Aus dem Resourcenbuch

Aus dem Resourcenbuch:  Elefantenskizzen, Hundenasen

Aus dem Resourcenbuch: Elefantenskizzen, Hundenasen

 

Ich bin Linkshänderin. Mittlerweile bin ich Beidhänderin. Doch als ich eingeschult wurde, konnte ich lesen und auch schreiben. Nur das S, das schrieb ich spiegelverkehrt. Das hatte ich mir falsch herum beigebracht und es war meiner Lehrerin, einem Mi-Kätzchen, falls jemandem dieser Ausdruck noch etwas sagt aus den Siebziger Jahren, ein Bedürfnis, meiner schmutzigen linken Hand und dem spiegelverkehrten S sowie meinem Stolz, schreiben zu können, nicht erst lernen zu müssen, ein Band entgegenzusetzen, mit dem sie mir die linke Hand fürderhin auf dem Rücken fesselte.

Ich habe eine gute Schrift, doch wenn ich länger schreibe, verkrampfe ich mich immer mit der Zeit, werde schief. Ich habe meine Schreibposition verändert, so dass mein Rücken gerade ist und die Hand, der Arm entspannt. Dennoch…etwas…fühlt sich komisch an, schon immer. Falsche Seite?

Ich führe ein Resourcenbuch. Seltsamerweise wird es ein Bilderbuch. Es soll mich daran erinnern, was ich kann, wenn mir mal gerade alles so vorkommt, als sei da garnichts. Da dieser Zustand ab und zu eintritt, habe ich dieses kleine Buch, in das ich seltsamerweise nur mit links schreibe und skizziere. Als drängte ein lange vergessener Teil meiner Persönlichkeit als Kind nach oben durch die Zwiebelhäute der Persönlichkeiten, die ich später wurde, hindurch an die Oberfläche und setzte sich endlich durch gegen Konventionen, gegen Maßregelungen und Zwänge, gegen Abhängigkeiten und Dogmen. Gegen Meinungen und Oberlehrer und Lehrer und Klugscheißer.

Das Kind lernt links.

Die Erwachsene gibt ihm den Raum und schaut, was dieses Wissen mit ihr tut. Bislang Gutes.

Das Gedicht zum Bild im Buch geht so, denn eigentlich wollte ich nämlich Elefanten malen und alle Versuche scheiterten kläglich. Also werde ich ein paar virtuelle Zeichenstunden nehmen. Und dann kommt irgendwann auch die Herde Elefanten in meinem Resourcenbuch an. Schöne Grüße an Rudyard Kipling und William Quindt. Elefantenversteher, Kinderliteratur, die ich liebte.

Die Karfunkelfee

hier die Erläuterung zu dem Ausdruck „Mi-Kätzchen“:

Mi-Kätzchen waren Lehrer, die, durch Seiteneinstieg ins Lehramt gelangten. Mi-Kätzchen konnte jeder werden, der das Abitur hatte. Diese Initiative ging vom damaligen Kultusminister Paul MIkat aus, der damit dem Baby-Boom entgegenwirken wollte, weil es in den Siebzigern zu wenig Lehrer gab. Die Mi-Kätzchen hatten ihr Abitur, studierten jedoch nicht Lehramt, sondern erwarben dieses Wissen über Weiterbildungen. Also nicht ausgebildet in dem gleichen Umfang wie die voll ausgebildeten Lehrer, sondern in einer Art „Schnellverfahren“, denn es ging darum, die le(e)(h)ren Löcher zu stopfen in den überfüllten Schulklassen. (Anm. d. Aut.)

—————————

Dies ist kein Mäusegedicht.

Es soll auch keins werden

darum schreibe ich hinein

Elefanten in Herden

steinerne Giganten

ein paar neue

Erdtrabanten

die sich außerhalb

der Erdanziehungskraft

befanden im Orbit

mit Elefanten, keinen Mäusen

die sind zu ängstlich und klein

darum müssen sie

allein zu Hause bleiben.

