Luanas Lachen

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Als ich ein Kind war, wollte ich unbedingt blond sein.
Ich bin sehr weiß, werd nicht gut braun. Ich dachte, da sei es ungerecht, nicht blond zu sein, es gehöre einfach zu heller Haut, das Blondsein. Die Sonne verbrennt mich einfach zu schnell, es ist so ungerecht.

Luana aus Ghana lacht mich aus, wenn ich ihr das erzähle. Sie sagt, sie habe sich noch nie in der Sonne verbrannt. Wir Afrikaner haben es da besser, lacht sie und sie nennt die weißesten Zähne der Welt ihr eigen. Darum wirkt ihr Lachen so strahlend.
Sie hat manchmal lauter Zöpfchen auf dem Kopf, ihre Mutter flechtet sie ihr, stundenlang, Schulter an Brust gelehnt, bei Gesprächen und Zeit.
Ich mag es am liebsten, wenn Luana ihre schwarzen glänzenden Tausendlockenhaare offen trägt. Sie sehen ungebändigt aus, frei. In jedem Löckchen steckt bei Luana ein Böckchen und sie kann diskutieren!
Dann wirft sie mit Fremdwörtern um sich, dabei ist sie erst sechs Jahre alt. Luana mit ihrer Herzensbrechernatur weiß ganz genau wie schön sie ist, ihre dunkle Haut wie schwarzer Samt und nicht nur das. Sie weiß auch, dass sie klug ist. Sie ist stolz auf ihre Herkunft und sie verachtet Diskriminierung. Ihre Stimme ist klar und hoch. Luana liebt deutsche alte Volkslieder und die Musik aus der Zauberflöte, die sie gerade in der Grundschule durchnehmen. Das hat Herr Mozart genial hinbekommen, sagt Luana und will nochmal das Gedicht vom Ringelnatz hören und mitsprechen, weil sie musikalisch ist und gern übermütig einen Rhythmus schlägt. Das tut sie mit allem, was ihr in die Finger kommt: Bleistifte, Lineale, selbst mit Schlüsseln klingelt sie Musik.
Wenn sie nichts findet, klatscht sie in die Hände, auf ihren Körper und bewegt sich zu einer Musik, die nur sie selbst hören kann.

Luana kuschelt sich gern nah an mich heran. Sie findet meine welligen langen Haare schön und ich ihre Krauspracht. Wir sagen uns das. Auch, dass wir unsere eigenen Haare mögen.
Dann lese ich ihr wieder den Ringelnatz mit den Ameisen auf der Chaussee vor und sie quietscht vor Entzücken.
Luana möchte am liebsten immer lachen sagt sie. Doch manchmal wird sie auch sehr wütend. Dann geht sie voll des Zorns über Tische und Bänke und mit dem stolzen Kopf voran schnurstracks vor und durch die Wand.

Wo viel Lachen, da viel Weinen, wo viel Zärtlichkeit, da viel Wut. Viel Gefühl. Sag ich Luana und dass ihre Gefühle eine Herde wilder Wüstenpferde sei, ungezügelt, frei, aber auch gefährlich.

Sie wiehert und ihre Locken fliegen wie verrückt in alle Richtungen.
Ich sage in ihr Toben:
Brrrrr….ruhig Blut, mein Schwarzer, lerne, Deine große Kraft zu kontrollieren, sonst wirst Du bald einsam und ohne andere Pferde, in der Wüstennacht schlimm frieren.

Doch da ist es schon wieder gut, sie beruhigt sich.
Und schon, so schnell wie ein Wolkenschatten über Länder zieht, verändert sich ihre gesamte Mimik in das strahlende Lächeln, das ich so gut von ihr kenne.

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16 Kommentare zu “Luanas Lachen

  1. So einfach, so schön muß Liebe geschrieben sein. Ich kann Luanas Lachen sehen. Sie ist wunderschön. Und Sie auch, liebe Karfunkelfee, alleine durch Ihr Schreiben. Es schwingt so viel Frieden darin mit. Danke dafür, Ihre Frau Knobloch.

