Die Magie der Gegenwart – Ein modernes Märchen

  
Ich überlegte, was ich anziehen sollte zu diesem sehr speziellen Anlass, der mich mitten ins dunkle Mittelalter führen sollte. Ich dachte an die bevorstehende Frequentierung von Menschenmassen und daran, dass viele Menschen auf einmal mir oft Angst einjagen. Doch ich bekam wie so oft, wenn etwas geschehen soll, unverhoffte Verstärkung. Meine Tochter, erst zweifelnd, dann sich anders besinnend, wollte nun doch gern mit mir mitkommen. Ich suche dort jemanden, erklärte ich ihr. Weiß ich doch, Mama, hast du erzählt. Die Frau K., mit der du dir schreibst. Wie wollen wir sie denn nun finden? Fragte meine Tochter und pellte sich in das Dirndl, das sie von der Schwägerin geschenkt bekommen hatte. Was meinst du? Zöpfe? Rechts und links? Klaro! Befürwortete ich ihren zünftigen Oktoberfestlook, der jedoch auch als Burgfräuleinlook durchging und zog das mittelalterlich anmutende zipfelige Hexenkleid vom Bügel. Das? Der Daumen meiner Tochter zeigte gen Himmel. Bombastisch, verhext! Hexhex! Kam es entzückt aus ihrer Richtung und verdonnerte somit sämtliche anderen Alternativen zurück auf den Bügel in den Schrank. 

 Auf dem Weg zur Bushaltestelle fragte mich erneut das Burgfräulein wie wir denn nun die Unbekannte finden sollten auf diesem riesigen Mittelalterfest? Vielleicht findet sie ja uns? Wandte ich hoffnungsvoll ein. Und wenn nicht? Dann finden wir sie… Sie trägt eine dunkelhelllila kleine Aster im Haar, sagte ich verträumt und verbannte den Rest des Gedichtes von Gottfried Benn auf den stahlblitzenden Pathologentisch, auf den er zwischen die Zähne geklemmt, gehörte. Sonst weiter nichts? Nur eine Blume im Haar? Fragte das Burgfräulein und spielte nachdenklich an den blonden Zöpfen. Ich schwöre bei meiner Feenehre, grinste ich. Und brombeerenen Nagellack. Und falls sie sonst nichts weiter trägt, werden wir sie mit Sicherheit finden unter lauter bekleideten Menschen. Ich zwinkerte verschwörerisch und fing mir einen entrüsteten Blick vom Burgfräulein ein. Mama, du nimmst mich schon wieder mal nicht ernst! Ich überkreuzte hinter dem Rücken zwei Finger: Dich nehme ich immer ernst, Euro Durchschnittlauchigst Prinzessin Knallerbse! Sagte ich und meinte es trotz Blitzableitergestik auch so. Dann beschrieb ihr eine schwarzhaarige Frau mit einem hellen Gesicht. Ah, ja. Kam es von meiner Tochter. Das ist ja richtig viel, was du von ihrem Aussehen weißt! Ich fügte hinzu: Außerdem hat sie noch Augen, dero vermutlich zweier Stücker, ferner ein Paar Ohren und sogar eine ganze Nase zum Riechen. Und einen Mund auch. Glaube ich jedenfalls… Ich fing mir einen herzhaften Rippenstoß ein. Aua! Protestierte ich und rieb mir die unsanft traktierte Seite. 

