Nachtgedanken

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Eine weitere Nacht, in der ich Sternbilder entschlüssele ohne selbstleuchtende Karte. Himmelswege, Augenschweifen, streck Hand will Kassiopeia greifen. Nachtkalt samten diese Dunkelheit um Häuser, die zusammengekauert am Boden liegen und fensterlos schlafen. Die Türen fest verschlossen, der Schlüssel zweimal umgedreht im Schloss, zu groß die Angst vor Einbrechern. Schattenumrisse hinter Gardinen nervöses Geblinke, immer noch Weihnachten, bald schon wieder. Um mich Autobahnklangfarben, dissonant, zerspalten, asphalten, irgendwie ziellos, und doch in Richtungen führend, irgendwohin führend, an mir vorbei. Meine Augen hängen in den Seilen, aus der Ferne die rasenden Autos, der Lärm um mich brandend, ausweglos. Die Not ist groß, wo bloß finde ich endlich mal wirkliche wahrhaftige Stille? Schlafen, nur schlafen, den vertrauten Traumpfaden folgen, auf den inneren Wegen Zeugnis ablegen, schnell, lautlos,in langen Distanzen reisen, bis der Morgen graut. Sternvolle Nacht, es ist kalt, der Blick in Unbegreiflichkeit, immer wieder die Sehnsucht nach einer Weite, die unbegrenzt beseelt sein will. Hab ich diese erst gefunden, ich glaub, dann wird es endlich still…

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14 Kommentare zu “Nachtgedanken

  1. autopict sagt:

    So. Und das finde ich ja jetzt obercool, auch das Thema Sterne, wenn auch von einer anderen Seite. Und ja, die Kassiopeia hätte ich letzte unendliche Nacht fast auch geknipst, aber um 2 wars dann genug. Jedenfalls stand ich allein in der Stille unterm Sternenzelt und hatte eine gute innere Ruhe gefunden. Ein schöner Beitrag.

    • karfunkelfee sagt:

      Danke für Dein Lob – ich freu mich, dass Du zu mir lesen kommst. 🙂
      Das war eine strahlende Sternennacht gestern, ich musste auch schmunzeln, als ich bei Dir im Blog den Beitrag über die Januarsterne las und an mich dachte mit den ganz eigenen Stern-Impressionen.
      Es war schon recht spät, 2.00 Uhr, als ich nach draußen ging, um Sterne zu schauen, das mach ich, wenn ich schlaflos bin.
      Die Kassiopeia sah aus wie eine Glitzerkette,wunderschön!
      Das macht auch mich ruhig…in die Sterne sehen, schon seit immer und vielleicht hast Du recht und es ist dieses Gefühl, allein zu sein unter dem Sternenzelt das dann die Entspannung bringt…

  2. Karin sagt:

    Diese Stille, die Du suchst, gibt es nur im Tod ,totenstill…. Leben ist Klang: Wohlklang, Missklang , Schrilles, Leises, ein vielstimmiges Orchester in Dur, in Moll. Selbst unsere Träume im Schlaf sind wahrscheinlich nicht lautlos.
    Um mich herum ist oft zu viel Stille, ich musste lernen, sie anzunehmen, sie nicht erdrückend werden zu lassen.
    Einen erholsamen Schlaf wünsche ich Dir, möge der andere, der Todesschlaf, noch in weiter, weiter Ferne für Dich liegen. So lange Du lebst, hast Du immer noch die Wahl….der Tod ist endgültig

    • karfunkelfee sagt:

      Totenstille – eine besondere Qualität von Stille, die ich verbinde mit jeglicher Abwesenheit lebendiger Geräusche. Wenn nichts, kein Blätterrascheln, kein Windgeräusch, kein Vogel, kein Atemzug hörbar ist.
      Eine beseelte Stille – kann sie totenstill sein?
      Ich würde sie auch im Leben finden – in Momenten lebendiger Stille, allein oder mit anderen, friedvoll und ruhend in sich selbst, sich selbst genügend.
      Gedenkminuten können so sein – ein Schweigen, doch unterbrochen vom Atmen.
      In der Natur sind solche Momente zu finden, bei mir schwerer, weil diese Autobahnen gnadenlos omnipräsent sind…

      Ton Misston, Lachen Weinen, Wohlklang Dissonanz…
      es ist abhängig davon, wie es wahrgenommen wird, wie die Tageskondition ist, wie niedrig die Frustrationstoleranzschwelle (I love this word…)

      Sollte Bruder Hein beschließen, mich morgen aus den Socken zu hauen, dank ich nochmal für das was ich hatte an Leben…:)
      Alles okay. Naturen wie ich sind zäh wie Juchtenleder und hart wie Kruppstahl. 😉

      Danke für Deine schönen Worte,

      Dein feechen

  3. So schön wie Karin kann ich es nicht sagen. Ich hatte gar nicht mal an die Todesstille gedacht, als ich meinte, diese Stille kannst du weitestgehend nur in dir finden – und das auch, wenn es draußen laut ist. Für mich ist es ja sehr, sehr oft auch einfach nur zu laut, deswegen bin ich erst einmal an den Stadtrand dieser lauten, großen Stadt gezogen und fühle mich hier sehr wohl. Ich brauche keinen Verkehrslärm, keine Flugzeuge – und dem ab und an fliegenden Christopher-Hubschrauber, der die Notfallpatienten ins Klinikum bringt, dem drücke ich die Daumen, dass seine „Fracht“ noch gerettet werden kann.
    In Berlin kann ich selten Sterne sehe – allerdings schlafe ich auch sehr gern, sehr tief und sehr lange, so dass mein inneres Auge diese Sterne nicht sieht.
    Lieben Gruß zu dir!

