Flötenpiepen

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Da sitzt du wieder, du verrücktes Ding. Im Morgengrauen in diesem einsamen Nachtvogelgesang. Der Sturm in der Nacht rappelte am Fenster und an der Türklinke. Die Nachbarn redeten bis tief in die Nacht, ihre Stimmen summten dir ein fremdsprachig gedämpftes Ständchen zum Einschlafen. Du träumst von einem unbekannten Ort irgendwo am Meer. Es riecht in diesem Traum jedenfalls nach dem Meer. Salzig, unbestimmt und irgendwie fern. Vor dir her rennt ein Typ mit flatterndem Sakko. Er hat es ungeheuer eilig. Du rennst ihm hinterher, den Notizblock und den Stift in irgendeiner dieser komischen Stofftaschen, die an deinem Arm schlackert. Du schreist gegen den tobenden Windwiderstand und die grauen tiefhängenden Wolkensäcke über deinem Kopf an. Unaufhörlich drischt dir der eiskalte Regen ins Gesicht und mit den hohen Absätzen kommst du kaum auf dem matschigen Lehmweg voran, bleibst ständig in Grasbüscheln hängen oder steckst fest in dem zähen Ackerdreck. Auch du hast es ungeheuer eilig. Wahrscheinlich drängelt schon wieder irgendein Termin oder etwas anderes veranlasst dich, wie eine Wahnsinnige hinter diesem gehetzten Typ herzurennen. Deine Beine frieren. Du trägst nur eine dünne Strumpfhose und darüber einen kurzen engen Rock. Doch die Temperatur fühlt sich nach Winter an, tiefstem Winter. Es können unmöglich mehr als zehn Grad Celcius in diesem Traum sein und der Wind kommt in schweren Böen von vorn. Der Regen steht beinahe waagerecht. Warte doch! Schreist du immer wieder in dem Traum diesem Traumtypen mit den flatternden Sakkoschößen hinterher. So warte doch! Ich komme nicht schnell genug hinterher! Doch der Typ dreht sich nicht einmal zu dir um und rennt einfach immer weiter den schmalen Feldweg entlang, seine Silhouette wird immer kleiner. Verzweiflung macht sich in dir breit. Endlich gibst du auf. Der Typ ist längst verschwunden und du bestehst nur noch aus schlotternden Knochen und Gänsehaut an den unmöglichsten Stellen. Das ist das letzte Bild dieser Traumsequenz, die du siehst: Der einsame Feldweg, der in irgendein graues schlammiges unsäglich langweiliges Nirgendwo führt, wie es sie nur auf dem allerplattesten Lande gibt, sich weiter hinten in den grauen Wolken und dem Regen einfach verliert. Dich, wie du mit klatschnassen Klamotten und durchweichtem Notizblock allein zurückbleibst. Dann wachst du auf. Angst und tiefe Traurigkeit haben dich mit einem Klammerbeutel gepudert, so dass dich überall die Haut zwickt. Das Bett wird unbequem, du stehst auf. Dann sitzt du wieder auf dem Balkon. Um 4.00 Uhr morgens. Hundemüde, aufgedreht wie nur sonstwas und ohne den Schimmer einer Ahnung, wie du wieder einschlafen sollst mit diesem Gefühl in dir drin, dass alles am Ende völlig umsonst war. Der Himmel ist so fahlgrau wie dein Traumhimmel und ein Vogel singt. Die letzten Nächte sang er jedes Mal. Mit deiner Vogelbestimmungs-App versuchst du herauszufinden, was es für ein Vogel sein könnte. Amsel, Drossel, Fink und Star scheiden schonmal aus. Bleiben Gartenrotschwanz und Heckenbraunelle. Die Erinnerungen an den Gesang dieses Vogels in blühenden Hecken im Tageslicht. Er ist genauso ein Insomnabuler wie du. Eine schlaflose Kreatur. Er ruft auch nach wem. Oder grenzt sein Revier ab, das weißt du nicht so genau. Dein rastloser Verstand beschließt sich Gedanken darum zu machen, während ein Hintergrundprogramm in deinem Kopf versucht, den Traum zu analysieren. Verlust! Schreit die Ratio lauthals. Angst vor Verlust! Das Herz hopst wie üblich selbstmitleidig dagegen an: Was ich schon verloren habe, kann ich nicht mehr verlieren, kapier das endlich, du Scheiß-Verstand! Du denkst: Seid doch mal leise, ihr Beiden! Ich versuche hier, einen Vogel zu bestimmen. Dieser hört gerade eben schlagartig auf zu singen.

