Im Spiegel

Liebe Blogleser,

In den letzten Tagen durfte ich sehr kluge Beiträge von Frau Knobloch und Candy Bukowski lesen. Es geht um Herzensentscheidungen und Werte.
Aus dem Kommentar, den ich Frau Knobloch schrieb, da uns alle ein ähnliches Thema umzutreiben scheint, wenn auch mit unterschiedlichen Geschichten dahinter, entstand ein eigenständiger Text.

Frau Knobloch und Candy, es wäre mir eine Freude, wenn ich an dieser Stelle zu Euch hinlinkwinken dürfte- darf ich?
Eure Texte, die Kommentare dazu haben in mir tiefen Eindruck hinterlassen. Ein volles Maß Lebenserfahrung gibt es hier zu entdecken in den vielzähligen Berichten und Gedanken.

http://bittemito.wordpress.com/2014/10/26/ja-oder-ja/

http://candybukowski.com/2014/10/27/think-about-werte/comment-page-1/#comment-3043

Herzliche Grüße
von der Karfunkelfee

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Im Spiegel

Wann immer ich versuchte, mein Herz in den Kopf zu zwingen, scheiterte ich, wann immer ich dachte, ich könne das Tempo, in dem mein Herz zu heilen versucht, vorantreiben, verursachte ich Leid, mir und anderen. Wann immer ich versuchte, mir woanders als in meinem Bauch Absolution für meine Gewissensentscheidungen, meine Moral und meine Selbstzweifel zu holen, bekam ich statt mehr Kraft mehr Variationen eines spekulativen illusionären Themas, doch es machte mich schwerer und nicht leichter, wie ich erhoffte.

Ich dachte, ich könne mich irgendwie schützen vor den Entscheidungen anderer und blieb für mich.
Die Herzensentscheidungen treffen die anderen, die davon betroffen sind, aktiv mit, bewusst und unbewusst, durch ihr Verhalten, das Gesprochene und das, was in ihrem Schweigen verbleibt.

Wir sind Resonanzkörper, Spiegelwesen.
Unsere Gefühle verschleiern manchmal das, was wir nicht gern wahrnehmen wollen und unser Kopf denkt, er hätte alles mit dem Verstand in der Hand.

Wir fühlen ‚Nein‘ und denken dabei ‚Ja‘. Wir fallen aus dem scheinbar vertrauten ‚Wir‘ in das fremdere distanziertere und perspektivisch sich umschauende ‚Du-und-Du‘ zurück. Der ständig hoffende Verstand will Brücken schlagen und kämpft mit der Gewissheit des Herzens, die uns doch schon so lange immer wieder in Zweifeln hinterfragen wollte, auf die zu hören, es so schwer fällt, weil die Erkenntnis schon lange schwarz die Spiegel verhängte und das Erkennen im anderen Augenpaar ein Blick wurde, der nur noch den Schatten der Bewegung aus dem Seitenblick wahrnahm.

Unser Auge ist nicht in der Lage ein wahrhaft scharfes Bild von dem was wir sehen, an das Gehirn weiterzuleiten. Um ein Bild zu erhalten, muss unser Gehirn Details aus früher gespeicherten erinnerten Bildern und Eindrücken zu Hilfe nehmen. So funktioniert unser Sehen.

Warum sollte dies bei der Seele anders sein? Auch sie greift zurück auf die Erinnerungen, um ein schärferes Bild zu zeichnen.

Darum sind wir angewiesen auf unsere Erinnerungen. Sie dienen der Orientierung. Andere funktionieren genauso und was wissen wir wirklich über sie, die anderen?

Was, lassen sie uns sehen? Wie tief muss Vertrauen reichen, damit das Herz, sich selbst annehmen kann, auch wenn es verlassen wird?

Wir sind Spiegelwesen, Resonanzkörper und wir folgen unserer inneren Führung, der unsere Werte voranstehen, die die Richtung vorgeben für den zukünftigen Straßenverlauf.

Wir suchen bei anderen Ähnlichkeit, Synchronschwingungen, weil sie uns in uns selbst stärken, motivieren und glücklich machen wie Kinder, die angenommen und geliebt werden, in dem wie sie sind und für das, was sie sind, lange bevor sie gelernt haben, sich selbst im Spiegel zu erkennen und dabei tatsächlich zu denken, sie sähen ein ganzes Bild von sich.

