Die Wirklichkeit des Wassers

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Die vorsichtigen Hände schnell zurückgezogen. Später in Notlandeposition sitzen ohne Atemmasken, die vom Himmel fallen. Mutlos und so voller Selbstzweifel, dass Eigenliebe zum rebellischen Gedankengut mutiert. Der Schritt in die Freiheit gerät zum kilometerlangen Marsch. Zögerlich verharren die Füße. Kommunikation bleibt ein Fremdwort, ein ewiges unlösbares Rätsel, die Zunge klebt, stigmatisiert von der Unaussprechlichkeit der Gedanken, am Gaumen fest. Da war doch etwas mit Quantenresonanz und den Wünschen. Doch Gartenzwerge wissen nichts von Physik und elementaren Gesetzen. Sie stehen unverändert in ihrer Komfortzone unterm Dach, während draußen der Regen in den Lavendel pladdert. Der Wind weht einen fragmentarisch zersetzten Sonntagschoral herüber. Einhellig mehrstimmig – ein gemeinschaftliches Lied der Hoffnung. Die Erde duftet nach dem Regen. Der müde Kopf ist ein Fisch mit trockenen Augen. Das Weinen übernimmt die Natur. Der Versuch, der Stimmung Pragmatismus und Sachlichkeit entgegenzusetzen endet in einem traumähnlichen Schlafzustand, irgendwo angesiedelt im Zwischenreich von Dahindämmern und tiefer Bewusstlosigkeit. Zusammengerollte Ideen, klein und unscheinbar, jeder Satz eine Zumutung. Träume protestieren, dass es so doch auf keinen Fall weitergehen könne und projizieren leidenschaftliche Sinnbilder an die Leinwand des Bewusstseins. Vergebliches Kopfkino. Ein illusionärer Schmetterling taumelt vorbei, er bedeutet alle Vergänglichkeit auf einmal. Alter Falter! Wo ist der Humor geblieben? Macht Urlaub auf Ibiza und tanzt Ringelreihen mit seinen Brüdern, dem Sarkasmus und dem Zynismus. Das Leben ist eine Satire. Die bloße Vorstellung von Existenz eine grellbunt überzeichnete Groteske mit ungewissem Ausgang.  Davor türmen sich haushoch Ungewissheiten, der Unrat immer noch beständig schmerzender Gewissheiten aus der zertrümmerten ruinösen Vergangenheit. Noch einmal die Bilder, doch erst nach dem langsamen Zusichkommen, eher an ein Hochtauchen erinnernd, im tauben Druck, der auf den Ohren lastet. In der Essenz erbarmungsloser Hoffnungen schmerzen und reißen die Befindlichkeiten in beiläufigen Nebengeräuschen. Eine süße glücklich machende Westentaschenphilosophie im Pocketformat will als Handschmeichler in die Herzkammer. Versteinerte Gefühle gleichen Fossilien, zu lange am Grund gewesen. Ertrunken, die Lungen geborsten von einem Zuviel an Leere. Mit realistischer Miene fragt der Fachmann nach Stagnation und Isolation. In schweren Sachbüchern werden Seiten umgeblättert. Der Laie antwortet, dies könne gar nicht sein, solange noch die Blätter beim Umwenden rascheln. Probehalber wird ein Arm ausgestreckt. Es regnet immer noch auf die solidarisch inkontinente Seele in ihrem Jammertal. Beinahe behutsam klopfen die schweren Perlen des Landregens auf die warme Haut. Jeder Wassertropfen zeigt eine mikroskopisch kleine Welt. In einer fliegt ein Vogel hoch am Himmel. In einer anderen findet sich eine lavendelblaue Blütenrispe. In wieder einer nächsten verweigern sich rote Wolken dem Untergang der Sonne. Die vieldimensionalen Welten der Wirklichkeit des Wassers spiegeln sich in den Assoziationen der Gegenwart. Eine jede einzigartig und fragil schwimmend in sich selbst. Schon der kleinste unbewusste Wille eines unachtsamen Streichelns könnte sie unwiederbringlich zerstören.

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Sonnenwind

gefunden bei Wikpedia, hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Polarlicht#/media/File:Aurora_Island.jpg

gefunden bei Wikipedia, hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Polarlicht#/media/File:Aurora_Island.jpg (Aurora Island – von Theo Schacht)

Stürmische Sonne

wirft periodisch eruptiv

mit Plasma

lösen sich

im Sonnenwind

elektrisch geladene Teilchen

in Partikelwolken

werden hyperaktiv

schlagen faustgleich

Erdoberfläche

ein unsichtbares Veilchen

prallen verformend

in Schockwellenfronten

auf Magnetosphäre

verursachen körperlich

Müdigkeit Schwere

verändern

durch alle Felder dringend

Jahresringe

an Baumstämmen

wollen Wachstum

in ihre

Geschwindigkeit zwingen

in den Herzen

kosmische Schwärze

bis Köpfe

in strahlenden Visionen

schmerzen

schneller atmet

nachtein tagaus

das kleine Sein

bis weit hinein

in südliche Regionen

veränderlicher Fernen

verblassen Sterne

umkreist von

sleeping satellites

vor Aurora Borealis‘

magnetisierendem

Widerschein