Mittlerweile ist es fünf Uhr morgens und du hast, statt in deinem Bett zu liegen und zu schlafen wie jeder andere Normalsterbliche um diese Uhrzeit, eine Grundsatzdiskussion über Verlustängste in deinem Kopf laufen, die, wenn du es nicht zuwege bringst, ihr Einhalt zu gebieten, sich auf diese Weise noch Stunden hinziehen kann.

Also schreist du: Ruhe! In deinen Kopf, in dein Herz. Du sagst: Ich hol gleich Pessoa und lese euch aus dem Buch der Unruhe vor,  dann ist endlich mal  Feierabend mit dem Geschnattere hier! Also seid gefälligst leise! Herz und Verstand merken auf und halten ausnahmsweise tatsächlich die Klappe. Da! Nun singt er wieder. Einfach wunderschön, wie sich in den Gesang der Heckenbraunelle oder des Gartenrotschwanzes ein fahler Streifen Morgenlicht stiehlt. Eine Amsel setzt ein. Leise noch und verhalten strömt ihr Gesang über die schlafenden Dächer. Du wirst neidisch auf die Menschen in ihren Betten. Es ist doch bloß Angst, sagst du zu Herz und Verstand. Weiter nichts. Ein genetisches Überlebensprogramm, das überdies in diesem kausalen Zusammenhang völlig unangebracht ist. Also, was wollt ihr? Sie schweigen. Alle beide. Herz und Verstand. Die beiden frühen Vögel hingegen singen lieber aus Leibeskräften, statt eifrig Würmer zu jagen. Es wird langsam heller da draußen. Die Lider sind schwer, der Tag war lang und voll mit Arbeit. Es ist definitiv die falsche Tageszeit, um draußen, in die schwere schottische Wolldecke gewickelt, im Schaukelstuhl auf einem Balkon abzuhängen und dem Frühemorgenvogelgesang zu lauschen. Denn der morgige Tag wird um sieben Uhr beginnen und wartet mit einem Arbeitsprogramm auf, das sich sehen lassen kann. Vollgepackt mit Terminen, Hetze, Eiligkeit und all diesen unerquicklichen Dingen, für die man jede Menge Power braucht, die normalerweise im Schlaf gewonnen wird. Du schnauzt also das Herz-Verstand-Gespann in dir drin an wie unartige Kinder und regst dich leider ein wenig dabei auf. Das ist das Temperament. Nichts zu machen. Wut will raus und Sport um diese Zeit ist nun gar keine Alternative. Was wäre, brüllst du ohne Ton wie ein stummer grimmiger Löwe, was wäre, wenn der Traum weitergegangen wäre? Wäre die Frau auf dem Weg allein weitergegangen oder hätte sie sich von ein bisschen schlechtem Wetter die Stimmung vermiesen lassen? Der Verstand sagt: Sie hätte nachgedacht. Das Herz sagt: Sie hätte geheult. Na, prima, sagst du, da seid ihr euch ja wieder mal herrlich einig, nicht wahr? Heulend nachdenken funktioniert nicht gut, außerdem war es in diesem Traum arschkalt. Ich sage euch beiden: Sie hätte einfach weiterlaufen sollen. Auch wenn der Typ längst gottweißwo gewesen wäre mitsamt seinen flatternden Sakkoschößen! Soll er doch! Du regst dich noch etwas mehr auf, als gut für dich ist um diese frühmorgendliche Stunde: Laufen hält warm, das weiß jedes Kind! Angst lähmt und macht frostfrorn, das weiß nicht jedes Kind, doch das lernt jedes Kind spätestens dann, wenn es sich das erste Mal in seinem Leben so richtig blöde verlaufen hat und die Dämmerung kommt, es nach Hause zu Mama will und nicht weiß, welche Richtung es einschlagen soll. Was macht das kluge Kind also? Du redest mit deinen Gehirnprogrammen wie ein Oberschullehrer und fühlst dich auch so. Die Heckenbraunelle oder der Gartenrotschwanz und die Amsel untermalen deine frühmorgendliche Selbst-Ansprache mit den allerschönsten Flöten- und Pfeiftönen in der hochromantischen frühumnebelten Morgendämmerung. Der Verstand sagt: Das verirrte Kind fragt jemanden. Du schnauzt: Da ist aber niemand zum Fragen! Also? Das Herz sagt: Es folgt seinem Bauchgefühl und schlägt irgendeine Richtung ein, damit es jemanden findet, den es fragen kann oder einen Wegweiser nach Hause findet. Endlich kehrt im Oberstübchen etwas Ähnliches wie Ruhe ein. Der Vogelgesang wird lauter, nun gesellen sich weitere Amseln zu den beiden Nachtsängern dazu. Das Licht wird heller und du hast nicht einmal mehr eine Stunde Zeit, um ins Bett zurückzukriechen und wenigstens etwas Ähnliches wie Entspannung zu finden. Doch dieser Traum, der ein Gefühl in dir hinterlassen hat wie ein Gefühl, mit dem Klammerbeutel gepudert worden zu sein und überdies noch gealpdrückt bis zum vorletzten Japser hat dich jetzt doch endlich losgelassen. Er wird dir nicht wie sonst den ganzen Tag hinterherwetzen und dabei versuchen, sich selbst zu analysieren. Er wird dir keine Übelkeit mehr verursachen und er wird dir vor allem keine Angst mehr machen können. Weil du weißt, dass du nichts zu verlieren hast, was nicht vorher schon verloren gewesen wäre. Weil du weißt, dass alles einholbar ist. Es wird ein müder und ein stressiger Tag werden. Doch sie haben Sonnenschein prognostiziert und du hast wunderbare Anti-Müdigkeits-Gesichtsmasken, damit niemand erschrickt, wenn er dich heute ansehen muss. Die bügeln die dicken Augen etwas glatter und nehmen den schlaflosen Ringen darunter ein wenig die Nachtschwärze. Irgendwann schleppst du dich wieder ins Bett und rollst dich auf die Seite. Ziehst die Beine an und die Decke über den Kopf, damit es endlich mal dunkel wird. Auch in dir. Denn deine Nacht war ein Tag und der Tag wird eine Nacht im Sonnenlicht. Doch da musst du durch. Das schaffst du schon. Wenigstens bist du den verdammten Traum losgeworden und deine diskussionsfreudigen Gehirnprotagonisten halten endlich ihre Klappe. Schreib das auf, gähnt noch das Herz. Doch das hörst du schon nicht mehr. Genau eine Stunde lang. Der Wecker schrillt. Liegenbleiben? Flötenpiepen.