    • karfunkelfee sagt:

      Und ich lerne von Ihnen, liebe Frau Knobloch, wie tief man mit sehr persönlichen Wortvirtuositäten dies alles transportieren und die Tiefen ausschöpfen kann.
      Es ist wie Tanzen am Meeresgrund in den ältesten Lieblingsschuhen mit einem Menschen mit viel Rhythmusgefühl gegen den Wasserwiderstand.
      Danke für Ihre wunderbaren Worte.
      Die sind wie Flugpulver…

      Herzliche Grüße
      von Ihrer Karfunkelfee

      • Tanzen am Meeresgrund…mit Rhythmusgefühl gegen den Wasserwiderstand… Worte wie Flugpulver, meine liebe Karfunkelfee, was um aller Wiesenwesenwillen könnten Sie bei mir lernen! Ihre wunderbaren Wortgedanken lassen uns, Ihre Leser ohnehin in Silbersilbensphären steigen, gleich dem Perlengesang der steigenden Lerche am flirrendwarmen Sommertage. Doch reiche ich Ihnen gern die Hand zu einem Wildhopsfreudentanze ob Ihrer Bewohlwortung, mir wäre gerade so mazurkisch zumute. Rotwangengrüße, Ihre Frau Knobloch.

      • karfunkelfee sagt:

        Mazurkisch? Oh…so zärtlich flüsterte nur Herr Lenz von Suleyken und er tat/tut es heute noch so dermaßen unnachahmlich, dass mir die Polka ins Blut schießt. Es ist jenes, das wie Rumi sagt, still und unbeschreiblich ist, zwischen den Zeilen, drin und hinterher nicht ganz zu wissen, wie’s einem geschehen kann und sich glücklich überrascht dabei zu fühlen.
        Das ist schon was richtig Subtiles…:)

        In diesem Sinne, aber unsubtil, offen und durchsichtig wie Kloßbrühe, aber vor der Kloßeinlage…also…Wassermitsalzohneklöße, herrjemine…was reddiefee…

        da bloß…

      • Wassermitsalzohneklöße, sprudeldampfend, samthauchwürzig, tiefeinathmendmachend, doch herrjey, die Augen müssen kniepen, es dampfwallert zu sehr… oder ist es eigenes Augensteigwasser, vor Vorfreude auf kugelrunde, wohlhandgeformte Kartoffelleckerschmeckerstücke nur in Pupillenform zu genießen? Ein Stöfchen zerlassene Buchstabenbutter darob und ‚Wohl bekomm’s‘, liebe Wortzauberkarfunkelfee.

  2. Liebe Fee, zeilenweise dachte ich, du schreibst über Anna, dieses wunderbare Mädchen, mit eben diesen lockigen Haaren, mit eben dieser dunklen Haut – nun gut, nicht ganz so dunkel. Aber diese Lust am Lesen, dieser Spaß an Musik – der ist wohl angeboren, bei allen, die diesen Rhythmus im Blut haben.
    Nur die Wut fehlt ihr ein wenig – manchmal denke ich wirklich, sie könnte mehr davon haben, mehr Widerstand leisten, nicht immer brav alles machen, was alle Erwachsenen von ihr wollen.
    Dennoch, sie wird ihren Weg gehen, von der Liebe ihrer Mutter, ihres Vaters, und auch von meiner Liebe begleitet.
    Anna bekommt noch in diesem Monat zwei längere Auftritte bei mir, weil sie so ein tolles Kind ist – sehr oft auch mit ganz vielen Zöpfen.

    • karfunkelfee sagt:

      Die Wut ist unterschiedlich den Temperamenten zugeordnet und Luanas Wut ist auch sehr oft eine ehrgeizige. Sie hat so viel Power, ist kaum zu bremsen. Dies gilt aber in jede Richtung und das mit immer mindestens 100% Einsatz.
      Wild, übermütig, wissbegierig, grenztesterin, nix sanft. Sie ist anders als Anna, diese erscheint mir insgesamt sanfter.

