Vorsätzliches (Sylvester 2013)

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Ich wünsche allen meinen Blogfreunden einen guten Rutsch in das neue Jahr 2014!

 

Keine Pläne machen – offen nach allen Seiten um mich blicken.

Kleine Schritte, eins, zwei, drei…

Keine Lächelbilder!

Keine ängstlichen Mäusegedichte.

Satiren, Humoresken, Grotesken, egal, Hauptsache, es lacht herzlich dabei.

Tragödien sind nur als klassische Dreiakter erlaubt und auch nur, wenn es ein Happy End gibt, dieses darf jedoch auch tragisch und patethisch sein, denn das Leben ist zu kurz für Knäckebrot.

Madama Melancholie eine neue schwarze Federboa kaufen und zärtlicher zu ihr sein, sie ist eine Muse.

Till Eulenspiegel endlich verzeihen.

Reime dezimieren, Schulung auf allerhand ungereimtes Zeug.

Vorbehaltlosigkeit anstreben.

Es mir unbequem machen, wenn es darum geht, mir Fremdheit und Andersartigkeit vertraut zu machen.

Mehr nach draußen gehen, regelmäßiger.

Mich auf Fremde einlassen, ihre Menschlichkeit, ihre Masken.

Endlich den Warp-Antrieb reparieren und dieses Fischgedicht schreiben.

Mir Verrücktheit zu gestatten, der Vernunft auf die Pelle rücken.

Weiter Mutpunkte sammeln in Stolz- und Eitelkeitüberwinden.

Leibesertüchtigung in jeder Beziehung, Disziplinarisches, seelischer Verwaltungskram mit

Fristenreitern vor Speckrollen um die Hüften.

Soul Food: Genuss, wo, wann immer was geht und möglich ist.

Widersprüche in Kauf nehmen.

Mich in Kauf nehmen, wie ich bin, weiterlernen dabei.

Nicht immer die Zehen zu verkrampfen, wenn ich nachdenke.

Noch neugieriger werden auf Mensch und Welt.

Mit mir selbst die Zukunft wagen – ohne Rückversicherung und doppelten Boden.

Meinen Kindern eine gute Mama dabei sein.

Endlich diese lästigen Näharbeiten zu erledigen und die Küchenschublade aufräumen.

Juliette Gréco mal wieder hören, Joe Dassin, Jacques Brel und barfuß dazu tanzen.

Im Leben frei zu testen, was geht, dieses unbedingt spüren wollen.

Mir gerade dann meiner Gefühle sicher zu sein, wenn sie abwesend sind.

Mir die Angst vorm schwarzen Mann austreiben.

Alles, was dann noch an Angst übrig bleibt, ablieben und verabschieden.

Mir Bildungslücken gestatten und auch, sie zu füllen.

Noch mehr lächeln, lachen.

Mir Albernheit zugestehn.

Reisen, wann immer es möglich ist, neue Orte erkunden, neues literarisches Land erobern.

Unsicherheiten nachspüren, Mrs. Watson sein wollen und der Logik ein Bach-Requiem pfeifen.

Endlich den Aufkleber wiederfinden: Ich mag keine Klugscheißer! und ihn mir vor die eigene Stirn pappen.

Den Texten in mir Richtung, Weg und Ziel geben, neue Musen suchen.

Der Liebe keine Kletten mehr in die Haare werfen, nicht mehr ihren Lippenstift verstecken und ihr nicht mehr dauernd die Bonbons klauen: Mea maxima culpa. Ja. Ich war das nämlich….

Dem Denken auch Entspannung und Schlaf gönnen, Wolkenbilder verdichten und die meteorologischen Kenntnisse verbessern, auf Wiesen meditieren, das Nichts küssen.

 

 

Nichts wollen und dabei alles träumen, was möglich sein kann.

Das will ich.

Vorsätzlich.