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33 Kommentare zu “Flötenpiepen

  1. Liebste Karfunkelige, die Heckenbraunelle ist gegenteilig zu den leicht tumben Amselrichen ein schlauer Vogel. Wem sie sich zu erkennen gibt, dem gibt sie ab von ihrer morgendämmerigen Weisheit. Ich könnte Ihnen seitenweise von sauerschweißiger Nachtumtriebigkeit erzählen, doch zu kurz die internetige Zeit derzeit. Moooment, ich könnte ja tagsüber, so handnotatlich… Wollen Sie? Adresse per Mail genügt.

    Einstweilen morgenfleißige Grüße, Ihre Frau Knobloch, zugeneigt und braunellenbetört.

    • karfunkelfee sagt:

      Wenn mich wer wie Sie, Werteste, wo fragt ob ich will, sag ich ohne auch nur einmal zu mucken: Ja, ich will!
      Sollte jemand dagegen etwas einzuwenden haben, möge er jetzt sprechen oder für immer schweigen…😊

      Ehrlich…diese Nächte machen mich fix und foxi…
      Ich Verdächtige die Braunelle des Nachtsanges und der setzt um 23.00 Uhr ein und dauert tatsächlich bis zur Dämmerung. Es muss ein Männchen sein und wahrscheinlich pennt es den ganzen lieben langen Morgen, um seine Würmer dann nachmittags zu fangen. Irgendwann muss ja schließlich auch dieses Wunder-Tier mal schlafen. Doch halt! Ich höre diesen Gesang auch nachmittags, wie gesagt. Ich werde dem Vogel nachstellen, wenn ich ihn Orten kann, heißt es, denn er macht sich sehr unsichtbar und ist scheu wie ein Zaunkönig.
      Doch wissen wüsste ich einfach zu gern, wann er schläft…vllt. könnte ich was von ihm lernen…?

      Ja, Weisheit am Morgen…vertreibt zwar Kummer und Sorgen, nicht aber die bleigewichtige Müdigkeit in den Schlackerknien.

