Saisonabschied (aus den Geist(er)geschichten)

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Es war die Geist(er)zeit, eine Traumsaison
das Grün, es geriet
außer Façon, tanzte sich welk, huschte die Straßen voran, Laubblätter wie die Späher der kalten Zeit, der Geist leise und schnell wie ein apokalyptischer Reiter, der dem Ende des Grüns entgegenjagt, umtanzt von toter leichter Erinnerung, warm und bunt.

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Vor dem Steinbruch stehen, zu sehen die sandsedimentierte geschichtete Zeit, kalkig weiß, wie eine Wunde im Berg, den nicht die Zeit ihm schlug mit Weile, abgeschlagen Bruch um Bruch, gewaltsam und mit Eile.
Ungeduldig Menschenwerk.

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Sich hochkreisen zu dem alten Gemäuer, fast weiß strahlt die alte Räuberburg, als hätte sie dem Zahn der Zeit nie widerstehen müssen, als zähle für sie einzig der Weitblick über schutzbefohlene Stadtdächer bis ins Land.

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Mit dem Johannisbach flussaufwärts wandern, herb umfangen in der Umarmung des Waldes, die Auen entlang, in denen immer noch der Sommer zirpt und fliegt. Den Berg hochstrampeln im Blick über jungkeimgrüne Wintersaaten, zarte Hälmchen, draußen den Landfrieden, im Herzen den Krieg.

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Immer wieder die Grenzgänger, schon entlaubt, sind sie wehmütig, verändert, über das gleichgültige Land, die immerselbe Aussicht, so wunderschön sie auch sei, sie jeden Tag Leben immer gleich sehen, Stürmen zu trotzen, als sei Stehenzubleiben, Auszuhalten eines Baumes geduldige Pflicht.

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Sie vorbeiziehen lassen, hinter sich lassen, Sonne von vorn warm im Gesicht, an den Beinen auf Haut, traut sich das Herz neue Wege zu suchen, im Gewirr der Straßen der Stadt. Trinkt sich an Begegnungen, heute alle lächelnd, satt und zufrieden, fährt die alten Wege ab, zu prüfen, was übrig sei aus der Vergangenheit, fand es an bemalten Häuserwänden, einer Eingangstür, Bild eines Kindes mit aufgeschürften Knien in einem weiß-grün gepunkteten Kleid, Kindheit, von der an das Leben lauter Kleinemädchenfragen übrig blieben:
Warum ist mein Schatten größer als ich?

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Schauen, was die mit Stein und rosa Kreide vor langer Zeit aufs Pflaster gemalten Sonnenuhren dazu sagen.

Heute sind sie fortgewaschen, die Steine noch die gleichen,
das Herz zerrt weg von diesem alten Ort, er war einmal Geborgenheit, doch sie starb mit den Menschen, die sie einst gaben, sie muss für ein Leben lang reichen.
Es war, flüstert der Geist in jeder vorandrängenden Umdrehung seiner Naben, alles hinter sich lassend, die ganze lange Zeit in Jahren in einen Rückenwindstoß fassend. Es eilt. Fahr schneller…

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Der Wind stemmt sich in Böen, wie leicht wirft es sich aus der Bahn, scheint was sicher sich glaubte, nun verhaltener, vorsichtiger zu sein, wie auf Seife rutschen die schmalen Reifen durch nasses Laub, nun heißt es, konzentriert den Lenker fester zu greifen, angstgeklammert im schleifenden, nichtfassenwollenden Bremsgeräusch, es nützt nichts, hier greifen sie nicht, Augen auf und Bremsen verboten, ansonsten den Asphalt küssen mit blutigen Knien und Pfoten.

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Die Stadt, scheinbar vertraut in Einzelorten wie Ergebnissen aus Gleichungen mit unbekannten Lösungswegen, die, im Kennenlernen, Abfahren unbekannter Straßen sich beginnen wie die Maschen eines Netzes zu verbinden und sich zusammenfinden in Knotenpunkten, auch aus den Sackgassen findet ein Geist Auswege, lässt sich leicht über Treppen tragen und rollt gutmütig, ohne zu klagen über Wiesen, Stock und Stein, querstadtfeldaus- und -ein.
Er scheint führerlos, doch will ein Führer sein.

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Zeitweilig die Atemnot, immer mal wieder, das kleine klamme Gefühl in den schönen alten großen Windgesängen, dann wieder ruhig und frei in den Gedanken mit der Landschaft weitertreiben
leer und ohne Ziel,
von diesem Gefühl noch viel mehr wollen, unbeschwert weiterrollen bis zum nächsten Berg.
Ihn wütend traurig hochtoben, verausgabt sich, es ist im Herzen Sommerschlussverkauf, alles wird verschleudert, zu Billigpreisen, entwertete bunte Träume auf Wühltischen
alles muss raus.
In der Natur stellenweise schon in ganzen Gruppen gedeckte Farben, wintermaßgeschneidert.
Die Sonne höhnt warm, als wär’s noch Sommer.

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Nach Hause kommen, es sehen wie die goldene Stadt, die Zuflucht, der traute Stall. Fing auf noch immer jeden schweren Fall, viel wert, ein Lager zu haben, in das man jederzeit gehen kann.
Nun steht der Geist, Lenker Richtung Tür, sie ist immer offen.
Der Geist weiß genau weswegen, wofür, lockt mit dem Draußen, es schmeckt verwegen nach Freisein, Frieden und Hoffen.