 Wir warteten eine Viertelstunde auf den Bus. Es war warm, das Wetter spielte Hochsommer. Ich hoffte, dass dies so bleiben würde und beobachtete das Gewölk am blaudunstigen Spätnachmittags-Himmel. Mit uns fuhren auch ein paar ältere Herrschaften. Die Damen warfen uns verzückte Blicke zu. Wir waren schon ein herziges Gespann, angetan mit unseren dem Mittelalter so ähnlich wie nur möglich nachempfundenen Gewandungen. 
Die Sparrenburg, Bielefelds Augenweyde einer Räuberburg, war umlagert von mittelalterlicher Budenzauberey. Auf den Wegen tummelten sich unzählige Menschen. Uns begegneten Elfen und Feen in neckischen Zipfeltrachten, hochedle Hof-Damen in eleganten Seiden- und Samtroben mit und ohne Schleppe, die Röcke anmutig gerafft, Marketenderinnen in roten schwingenden Röcken, mit Glöckchen an den Hüften, kraftvolle Weibsbilder in Samt und Ledergewändern, samt Trinkhorn an der Seite sowie kernige Herren, zünftig in Wams und Leder, mehr oder weniger nacktes Brusthaar zeigend oder an schwer anmutenden Rüstungen schleppend, inklusive schweren Eisenschwertern. Die Luft roch nach gebratenem Fleisch und Feuer und vis-à-vis las eine Wahrsagerin im roten Zelt einer blonden Dame in Cargohosen die Zukunft, als säße diese nicht bereits mit gezücktem Smartphone sowie digitaler Spiegelreflexkamera in ihrem Zelt.
Da hängt ein ganzes totes Schwein am Spieß, Igitt! kam es entsetzt von meiner Tochter, die begann zu bocken wie ein altes Maultier. Da will ich nicht vorbeigehen, protestierte sie. Liebchen, fragte ich sie zuckersüß, was glaubst du eigentlich, was du am Leibe trägst? Das ist die mausetote Haut eines Tieres, philosophierte ich dramatisch. Sie strich sich das Lederröckchen glatt und konterte: Da musste kein halbes Schwein für sterben und sieht auch nicht so eklig aus! Da musste ich ihr allerdings Recht geben. Entspann dich, tröstete ich sie, komm, wir gehen dort entlang. Nein! Kam es widerspenstig von ihr, da hängen Kuhhäute aufgespannt! Ich überlegte, wie ich ihrem Widerwillen gegen das aufgespannte tote Viechzeuch überall begegnen könne und gab ihr den dringenden Auftrag, eine Frau mit einer dunkelhelllilafarbenen kleinen Aster im schwarzen Haar zu suchen. Brav fixierte sie die uns entgegenkommenden Damen und bemerkte dabei gar nicht, dass wir geradewegs an einer Bude mit lauter scheckigen Kuhfellen und verendeten angespannten Langhaarschafen vorbeiflanierten. Hier stinkt es angebrannt, kam es fürnehm naserümpfend von meiner pingeligen Begleitung. Fein, antwortete ich, Rauch konserviert, du bleibst everyoung, komm wir stellen uns mal ein bisschen in den Räucher-Dunst. Sie preschte daraufhin noch schneller voran und starrte angestrengt ein paar prächtig dekorierte, uns entgegenkommenden Hofdamen in Haare und Augen. Da! Die hat eine Blume im Haar, rief sie aufgeregt und zeigte höchst undanenhaft auf eine propere Walküre mit dekolletiert herfürquellendem Donnerbusen sowie feuerwehrrot gefärbter hochgetürmter Haarpracht und giftgrünem Gewand. Nee, die doch nicht! Ich schüttelte mich vor Lachen. Wieso denn nicht? Wollte das Burgfräulein wissen. Frau K. ist tausendmal hübscher, erstens und hat zweitens, schwarze Haare. Außerdem ist die da dreimal Frau K….Dann die da! Rief das Kind entzückt und zeigte auf eine schwarzhaarig bezopfte Gothic-Braut Anfang Zwanzig in kohlschwarzer Sado-Maso-Lederkluft samt Umhang und Peitsche, die uns daraufhin finster wie das Mittelalter selbst mit einem missbilligendem Blick heimsuchte. Das ist die Frau des Henkers, schwadronierte ich und wies auf den ihr zugehörigen Prachtkerl in Lederhose. Außerdem hat sie keine Blume im Haar, merkte ich weiterhin an und hübsch ist sie auch nicht! Woraufhin ich eine lebhafte Diskussion lostrat, was hübsch war und was nicht. Meine Tochter und ich pflegten völlig unterschiedliche Ansichten. Was ich hübsch fand, fand sie so lalà und was sie hübsch fand, fand ich so lalà oder gar überhaupt nicht.