      Adresse haben Sie, Werteste, ich donnerte Ihnen letztes ein freudiges ‚Frisch Auf zum munteren Werke‘ ins Postfächlein…denn sauerschweißiges finde ich immer spannend, im Gegensatz zu Sauertöpfischem, was von Ihnen jedoch niemals käme, höchstens blumig ein- oder umgetöpftes…

      Oh, in meinem Kaffee steckt der Löffel fest, ich hab ihn einbetoniert, scheint mir…schwarz, heiß und stark brauch ich’s heut Morgen, da hilft auch kein spanischer Rap zum Füße anpfeffern, Oje como va..el rrrritmo de la noche, Vengovengo …😅

      Solich kaffeeverstärkt und rapgeschüttelt wanke ich zur Gurkenmaske hin…und harre voller Vorfreude des Sauerschweißigen.
      Sauer macht lustig und Schwitzen ist toll…😅

      Bis später in diesem Theater,
      grüßt herzhaft gähnend in Gänze die Ihrig verbliebene…

      Karfunkelfee

      • Meine Liebe, ich suche mir die Pupillen wässerig, finde doch keine Postaladresse, diese meinte ich handnotatlich zu erreichen. Mail und Netz kann ich nur sporadisch, vielleicht ging auch manches unter beim Umzug…
        Rumwuselnde Grüße, die Ihre.

  2. Jetamele sagt:

    Hmm, zu Nachtumtriebigkeit, subtilen Träumen, zu den Morgenden danach und vor allem zu unaufhörlichen Diskussionen zwischen Herz und Verstand könnte ich auch jede Menge Senf beitragen….
    Manchmal fragt man sich doch, wer in dem ganzen Durcheinander eigentlich die Chefin im eigenen Hause ist. Grummel …. 😉
    Na, hoffentlich bringt der ‚Hallo-Wach-Kaffee‘ auch ein bisschen Frische mit.
    Einen sonnigen Tag wünsche ich!
    Ach ja, sehr gut eingefangen übrigens im Text. Fühlte mich etwas so, als spräche meine innere Stimme mit mir, ausser die Sache mit den Vögeln, mit denen kann ich nicht soviel anfangen und Vogel-Erkennungs-Apps waren mir auch neu ;-D, aber nu ja…

    • karfunkelfee sagt:

      Ich lese Deine Beiträge gern. Stimmt, weißt auch eine Menge zu sagen. Unsere inneren Stimmen scheinen manchmal ähnlich zu philosophieren. Meine sind ein illustres Clübchen. Wer macht bei Dir denn den Diskussionsführer, wenn es hergeht wie bei einer Bundestagsdebatte…? 😉

      • Jetamele sagt:

        ;-D freut mich.
        Ich amüsier mich ja immer noch über mich, wenn ich Kommentare abgebe. Aber es ist halt so, wenn ich es tue, dann hat mich etwas direkt angesprochen. Deine Texte tun es oft.
        Ach ja, mein Inneres Diskutier-Salon-Clübchen. Das ist sehr basisdemokratisch: infolgedessen ist das mit dem Ergebnis meistens schwierig und langwierig. Ich sag mal so: das Hirn hat gern die Oberhand, das Herz knallt liebend gern dazwischen und der Bauch sitzt mit verschränkten Armen in der Ecke und weiß meistens alles besser. Bloß: auf den hört ja immer keiner … 😉
        In diesem Sinne wünsche ich dir eine tiefruhige debattierfreie Nacht …

      • karfunkelfee sagt:

        Deine Kommentare machen Spaß.
        Kennst Du den Witz vom Lügenbaum?
        Also: Ein Mann kommt in den Himmel. Als er mit Petrus durch das Paradies spaziert, sieht er einen Baum, der voller Silberglöckchen hängt.
        Ab und zu klingelt eines der Glöckchen.
        Der Mann fragt Petrus, was es mit dem Baum für eine Bewandnis habe.
        Petrus erklärt: Das ist ein Lügenbaum.
        Jedes Mal, wenn auf der Erde jemand lügt, erklingt eines der Glöckchen.
        Plötzlich gibt es ein Heidengebimmel im Baum und schlussendlich kracht der ganze Baum mit ordentlichem Gescheppere um.
        Und was ist jetzt passiert? Will der Mann von Petrus wissen.
        Petrus stöhnt: Bundestagsdebatte…😎

        Der Bauch hat Ähnlichkeit mit Petrus…finde ich…😊

      • karfunkelfee sagt:

        P.S. Dank für Deinen Wunsch zur ruhigen Nacht. Es ist ein frommer…😉✨

      • Jetamele sagt:

        ;-D Das gefällt mir.
        Deine Antworten sind aber auch nicht zu verachten 😉
        Der Bauch als Petrus, ich denke mal drüber nach….
        Aber nicht jetzt, denn jetzt will ich ja schlafen. Und da ists besser, nicht soviel zu denken ;-))
        Ich wünsch dir, mal wieder, viel Nachtglück. Lieben Gruß, liebe Karfunkelfee …

