das taktische Schweigen

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schlimmer als schläge

furchtbarer als drohung

nachhaltiger als  folter

beklemmender als ein verlies

gewalttätiger als jedes wort

– dein schweigen –

drückt deine abneigung

gegen mich aus

es ist dir geglückt

dass du mir deine

verachtung zeigst

wie fühlst du dich dabei?

mein leid scheint dir einerlei

du redest mit jedem

bloß nicht mit mir

ich fühle mich

zum stummsein verbannt

abgewandt degradiert

stilisierst du

jedes weitere wort

ohne bestand

zur unüberwindbaren hürde

du nimmst mir meine würde

gibst  mir

zu verstehen

würdest mich

nicht sehen wollen

ich bin dreck

für deinen respekt

alles was war

scheint

in meinem sollen

wegzutreiben

in deinem

taktischen schweigen

deinem mich

zu nichtstunkönnen

verdammenden wegneigen

als sei ich ein geist

von dem du nicht

mehr wissen willst

wie er heißt

du missbrauchst

das schöne schweigen

wenn du mich

damit strafen willst

ich weigere mich

dass du an mir

deine höchstpersönliche

richterpflicht erfüllst

deine erzieherischen

ambitionen stillst

deine erwartungen

zwingenringen

nur dich, nicht mich

angesichts deiner

unheilschwangeren mimik

deinem theatralischen gebaren

drehe ich mich weg

denn das,

was wir einander waren

war auch im schweigen

vertraut und frei

und es konnte sich>

alles sagen.

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11 Kommentare zu “das taktische Schweigen

  1. Faktoid sagt:

    Ich hoffe sehr, dass dies frei von Anlass geschrieben wurde…

    • karfunkelfee sagt:

      Aber ja.
      Frei von Anlass, nur nachdenklich, mich an früher erinnernd.
      Deine Texte bewegten mich, brachten mich ans Nachdenken.
      Unter fremden Schweigen habe ich sehr gelitten, je näher die Person, die es auf mich
      ausübte, mir stand.
      Ich habe Wege gesucht, mich von diesem Leidensdruck zu entziehen, der ja auch nicht produktiv ist,
      zu nichts führt.
      Einen davon verdichtete ich, angeregt durch Shaws Aussage über das verächtliche Schweigen
      und die verschiedenen Stimmen dazu.

      Du likest mich gar nicht mehr….hm…:(
      Bin ich so schlecht geworden…? 😉

      LG,
      die Karfunkelfee

      • Faktoid sagt:

        Dafür hab ich kommentiert 🙂 Als Geringschätzung war das nicht gemeint

      • karfunkelfee sagt:

        Ui, Du rechnest ja knallhart, zackzarapp, die Likes sind knapp, die Kommentare auch, ich like und kommentiere frei nach Gefühl aus meinem Bauch. 🙂

        Geringschätzung?
        Ih, pfuibah.
        So ein hässliches Wort.
        Das Bau ich nur in unzufriedene Texte ein und wenn ich Amtspersonen aus der Reserve holen will.
        😉

      • Faktoid sagt:

        Dabei war von dem Wort, dass nur bei Unzufriedenheit erwähnt werden kann, gar nicht der feine Text zum Schweigen gemeint 🙂

      • karfunkelfee sagt:

        …hab ich mir schon gedacht. 😉

        Geringschätzung ist
        kein schönes Wort.
        Klingt eher
        wie ein Prüfungsort,
        bitterspitze Splitter
        zitterzitter
        nach nie
        irgendwie
        nach Gemeinsein
        dünner Suppe
        dem Gegenteil von
        einer Gruppe
        Allesegal und Aktenstaub
        geht mich nichts an
        und welkem Laub
        vertraue darauf
        was ich selber glaub,
        schau,
        was gäbs dazu zu sagen,
        läge wem da was im Magen,
        hätte wer da was zu klagen?
        Spekulationen zu verjagen?
        sollte ich es
        dennoch wagen
        freundlich einfach
        nachzufragen
        denn hinter
        Bangebüx und Pflicht
        steht hell und licht
        der Klarheit Schein
        macht ein freundliches Gesicht
        und will was Nettes sagen.

        🙂

      • Faktoid sagt:

        Keine Fragen.
        Hab nichts mehr zu sagen,
        nicht an diesen Tagen
        an denen eng mein Kragen.

      • karfunkelfee sagt:

        Bin fleißige Leserin und weiß nur zu gut, eigentlich heißt es:
        Alles wird Mut.

        🙂

  2. finbarsgift sagt:

    mit großartiger, geradezu kosmischer Macht, gar Wut geschrieben,
    absolut brillant!

    • karfunkelfee sagt:

      Duuu…wenn Du „kosmisch“ das s klaust, dann wird es kooomisch.
      Und das ist eine gute Medizin gegen einen Wutbauch.

      Stimmt. Ich hab ganz schön Position gegen das taktische Schweigen bezogen, weil ich ein solches Schweigen als Missbrauch wahrnehme und gegen solche Instrumente, die die Zuneigung füreinander ausnutzen für welchen Zweck auch immer, ganz klar eine Oppositionshaltung vertrete.
      Jemanden lieben bedingt, auch die Unvereinbarkeiten annehmen zu können unter dem Vorbehalt einer eigenen Meinung.
      Konfliktwille, sich mit der Ansicht des anderen auseinanderzusetzen, setzt Interesse am andern grundsätzlich voraus.
      Das taktische Schweigen signalisiert das Gegenteil, es hat etwas Absolutes, Verächtliches, Verdammendes und Unzugängliches.

      Danke für Dein Lob…
      tat gut…:)

  3. Liebe Fee, was sind sie gut, diese Zeilen
    und ich stimme Dir zu, denn
    wie schlimm ist das stumme Schweigen,
    elendes Schweigen,
    das Dich ignoriert und in Dosen konserviert
    schweigende Stille, grausamer Wille

    kein einverständliches Schweigen, wohltuendes und liebevolles
    kein begütigendes
    sondern nur grenzenlos frostiges, eisig wegschauendes Schweigen

    das niederschweigt, bis Du nichts mehr sehen und hören willst
    von diesem ach so unendlich traurigmachenden Schweigen

    nach ehemals freudig singenden Geigen…

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