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9 Kommentare zu “Im Spiegel

  1. Liebste Karfunkelfee, es wäre mir eine Ehre zu so einem geist- und herzensreichen Text verlinkt zu werden. Ich lese augenschimmernd…
    Herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

    • karfunkelfee sagt:

      Die Ehre, meine werte liebe Uflerin von nicht weit weg: die Ehre befand sich ganz auf meiner Seite. ..

      Es ist und bleibt ein augenschimmerndes Thema. Und das in einer solchen Zeit?
      Als wäre der Herbst nicht schon schlimm genug…

      Ich blinkere mal Richtung Funkturm übern Berg, schimmert fünfmal rot…blinkblink…

      • Ich hatte mir so gewünscht, daß mir dieser Herbst mal nicht den Raschelboden unter den Füßen wegzieht, meine liebe Karfunkelfee. Und er tuts doch wieder. Es scheint ihm Vergnügen zu bereiten, uns Menschenkinder gleich Blattgesellen durcheinanderzuwirbeln und um uns selbst kreisen zu lassen. Will er vielleicht, daß wir uns beim Kräftemessen mit ihm ertüchtigen, um so den rauhen Winter zu überstehen? Lassen Sie uns den Kampf aufnehmen, sich wegducken wäre schmalarschig. Wozu erradeln wir uns denn einen Knackarsch, oder?
        Ich grüße Sie schimmerblinkend zurück übern Berg und verbleibe zugetan, Ihre Frau Knobloch.

      • karfunkelfee sagt:

        Frau Knobloch, auch auf die Gefahr hin, dass ich nun etwas westfälisch herzlich herumderbe…
        …aber…
        allein für
        ’schmalarschig‘
        gehören Sie hinterwärts gelippwohltätigt.
        Das Wort ist Granate!
        … und die Strampelei ist ein Sahnehäubchen, denn der Lohn schmeckt süß nach Freiheit und Freifliegen und so.

        Das nächste Gedicht ist ein Seemannsgarn und trifft den Herbst, kurzerhand ihm entfleuchend, in See stechend (Winterschiffe…Eisbrecher)
        Mitten ins Laubherz hinein.

        Was der kann, können wir schon lange.
        Mit Schmalhals und knackarschig.
        Aber Hallo…😊

        Verbindlichstpipipinkeherzchen übern Teuto zu Ihnen hin…
        hab warmes Funkensprüh’n in meinem Karfunkelfeesinn

      • Ach, meine Liebe, etwas westfälische Herumderberey, die vertrage ich als unschmaldochknackarschige Beutelipperin (Naja, Neubeute halt!) doch immer. Und Ihre Pipipinkescheißherzchen, immer her damit, da stricke ich mir ’nen Schal daraus, da kann der Herbst mich ankrawummen, wie er will. Ich grüße Sie herzverbunden zurück, Ihre Frau Knobloch, karfunkelfunkenbeglückt.

      • karfunkelfee sagt:

        Ihre Worte sprühen ebenso, Verehrteste. Initialzündungen.
        Hach…

        Danke…

  2. finbarsgift sagt:

    Sehr klug, sehr weise und tief auslotend die wirklich wichtigen Dinge des Lebens mit dem gegenüber sitzenden Spiegelwesen fein synchronisiert…

    • karfunkelfee sagt:

      Ach, Lu. Was tät ich ohne Dein Immerwiedermutmachen, ohne Deinen untrüglichen Instinkt, der Dich zu mir die richtigen Worte sagen lässt, die es braucht, um etwas zu tun und nicht es aus Feigheit(ja, ich bin der kleine Feigling…) zu lassen.
      Danke…

      • finbarsgift sagt:

        Nein, liebe Fee, du bist absolut kein Feigling, wirklich nicht, das kannst du mir glauben!
        Und was mir derzeit vor allem bei deinen Arbeiten auffällt, das ist die virtuose, sichere Handhabung auch sehr tief gehender Themen, sowohl in lyrischer Form wie auch als Prosa.
        Liebe Grüße vom Lu

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