      • karfunkelfee sagt:

        Glaubst Du ernsthaft, im Schlaf schläft das Denken?
        Ui…was ist dann mit den Träumen?
        Ein Mensch, der nicht träumt, wird vrruckt…las ich mal.
        Was…sind Träume anderes als Gedanken, die sich mit den Eindrücken des Tages vermischen und dem Menschen etwas mitteilen?
        Ich wünsche Dir viele gute Träume…✨

      • Jetamele sagt:

        Nee, aber soo war das doch nicht gemeint. 😉
        Ich liebe meine Träume, sie sind allerdings auch tatsächlich eigentlich nie alptraumartig, eher oft sehr seltsam. Meist kann ich sie, wenn ich sie erinnere, ein Stück weit entschlüsseln.
        Dafür sind sie sehr häufig verknüpft, in der Tat, mit meinen Taggedanken und somit immer aml wieder aufschlussreich. Manchmal begleiten sie mich noch stimmungsmässig weit in den Tag hinein. Mal so mal so.
        Insbesondere, weil mir manchmal dadurch erst so richtig deutlich wird, WAS da eigentlich untergründig so oft meine Gedanken bewegt und im Strudel hält. Insofern teilen sie mir tatsächlich etwas mit.
        Ich bezog mein Vorhaben (nicht denken, weil schlafen wollen) auf mein ‚bewusstes‘ Rumgedenke, welches sich zur Nacht hin gern verstärkt und so schwer abstellen lässt und mir somit meine Zeit zum Träumen raubt.
        SO war das gemeint 😉
        Den Wunsch gebe ich gern an dich zurück!! 😉

      • karfunkelfee sagt:

        Du….ich dachte schon in die richtige Richtung, wollte doch nur mal auf den Busch klopfen😉

        Ich schreibe manche Träume auf. Dann werden es Geschichten. Wenn man sich von ihnen nicht ins Bockshorn jagen lässt, beinhalten sie Lösungswege oder zeigen welche auf. Das Unterbewusstsein ist schlauer als der Tagverstand. Es weiß genau, was der Träumende braucht für seine Gesundheit. Alpträume sind zuverlässige Diagnostiker seelischer Missstände… Doch mitunter können sie eben sehr erschreckend sein, bis man den Mut findet, ihre tieferen Botschaften verstehen zu wollen. Symboliken richtig zuzuordnen, Visionäres zuzulassen. Manche Träume sind so realistisch, dass ich mich wundere, saubere Füße zu haben, wenn ich aufwache.
        Beim obigen Traum schmerzten beim Aufwachen die Füße, als hätte ich versucht, mit Stöckeln in Ackerland herumzupflügen…
        Träume sind etwas sehr Spannendes, finde ich…die Tiefenpsychologie ist diesbezüglich noch nicht so weit gekommen. Ich verfolge neue Erkenntnisse seit 30 Jahren und bleibe wissbegierig, um noch mehr darüber zu lernen.

        Schlaf schön, träum schön.
        Ich hörte gerade mein Bett nach mir rufen…

      • Jetamele sagt:

        😀 Aha! Auf den Busch klopfen … Soso. Und ich denk, ich drück mich falsch aus. 😉
        Ja, das mit den/m Träumen ist hochinteressant. Ich habe mich bis jetzt noch nicht soviel damit beschäftigt, ausser eine Zeit lang mit Freuds Traumdeutung.
        Das war aber ein Anfang und sehr interessant. Seitdem verstehe ich meine Träume deutlich besser. Viele vergesse ich allerdings kurz nach dem Aufwachen. Ich würde es kaum zum Stift schaffen, um sie aufzuschreiben. Aber ich hörte, das könne man trainieren? Hmm …
        Trotzdem habe auch ich mit der Zeit den Eindruck bekommen, dass sie mir etwas zeigen oder sagen wollen, wozu mein Bewusstsein keinen Zugang findet.
        Sehr spannend. Ich staune manchmal. Und manchmal bleibe ich verwirrt zurück, weil es gleichzeitig so real und irreal ist. Verdreht.
        Ein faszinierendes Innen(er)leben ….
        Auf viele gute Träume!!

