Später träume ich

Der hochstimmige Wind
singt im Mastenwald
klingt wie ferne Flöten
wie Schellen die Flaggen
schlagend gegen die
schlanken Segelbäume
weit hallend
über dem nächtigen Pier
leises Wellenschlagen
gegen hohle Bootskörper.
Mondlicht meine nackten
Füße auf den Holzplanken
bis an die Wade übergießt
Silberweg
über Hafen und Wasser fließt
still und unbewegt
der nahen Schleuse
steinerne Schranken

Meine zögerlichen Schritte
wie sie schwanken
ich kenne den Weg
die Namen
der schlafenden
Boote
finde ich ins Richtige zurück?
ich zögere und zweifele
am schmalen Steg
soll ich es wagen?
Am Tag dies alles hier
vertraut noch schien
nun in der Dunkelheit
ein laues ein flaues Gefühl
ich allein auf dem
nächtigen Pier
meine Füße
wie weißsilberfische
im Mondschein
ich ahne es
hier muss ich
nun sein
gohei no michi
den Weg zurückgehen
unbeirrt
allein.

Als ich
das Ziel gefunden hatte
wusste ich,
es war die Vergewisserung,
umdrehen zu können
jederzeit
auch wieder fort
von Licht, Wärme und Geborgenheit
zurückzugehen
den Weg in den Namen
schlafender Boote
zu suchen, das Richtige
auch blind
im Gesang seiner
im Wind
schwingenden Masten
wieder zu erkennen
wie eine Mutter ihr Kind
die kalt glänzende Reling
vertraut zu berühren
als könne dies
den Sprung
vom Pier
auf die Bootsplanken
aus schierem Teakholz
den Schwung
meines Körpers
so führen
dass meine Vorsätze nicht
im Unvertrauen
und der Angst abzurutschen
ins Wasser fallen könnten
oder auf Grund sanken.

Über mir,
im Wald der Mastbäume
spielt hochstimmig
Nachtwind
vom Meer zieht
ein heller Streifen Grau
langsam zwischen
dunkelvioletten Wolken
ich traue mir, der Nacht
ich hab an sie gedacht
da hat sie mich
schwarz mysteriös
von möwen beseelt
sicher zurück
auf das schwankende
Boot gebracht
später träume ich
vom Gesang des Windes
im Wald der Masten
später träume ich…

20140803-220112-79272522.jpg

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9 Kommentare zu “Später träume ich

  1. Wolfgang sagt:

    Wie schön, liebe Karfunkelfee, dass Du barfuß auf dem silbernen Holzweg das richtige Boot mit dem Namen „Zuversicht“ gefunden hast.
    Und wie schön, dass Du wieder hier bist, freue mich sehr, sehr, sehr darüber.
    LG vom Wolfgang

    • karfunkelfee sagt:

      so bekommt die Aussage, sich auf dem „Holzweg“ zu befinden doch endlich mal einen zuversichtlichen Beigeschmack…;)

      Deine Freude ist die meine…
      aber ich war nicht fort, nur eben mehr lesend unterwegs und still.

      wann darf ich von Dir neue Zeilen lesen?

  2. masterkeysysteme sagt:

    Tetsugaku no Michi – mit offenen Augen ein Schiff betreten.

    Gohei no michi – mit verbundenen Augen verlässt man ein Schiff, wenn man Plankengehen muß.

    Wähle Tetsugaku no Michi, denn auch ohne Kampf lässt sich die Intution ausbilden.

    Hi no michi – der Weg durch das Feuer, rettet vor dem Ertrinken !

    • karfunkelfee sagt:

      das hast Du ausgesprochen schön gesagt.
      danke, so soll es sein:
      die Augen offen halten
      gerade und auch
      wenn es dunkel ist.

      Feuer verbrennt, Asche schwimmt beinahe ohne Gewicht
      auf dem Wasser.

  3. zwei wunderschöne Fotos begleiten deinen Text.
    Obwohl schon am 3. August veröffentlicht, hat ihn mein Feedreader erst heute angezeigt – aber gut, dass er ihn überhaupt zeigt, dann weiß ich, dass ich auf zaghafte Rückkehr von dir hoffen kann. Ich hoffe sehr, dass es dir gut geht.
    Ganz, ganz liebe Grüße zu dir von mir

    • karfunkelfee sagt:

      danke Clara, schön dass Du da bist. 🙂

      und wie schnell…ach, Hauptsache ist doch, dass Du da bist.
      Lass Dich nicht vom Reader ärgern, der Reader ist manchmal eigenwillig…;)

      Viele liebe Grüße
      von
      mir

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