Losnacht

Liebe Blogleser,

Besinnlich kann ja jeder…
Erster Advent, wie man das kennt?
Nicht für mich, ich orakelte lieber
und heute Morgen las ich bei St. Moonlight im Gedankenteiler-Blog, dass wir wohl einen Andreasgedanken teilten und noch allerhand Interessantes mehr.
Hier geht es zum Eintrag, der mich umtrieb und ich der ‚Losnacht‘
dieses kleine Gedicht schrieb:

https://gedankenteiler.wordpress.com/

Ich wünsche Euch allen einen schönen ersten Advent und St. Moonlight vielen lieben Dank für Deinen tollen Beitrag!

Eure Karfunkelfee

❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️

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Weißt du noch
wie ich den alten Apfelbaum dreizehnmal
mit meinen Pantoffeln bewarf?
(…und keiner davon traf?)

Erinnerst du dich
des armen Ganters
im See
dem ich mit
meinem Teelichtermeer
den gefederten Bürzel verbrannte?
Oh, weh…

Denkst Du noch an diese Nacht,
vor vielen Jahren,
als ich wachte und betete
nackt vor mich hinfror
(vergeblich versuchte
zwischendurch
mein frostklammes Fleisch
wieder warm zu kneten)
als gälte es
jetzt gleich
im Wahn aller
versammelten Hoffnung
stantepede
in das selige Himmelreich
(hängend voller Geigen, die sich schluchzend vor Rührung vor
lauterer Liebe verneigen)
kerzensteilgerade
aufzufahren?
Ich armer Tor…
Da war Walt Disney schon vor…

Letzte Nacht
trat ich erneut
vor den Spiegel
wollte mich aufwiegeln
im Orakel der Liebe
doch der Spiegel
zückte nur Schwarz
glanzdunkles Quarz
wie lang mich das weilte
wie sehr mich das trauerte
darum eilte
ich lieber ins Bett zurück
suchte dort mein
warmes Daunenglück
solange die Nacht
noch dauerte

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Teen Spirit bis um zehn

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Halb fünf in der Dunkelheit
ist für den Nachbarn Aufstehzeit
Ein letzter Schnarcher
durch die Wand
dann hört man poltern allerhand
die Schranktür knallt
die Flure beben
um fünfe lässt sich’s herrlich leben!

Um Sechse klingelt Tochters Wecker
gefolgt von schläfrigem Gemecker
Huschen, Waschen
Sachen suchen
über neue Pickel fluchen
Brot einstecken
Turni checken
Labello über Lippen lecken
Draußen kalt, oh, welch ein Graus!
Egal, husch husch und aus dem Haus!

Kaffee mahlen, Wasser kochen
dabei den letzten Antrag lochen
Mucke machen Radio
Ja, das macht den Morgen froh!
Ein Hip, ein Swing, ein kleiner Flirt
mit Kurt Cobain
im Schlafeshirt
Teen Spirit
bis um zehn
Nirwana nicht versteh’n
es für Kurt erfleh’n –

wieder an die Arbeit geh’n…

Michael Brown – Ein Nachruf mit Fragen

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Kein Kind mehr
nur beinahe noch
das erschossen wurde
weil es zu trotzen wagte
auf der Straße rannte
bevor ihm zehn Kugeln
das Leben aus dem Körper brannten.

Was sind zehn Kugeln
im Vergleich zu einem
Faustschlag ins Gesicht?
Einer unprofessionellen
Gewissenlosigkeit
in der Immunität
der gewissenhaften Ausübung
der Staatspflicht?
Die Schande des weißen
Kindertraumas
trägt vielleicht ein schwarzes Gesicht?