  
Fünfzig entgegenkommende Elfen und Hofdamen später, ließen wir uns ermattet neben dem handbetriebenen Karussell auf die Burgwiese fallen und überlegten, womit wir uns für die weitere Suche stärken könnten. Kommt sie überhaupt? Wollte das Burgfräulein wissen. Klar kommt sie! Brummelte ich. Wenn sie sagt, sie kommt, kommt sie. Woher weißt du das denn? Entnervter Seitenblick. Gespiele an den blonden Zöpfen. Weil sie das gesagt hat. Basta, Pasta. Ich holte die höchst moderne Plastikwasserflasche aus dem Rucksack und gab ihr etwas zu trinken. Was wollen wir futtern? Bloß kein Fleisch! Klare Ansage meiner Tochter. Fein, dann futtern wir eben Seelen, freute ich mich. Waaaas? Seelen? Die kann man doch nicht essen! Ich lachte. Hast du eine Ahnung! Und ob! Die kann man verkaufen, kaufen und sogar essen, kryptisierte ich mich weiter in ihren überraschten Blick. Komm schon! Ich zog das Burgfräulein an den Händen hoch und steuerte mit ihr im Schlepptau eine der Buden an. Neben der Bude stand ein gusseiserner großer schwarzer Ofen, aus dem es herrlich nach frisch gebackenem Brot duftete. 
Der Verkäufer stand hinter der Auslage und schwitzte in der Ofenhitze vor sich hin. Die ebenfalls feilgebotenen Rosinenbrötchen wurden hartnäckig von Wespenschwärmen umlagert. Der arme Mann tat mir Leid. Eine dickliche Marketenderin in blassblauer Tafttüllrobe wusste nicht was sie wollte und schwankte zwischen Seelen und Rosinenbrötchen. Ja, nun entscheiden Sie sich doch mal! Brummte der genervte Lederbewamste hinter seiner Auslage und wedelte ein paar Wespen fort, die aggressiv seinen kahlen schweißbeperlten Kopf umschwirrten. Die in Entscheidungsnot geratene Hof-Dame geriet nun ebenfalls ins Schwitzen und bekam rote Backen und ein fleckiges Dekolletée vor lauter Aufregung. Sie hat keine Blume im Haar! Flüsterte meine Tochter. Sie ist blond! Und obendrein gefärbt. Zischte ich zurück. Hä? Fragte der Verkäufer. Ein Glas mit Marmeladenwasser könnte Ihnen Erleichterung verschaffen, sagte ich freundlich. Geben Sie den Viechern was zum Naschen und Drinersaufenkönnen. Er brummte ob meiner Klugscheißerey etwas Unverständliches, ließ die erregte Kundin, die sich immer noch nicht entschieden hatte kurzerhand links liegen und fragte, was wir kaufen wollten. Wir wollen Seelen kaufen, Herr Seelenverkäufer, antwortete ich. Drei Stück, um genau zu sein. Ich gebe sechs Ablässe in blanken Talern dafür.
Er packte uns die ofenwarmen kleinen festen mit Kümmel und Sesam bestreuten Hefe-Weißbrote in eine Papiertüte und wischte sich mit einem feuchten Lappen den Schweiß von der roten schweißfeuchten Stirne. Sein Blick verriet mir, dass er mich für komplett meschugge hielt. Es ist kein Vergnügen, hier in der Wärme zu stehen, lächelte ich ihn an. Doch der arme Kerl war viel zu beschäftigt damit, sich die zornig um ihn herumbrummenden Wespen vom Leibe zu halten, als dass er auf höflichen mitfühlenden Small Talk aus war.   

 Während das Burgfräulein und ich uns in Richtung Hauptbühne auf den Weg begaben, naschten wir von unseren ofenwarmen knusprigen Seelen. Sie schmeckten köstlich. Unterwegs schoss ich Bilder vom bunten Treiben und auch eins vom Burgfräulein. Wir lachten und staunten über die Vielfalt, die uns begegnete, die bunten Buden, die märchenhaft gekleideten Menschen und die Normalos in Alltagsklamotten, die neben dem bunten Mittelaltervolk langweilig und alltäglich daherkamen. Wir sahen etliche Frauen mit Blumen in den Haaren. Doch keine einzige trug eine echte dunkelhelllila Aster im Haar. Wohin gehen wir jetzt? Fragte das Burgfräulein. Zu Corvus Corax, den Königen der Spielmannsleute, antwortete ich ihr. Wohin??? Erstaunter Blick. Wilde raue Gesellen, lachte ich. Wir hörten bereits die Dudelsäcke und wildes Getrommel und Gepfeife. In diese Richtung müssen wir, meine Holde, sagte ich und zog das Burgfräulein in den dichter werdenden Menschenstrom, Richtung Gedränge. Der Platz vor der Hauptbühne, auf der bereits die musikalischen Mannsbilder ihr Publikum begeisterten und mittels eines langen Lederschlauches, der wie ein Tornadorüssel in der Menge hing, ihre Fans mit Met abfüllten, war restlos überfüllt. Hier sollen wir eine Blume im Haar finden? Fragte mich das Burgfräulein entgeistert. Na, klar, lachte ich und wenn wir sie nicht finden, findet sie uns. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und hielt Ausschau nach einer kleinen Aster und einem hellen Gesicht mit schwarzem Wimpernvorhang.  

