Augenblick

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Einsamer Blick

in den Spiegel

mancher Gedanke

fließt vereinzelt

in vergangene Jahre

zurück

wie die waren

in Wochen, Monate,

Tagen, Stunden, Minuten

akribisch gegliedert

aufgestückt in die

schlechten guten Fragen

immer wieder sie

Endet das nie?

im Blick

in neutrale Spiegel

bist du allein

mit deiner Physiognomie.

*

Hinter älterer Reflektion

überjähriger Haut

bist jedoch

unverkennbar du es

fremdvertraut

wenn du dich

genau anschaust

das was jung bleibt

will noch deine Mimik

beschreiben bestimmen

deinen Launen trauen.

*

Über Augenschatten

schwere müde Lider

dahinter ruhelos lebendig

dein ewiger innerer Tanz

er macht

dass du dich

im tiefengeschärften Blick

in den Spiegel

manchmal verzerrt

manchmal teilweise

erkennen kannst

selten nur

scheinbar ganz.

*

Da Augen, Mund,

der Körper

scheint bis auf ein paar

Versehrtheiten

noch leidlich gesund

da dein Lächeln

unvollbracht

die Augen haben

nicht mitgemacht

sie waren beschäftigt

im Innen

nach deinem

Kind zu suchen

nach Lug und Trug

klugen Erkenntnissen

im Wissen

dass sie

zu einem

kleinen Teil

ahnungslos bleiben müssen

eilen sie

ohne Verweildauer

zum nächsten Bildaspekt

in der Hoffnung

sie würden erweckt

gleichzeitig

der Befürchtung

sie verlören

an einer Stelle

für sich selbst

den Respekt

Seelenspiegel

deine Augen legen

auf dein Herz ihr

Gütesiegel

wiegele sie

besser nicht

gegen dich auf

*

es sei denn

du nähmst

den Schmerz

den die Wahrheit

manchmal

mit sich bringt

wenn auch widerwillig

doch dennoch in Kauf

im klaren Blick

auf ein

unwiederbringliches Glück

untröstlich

scheinendes Ziel

bedeutet ein Erkennen

der Richtungen

manchmal Schmerz

du ringst um das

Lächeln in deinen Augen

kein leichter Kampf.

*

Bis wieder einmal

die Scheibe deines Spiegels

beschlägt

vom warmen Atemdampf.

 

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4 Kommentare zu “Augenblick

  1. Karin sagt:

    Du greifst das Thema aus einem anderen Blog auf, hast es für Dich verdichtet…..immer ist es der äußerliche Blick auf uns, dem wir standhalten müssen, dem der Anderen auf uns und viel schwerer, dem eigenen Blick….die Augen verschließen, die Augen zumachen…beliebte Redewendungen…….
    vor uns selber bestehen, denn der Blick in unser Inneres….der ist ja viel unbequemer, das was verborgen ist, nicht äußerlich sichtbar, das Dunkle, Schwarze in uns, das wir so gern verbergen wollen….., das Helle verbergen wir kaum…..auch die Einsicht, das wir nicht diejenige, derjenige sind, den wir so gern sehen wollen……Ich ist ein Anderer ..hat schon Rimbaud festgestellt, zwar auf die Kunst bezogen, aber es gilt auch allgemein….
    Du meinst, die Wahrheit schmerzt? Nicht unbedingt….Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sich selber gegenüber sind Zeichen des Willens, sich ungeschönt zu sehen. Schmerz tritt m.M. nur ein, wen ich mir etwas vorgemacht habe…der Blick in den Spiegel war vorher beschlagen…..
    Ludwig hatte in seinem alten wunderschönen Blog das Motto des mono no aware….der traurigen Vergänglichkeit der Dinge…..diese Melancholie, die in allem steckt…aber: trotzdem kann ich mir treu bleiben, in meinem realistischen Blick auf mich. Sich ungeschminkt sehen…..es muß nicht traurig machen….der Mensch dahinter ist wichtig, der eigentlich einzigartige Mensch der ich bin…mit meinen Schwächen und Stärken…..
    klingt alles so wahnsinnig vernünftig…was ich da schreibe…..aber das Umsetzen fällt natürlich auch mir manchmal schwer -:)))

    • karfunkelfee sagt:

      Danke dafür, wie Du Dich mit meinem Thema auseinandersetzt. Du weißt ja, wie sehr mich manche Texte anrühren und bewegen, wie es mich weiterdenkt.

      Die Vernunft ist der Hüter der geliebten Träume.
      Die geliebten Träume sind für manchen ein starker Antrieb, darum pflegt er sie hingebungsvoll, verklärt sie und weint, wenn ein Traumschaf stirbt. Die Vernunft ist der strenge besorgte Hüter der Herden, dessen Wohl davon abhängt, wie gut er seine Tiere hegt und pflegt.

      Wie könnte ich es noch beschreiben, ohne es rechtfertigen zu wollen? Mentale Schwäche als der menschliche Makel, das schwache Fleisch versus Geistpower.

      Lieben Gruß von Deinem feechen

      P.S.: Standing on a street corner waiting for no one is power.
      (A. Ginsberg)

  2. finbarsgift sagt:

    den menschlichen makel
    haben wir alle…

    und wir hüten ihn übermächtig,
    das ist unser großer fehler…

    liebe abendgrüße
    vom lu

    PS: beeindruckende Poesie,
    die du seit einiger Zeit nun wieder
    veröffentlichst *Chapeau*

    • karfunkelfee sagt:

      Auch der Hüter der Herden (denk an Pessoa…) darf nicht den Fehler begehen,
      sich als Schöpfer zu wähnen. Der Hirte ohne seine Schafe ist nichts.
      Die Schafe sind ohne den Hirten verloren und orientierungslos.
      So partizipieren beide symbiotisch voneinander.
      Und beiden ist im besten Fall gedient.
      Das Bestgehütetste, das Wertvollste ist auch gleichzeitig
      das Verletzlichste.
      Hütet der Hirte zu absolut, zu hartherzig auf Besitz ausgerichtet
      im alles und nichts gleichzeitig erfassenden Blick seine Schafe,
      nimmt sich keiner einzelnen an zwischendurch,
      klammert sich einzig an Anzahl und Größe der Herde,
      wird er immer Verlust erleiden, Krankheiten nicht erkennen,
      verlorenen Tieren keine Zeit geben können, sie zu suchen,
      sie wiederzufinden und ihren Krankheiten keine Beachtung schenken.
      Die Sterblichkeit seiner Schafe wird hoch sein.
      So geht das Wohl der einzelnen auf das Wohl von allen.
      Niemand hat mehr etwas davon.

      Dein P.S. hat ganz schön Power!
      Da hab ich mich aber drüber gefreut!
      Mannomann…:)

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