      • karfunkelfee sagt:

        Die Japaner sagen für ‚auf den Busch klopfen‘: mit dem Stock auf das Gras schlagen, um die Schlangen zu wecken‘
        Eine interessante Formulierung und ähnlich blumig…😀
        Als ich Freud las, fühlte ich mich anschließend fürchterlich verrucht und witterte überall in meinen Träumen ödipale Assoziationen und phallische Symboliken…😉
        Mir haben die alten Volkstraumdeutungen der Indianer, Ägypter und Indianer, etc. pp. sehr gut gefallen und heute gehe ich noch anders an die Träume heran.
        Die Tiefenpsychologie hat sich weiterentwickelt.
        Ich sehe mein Gehirn wie einen Filter.
        Den ganzen Tag packe ich es mit Eindrücken voll, es saugt sich voll wie ein Schwamm.
        Bei vielem, was mir störende Gefühle verursacht, kann ich schon während des Erlebens versuchen, gegenzuwirken, auszusprechen oder mir dessen bewusst sein.
        In Ruhemomenten Fragen stellen, woher das unangenehme Gefühl kommt und im besten Sinn Ursachenforschung betreiben.
        Was mich umtreibt ackert in der Nacht weiter und Ängste gehen teils bis tief in die Kindheit zurück, verquicken sich mit dem Aktuellen.
        Der Traum sagt: Spamalarm! Da fuchst was, kümmer Dich drum!
        Schöne Träume sind oft unerfüllte Sehnsüchte.
        Ich habe festgestellt, dass zu viel Psychologie und Analyse schädlich sein kann, gar in falsche Richtungen führen…
        Simple Thinking is the best…
        Doch natürlich bleibt mir auch vieles noch unklar.
        Ein Traumtagebuch ist nicht nur eine tolle Inspiration für Geschichten oder Texte, sondern hilft auch, die Details und Schlüsselbotschaften im Geträumten besser zu erinnern, denn der Alltag legt gern schnell einen Schleier über die einzelnen Details.
        In Träumen kann man einiges trainieren, sogar interaktiv eingreifen. Doch das ist nicht leicht, aber es lohnt sich!
        Ich habe allerdings Jahre dafür gebraucht, z. B. Fliegen zu lernen, um einem Messerstecher entkommen zu lernen…😉

      • Jetamele sagt:

        Hmm… Klingt spannend. Ich sollte mich mit dem Thema noch mehr auseinandersetzen. 😉
        Freud habe ich offenbar anders gelesen als du 😀 oder einen anderen Teil. Mir hat das zum ersten Mal Zugang zu keinen Träumen verschafft, weil ich seitdem viel mehr im Traum ‚wieder’erkenne, was aus meinem Alltagsbewusstsein da hinein getragen wird. Und meine jeweiligen Assoziationen dazu geben mir mehr Aufschluss, wo ich früher ratlos war. Das war ein erster Schritt, den ich gut fand.
        Aber du gibst gute Hinweise, mit welcher Richtung ich mich weiter damit beschäftigen könnte.
        Das Bild mit dem Gehirn als Filter finde ich übrigens gut.
        Allerdings würde ich zu gern wissen, wie du dein aktives Handeln trainierst? Fliegen lernen in Traum?
        Ich habe schon so oft geträumt, irgendwo hinter her zu rennen und nicht laufen zu können, ich erreiche mein Ziel einfach nicht und sehe es verschwinden, bloß weil meine Beine nicht tun, was ich will. Das Problem durch Fliegen zu überwinden, wäre perfekt!! 😀 Also her mit den Trainingstipps!!
        Liebe Morgengrüsse, 😉

      • karfunkelfee sagt:

