Wer ist Paul?

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Wer ist Paul? – Streitkultur vor dem Hintergrundklang von Bauhaus-Architektur

Ich kann das nicht. Sagtest Du. Das geht nicht. Das will ich nicht. Davor – habe ich Angst. Du schautest mich an, in den Augen das P für Panik.  Wovon wir sprächen, fragte ich Dich. Was Dir Angst bereitete. Du sagtest nichts. Nanntest mich eine dusselige Kuh. Hast Dich abgewandt und dann Dein ganzes Feuerwerk abgefackelt, das Du sein kannst, wenn du eingeschnappt bist. Jeder Gesichtsmuskel kontrolliert beweglich und gleichzeitig wie eingefroren. Minimalistisch. Du bist minimalistisch und dabei makrobiotisch. Lach nur. Ich weiß. Ich werde so, wenn wir streiten. Wie Yoghurt, links- rechtsdrehend, dann Milchschaum, ganz süß und klebrig. Jetzt fängst Du schon wieder an von Vertrauen zu sprechen. Wer wem? Ich Dir? Tu ich doch. Du schaust mir in die Augen und sagst: Du wollest den Mantel des Vertrauens um mich weben. Das ist aber poetisch ausgedrückt, denke ich, Du meine Güte!

Sofort habe ich natürlich den Heinrich Heine im Kopf mit den Webern, das war ein Totenhemd für Deutschland, weißt Du noch, dieses Gedicht? Das geht mir durch Mark und Knochen, heute immer noch, wie immer schon, von Anfang an. Du sprichst von einem Mantel, den Du um mich legen willst? Ich sage Dir was: Mäntel sind Behelfe gegen Kälte. Ein durchtrainierter Körper mit ordentlich Muckis und der beweglich ist, der kann rennen und sich bewegen. Der wird keinen Mantel wählen, der wird eine Jacke nehmen, wenn es schon sein muss, etwas Leichtes. Mäntel sind toter Stoff, tote Materie. Sie können zu groß sein, schlecht geschnitten, unvorteilhaft im Sitz, dann schlackern sie um Dich herum, und behindern Dein Laufen. Oder sie sind zu klein und Du kannst Dich in ihnen nicht richtig bewegen und gehst nur noch gebückt im schweren Mantelstoff. Ich denk schon wieder mal an Loriot, warum nur denke ich dauernd an ihn? Weil ich ihn so mag, schätze ich mal. Genau, wie die Evelyn Hamann, die habe ich auch so gern. Beide nicht mehr da, rest in peace… Erinnerst Du diesen alten Sketch mit dem Anzugkauf? Das war auch sowas. Geh zum Verkäufer Deines Vertrauens und bitte ihn, Maß an Dir zu nehmen und Du kannst sicher sein, dass Du bekommst, was Du verdienst. Das ist doch immer so, oder? Lass jemanden Maß nehmen und kenne Deine eigenen Maße nicht gut, dann gehst Du bald, als habest Du einen Ladestock verschluckt, in den Sachen, die Dir nicht passen wollen und Dir Du Dir hast, aus Unsicherheit aufoktruhieren lassen.

Also wenn Vertrauen schon ein Mantel sein soll, der partout um mich gelegt werden soll, was ich überhaupt nicht gut leiden kann, weil ich ein temperamentvoller Mensch bin und gern aktiv und beweglich, dann sage ich Dir: Ich frier gar nicht. Mir ist kein bisschen kalt. Leg ihn Dir selber um und wärm Dich, Du scheinst mir nämlich viel mehr zu frieren als ich. Ich hüpf dieweil ein wenig auf meinem linken Bein herum. Siehst Du? Das übe ich jeden Tag hundert mal.

Lach nur. Klar bin ich verrückt. Ein bisschen Bluna sind wir alle….manchmal ein bisschen viel für Dich, was? Aber was soll ich machen? Ich gebe alles und leg noch was drauf. Aber Vertrauen, das sehe ich anders. Da sind wir unterschiedlicher Auffassung. Hier ist mein Bild für Vertrauen:

Vertrauen ist ein Same. Wie gut die Pflanze gedeiht, hängt davon ab, wie gut Du Dich darum kümmerst. Mit welcher Sorgfalt Du den zerbrechlichen Keim beschützt, welchen Dünger Du ihr gibst, wie gut die Erde ist, in die Du diesen Samen behutsam einpflanzst. Du achtest auf die Lichtverhältnisse und die Bedürfnisse Deiner Pflanze. Du gärtnerst. Du arbeitest nach dem Mond, das tut Pflanzen wohl, sie sind wie wir Gezeitenwesen. Wenn Du alles Wissen das Du hast von dieser Pflanze, das Du Dir eigens, um sie bestmöglich gedeihen zu können, Dir angeeignet hast in langen Stunden mit Garten- und Blumenbüchern und alles beherzigst, was Du jemals gelernt hast von anderen Blumen und ihren Bedürfnissen und dies alles zusammengenommen als Rundumwohlfühlpaket mit Alleinstellungsmerkmal betrachtest, dann wird Deine Pflanze vielleicht eines Tages sehr gesund und kräftig sein, von starkem Wuchs und mit vielen Früchten, die Du dann essen kannst.

So betrachte ich für mich Vertrauen. Jetzt willst du wieder Schokolade. Ich wusste es! Das ist immer dasselbe mit Dir! Aber Du hast Glück, ich will nämlich auch ein Stück zum Zergehenlassen auf der Zunge. Schweizer Zartbitter mit etwas Chili, für sanfte Schärfe. So ist das gut. Heute ist Vertrauen Schokolade. Süß in der Herznote, leicht bitter-scharf im Gaumenabgang, cremig im Rachen. Es geht wieder.

All we ever wanted, is everything, lege ich die alte Bauhaus-Scheibe auf, die tut uns jetzt gut, denn Du lachst schon wieder, als Du zusiehst, wie ich sie suche.

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Ein Kommentar zu “Wer ist Paul?

  1. autopict sagt:

    Bauhaus. Hier eine Band mit guter Musik. Revolution der Architektur im 20 Jahrhundert, moderne Klassiker. Möbel. Freischwinger. Denkmalschutz. Gropius. Mies van der Rohe. Max Bill. Klee. Kandinsky. EIne Zeit im Auf- und Umbruch. Dann abgewürgt im eigenen Land. Heute ist man stolz, wenn man in Anlehnung an Bauhaus etwas entwirft.
    Bauhaus in der Suchmaschine: Information rund um die Fachmarkt-Kette für Werkstatt, Haus und Garten mit Fachcentren in ganz Europa.
    Nicht mein Bauhaus.
    Ich war noch nie in Dessau. Sollte ich nachholen. Bald.

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