Zittern

in Bewegung sehe

wie du dich

dann hoheitsvoll

umdrehst

auf hohen Beinen

von mir stelzt

als wüsstest du genau

wie angenehm mir

deine Nähe ist

schönes Tier

*

Gestern kamst du

mitten in der Nacht

zu mir

batest wissend

um Erlaubnis

das dunkle Grün

deiner Augen

wie müdes Sommerlaub

um Wärme bittend

dabei sangst du

mir einen

heiseren weichen Laut

tief aus der Kehle

seelenvoll riefst du

lasziv und schief

wie alle Sirenen

dein Körper Spannung

Anlauf nehmend

dich sicher wähnend

dass dein unerhörter Wunsch

mich nicht stören könne

dass du dieses Spiel

um Wärme

sowieso gewönnest

du schautest mich an

als würdest du

mich schon lange kennen

ich kann es nur

Katzenmagie nennen

dachte wieder an Baudelaire

den alten  Schwerenöter

lüpfte die Decke

unter der ich mit dir

aneinandergekuschelt

nun zusammensteckte

*

du träumtest und maunztest

rauntest mir

eine zufriedene

Sinfonie ins Ohr

schnorcheltest im Schlaf

ich zählte mit dir

Schmetterlinge statt Schafe

zuckte die Pfote

schlug der Schwanz

plagte dich der Bauch

auch wieder

du jammertest ein wenig

strecktest lang die Glieder

lächeltest in

traumverlorener Wonne

um dein Maul

eine Schnurbarthaarsonne

*

Wahrhaftig mystisch

würdevoller Katzenmann,

wie du sein kannst.

*

Als ich fortgehe

schaust du mir

länger nach

ich

Mensch

singe für dich

Katze

in deiner Sprache

in deinen Tönen

Hörst du sie?

sie erzählen

von meinen

Erinnerungen mit dir

von diesen schönen

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4 Kommentare zu “Sir Percy

  1. Wolfgang sagt:

    Wie schön, liebe Karfunkelfee, Du singst für ihn und er genießt es. 🙂
    Ich selbst wäre viel öfter mit Katzen zusammen und würde ihre Nähe und ihr weiches Fell genießen… wenn ich nicht so allergisch darauf reagieren würde.
    LG von Wolfgang

    • karfunkelfee sagt:

      Katzenallergie?
      Ach, je…das ist übel.
      Meine Tante hatte auch eine Katzenallergie.
      Aber sie hatte auch eine Katze.
      Lieber nahm sie dieses Asthma-Spray, als dass sie auf Sunny, ihre Katze, hätte verzichten wollen.
      Ich niese nur im Juli, wenn die Gräser blühen, mein Heuschnupfen wurde immer schwächer
      über die Jahre, als Kind hat er mich ganz schön gequält.
      Vielleicht bestünde im Fall Deiner Katzenallergie auch Hoffnung?

      LG von der Fee

  2. Karin sagt:

    Gutes Miii-Maunz, liebe Be-Dichterin,

    schnurrrrrrrrrrrr…eine Ode auf mich…habe mit wohligem Schnurren interessiert zugehört, als sie mir eben vorgelesen wurde.-:))))

    die Sanftheit, die Friedfertigkeit wurde mir schon in meine Katerwiege gelegt als ich unter dem Sternzeichen des Krebses geboren wurde….ich kann keiner Fliege, keinem Vogel etwas zuleide tun, bin ein Pazifist unter den Katzen…..lediglich die Beharrlichkeit der Belegung der stets wechselnden Ruheplätze, vornehmlich die des anderen männlichen Wesens hier im Hause, ist mir zu eigen. Ich teile mein Futter mit den Nachtschnecken, die sich im 4. Stock in luftiger Höhe angesiedelt haben, die Wespen speisen mit, wenn sie ihre Fleischphase haben und meine nächtlichen Kurzbesuche …meist auf dem Bett…unter die Bettdecke gehe ich nicht gern…..hast Du gespürt….zwar erfolgen die laut Protest der sonstigen Bewohnerin dieses Zimmers, in dem Du nächtigstes, immer zu sehr unchristlichen Zeiten so gegen 5.00 Uhr morgens, , aber eine Unart muss ich ja auch haben. ….und ich belohne sie ja auch meistens mit einer ersten morgendlichen Katzenwäsche….

    mit einem Dankeschön an Dich verabschiedet sich mit Dauerschnurren und meinem Miiiiie (au kann ich nicht)

    der wie die Besitzer auch schon Oldie Sir Percy

    • karfunkelfee sagt:

      Wie Percy es versteht, das „Au“ in der Kehle zu lassen, verlangt mir allen Respekt ab,
      er jammert nicht, selbst, wenn ihm ab und zu etwas weh tut.
      Konsequenterweise lässt er das „Au“ von Mi-Au weg, das ist gelebte Disziplin en detail par excellence.
      Ein feiner Herr beklagt sich nicht, der leidet diskret.
      Doch Percy kann ja noch viel mehr als nur Mi-Au, er singt Lieder und zieht dabei die Töne werweißwohin.
      Vielleicht ist es seine Friedlichkeit mit Souveränität gepaart,
      die mich immer weich werden lässt, ich könnte ihm vermutlich garnix abschlagen.
      Gut, dass Du das Frauchen bist. 🙂

      Danke, dass Du einige praktische Details ergänzt hast, die ich mir in meiner dichterischen Freiheit
      zugunsten euphorisch vergeistigter Schwärmerei schnöderweise verdrückt habe, doch dass in seiner Katzenbrust
      das Herz eines echten Ritters mit Furcht, aber sonst wenig zu tadeln steckt, sieht man ja schon.

      Die Ode war überfällig.

      Lieber Percy, gib mal Köpfchen, ich grüße Dich herzlich,
      Deine verzauberte Fee (eigentlich bin ich eine süße Katze….)

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