Dies ist kein Mäusegedicht

warum seh ich die nur überall?

hier eine und da eine

wie sie umeinander rennen

zusammen alleine

lachend und weinend

Sie scheinen alle unruhig

zu sein, so wie ich.

dies ist jedoch

ohne Mauseloch

kein Mäusegedicht

hat kein Mäusegesicht

sondern eins

von Elefanten

die durch

ihr Land rannten

entflammt und entbrannt

für frisches grünes Gras

Dies ist kein Mäusegedicht.

Sondern

alles

nur

Spaß.

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12 Kommentare zu “Aus dem Resourcenbuch

  1. Karin sagt:

    Trotz bestens ausgebildeter Lehrer ist es keinem je gelungen, mich zu einer leserlichen Handschrift zu bringen, obwohl ich Rechtshänder bin.. Ich musste noch mit 15 drei Reihen große G’s und 4 Reihen großes H’s mit Schnörkelei als Strafarbeit in mein Englischdiktatheft schreiben….. dabei sah jeder Buchstabe anders aus -:))) Fräulein F. walkürenmäßig im Lavabelkleid hat sicher schlaflose Nächte wegen mir verbracht -:)))
    wenn ich heute mit der Hand schreibe, sind die Gedanken immer viel schneller als die Finger und so sieht es dann auch aus. Freunden mute ich deswegen fast nur noch Maschinenschrift zu, die ist meiner Schnelligkeit gewachsen.
    Zu Deinen Elefanten fällt mir der Kleine Prinz ein -:))) oder der:

    Die Maus und der Elefant laufen durch die Wüste, da tritt der Elefant versehentlich leicht auf die Maus drauf. Sagt der Elefant: „Sorry!“ Sagt die Maus: „Macht nix, hätte mir auch passieren können…“

    alles nur Spaß -:)))

    • karfunkelfee sagt:

      Tja, den alten Witz mit dem Elefant und der Maus, kenn ich auch noch gut.
      Meine Handschrift…auch dieses Phänomen ist mir nicht unbekannt, die Worten kommen schneller als der Stift nachkommt, da hilft nur Nach-Sicht mit Sich selbst.
      Die langen Aufsätze haben meine Deutschlehrer gequält, weil ich viel schrieb in immer zu wenig Zeit. Na, ja…ich glaube, sie mussten mit meiner Sauklaue
      auch viel erdulden und beklagten sich nur manchmal, es waren geduldige Lehrer, ich hatte Glück.

      Der Witz ist alt und immer wieder neu.
      Die Maus hat relativiert, ohne Wenn und Aber.
      Drum ist der alte Witz kein Gelaber und auch kein Spaß,
      denn er zeigt Groß und Klein Maß wie Unmaß.

      Lieben Gruß von der Fee

  2. Wolfgang sagt:

    So hast Du also einfach aus der kleinen Maus, die vom Mi-Kätzchen gejagt wurde, einen Elefanten gemacht. 🙂
    Das Ganze erinnert mich ein kleines Bisschen an das Bild von einem Elefanten, der gerade von einer Schlange verschluckt worden war, das der kleine Prinz gemalt hatte und in dem die meisten Erwachsenen nur einen alten Hut gesehen haben.
    LG von Wolfgang

  3. Endlich fertig mit aufräumen. Text ist scheiße. nur halb durchgelesen.

  4. Karin sagt:

    Schade Fee, dass Du solche Kommentare freischaltest…das hätte auch nichts mit Zensur zu tun, wenn Du sie nicht veröffentlichst, denn so eine Vulgärsprache passt wirklich nicht zu Deinem Blog.
    Hier herrschte bisher Sprach-Kultur und keine Gossensprache. Es täte mir leid, wenn sie hier Einzug hielte.