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8 Kommentare zu “Saisonabschied (aus den Geist(er)geschichten)

  1. Und wieder schenken Sie uns ein Füllhorn an Eindringlichkeiten, so prall, wie nur das Leben selbst es ausschütten kann. Wie Sie mir aus dem Herzen sprechen, es verblüfft mich schier. Ich hier gestern zwo Stunden Kopffreyradeln, Entscheidungen durchwälzen, Sie dort, auf der anderen Seite und doch irgendwie an der meinen, weil ich ebenso fühlte. Draußen ist für mich immer Frieden, indem ich mich wiederfinde. Ich danke Ihnen zutiefst für Ihre Besilbenradelei und verbleibe herzlich verbunden, Ihre Frau Knobloch.

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Frau Knobloch, wenn Geister sich berühren und finden, in gegenseitigem Ausdruck und Faszination, dann gibt das wie bei den jungen Baumknospen im Frühling, wenn die Sonne draufscheint und ihnen ihre Hülle zu eng wird- jedes Mal einen Knall.
      Überall knallt es leise in den Wipfeln im Frühling und das ist ein Geräusch, das ich sehr sehr mag, es sind die Initialzündungen der Natur und immer wenn das geschieht und man es hören kann, dann fühlt sich das warm hell und glücklich nach Lebendigsein an.

      Darum ist es eine wunderbare Sache, wenn sich welche das Glück haben, einander zu bereichern, Tiefenwarm, Infrarotgefühl…

      Gestern las ich bei jemandem auch mein Thema und da hatte ich plötzlich wieder ein Raubtierherz, das wollte nur noch jagen hinterher, so gut war der Text. Ein Blick zu Frau Bukowski, ganz stark.

      Und Sie, letztens über diesen Besonderen sprechend, da lief’s, da hatte ich die kullerige Bescherung auf meinem Display und wurde innendrin warm und friedlich.

      Gütige Menschen, die nix davon wissen wie sie sind, die einfach nur strahlen und manchmal auch für uns, das fühlt sich dankbar und schön an.

      So.
      Und jetzt blogg ich Herbert.
      Wird Zeit für ein Liebeslied.

      Herzlichst,
      Ihre Karfunkelfee

      • „Wird Zeit für ein Liebeslied.“ ist eine wunderbare Aussage. Ich möchte es an graue Häuserwände sprühen. Wird Zeit für ein Liebeslied. Einfach mal deutlich aussprechen, wenn zwei sich dickhalsig gegenüberstehn und rumgockeln. Wird Zeit für ein Liebeslied. Zu jemanden sagen, der einsam traurigguckend auf einer Parkbank sitzt. Sich dazusetzen und eines anstimmen. Wird Zeit für ein Liebeslied. Dem alten Herrn, der mühsam seinen Einkaufsrolly hinter sich herzieht, diesen abnehmen, des Weges begleiten und ein Liebeslied zitieren. Wird Zeit für ein Liebeslied. Dieser Satz hat sich hiermit in meinen Denkapparat einziseliert. Danke, meine Liebe, jetzt komme ich Herbert lauschen. Ich spüre schon Augenwasser aufquellen…

      • karfunkelfee sagt:

        Ihre Aussage ist schon wieder ein Liebeslied.
        Trost und Wärme zu geben ist leicht, wenn man selbst genügend davon hat um sie weiterzugeben und es ist Gabe wie Kunst, aus sich selbst heraus genügend Wärme zu produzieren, um andere damit initialzünden zu können…
        doch ich glaube, es ist erlernbar…

        Danke für Ihre Zauberworte.
        Sind welche…😊

        Herzlichst,
        Ihre Karfunkelfee

      • Hach, Zauberwort findet zu Zauberwort. Danke zutiefst, meine liebe Karfunkelfee. Da draußen, in der Konsumwelt wird es immer kälter, es ist umso wichtiger, daß wir das warme Scheinen eines Liebesliedes in uns tragen und teilen. Auch wenn mancher die Ohren davor verschließt, sein Herz wird es wohl hören.
        Ich grüße herzlich zurück, Ihre Frau Knobloch.

  2. Hach, so viele schöne Fotos – und ich widme mich ausgerechnet dem Fahrrad, war ich doch jahrelang ganz begeisterte Langtourenfahrerin. Du bist also nicht Ghost-Writerin, sondern Ghost-Reiterin 🙂 – das ist ja ein richtig schöner Reim 🙂
    Auch das Schattenspiel mit Fahrrad finde ich natürlich sehr schön.
    Mach es gut, Liebes und schöne Grüße nach B.

    • karfunkelfee sagt:

      Du reimst himmelhoch in die richtige Richtung und die über Jahre antrainierte Ausdauer spürt man Dir an…Ausdauer kann sich, in einem Bereich erkämpft, in vielem anderen Verhalten finden, Du hast viel Einsatz gezeigt, das zahlt sich am Ende irgendwo immer aus, glaubich…

      Die Ghost(W)-r(e)iterin grüßt Dich
      herzlich ins benachbarte dicke ‚B’…

  3. Das dicke „B“ – bzw. natürlich nur ein millionstel Teil davon – sitzt hier und freut sich über deine Antwort. – Es regnet immer noch, viel, heftig – meine Balkonpflanzenuntersetzer laufen schon über, und anderes auch.
    Liebe Grüße zu dir!

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