Vom Stolz

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Stolz, der Diener der Erwartung,
errichtet Festungen, Bollwerke, hohe Mauern,
es gilt zu schützen
das hoffende,
das sehnende
gegenwartsblinde Kind.

Stolz ist essentiell
wie zu dünnes Blut
heißkalt des Herzens gerinnungsarme Glut,
die formt den Stolz
so rot wie Wut
starr fundamental
exemplarischer Mut,
hart wie Kruppstahl.

Stolz ist das Glück
der erfüllten Hoffnung
im verklärten Sinn,
denn genau betrachtet
führt Stolz
zu seinem Herrn,
der Erwartung hin,
fokussiert
auf sich selbst,
stolz auf das
was er schützt,
wenn es seinem
Wachstum nützt.

Stolz,
ergebenster kriegerischer
Diener des Anspruches,
dem hochwohlgeborenen Herrn.
Wer könnte sich
dieser Eitelkeit erwehren,
denn auch sie,
die Sichselbstimmerzugewandte
ist aus Anspruchs Sippe
eine liebe werte Tante
es gibt noch mehr Verwandte, lauter alte Bekannte von Stolz.

Stolz ist ein Krieger,
einer der sich selbst
beweisen muss,
Schwäche bereitet
ihm großen Verdruss,
Härte erbietet
Stolz willig und diszipliniert,
als guter Soldat,
den Fahnengruß.

Ein weher,
ein verletzlicher Gedanke
ist es stets,
der Stolz gebiert
eine zarte Hoffnung,
die verloren aufgegeben
hinter Stolz
langsam krepiert.
hoffnungslos
wohin Stolz führt.

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7 Kommentare zu “Vom Stolz

  1. Karin sagt:

    zu stolz, seine Verletzlichkeit nicht zuzugeben, kann hilfreich sein, kann einen aber auch isolieren, ausschließen…dann lässt dieser Stolz es nicht zu, hinter die Maske zu schauen…. das wäre ein negativer Stolz….der oft auch mit Arroganz einhergeht…..

    stolz kann ich aber auch im Positiven sein, kein Hagestolz, aber einer der demütig stolz ist auf etwas, was ihm gelungen ist….ich bin es z.B. auf meine wunderschöne Bibliothek (zu 80% auch gelesen), die ich mir immer unter Verzicht auf etwas anderes aufgebaut habe, mit den Erstausgaben, den Lederausgaben der Klassikersammlung, auf die vielen kostbaren Kunstbücher, die Lyriksammlung…vieles davon heute nicht mehr auf dem schnelllebigen Buchmarkt zu finden….meine in frühen Jahren aufgebaute Kinderbuchsammlung, als die Tochter noch gar nicht geboren war…stolz im Sommer auf meine Rosenpracht, die mir meine Pflege vergelten…..zufrieden drückt zu wenig aus….nenn mir ein Wort für das, was ich meine.
    Ich wäre nie stolz auf ein Bankkonto, Auto, Schmuck, Besitztümer, die meinen gesellschaftlichen Stellenwert evtl. erhöhen…… ich meine etwas anderes…..

    vielleicht setzt Dein Gedicht eine kleine Diskussion in Gang, wie jeder für sich Stolz definiert
    lieber Abendgruß zu Dir
    Karin

    • karfunkelfee sagt:

      Dennoch auch im Positiven, definierst Du Stolz über Härte, nämlich der Härte Dir selbst gegenüber und den disziplinarischen, damit einhergehenden Sparmaßnahmen. Eine Frage der Prioritäten, zugunsten des Stolzes, der sich einen Literaturschatz gönnt, Belohnungsprinzip.
      Der stolz auf das eigene Kind als Erreichen von was?
      Woran bemisst es sich letztendlich?
      Grüß Sie wohl, Frau Erwartungshaltung…

      Aber wir sind Menschen und wir fühlen und das Begehren erblickte mit uns das Licht der Welt.
      Seinen Stolz gut zu kennen, denk ich manchmal, wäre schon die halbe Miete.
      Man könnte ihn durchschauen lernen und sehen, wo er gut tut, konstruktiv ist und wo er schädlich wird.
      Stolz kann homöopathisch wirken, regt die Selbstheilungskräfte an, doch alle Kräuter, die heilen, wirken falsch dosiert, schnell mal toxisch.

      Ich bin dauerlatent übermedizinisiert. Krank.
      Man merkt’s…

  2. Karin sagt:

    muss nochmal widersprechen bzw. ergänzen: das war keine Härte mit Disziplinarmaßnahmen mir gegenüber und das Wort Verzicht ist insofern auch irreführend; das was ich meine: ich habe Prioritäten verschoben zugunsten der Bücher mit keinem Funken Wehmut oder Bedauern dabei und ich habe mich auch nicht damit belohnt….Bücher sind für mich so wichtig wie das Essen -:))))

    sonnige Morgengrüße von der äpfel-nuß-und mandelkern-gesunden
    Karin -:))) (in dem Alter auch ’ne seltene Gattung)

    • karfunkelfee sagt:

      Hihi..Popo-sitionierung…aber gut, ich verstehe, was Du sagen willst.
      Ist es Stolz auf das, was Du erreichtest oder aber ist Stolz ein anderes Wort für die Freude, die Du täglich spürst, weil Du Dir wichtig bist und dafür etwas tust?
      Definiere Stolz, sein Ursprung Anspruch und Erwartung.
      Definiere Anspruch und Erwartung, komme zu Träumen, Bedürfnissen – komme immer wieder bei mir selbst an. Alles andere Mittel, Behelfe, Dinge, die der Umsetzung dienen, die mir dienen.
      Ich frage mich gerade, nein…seit gestern schon, wie das mit dem Schreiben ist. Anerkennung ist mir wichtig, dafür zu ich was ich kann so gut wie möglich.
      Frage: täte ich es auch, wenn ich nicht Anerkennung erhoffte?
      Antwort: Ja…schon seit immer.
      Aha…ich bin unabhängig und ich diene mir damit, meinem Anspruch, weil es mir so wichtig ist und ich freue mich wie ein Kind über jeden neuen Text, den ich schreibe, weil es zu mir gehört wie meine Hände.
      Darauf bin ich stolz.
      Weil es viele Dinge in meinem Leben gibt, die traurig sind.
      Dass ich es schaffe, das für mich zu tun und darum mag ich nicht von Stolz sprechen, es fühlt sich eher nach Zufriedenheit an dieser Stelle an und die ist weich, kraftvoll und schön.
      Stolz…empfinde ich für mich immer schon wie hartes Holz (und eine Doppelstunde Sport bei diesem weiblichen Feldwebel mit der unbarmherzigen Trillerpfeife ächz…rennumdensee…)

      Puh.
      Stolz ist ein kantiges Thema.

  3. Karin sagt:

    ich hatte Dich ja gefragt nach einem besseren Wort für Stolz, der fast immer negativ ausgelegt wird…Dein letzter Komm umschreibt es ganz deutlich, wie wir unseren „Stolz“ auch empfinden…..also gönnen wir dem kantigen Kerl ein Freude-freu-Eckchen…..er wäre stolz auf unsere Definition -:))))

    • karfunkelfee sagt:

      Imperativ kategorisch in-perfekt…Kants Geist würde sich wohl über Mensch und Welt die Haare raufen,nach wie vor, darum kann er ein wenig Kraulen vielleicht gut gebrauchen…;)

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