 Wir hatten uns direkt neben der Fan-Bude von Corvus Corax positioniert, in der man höchst unmittelalterliche Fanartikel wie CD’s und T-Shirts erwerben konnte. Die Luft war erfüllt von Dudelsackpfeifen und Trommeln, wildem Gesang, einer Mischung aus Latein und Deutsch, die Bretter der Bühne und der Wiesengrund vibrierten vom Stampfen vieler ungebärdiger Füße. Die wilden Gesellen von Corvus Corax steckten in engen Lederhosen, der schwarzhaarige langmähnige Sänger trug einen prächtig goldbrokatdurchwirkten Umhang über der schwarzbehaarten nackten Brust. Mama, die sind ja fast nackig! Kam es fasziniert vom Burgfräulein. Ich erklärte ihr kurz und bündig, was die Bedeutung von ‚archaisch‘ ist und summte verträumt den Anfang von „Ja, so san’s, ja, so san’s die alten Rittersleut’….“, was nun intonationsmäßig und musikalisch überhaupt kein bisschen zum wilden Treiben auf der Bühne passen wollte. Hinter uns tanzte einer, der sich in eine Decke gewickelt hatte und dauernd brüllte: Lauter! Sind wir hier auf einer Beerdigung? Lauter doch! Sein Blick war schwer irre und leicht durchgedreht wahnhaft, während sich der blondbezopfte sich tranig hin und herwiegende Wikingerjüngling unmittelbar neben mir scheinbar in einem fortgeschrittenen Zustand wahnhafter Entrücktheit zu befinden schien. Geistesabwesend streifte er mit der das wüste Treiben dirigierenden Hand meinen Arm, seine Augen fielen in mein Dekolletee und er lächelte dermaßen abwesend und verklärt, dass ich mich fragte, ob er entweder einmal zu oft den langen Metschlauch in den Schlund bekommen hatte oder zu oft gezogen an anderen glückseligmachenden Drogen. Ich leuchtete ihn zackig grinsend an, lachte und schwenkte die Arme, womit ich mir einen vollends verliebten Blick seinerseits einfing. Mama, was ist denn mit dem? Wieso starrt der Dich so an? Ist der verknallt? Wollte meine Tochter wissen und zeigte unanständigerweise mit dem Zeigefinger auf den Winkingerzopf. Der ist jenseits von Gut und Böse, vollends der Musik verfallen, versuchte ich den zaghaften Ansatz einer Erklärung, die nicht ins Detail der Mutmaßungen gehen wollte und überprüfte sicherheitshalber, ob sich meine Mirabellen noch dort befanden, wo sie hingehörten. Wieso schwankt der denn so? Wollte nun das Burgfräulein weiter wissen. Vielleicht war er in seinem vorigen Leben ein Zirkuselefant? Spekulierte ich zurück und bemerkte mit einem Seitenblick den schwerhörigen Stampfefuß mit der Indianerdecke, der mir nun bedrohlich nah von hinterwärts auf die Pelle zu rücken begann. 
Der Platz wurde immer voller. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und äugte nach schwarzhaarigen Damen mit Blumen im Haar. Da waren wohl ein paar Schwarzhaarige, sogar ziemlich Hübsche dabei, doch keine einzige trug eine kleine Aster im Haar und schon gar nicht hatte eine von denen brombeerroten Nagellack, soweit ich das abschätzen konnte bei den hin- und herfuchtelnden Armen und all dem Gestampfe und Gewoge der stark euphorisierten Leiber um mich herum.  