        Es funktioniert, doch leider nur in diesem einen Traum, der immer wieder periodisch auftrat. Ein quälender Traum, in dem ich am Ende immer erstochen wurde. Ich überlegte, wie ich dem entgegenwirken könnte. Manchmal noch während ich träumte. Ein Schulbuchtraum. Ich las Freud und Jung, bis es mir aus den Ohren kam und nahm mir über fast zwei Jahrzehnte hinweg vor dem Einschlafen vor, dem Verfolger zu entkommen. Ich schrieb den Traum auf in allen Details, sehr viele Male und beobachtete die teils winzigen Veränderungen in einzelnen Sequenzen: Blüht der Apfelbaum oder trägt er Früchte? Wie ist die Luft, der Himmel? Wie sieht die Mauer aus? Der Traum, ist er realistisch fühlbar und jahreszeitlich und wirklichkeitsentsprechend? Wie verhalten sich Gaffer und Mörder? Kann ich mir träumend helfen und wie könnte ich es bewerkstelligen? In Träumen ist alles möglich, also auch fliegen. Ich las und schaute mir alles an über Fliegen. Irgendwann funktionierte es. Ich hatte ordentlich Wut im Bauch – vor allem über die Angst vor dem Kerl, der mich immer wieder abmurkste und ich nicht verstand, warum. Seit es gelang, kam der Traum nur noch wenige Male wieder, doch er hatte seine beklemmende Wirkung und Macht verloren. Alpträume sind ein Produkt der Angst vor etwas. Luzide zu träumen…hm…ist wie eine Pille gegen Kopfweh. Symptomatisch heilender Ansatz, ich halte es für wichtiger, die Ursache für den Schmerz herauszufinden…
        Also sich fragen: warum kommt dieser quälende Traum immer wieder, was will er mir mitteilen?
        Damit kann man den Schrecken und das Gefühl der Hilf-und Machtlosigkeit entschärfen und im wachen Zustand aktiv werden. Wie gesagt – die Träume so genau wie möglich zu erinnern und zu notieren, ist der beste Anfang…
        Die Wünsche, die Sehnsüchte, die Ängste…alles, was verdrängt oder unterdrückt wird, verarbeitet das uns steuernde Unterbewusstsein in den Träumen und zeigt es bildlich versymbolisiert auf.
        Auch körperliche Gesundheitsstörungen werden aufgezeigt. Ein nächtlicher Harndrang wird im Traum ein plätschernder Bach, nur ein Beispiel…😉
        Die Kunst ist zu erkennen, ob ein tieferer Beweggrund den Traum initiiert und inwiefern aktuelle unverarbeitete Befindlichkeitsstörungen zu unterscheiden sind von wesentlichen strukturellen psychischen Beeinträchtigungen.
        Doch das…lerne auch ich immer noch.
        ✨😊

      • Jetamele sagt:

        Hmmm, spannend. Über deine Antworten muss ich immer eine Weile nachdenken. Sehr anregend. 😉

        In meinen Träumen stirbt mein Ich nie.
        Ich komme nur einfach nicht an. Oder nicht ‚dran‘.
        Ist meist sehr konkret und realistisch und meistens durch wenige Assoziationen schnell verständlich.
        Es muss schlimm sein, wenn Träume einem Angst einjagen und man der Bedrohung entkommen muss. Sehr beeindruckend, dass du dir das erarbeitet hast.
        Die Umsetzung körperlicher Symptome in den Traum kenne ich allerdings: ich hatte ein paar Jahre lang starke Probleme mit meiner Nase, sie war komplett dicht. Wie eine abgeschlossene Tür. In diesen Jahren bin ich mehrmals fast erstickt im Traum. Das war schon etwas gruselig, aber irgendwie waren sie trotzdem nie wirklich angstbesetzt. Erstaunlich eigentlich.
        Träume erinnern übe ich. Wenn ich Zeit habe (morgens hab ich die bloss leider so selten :D).
        Aber es ist und bleibt ja ohnehin eine Herausforderung, die eigenen unterbewussten Strömungen, Gefühle, Intuitionen, Bilder … zu erkennen, zu entdecken, zu verstehen, zu deuten …
        Ängste zu hinterfragen und zu schauen, wovor habe ich eigentlich Angst, was will mir meine Angst sagen und warum zeigt sie sich gerade jetzt? Oder immer wieder.
        Das ist eine große Herausfforderung. Hingucken, wo man gar nicht gern hingucken möchte …
        Aber ich finde das unsagbar spannend, zu entdecken, was da alles arbeitet, auf wie vielen Ebenen. Sich selbst besser verstehen lernen und akzeptieren, das ist eine Lebensaufgabe, scheint mir 😉
        Eine ohnenswerte allerdings.
        Gute Nacht.
        Mal wieder. 😉

      • finbarsgift sagt:

        Soooooo ein klasse Witz! 😆

        Dazu folgendes Korollar:
        „Der Bundestag wird immer leerer,
        aber er ist immer voller Lehrer“ 🙂

      • karfunkelfee sagt:

        Ui…das stellt den armen Pädagogen aber ein schlimmes Zeugnis aus.
        Ein guter Lehrer verkauft seinen Schülern das Wissen so wahr wie möglich, oder…?😉

  3. Wer wie ich, noch nie einen Alptraum hatte, weiß wirklich nicht, wie schlimm das sein muss. – Schlafen kann ich auch manchmal nicht – mein Allheilmittel dagegen ist die Badewanne, deswegen käme nie eine Wohnung ohne Wanne in Frage.
    Aber eines wüsste ich 100%ig – ich träume nie hochhackig oder highheel-mäßig – und Typen würde ich auch nicht mehr hinterherrennen. Also wäre mein Alptraum auf jeden Fall anders.

