Aus den Dialogübungen: Bitte eine Tüte zum Einkauf

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I:Du siehst müde aus, du schläfst zu wenig.
M: Ach, der viele Stress, die Kindersorgen, du weißt schon und immer alles allein.
I: Kalle hat dauernd etwas zu stöhnen und ist dauernd müde. Wenn er nicht nörgelt, schläft er, regt sich entweder über die Kinder auf oder übers liebe Geld.
Für Sex würde er langsam zu alt, sagte er beim letzten Beischlaf, anders mag ich dieses bewegungsminimierte Drama im Ehebett wirklich nicht mehr nennen…
Kannst du mir bitte mal sagen, was ich von so einem 'zu zweit' habe, außer, dass er ab und zu die Kinder kutschiert? Er törnt mich nur noch ab.
Und bei dir?
M: ach, auch wieder ein Reinfall. Ich erzähl dir was. Kennst du die Geschichte von der Hasenpfote?
I: ja, klar, die Geschichte, in der es um das Wünschen geht und darum, dass Wünsche sich selten so erfüllen wie man es sich wünscht, dass es einen Pferdefuß, einen Haken daran gibt. Und? Was ist passiert?
M: Ivonne, das glaubst du nicht, ich sage es dir, das ist Magie!
Also er ist natürlich weg, ich wurde für unpassend befunden. Damit hatte ich die letzten Wochen zu kämpfen. Immer diese hartnäckige Hoffnung. Da ging es mir dreckig mit, das kannst du mir glauben!
I: Möchtest du Cappucchino? Sie kommt gerade.
M: Danke, ja.
I: was ist dann passiert, jetzt wird es spannend, oder?
M: ich fand einen alten Brief. Er lag im Schreibblock zwischen leeren Seiten, ich erinnerte mich überhaupt nicht mehr daran, dass ich ihn geschrieben hatte oder wann genau, denn er war undatiert. Ich schrieb ihn vor ein paar Jahren einer Freundin und schickte ihn nie ab.
In diesen Brief schrieb ich ihr unter anderem davon, wie sehr mich dieses ganze theoretische bei den Kerlen inzwischen annervt mit ihren Fragenkatalogen und ihrer Abhakerei.
Die Idealfrau, geht es nach ihren Vorstellungen, müsse, in der Mitte ihres Lebens angekommen, gut etabliert um die Ecke wohnen, wohl habend und bescheiden sein, ein Mutterherz haben, am allerbesten noch, ohne selbst Kinder zu haben, Idealfigur ohne sich anzustrengen, Lebenserfahrung wünschen sie sich reife, doch diese dann bitte im Körper einer jungen Frau, top gepflegt vom Scheitel bis zur Sohle, die Frau aus dem Ei gepellt in zehn Minuten, inklusive Maniküre und Pediküre für Sammetpfoten. Außerdem soll sie noch Verständnis haben für alles und sich seinen Bedürfnissen unterordnen. Natürlich soll sie auch noch ein heißer Feger sein. Aber bitte ein treuer und irgendwie züchtiger.