Kein Grund,
urteilen Geschworene,
schwarz wie weiß,
nicht zu schießen,
geht es um das eigene Leben,
dürfe ruhig Blut fließen,
Blut für das
amerikanische Gewissen,
der Oberleitwolf
lässt wie üblich in der Angelegenheit,
jeden persönlichen Einsatz schmerzlich vermissen,
lässt ausweichend zu,
dass die, die trauern, die wüten
nach Aufklärung verlangen,
die Fahnen der Anarchie hissen,
plündernd und anklagend,
auf gewaltvolle Weise nach Gerechtigkeit fragend,

Soll dies wirklich der einzige Weg sein können ihnen zu begegnen
wie einem unartigen Kind?
Zu diesem amerikanischen Problem werden besser keine Fragen gestellt.
Justitia ist sowas von stockblind!

Martin Luther King,
hatte einen Traum,
es gab ein kleines Dorf dafür,
das war ein Ghetto-Raum
in schwarz mit wenig weiß
Farbenfragen verursachen politisch fragwürdige Grauzonen
in denen
Tote ohne Würde, Respekt und Hoffnung wohnen
Wie unmäßig hoch ist dieser unwürdige Preis
einer illusorischen Freiheit?

Kann es etwas Schlimmeres geben,
als dass Eltern ihre Kinder überleben…?
Ja.
Ihre Trauer, ihre Fragen abzulehnen
und von ihnen,
hohle Beileidsphrasen dreschend,
konsequent
wegzusehen

black-out/white-out

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trying to keep
what you have seen
in logarithmic ways
finding finest visible
line structures
black-out
white-out
wipe it all out
in the change of brightness
don’t trust your eyes.
it’s an optical disguise

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Du

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Dies sagte ich dir als ich dich zuletzt sah und dachte, dass du vielleicht manchmal einsam seist, dir viele Gedanken machst, die um dich kreisen wie Höllenplaneten, ständiges Feuer und Eis in den ewigen Stürmen.

Ich fragte mich das, als ich deine Mundwinkel betrachtete und fand deine Augen hinter den scheinbar entspannten Gesichtszügen ernst als ich sie näher an mich heranzoomte. Ich vermisste in deinem Blick den lieben albernen Schalk, der du sein kannst.
Wer stahl dein Lächeln?
Wer singt für dich Lieder vom Frieden in hilflosen Zeiten?

Für das, was du willst brauchst du Kraft, Zuversicht und Mut, aus voller Seele. Was wird gut? Wer kühlt dir die Füße in den Glutfeldern, über die du rennst , wenn dich nachts die Dämonen quälen? Ich umarme dich abwesend und still, kenne ich doch viele schon mit Namen, ihren Schrecken, den sie verbreiten.
Sehe, wie sich in ihrem Angesicht ernste Falten in das deine graben, sehe die Narben, die sie in dir hinterließen, sei gehalten in meinen Wünschen und Träumen über die Weiten einsamer langer Distanzen, in denen wir auseinanderfließen.

Wenn dein blitzlichtgewitternder Geist wie eine Superzelle grollend über dir kreist, sollen meine Gedanken lichtgetränkte Pfeile in dein Zentrum sein, müssen sich dir nicht erklären, beweisen, du weißt von mir, was du wissen willst.

Der Stein der Weisen rollt steil bergan, gegen das Trägheitsgesetz.
Damit er dich in deinem freien Wurf an die Wand nicht wie ein Squashball im Rückprall allzu hart verletzt, habe ich die Himmelsdecke doppelt vernetzt.

Bin ich die, die einen Weg zwischen Mondsämlingen freisetzt, um sie gießen gehen zu können, damit sie ungehindert wachsen und gedeihen, sei der Boden auch noch so lebensfeindlich, kalt und fremd.

Das Sterntalermädchen gab alles den Armen hin, alles, bis auf ihr letztes Hemd, das ihre Blöße bedeckte und ihr überhaupt erst ermöglichte, die fallenden Sterne im Hemdsaum zu fangen mit dem Letzten, das ihr blieb.
Das war ihr wahrer Reichtum, das ist die Weisheit der Sterne.

Dies sagte ich dir, während du schliefst, leise in dein Ohr.
Dies sagte ich dir, bevor die Sonne ihren strahlenden Schatten hinter dem großen Mond verbarg und in der Nacht war ich wach als deine Seele im Traum nach mir rief.