Vor dem Zubettgehen

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Sei um mich, wo immer Du auch bist und wer immer Du auch sein magst. Sei der, vor dem ich nicht weglaufe, weil er mich sieht, indem wie ich bin, in all meiner Menschlichkeit.

Behüte meine Seele, in Zeiten des Glücks und Zeiten der Qual und ich bitte Dich: Lasse meiner Hoffnung stets eine Wahl,
lasse mir Träume in großer Zahl und verschone mich mit Gralsweisheiten.

Lehre mich Liebe, ungeduscht und bloß, nach Mensch, wie das neue Leben selbst.
Zeige mir andere Menschlichkeit, lasse mich in ihr vor mir Bestand behalten, gib mir Kraft genug, um mich ausdauernd selbst gut zu verwalten, brich mir Lanzen, zerschmettere jeden trügerischen Krug, Räume mir ein zweite Chancen.

Öffne die Arme, wenn meine eigenen nicht lang genug reichen, mich damit zu umfangen und zu halten, lass es Deine Zuversicht sein, die mir die Stirn streicht, bis auch der letzte Alpdruck weicht und alle Angst davonschleicht.

Sprich mit mir, wenn niemand anders es mehr tut und mach mir Mut.
Bleibe bei mir in des Jahres Wandelzeiten, weite meinen Blick.
Wisse wer ich war, bin, sein werde, im Auge halt‘ mein Glück.

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14 Kommentare zu “Vor dem Zubettgehen

  1. schön! darf ich fragen an wen du das gerichtet hast?

  2. Das könnte an Gott gerichtet sein, muss es aber keineswegs. Es muss auch an keinen Menschen gerichtet sein, denn dieser wäre damit sicher überfordert. Ich sehe es so. als wenn es an eine Allmacht geht, an ein Schicksal, von dem wir alle ein bisschen geliebt und behütet werden wollen.
    Mache es gut!

  3. karfunkelfee sagt:

    Es sind einfach Wünsche.
    Menschliche.
    Sie erheben keinen Anspruch, sie wünschen sich einfach nur.
    Indem sie formuliert werden, beginnen sie vielleicht schon leise, an irgend einer Ecke Realität zu werden.
    Zum Beispiel, wenn Fragen danach gestellt werden, jemand über sie nachdenkt oder Antworten findet, die wieder Weichen stellen können oder einfach Trost sind im Wissen um das unberechenbare Wesen des Schicksals.

    Liebe Grüße und Dank für die Nach-Fragen und Weitergedanken, liebe Clara.
    Christian- schön dass Du vorbeigeschaut hast, eine interessante Frage hast Du da gestellt,
    die Antwort lautet:
    Wem’s gefällt.

  4. Mir gefällt es sehr 🙂

  5. masterkeysysteme sagt:

    Ob Gott das Duschen erfunden hat, wo er doch Wert darauf legt, daß in das neue Jerusalem nur die Reinen in weißen Kleidern kommen.

    http://www.clipland.com/Summary/701014146/

  6. autopict sagt:

    Aus meiner bescheidenen Sicht im Stile eines Abendgebetes die persönlichen Wünsche an das eigene Sein. Sehr positiv, wenn es nicht konkret personenbezogen ist (ist ein Gebet doch letzten Endes auch).
    Wenn man es genau nimmt, ist doch dieser formulierte Wunsch an sich selbst gerichtet, dass man mit dem Willen hierzu einschläft und mit der Kraft wieder erwacht.
    Da gilt dann „Gute Nacht!“ tatsächlich mal.
    In diesem Sinne eine gute Nacht!

    • karfunkelfee sagt:

      Ich glaube, Du hast ziemlich gut erkannt, um was es mir hier geht.
      Gebete sind Mantras sind Zaubersprüche, die durch die Wiederholung prägende Impulse setzen, Wahrheiten aufzeigen und um Beachtung bitten. Damit wird etwas in Gang gesetzt, eine Richtung eingeschlagen, sei es auch anfangs theoretisch-theologisch verzwickt, wird durch ein Gebet etwas in den Blick gerückt, das für einen Herzenswunsch steht.

      Danke für Deine klugen Gedanken,
      herzliche Grüße
      von der Karfunkelfee

  7. finbarsgift sagt:

    Schön…
    Hat mich natürlich sofort an das wundervolle Poem Gebet vom verehrten Saint-Ex erinnert…
    Dir ist ein beeindruckendes Korollar dazu gelungen!
    Liebe Grüße zur Nacht vom Lu

    • karfunkelfee sagt:

      Und das, ohne den Saint-Ex-Text zu kennen, denn ich habe von diesem tollen Dichter noch viel zu wenig gelesen. Den kleinen Prinzen Trau ich mich kaum anzuführen, weil er schönerweise ein Stück Bildungsfundament und Lebensphilosophie geworden ist. Du weist mich daraufhin, dass ich noch viel Literatur nicht kenne.
      Es wäre schön, wenn der Text vom Saint-Ex hier auch zu lesen sein könnte…

      Einstweilen einen lieben Gruß und Dankeschön für Deine Assoziationen und Hinweise, die mir stets neues Input bringen und auch den Mut zur Lücke…:)

      Herzliche Grüße von der Karfunkelfee

      • finbarsgift sagt:

        Die Kunst der kleinen Schritte (Saint-Ex)
        Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte:
        Ich bitte nicht um Wunder und Visionen,
        sondern um Kraft für den Alltag.
        Mach mich findig und erfinderisch,
        um im täglichen Vielerlei und Allerlei
        rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren,
        von denen ich betroffen bin.

        Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
        Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden,
        was erstrangig und was zweitrangig ist.
        Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß,
        daß ich nicht durch das Leben rutsche,
        sondern den Tageslauf vernünftig einteile,
        auf Lichtblicke und Höhepunkte achte und wenigstens
        hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuß.

        Laß mich erkennen, daß Träume nicht weiterhelfen,
        weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.
        Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und
        die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.
        Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
        es müßte im Leben alles glatt gehen.

        Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
        daß Schwierigkeiten, Niederlagen, Mißerfolge, Rückschläge
        eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
        durch die wir wachsen und reifen.
        Erinnere mich daran, daß das Herz oft gegen den Verstand streikt.
        Schick mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat,
        mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.

        Ich möchte Dich und die anderen immer aussprechen lassen.
        Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.
        Ich weiß, daß sich viele Probleme dadurch lösen, daß man nichts tut.
        Gib, daß ich warten kann.
        Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
        Gib, daß ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und
        zartesten Geschäft des Lebens gewachsen bin.

        Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte,
        mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
        Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,
        um auch die zu erreichen, die „unten“ sind.
        Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
        Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.
        Herr, lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

        © Antoine de Saint-Exupery
        (Übersetzung: finbarsgift)

      • karfunkelfee sagt:

        Lu, ganz herzlichen Dank an dieser Stelle!
        Und dann noch von Dir übersetzt!
        Fröhlichzufriedenes Glücklichgrinsen in Deine Richtung.

        P.S. Es liest sich berührend, überwältigend und wunderschön…der Antoine…wird einverleibt…

      • finbarsgift sagt:

        Das freut mich!
        (Das Original heißt „Gebet“; aber ich sehe dieses Poem immer eher als eine philosophische Kurzanleitung in die Methode der kleinen Schritte)
        Herzliche Abendgrüße
        vom Lu

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