Jedenfalls wünschte ich mir nach all diesem Unsinn von Männern, die sich selbst so toll, klug, lebenserfahren und gebildet vorkamen, einen lieben ehrlichen und treuen Handwerker. Warum weiß ich selber nicht, aber kinderlieb sollte er auch sein, ganz wichtig. Am besten selbst welche haben.
I: und genau der tauchte ja dann ja auch passend auf…
M: Du sagst es! Das ist doch Magie oder?
Tiefdunkelschwarze…ich bin verflucht…
I: ach, Mara, nein, es war einfach Pech. Glaubst du, das Schicksal wollte dich bestrafen, in dem es dir einen kinderlieben Mann schickt, der dich dann nicht will, weil du versäumtest, dir auch das zu wünschen?
M: ich weiß nicht…ich denke manchmal so, dass es eine Strafe sein kann, sich etwas zu wünschen, das doch so unrealistisch gar nicht klingt?
I: vielleicht hängt es überhaupt mit dem wünschen zusammen? Ich habe meine schnarchlangweilige Ehe so leid…doch die Kinder sind noch klein und es ist auch eine Sicherheit. Ich hoffe ja auch irgendwie heimlich, ich könnte meinen Mann wieder anders spüren. So wie früher, als wir noch heiß aufeinander waren. Er spricht dauernd nur vom Älterwerden. Seine Kumpel scheinen ihm zu genügen und ich schmeiße den Haushalt, ist echt zum Kotzen mit ihm. Wo das noch hinführen soll, weiß ich auch nicht. I'm too low for zero und erfülle meine Pflicht. Ich gehe jetzt zum Zumba-Tanz, tu was für mich, so wie du das ja schon lange machst mit deinem Yoga.
Ich gehe unter Leute, jetzt kann ich endlich die Kinder auch schon mal allein lassen.
M: es ist wohl am besten sich nichts zu wünschen.
I: ich glaube, dass Wünsche wichtig sind, wenn wir damit aufhören uns etwas zu wünschen, erschlägt uns das Leben mit seinen Härten und wir werden zu traurig…
Los, wünsch dir schon einen. Dreh den Spieß um, wo bitte ist deine Power geblieben, altes Mädchen? Lies nochmal die Hexen von Eastwick und schau dir den Film mit Jack Nickolson an.
M: etwa so einen soll ich mir wünschen? So einen kinderlieben herrlich verruchten Teufel mit Herz und allen Sentimentalitäten und dem ganzen höllisch heißen Pipapo drumherum?
I: warum nicht? Dann aber einen, der dich dann auch wirklich will, das solltest du nicht versäumen, dir mit dabeizuwünschen wie die Tüte zum Einkauf!

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7 Kommentare zu “Aus den Dialogübungen: Bitte eine Tüte zum Einkauf

  1. Ich fände es interessant, die gleichen Themen von der männlichen Seite aus geführt zu lesen.
    Da gab es doch diese zwei Filme, die die gleichen Situationen aus Sicht von ihr und ihm zeigten. „Meine Tage mit Pierre – meine Nächte mit Jacqueline“ oder so ähnlich.

    • karfunkelfee sagt:

      Das Können liegt im Wollen allein.
      Mehr gibt es zu dem ganzen Thema kaum zu sagen oder?
      Unrealistische Erwartungen gibt es natürlich auch bei den Damen.
      Im Grunde sind alle Ideale und Klischees auch längst irgendwo benannt,beschrien und beschrieben…
      Träumer gibt’s halt auf beiden Seiten.
      😉

  2. finbarsgift sagt:

    Habe mich gerade beim Lesen wirklich köstlich amüsiert *hehe*
    Was IT-Anforderungen angeht, da nennen wir das immer, sich die eierlegende Wollmilchsau wünschen!

    • karfunkelfee sagt:

      Die eierlegende Wollmilchsau kenne ich auch. Hast du schon mal versucht sie zu malen?
      Meine sah aus wie der Froschkönig mit Dackelbeinen, Känguruschwanz und Löwenmähne. Was sie legte weiß ich nicht. Eier…????*grüübel*

      • finbarsgift sagt:

        Sie sieht aus wie eine Sau und gibt somit Fleisch, sie hat eine Körpermähne wie ein Schaf wegen der Klamotten in spe, natürlich legt sie Eier wie ein Huhn, also hinten raus *lach* und gibt Milch wie eine Kuh, vorne heraus 😆

      • karfunkelfee sagt:

        Meins ist dann was anderes…was völlig anderes, aber ich hatte keine Zeit, das Viech zu fragen was es ist oder noch werden hätte wollen, wenn ich es hätte zu Ende malen können, aber ich glaube, es konnte quieken wie ein Ferkel.
        Sah danach aus😎

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