    • karfunkelfee sagt:

      Karin ist selbst eine Lyrikerin und nannte die Totenstille als einen Stilleaspekt.
      Du bist eine famose Erzählerin mit einer sehr eigen und willigen Schreibe und Du beleuchtest, ähnlich wie autopict den Aspekt innerer Stille.
      Ich führte noch den Schweigeaspekt mit dazu = macht schon drei Aspekte.
      Als ich Den Text schrieb, gingen mir sämtliche drei Aspekte, alle drei Möglichkeiten von Stille durch den Kopf. Der Text ist mehrseitig auslegbar und will Platz lassen für eigene Gedanken.

      Bei dem, was Du über B. schreibst, finde ich also auch in Dir eine Stadtrandgestalt…:))

      • Ich bedaure es sehr, dass die für vorigen September geplanten „Exrzitien“ (4 Tage Schweigen in einem Kloster) nicht stattgefunden haben. Ich wollte mal testen, ob und wie ich das kann.
        Großstadt innendrin würde ich nicht mehr aushalten wollen.
        Danke für dein Lob – ich glaube, wenn zwei Menschen einen „Nerv“ füreinander haben, dann erreichen sie auch das Herz und den Kopf des anderen und dann gefällt auch das Gelesene. –
        Deinen Texten merkt man „Tiefe“ und Gedanken an, ich grüble lieber im Stillen und versuche beim Texteschreiben, den Lern Lächelfalten um die Mundwinkel zu zaubern.

      • karfunkelfee sagt:

        Ich habe zwei Freunde, die an solchen Klosteraufenthalten teilgenommen haben.
        Die Schwerpunkte lagen bei beiden auf Schweigen und Stille.
        Der eine Freund hat dort an einem Workshop für Acryl-Malerei teilgenommen.
        Der andere Freund philosophierte nebenher in einem WS.
        Beide sagten unabhängig voneinander aus, es hätte ihnen eine besondere Erfahrung gebracht.
        Könntest Du es nicht noch einmal angehen…?
        Vielleicht wäre es wirklich sehr gut für Dich…?
        Zum Abstandgewinnen…

        Ich schreib immer, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Anders geht gar nicht…das würde künstlich wirken und aufgesetzt.
        Ich komm mir auch auf die Schliche, wenn ich mich im Text verbiege und laviere, um nicht Stellung beziehen zu müssen.
        Das erfordert dann Sich-selber-auf-die-pfoten-hauen und Farbe bekennen.
        Die Texterei überrascht mich immer wieder aufs Neue…was sie hervorbringt, ich weiß oft selbst hinterher nicht, wie
        ich auf die Themen, die Texte kam…Wasserläuferhüpfer auf einem See…konzentrische Kreise…(Lieblingsthema)

        Beim Lernen lächeln…ach, ja…das kommt drauf an, oder?
        Manches Lernen lächelt wie ein Kind Obstsorten lernt durch Schmecken und Leckerschlecken…
        Und manche Lektion ist wie ein Hieb mit dem Lineal auf die neugierigen Pfoten.
        Zuckerbrot und Peitsche.
        Dann lieber Äpfel und Birnen. 😉

      • Der workshop, den ich in der Nähe von Berlin in einem Kloster belegen wollte, befasste sich nebenbei mit Rechsfragen.
        Aber du hast Recht, ich werde es noch einmal angehen. Ich hätte gern ein Kloster in Brandenburg, dami tdie Anreise nicht so weit und teuer ist. Mal sehen, ob ich was finde.
        Dir eine schlaf-volle Nacht, denn immer kannst du ja auch nicht schlaf- und sternwandeln.

  4. Karin sagt:

    lauter -:))) Protest! Ich bin keine Lyrikerin, ab und an eine Reimerin von Unsinnsgedichten, ich liebe nur Wortspiele und natürlich Lyrik über alles…
    also diese Feder rupf mir wieder aus, bitte -:)))
    diese unterschiedlichen Aspekte in einem Beitrag, dieses unterschiedliche damit Auseinandersetzen fasziniert mich immer wieder…macht auch die Qualität eines Artikels aus! (das ist ein Lob!!!)

    Wochenendgruß an Dich

    • karfunkelfee sagt:

      Einspruch von mir, aber egal, ich wusste, dass Du protestieren würdest…;)

      If no one’s right
      and no one’s wrong
      In between this
      we are learning
      much about evil,
      just evil…;)

      (von Lisa Germano…My secret reason…)

      ja…perspektivisch sein…wichtig…
      …und immer wieder vielfältig…überraschend…
      neu.

  5. Anmeldung ist gerade passiert, ein WE Ende Januar und einmal 4 Tage im April, Mal sehen, ob beides klappt oder ob ich die zweite Sache erschreckt wieder abmelde, wenn ich das erste mitgemacht habe.

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