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Clara, Typen hinterherzurennen, überhaupt wem hinterherzurennen, außer im sportlichen Wett-Streit I S T definitiv Alptraumstoff! Doch jeder, der mal irgendwo angestellt war, kennt so etwas. Heute Nacht werde ich mir vor dem Einschlafen Bilder von lauter paradiesischen Urlaubsländern anschauen.
      Zypern zum Beispiel😎

  4. finbarsgift sagt:

    Sofort her mit der Vogelbestimmungs-App *g*

  5. autopict sagt:

    Als ich neulich nachts um 1:47, 2:12, 3:15, 4:42, 5:53 auf den Wecker schaute (Uhrzeiten gerundet), hab ich darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn alle in der Straße die gerade eben auch an seniler Bettflucht leiden aufstehen würden, rausgehen und wir vielleicht zusammen eine Tasse Tee trinken würden und zu den Sternlein schauen.
    Als ich dann aber morgens todmüde unterwegs war, kam mir der Gedanke, vielleicht haben es die anderen gemacht?
    Schöne Grüße!
    🙂

    • karfunkelfee sagt:

      Ach, Duuu warst das!
      Ähnliche Gedanken wie Dir schießen auch mir zuweilen nächtens schlaflos durch den Kopf.
      Das heißt…Wenn ich nicht gerade versuche, Vögel zu bestimmen…😎

  6. Corinna sagt:

    In Ermangelung von Vögeln, einer Vogelapp oder überhaupt eines App-fähigen Handys schreibe ich bei Schlaflosigkeit alles auf, was mir gerade im Kopf herumspukt. Danach kann ich dann wieder einschlafen. … aber es ist wirklich merkwürdig, dass so eine Schlaflosigkeit immer nur dann passiert, wenn man am nächsten Morgen früh raus muss, oder?

    • karfunkelfee sagt:

      Die Schreib-Attacken sind mir wohl vertraut, besonders die nächtigen…(siehe oben😉)
      Schlaflosigkeit und Alpgeträume macht sich in meinem Fall allerdings unabhängig vom Wecker…
      Ich glaube, es kommen viele Faktoren zusammen. Das Gehirn verarbeitet Eindrücke mit Vorliebe im Schlaf. Erstaunlich hierbei, in welchen Zeiten es mitunter herumdümpelt und den Grund aufwühlt.
      Von wegen Arbeit macht müde (oder gar frei…). …
      Ein Zuviel davon hat bei mir einen gegenteiligen Effekt und wirkt wie ein Aufputschmittel.
      Dann putscht es im Kopf und die Führungsebene debattiert über politische Uneinigkeiten…
      Ich suche noch nach einer Diplomaten-App…
      😎

  7. eimaeckel sagt:

    Wo nehemen Sie nach einer solchen Nacht die Kraft her, das Hin- und Hergerissensein in den frühen Stunden so glasklar zu beschreiben?
    Ich habe einst die wachen Stunden am Morgen geliebt, weil ich wusste, dass sie nur wenige mit mir teilen. Sinatra hat sie wundervoll besungen. Der wusste noch nichts von der Heckenbraunelle.

    In the wee small hours of the morning,
    While the whole wide world is fast asleep,
    You lie awake and think about the girl
    And never, ever think of counting sheep…

    • karfunkelfee sagt:

      Vielleicht, weil ich schon viele dieser Stimmungen und Hin-und Hergerissenseins erlebte…
      Es wiederholt sich. In den Stunden vor der Morgenfrühe, jener besonderen Zeit, wenn die Nacht im Gehen begriffen ist, doch dem Morgendämmer noch nicht den Platz räumen musste, fand ich schon immer klarste Gedanken. Eine Art Erwartung des neuen Tages stiehlt sich in die Nachtluft, der Geruch verändert sich. Wenn es in der Nacht regnete, wird es noch deutlicher spürbarer. Ich mag diese Zeit sehr. Vor allem mit einem so fantastischem Nachtsänger wie der Braunelle, die so singt, als ginge es ihr ganz ähnlich. Wenn man dann ins Bett zurückkrabbeln kann und Schlaf nachtanken, ist es auch wunderbar. Aber wehe, der Wecker schrebbelt eine Stunde später los. Dann weicht der Schlaf mit dem Vorschlaghammer und Bleifüßen…😊
      Danke für den schönen Kommi.
      Und für Franky-Boy…😉

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