In der Schublade

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Du hast mich in eine Schublade gestopft und sie dann zugetreten. Arme und Beine hängen heraus, mein Rückgrat brach, als du es knicktest, um mich hineinzuzwängen. Es ist eng, es ist dunkel, es schmerzt, in einer Schublade zu sein. Meine Füße sind kalt, sie hängen draußen. Meine Hände sind noch kälter, sie sterben ab, so dass sie nichts mehr tun können, ich kann sie nicht einmal an den Körper ziehen, um sie zu wärmen.
Du hast mich zwischen all deine Dinge gequetscht. Zwischen Socken, Unterhosen und Unterhemden hast du mich gelegt, als sollte ich in deinem Frischewäschegeruch ersticken, um deinen wahren Geruch nicht wahrzunehmen. Du wolltest mich zusammenrollen wie deine Socken. Als es nicht möglich war, wurdest du zornig, nahmst mich, knülltest mich zusammen und stecktest mich einfach mitten zwischen das andere Zeug. Und dann hast du die Schublade zugeknallt, noch vorgetreten, damit sie zugeht, obwohl meine Arme und meine Beine noch draußen hingen. Dass du sie mir nicht abgetrennt hast, war noch Glück dabei.

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15 Kommentare zu “In der Schublade

  1. Faktoid sagt:

    Bitter.. so oft, überall….

  2. SalvaVenia sagt:

    Hört sich nach den Wirklichkeiten des Lebens an …

    • karfunkelfee sagt:

      Ja, Herr Salva.
      Doch es liegt an jedem selbst, wie er sich in die Schublade stecken lässt.
      Eine Puppe kann sich nicht wehren, ihr geschieht nur…

      • SalvaVenia sagt:

        Wie Sie wohl andeuten wollten, gibt es leider viel zu viele Menschen, die augenscheinlich nur zum Puppenverhalten fähig sind.

        Wehren können und wehren tuen wäre sicherlich oft wünschenswert.

      • karfunkelfee sagt:

        Sagen wir es mal so…
        Nicht jede Puppe hat eine Wahl.
        Wieder andere möchten vielleicht keine Wahl.
        Wieder andere hätten vielleicht gern eine Wahl, bräuchten jedoch Mut und Kraft genug, es ihre Wahl sein zu lassen.

        Sich eine Wahl erlauben zu können, setzt die Bereitschaft voraus, sie wirklich anzunehmen und die Toleranz, dem anderen seine Wahl ebenfalls zuzugestehen…

      • SalvaVenia sagt:

        Die letzte Prämisse, glaube ich, kann so nicht zutreffen. Die Wahlmöglichkeit hat der, den es betrifft. Und nicht irgendeine andere Person. Denn die Person, die eine Wahl getroffen hat, braucht wohl nicht zu tolerieren, wie sie denn nun gewählt hat, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

      • karfunkelfee sagt:

        Doch. Die eigene Wahl zu tolerieren ist manchmal schwerer noch, als die des anderen zu tolerieren.
        Wie kann ich es besser ausdrücken…
        Das Herz braucht manchmal länger als der Verstand, um zu akzeptieren, warum eine Entwicklung ihren Lauf nahm. Bis dahin schützt es sich mit Mottos oder Erinnerungen. Später, im Rückblick, wird verstehend ersichtlich, warum man dies oder das getan hat, schaut hinter die schützende Maske. Diesen Moment erinnernd als Schubladengefühl, verleiht die Kraft, die Puppenmentalität abzulegen oder zu beseelen mit dem Wunsch im eigenen Willen festzulegen, zu relativieren und zu bestimmen, wie weit ein anderer bestimmen darf, in Schubladen sortieren darf.

        Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, es besser darzustellen, wie ich es meine.

      • SalvaVenia sagt:

        Vielleicht ist hier einfach nur der Begriff des Tolerierens irreführend; tolerieren = dulden, obwohl man nicht damit einverstanden ist (siehe auch hier: https://salvaveniaxxl.wordpress.com/2014/02/10/gedanken-zur-unbegrifflichkeit-2-heute-toleranz/).

