Gebärdenzeit

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Die grenzenlosen Augen können nur noch schauen

Hände sind hilflose Vögel

treiben als Federwerk am brotlosen Himmel

Lavendelstängel in den schillernden Schnäbeln

Vollgelbe Märzenbecher

brechen Regenbogen

auf graue Straßen

auf der unbeteiligte Menschen

ihre Wortfarben zu goldgelben Garben binden

auf den Feldern ihrer Schuld

*

Die Sonne ist ein Fleck

am schwammigen Himmel

sie hat ihr Rot verloren

stumm und müde  beleuchtet sie

die Unbelehrbaren der alten Länder

Die Gewebe der Körper

sind universelle Masse,

belebt und schwer wie der Atem,

der aus den tonlosen Mündern schwimmt

*

Die Erde ist das Fleisch der Sterne

in der universellen Ewigkeit

Selbstliebe löst die Haut

von den Knochen,

giert nach Vereinigungen

um die toten Weltsprachen

wiederzufinden

Rudimentäre Silben formen

die anarchischen Honigzungen

Finger fahrig in der Luft

es stinkt nach Endzeit

in den vollen Städten ohne Trinkwasserversorgung

*

Das Meerwasser

schwemmt die Hoffnungen

auf die verdorrten Äcker hinaus

Geschlechtslos treiben Gedanken

in unverstandene Gesten

von Frau zu Mann

umgekehrt

Ihre Wut sein zu müssen

gebiert die Kriege

Wissenschaftlich sindv nur noch die Waffen

in den prügelnden Erkenntnissen geblieben

*

Das unerträgliche Licht

will auf wundersame Weise verwandeln

Antworten bitten um Fragen

die noch nicht gelernt wurden

gestellt zu werden.

Vielleicht auf ähnliche Weise

wie Insekten mit blinden Facettenaugen

um zarte durchscheinende Flügel bitten

um geboren werden zu können

oder wie Menschen darum bitten,

aus dem Schoß heraustreten zu dürfen

in den Kokon ihres Lebens

in dem alles

schon einmal gesagt und geschrieben wurde

*

Auf Traumfluren erscheint die Haut neuer Wege

Struppige ausgemergelte Kreaturen

wollen sie gehen

bis hoch zu den alpinen Gipfeln

der gleichgültigen Berge

Die Seilschaften der Zukunft

strömen in Kettengliedern

über die eisigen Flächen

Verfroren fliegt über ihren Köpfen

der Steinadler

mit mächtigen Schwingen

im atemlosen Schnabel

das ausgerissene Mäuseherz

Es ist am gnädigen Nachthimmel

am erfolglosen Ende

der werdenden Tage

lavendelblau verblasst

*

Der Finger setzt den Punkt

ohne Worte

in smaragdenem Grün

Flüssiges Atemfeuer im Schneeflockentreiben

Die Morgennachlese reift in Weihrauchfässern

Auf den Hinterhöfen stinkt es

nach verdorbenem Schweinefleisch

Die Aussätzigen lecken erwartungsvoll

ihre schmierigen Lippen

Sie können sie sich nicht

des Hungers erwehren

der in ihnen tobt

Geschlechter werden in Eiern bestimmt

millionenfach zu Knochenmehl geschreddert

*

Die schmale Damenhand

birgt einen Samen in der Wölbung ihrer Worte

Sie will warm sein

glaubt sich frei im tonlosen Begriff ihrer Pflanzensprache

Ihre Scheu zersplittert in den schützenden Festungen

Sie glaubt, dass Knochen nicht vergilben

dass das Universum

ein pochendes fleischrotes Blumenherz ist

Stummer süßer Maiglöckchenduft

ist ein schwangeres Gefühl

es will in den aufsteigenden

wellig warmen Wehen

zur Erfüllung der Endlichkeit

geboren werden

in den Kristallblumen

am Fenster.

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4 Kommentare zu “Gebärdenzeit

  1. finbarsgift sagt:

    Großartig ist er, dein poetischer Sweep durch die vier Elemente
    und mehr!

    Herzliche Ostergrüße
    vom Lu, begeistert!

    • karfunkelfee sagt:

      Der Frühling sweept mich creepy…
      danke und etwas eierige Ostergrüße zurück, ich karsamstagele noch ein wenig und denke darüber nach, wo im kahlen Beet ich morgen das bunte Zeuch verstecke.
      Vielleicht doch lieber in der immergrünen Buchsbaumhecke…?
      Hasige Grüße von der langohrigen Fee…

  2. wildgans sagt:

    Da gibt es ein Gemälde von diesen apokalyptischen Reitern- wieso lassen mich deine diese Worte daran denken?
    Hab`s gut mit schmalen Damenhänden und Maiglöckchenduft!

    • karfunkelfee sagt:

      Weil es apokalyptische Worte sind -vielleicht…😉
      Danke…bald sind die Maiglöckchen wieder da…ich freue mich schon drauf…
      Ich wünsch Dir auch gute Zeit!
      Viel davon…✨

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