Ancora tu

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Ancora tu.

Ein Liebeslied, Spiegel deiner Mentalität. Das Wahre, das Wiedergefundene. Immer wieder du. Weißt Du noch? Wir waren im blühenden Garten und du zeigtest mir dieses Bild der Urgroßmutter, die alten Blumenkarten aus den Zigarettenpackungen des Urgroßvaters. Du hast sie mitgenommen bei der Flucht vor so vielen Jahren, so wie deine Buntstifte, so wie ihr altes kleines vergilbtes Bild. Sie war eine kleine Frau, braun, schmal, schwarzhaarig und ihr dunkler scharfer Raubvogelblick war glutvoll und wild. Ihr südländisches Temperament hat sie uns allen vererbt. Es ist unsterblich. Weißt Du noch, wie du unsicher warst? Erst gestern, als du wieder einmal leidenschaftlich an dir und deinen Qualitäten einen Sack schwerer Zweifel schlepptest. Du wolltest diskutieren, doch ich dachte an das alte Blut und umarmte dich einfach. Berührungen helfen gegen das Zuviel mancher Worte. Dass du zweifellos richtig bist, genauso wie du bist, ließ ich dich fühlen. Du weintest und sagtest, dass du zu spröde warst. Unverbesserlich und schwierig. Manchmal gedankenlos. Sind wir das nicht alle irgendwann manchmal? Ich streichelte deinen Rücken und die Scham aus deinen immer noch schwarzen Haaren. Du lehntest dich an mich. Ich spürte deine Schwere wie eine nasse Decke um deine Schultern. Schau, nun nehme ich sie dir ab. Deine zweifelnden Gedanken lässt du einfach in meinen Armen. Ich kann sie gut für dich tragen, für mich wiegen sie leicht wie die warme Sommerbrise auf deiner braunen Haut. Du sprachst von der Familie, dass sie dir alles bedeute. Als wüsste ich das nicht. Doch so bist du. In Situationen wie diesen bist du Worte und ich eine Umarmung. Das war schon immer so. Es ist gut. Hast du schon etwas gegessen? Danach fühlst du dich besser. Es ist Sommer und wir haben Glück, dass wir einander haben dürfen. Eine Familie ist ein Anker im Zeitstromtreiben. Ancora tu, Mama.

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26 thoughts on “Ancora tu

  1. Zeffiretta sagt:

    Molto bello

  2. Arabella sagt:

    Das ist sie die Familie…ein sicherer Hafen von dem aus sich mutgestärkt die ganze Welt er(leben) lässt.

  3. In traurigen oder selbstzweifelnden Momenten ist es so wunderbar, wenn es jemanden gibt, an den sich frau einfach anlehnen kann – manchmal auch nur telefonisch oder virtuell.
    Einen frühen Morgengruß, da ich zwischen 23.00 und 6.00 Uhr im Fernsehsessel schlief und das dann nicht mehr im Bett fortsetzen konnte.

  4. bruni8wortbehagen sagt:

    Das alte Blut, oh ja, es ist in uns vorhanden und es zwickt uns manchmal dort, wo es eigentlich nicht zwicken sollte, sind wir doch neuzeitlich cool und mit allen Wassern gewaschen.
    Nein? *lächel*, ich auch nicht, liebe Fee, eher mit Selbstzweifeln behaftet und vorsichtig meinen Platz einnehmend u. hoffend, ihn niemandem wegzunehmen, der größeres Anrecht darauf hat.

    Manchmal braucht es dann den, der uns einfach mal in den Arm nimmt und unsere Schwächen versteht. Erklärungen wünschen wir uns nicht in diesen Momenten, nur das Verstehen – wieso wir wie regagieren…

    Ein feiner Text und liebe Grüße von Bruni

    • karfunkelfee sagt:

      Ich glaube, viele kennen Selbstzweifel. Doch da sie in unserer ‚hippen‘ Gesellschaft als Schwäche verpönt werden, halten sie sich zurück. Es ist so eine gemeine Sache mit den verdrängten oder nicht ausgelebten Gefühlen: denn an irgendeiner Stelle finden sie selbst im feinstgewebten Kontrollgewebe undichte Stellen und dort kommen sie dann heraus – meistens erreichen sie dann obendrein die falschen Leute oder verwandeln sich in anderweitige unangenehme Sachen wie Unzufriedenheit, Ärger, Härte oder Bitterkeit.
      Manchmal sind keine Arme da, in denen man sich ausruhen kann oder halt mal zweifeln. Dann bleiben nur die eigenen oder Sport zum Austoben…😉
      Zum Platzwegnehmen braucht es den, der nimmt und den, der das zulässt. Und ab einem gewissen Alter denke ich, sollte man diese Verantwortung, den Platz zu beanspruchen, ruhig beim anderen lassen. Sonst kann es geschehen, dass man vor lauter Achtsamkeit einen freien Platz räumt…
      Danke für Deine schönen und feinfühligen Worte. Du hast Wichtiges angesprochen…
      Ganz viele liebe Grüße zu Dir…✨

      • bruni8wortbehagen sagt:

        ja, frau sollte sich behaupten und meist kann sie es ganz gut, liebe Fee, aber da sind die anderen Momente, doch sie werden weniger *lächel*

        Herzliche Abendgrüße von mir

      • karfunkelfee sagt:

        Einfach nur da sein. So selbstverständlich und frei wie jeder andere auch.
        Diese anderen Momente, von denen Du sprichst…es sind Herausforderungen…und ich kenne diese Momente auch allzu gut…
        Oft schon habe ich hinterher festgestellt, dass ich mir zu viele Gedanken gemacht habe…
        Doch lieber mache ich mir einmal ein paar Gedanken zu viel…als zu wenige…
        Denn Unglück geschieht durch Unachtsamkeit, sagt eine alte Kampfsportregel und zumindest habe ich, seit ich sie mehr als früher beherzige, nicht mehr so viele blaue Flecken und Beulen, weil ich jeder Kante und Ecke persönlich ‚Hallo‘ sagen muss…
        Vielleicht gilt diese Faustregel auch für die Seele.
        Meine ist ziemlich verbeult…😎😉
        Abendgrüße…🌠

  5. finbarsgift sagt:

    Mich sehr berührend…

    Was für eine Sprache du gewählt und soooooo zauberhaft umgesetzt hast *tränchen wegwisch*

    Liebe Abendgrüße
    vom Lu

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