        Ich bin da ganz mit Ihnen mit der Beschreibung der Abfolge; wobei diese indes nur die Tatsächlichkeiten nach einer getroffenen Wahl aufzeigt.

        Niemand muß über eine Bereitschaft verfügen, Drittmeinungen positiv oder negativ gegenüberzustehen, um Entscheidungen treffen zu können. Was m.E. auch nicht den Wirklichkeiten des Lebens entspricht.

        Ob jemand nun die ihm bekannten oder vermuteten Verhaltensweisen Dritter in seine Entscheidungsüberlegungen mit einfließen läßt – das ist eine vollkommen andere Sache. Hat mit der primären Fähigkeit, wählen zu können, meiner Meinung nach indes genau nichts zu tun. 🙂

        Herzliche Grüße,
        Der Salva

      • karfunkelfee sagt:

        Ich gebe Ihnen völlig Recht, wenn ich von ‚Duldung‘ ausgehe bei dem Wort Toleranz. Ich googelte das eben mal, weil ich mit Toleranz mehr als Duldung einschließe, fand die Achtung vor fremden Überzeugungen und das bezieht andere ein, ohne mir die Freiheit einer eigenen Meinung und das Recht da heraus zu handeln, vorbehalte.
        Meinungen positiv oder negativ zu betrachten, also gefühlsbehaftet, benimmt die Möglichkeit der Hinfindung zur eigenen Entscheidung.
        Das Ziel, wertungsfrei sein zu wollen, objektiv und sachlich zu bleiben.
        Interessant, was sich herausschält, wenn man stimmungsbedingtes Schubladengefühl gefühlsentkernt. Es bleibt die Essenz dessen, was wirklich ist.
        Es kann, doch es muss keine andere Meinung zulassen.
        Das Kann ist dabei eine freie Wahl.
        Ich las eben Ihren Beitrag zur Toleranz.
        Meistens vermeide ich das Wort, eben weil es völlig überfrachtet wirkt.
        Ich spreche lieber von Achtung oder Respekt, obwohl auch diese Begriffe eher allgemeinen Charakter haben.
        Kompromiss ist auch einzusortieren in den erlauchten Club der vereinten Positivisten in the name of let-us-all-love-and-be-happy 😊

        Auch mal Danke für Ihre Gedanken, Herr Salva und das Linkdings zu Ihrem Beitrag ✨

      • SalvaVenia sagt:

        Fantastisch, Ihre Ausführungen! Da bleibt nur noch Zustimmung. 😀

        Und auch meiner einer hat sich über den kleinen Diskurs sehr gefreut; ebenfalls: danke,

      • karfunkelfee sagt:

        Danke, Herr Salva. Ich habe mich ganz schön gewunden, ein Diskurs ist so schön, weil er andere Perspektiven zeigt.
        Über das Wort ‚Toleranz‘, wie ich es auch für mich selbst definiere, lohnt es sich nachzudenken, Ihr Beitrag warf wieder Neues auf, war lehrreich, vielen Dank also ganz meinerseitig.
        Und ein gemeinsamer Nenner…super, damit kann man prima teilen, sagt der alte Brücheklopfer.😎

      • SalvaVenia sagt:

        Sie habend amit sehr recht und ich freue mich, daß die Gemeinsamkeiten verbinden dürfen.

        Herzliche Grüße nochmals. 🙂

  3. Von diesem „Du“ solltest du dich trennen, egal wer es ist – so geht man nicht mit einer Puppe um.

    • karfunkelfee sagt:

      Das ist Susanna.
      Sie thront normalerweise auf Bertold Brecht.
      Für die Szene war sie so lieb, die ‚Stuntpuppe‘ zu simulieren.
      Aber, Du, sagte sie:
      Pass bloß auf mit mir, hörst Du?
      Meine Beine sind aus Porzellan, meine Arme und mein Gesicht auch.
      Handbemalt.
      Dass Du mich vom Sperrmüll holtest, aus einem Karton mit zerbrochenem Trödel, bedeutet noch nicht, dass ich ein Crash Test Dummie bin.
      Das sagte sie mir, Clara.
      Ob Du’s glaubst oder nicht…😉

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