    • karfunkelfee sagt:

      Nun, Freundin, hier herrscht Meinungsfreiheit.
      Ein jeder darf sagen, was und wie er denkt.
      Ob ich so denke, bleibt mir belassen, ich habe die Wahl, es zu nehmen.
      Hintergründig verbirgt sich vielleicht etwas.
      Etwas zum Nachdenken?
      Etwas zum an sich arbeiten?
      Hinter mancher Gossenzunge verbirgt sich etwas anderes und Volkes Maul ist direkt und unmittelbar.
      Doch in der vielzahl sind wir davon umgeben.
      Wir können unsere Sprache pflegen, so, wie ich es versuche. Ich nehme mir die Worte, die ich mag.
      Die ich nicht mag, versuch ich nicht zu sprechen, weil ich es auch schöner finde, ohne Fäkalsprache, Dinge in den Mund zu nehmen, die ich als ekel empfinde. Scheibenkleister tut’s auch…

      Aber gut, das muss letztendlich jeder selbst entscheiden und ich bin nicht empfindlich, weil ich immer versuche, hinter alle Worte zu blicken.
      Manchmal finde ich da etwas und manchmal nicht.

      Verständnis und Unverständnis.
      Hinter den Worten stehen die Menschen mit Sprache als Kommunikationsinstrument.
      Sie haben die Wahl, ob sie es sensorisch feinfühlig spielen möchten oder lieber als Waschbrett benützen, Musik macht jedoch beides.
      Alles andere ist eine Frage des subjektiven Geschmacks.
      Mal Blues und mal Klassik
      mal dissonant
      mal harmonisch
      es lohnt
      ein guter Musikverstand
      Meinungen sind Meinungen, sind Kritiken,
      manchmal Sachverstand,
      manchmal böhmische Wälder
      und inmitten unserer eigenen Zeit
      wird die Sprache fremder und oftmals darin
      scheinbar kälter…
      so …werden wir älter…
      in unseren eigenen Worten
      doch sie begrenzen uns auch
      und verweigern sich neuen Orten…
      eine Frage, darüber hinwegzugehen?
      Darüber hinaussehen und schauen.
      Dem Herz vertrauen und wenn es fehlt,
      dann hat es eben mal Pech gehabt.
      Ich mag so den Pygmalion, da blühen in Spanien die Zitronen oder waren es Melonen….?
      Eliza Doolittle kann ich auch sein.
      Notfalls dialektisch fremdwortverbeutelt.
      Zu viel Taz gelesen früher…?

      Ach, ja.
      Das Elefanten-Mäuse-Bild, es passt schon.
      Auch der kleine Prinz dort hinein.
      Der musste auf seiner Reise durch die Wüste auch viele verschiedene Sprachen sprechen lernen.
      Sogar schlängisch…;)

      Einen lieben Gruß vom feechen

  5. unendlichkeitscode sagt:

    Wer Scheiße sagt oder schreibt, meint damit immer sich selbst. Auch in diesem Fall ist das so, denn diese Kommentare sind einfach das Spiegelbild des Schreibers. Das ist immer so. Man erkennt die Menschen daran, was und wie sie etwas sagen oder schreiben, jedoch auch an ihrem Handeln.

  6. Ich greife mal nur den Teilaspekt „gespiegeltes S“ heraus. Meine Tochter heißt UTA, da kann man nicht einen einzigen Buchstaben spiegeln, außerdem sind es nur 3. Mein Sohn heißt SEBASTIAN – und da kann ein kleiner Junge das S, das E, das B und das N falsch schreiben und er muss sooooooooo viele Buchstaben lernen. Er hat immer geschimpft wie ein Rohrspatz, wurde von uns aber selbstverfreilich auch für die falschen gelobt. Er ist kein Linkshänder und irgendwann hat er es richtig gelernt.

  7. Marion sagt:

    Interessant. Ich war immer Rechtshänder, aber durch eine Phase arger Schulterschmerzen hab ich mir mal angewöhnt, die Maus auch mit links bedienen zu können. Kürzlich wieder ausgegraben, weil der rechte Ellbogen meckerte. Ich fand es spannend, was das Gehirn alles mitmacht, sogar so ein Umtraining klappt mit der Zeit und der Freiwilligkeit.

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