      Die einen lernen sich an den anderen durchzusetzen, die noch Fingerspitzengefühl üben…

      Ich freu mich schon auf Annas Auftritte. 😊

  3. masterkeysysteme sagt:

    Waagie aus Ghana, zwischen Bekannter und Freund, lacht gerne, aber selten in Deutschland. „Was ist hier los, mein Freund“ fragt er mich immer wieder: „Die Menschen sind so viel krank.“, daß kenne er nicht aus Ghana. Er musste erst einmal verstehen, daß Krebs auch eine Krankheit ist.

    „Es ist ganz anders, als man Euch erzählt in Afrika.“ sagt er auch immer wieder.

    „Ja Waagie, daß bringt die Zivilisation mit sich. Krankheiten, damit die Gesundheitsindustrie erblühen kann.“

    Afrika wird gerade erschlossen für die Zivilisation mit Ebola und dem Marburg Virus – damit die Gesundsheitsindustrie zum Helfen anrücken kann.

    • karfunkelfee sagt:

      Das Virus wurde ja 1976 das erste Mal dokumentiert. Es entstand (wenn man der Wissenschaft das glauben will) in den tropischen Regenwäldern und wird durch Affen oder Fledermäuse übertragen.
      Oder doch etwas Wahres an Gerüchten, die menschliche Willkür dafür verantwortlich machen?
      Oder mangelnde Hygienemöglichkeiten, verändertes Klima oder doch noch andere Gründe?
      Und jetzt?
      Die Leute in Afrika mit dem Sterben allein lassen, der Seuche?
      Warten, bis der Tod kommt, zu allen?

      Ein Doktor ohne Patienten ist ein Mann ohne Beruf, das wissen wir.
      Und dass das Gesundheitssystem ohne Krankheit überflüssig wäre- auch…

      Nachdenkliche Grüße,

      von der Karfunkelfee

  4. finbarsgift sagt:

    …mitten aus dem Leben voller Liebe geschrieben…

  5. Liebe karfunkelfee 😉
    durch Zufall über mein stöbern in den Nachbarblogs bin ich auf die deine Seite geraten. Wie wunderbar doch diese Geschichte hier ist. Sie hat mich berührt, ich hab`s gespürt *lächel* Für dieses schöne Gefühl lasse ich dir ein ganz großes Dankeschön und einen leise gesprochenes: “ Ich komme wieder, wenn ich darf“ zurück und drücke beim raus gehen noch schnell den „ich folge dir“ Knopf
    LG Heike

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Heike,

      Ich las Dich bei Frau Wildgans und ja, ich finde auf diese Weise ebenfalls immer wieder neue faszinierende Blogs. Kein Zufall vielleicht? Sondern Magie…?😉

      Ich freu mich, dass Du mir folgst und dass Luana mit ihrem Lachen Saiten schwingen ließ, wenn sie lacht, ist es Musik, die sie mit Zwerchfell und offener Seele macht.

      Herzlich willkommen jederzeit,
      wenn Du Zeit hast,
      als Karfunkelfees Gast.

      Viele liebe Grüße
      von der Karfunkelfee

      • Ganz sicher war und ist es das, was es ist 😉 „Magie“ liebe Karfunkelfee 😉

        Ich freu mich auch immer sehr, wenn mich interessante Kommentare auf verschiedenen Seiten fesseln und mich zu ihren Besitzern weiterleiten. So auch bei dir geschehen, liebe Fee, die du mich gedanklich „Hand genommen hast“ und mich in dein Reich geführt hast. Eine wunderbare Seite, die deine , die ich gerne in meinen Wegweisern haben möchte, um sie öfter zu besuchen.

        Wünsche dir jetzt und zunächst einen wunderbaren, lächelnden Tag voller magischer Momente
        LG Heike

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