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Traum des Androiden (Gedanken an Rick Deckard)

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ich träume, ich will schlafen.

ich träume von

elektrischen schafen

sie springen über

gatter und zäune

ein jedes trägt dein gesicht

keins wirft einen schatten.

die lichtlose nacht

ich träume vom

gewicht des himmels auf

verbrannter erde

dass vorwärtsrennen

ein ziel wäre

die untergehende sonne in

blutigen schwären

die sich

in nächtlichem dunkelblau

langfingrig verzehren

*

ich träume

ich sei outer space

unter mir die blaue

schwebeerde

um mich herum sterne

galaktisches treiben

darin ich zwischen

den springenden

elektrischen schafen

die alle dein gesicht tragen

mit geschlossenen augen

sie träumen wie ich

von grünen weiden

diese seltsamen schafe,

ich kann sie gut leiden.

Orpheus (Mai, 2004)

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Deine Unterwelt trägt kein Schwarz
sie hüllt sich in bürokratisches Einheitsgrau
durchsetzt von nach Sonne schreiendem Grün
die Seelen der Toten
streifen deine müden Augen nur
und pumpen dein melancholisches Herz
mit gesichtslosen Floskeln voll
du singst die Forelle an
sie kostet viel zu viel
teures Katzenfutter
zum Trost schenkt sie dir ein paar glänzende Schuppen
in die du dich hüllen kannst
zum Schutz gegen die Kälte im Totenreich
in dem Charon dich abzockt
auf dass du ewig U-Bahn fahren musst
was nutzt dir da die Harfe?
du erweichst das Herz von ein paar Freaks
sie schenken dir eine Handvoll Cents
nun kannst du endlich die Katze füttern
du kotzt der Menschheit
ein paar Gedichte vor die Füße
sie handeln von Liebe
doch der Typ dir gegenüber
versteht nur Sex
und kann die Augen vor Geilheit
nicht von dir nehmen
den Frauen von Lesbos sind Schwänze gewachsen
mit denen sie dir
das Fleisch von den Knochen peitschen
Eurydike geht mit Hades ins Bett,
während dein entfleischter Kopf
unbekannten Gestaden entgegentreibt
du denkst an das Katzenfutter
das Universum krümmt sich weiter
in unendlichem Weltschmerz
nährt sich von den Geschwüren
menschlicher Geringschätzung
und Katzen
fressen schließlich auch Gehirn

sie wird nicht verhungern

treibholzstudie

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du bist sehr leicht

holzfliegengewicht

vom ostseestrand

in meiner hand

ausgeblichen

rissig und spröde

ausgetrocknet

von meersalz

dein erster anblick

vermittelt den eindruck

einer einöde

wie weit triebst du?

treibholz

spricht zweigsprache

widerzwiesprüchlich

paaren sich astgabeln

auf deinem hellen rücken

staken spitzig

wo das wasser

dich brach und wieder brach

doch irgendwie zusammenhielt

in porösen strukturen

meereskunst

es wurde aus erde

eine wassernatur

wer oben bleiben will

muss sich leicht machen

wer treiben will

dem wellengang überlassen

hattest, du, holz, hoffnung

eines tages zurückzukehren

trauerst um deinen baum

beseeltes holz

fielst weit ab

vom mutterstamm

ich kann dich sehen

weiter hinten

auf einem wellenkamm.

Mein Engel

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<

wenn ich

dich nicht hätte

einsam wandernd

in dunklen dünentälern

du mein quell,

mein speis‘

mein trank

 

in  sternstunden

bereitet deine zeit

mir ein gutes lager

will ich

in geborgenheit

gebettet sein

flügelbrochen

unausgesprochen

die wankelmütigkeit

der welt

die uns

wie sie auch sei

zusammenhält

manchmal ist das

himmlische licht

zu grell

für unsere

nachtverliebten

verträumten augen

der frieden schläft

unter wüstensternen

dem kreuz des südens

tiefuntersand

mit den alten propheten

im heiligen land

er ist hart erkämpft

über vielen Kriegen

zu wenig siegen

waffenstillständen

mit verbundenen augen

gefesselten gliedern

den verdrängten liedern

doch jeder krieg

sagst du

wird eines tages enden

dein engellächeln

kindlich wissend

behütet von schlaf

in meinen

menschlichen händen