 Da traf mich ein jadegrüner Blick. Ich wusste – das war sie! Sie sah mich durchdringend an und winkte mir zu. Ha! Schrie ich triumphierend und hopste vor Aufregung auf meinem Quadratmillimeter Freifläche herum, touchierte den Wikingerjüngling und trat beinahe dem Indianer hinter mir auf den Tanzfuß. Sie drehte sich zur Seite und da sah ich die kleine Aster im schwarzen Haar schimmern. Ich zupfte mein Burgfräulein am Blusen-Ärmel, legte den Arm um sie, damit niemand von den wild Tanzenden um uns sie treffen konnte und bugsierte sie zu der schwarzhaarigen lächelnden Dame mit der dunkelhelllila kleinen Aster im Haar. Ach, Gottfried Benn, dachte ich. Schau nur, wie schön heute die Astern leuchten und wie lebendig sie doch sind, Du alter Schwerenöter…

Stefanie? Fragte die kleine, höchst quirlige Aster mit einem Hauch Berlin in der sanften Stimme. Ich sah nur noch grüne Pupillendingserey und Wimpernvorhänge samt und verkomplettiert mit brombeerfarbenem Nagellack und schloss das Gesamtkunstwerk unendlich erleichtert, sie gefunden zu haben in all dem Gewühl endlich in die Arme. War das eine Freude! Wir hörten den CoraxCorvussen noch eine ganze Weile gemeinsam zu und klatschten begeistert mit. Meine Tochter war verzückt von der Willkür des uns gnädigen Schicksals und das Fest hatte seinen Höhepunkt gefunden. Der Himmel war so erleichtert, dass er sich prompt grau umwölkte und zu weinen begann. Wir stärkten uns mit Bier und Tee und viel zu sagen war nicht nötig. Manches Erkennen findet wortlos statt und lässt, wenn es denn leibhaftig vonstatten geht, nichts als die pure stumme Freude zurück. 
Ich dachte an die Magie der Gegenwart und an Verlorenes, Gefundenes und Bewahrtes, umgeben von bretonischen Märschen, alten Trinkliedern und prostete im Stillen dem eben noch wild behuldigtem Bacchus mit meinem Mango-Maracuja-Tee zu. Ich könnte jetzt viel über diese Begegnung mit einem besonderen Menschen schreiben, die, wie manche Begegnungen eine Zeit des Anlaufes benötigte. Doch die Magie der Gegenwart ist so beschaffen, dass sich sucht was sich finden will und besonders dann, wenn es vom logischen Verständnis her so gut wie aussichtslos erscheint. Der von Menschenmassen getrübte Blick fand die Nadel im Heuhaufen der Leiber um uns herum. Oben im Himmel lachten sich mal wieder sämtliche Götter darüber kaputt, dass wir Menschen glauben, alles verstehen zu können oder wissenschaftliche Erklärungen suchen zu müssen für Dinge, die sich jedweder Logik oder dem Verständnis der Vernunft entziehen.  

 Später, wieder Zuhause, voll von festlichen Eindrücken, im Pyjama auf dem Bett des Burgfräuleins, kam die Frage: Mama, wie konnte das möglich sein? Zwischen all diesen Menschen, diesen einen speziellen zu finden? Ich antwortete ihr: Dieser Mensch hat uns gefunden, weil er uns suchte, so wie wir ihn. Dann kann es gelingen. Auch, wenn alles dagegen spricht und auch, wenn die Suche vorher aussichtslos war. Wir haben in dem Moment gefunden, wo wir darauf vertrauten und die Hoffnung frei ließen. Weißt du noch? Du sagtest: Wir finden sie niemals, Mama! Und ich antwortete dir: Dann ist jetzt die Hoffnung besonders groß, in diesem Moment, wo wir sie loslassen, so, wie die wilden Kerle auf der Bühne ihre Musik losgelassen haben, ohne darauf zu warten, dass ihre vielen treuen Fans diese Musik mögen oder toll finden. Weißt du noch, wie wir suchten? Manchmal muss man sich im Leben von Wunsch und Willen auf manche falsche Fährte locken lassen und in viele Augen blicken, nur um festzustellen, dass es nicht die richtigen sind. Aber Mama, wollte mein Kind wissen, woran erkennen wir, welche Augen wir suchen müssen? Wenn es doch alles die falschen sind? Ich sagte: Weil die richtigen Augen uns suchen, so wie wir sie. Nur so funktioniert die Magie. Wir sind alle miteinander verbunden. Durch unsichtbare Drähte, durch Antennen. Wenn einer nicht gefunden werden will, wird er es auch nicht werden, denn sein Blick wendet sich ab und seine Seele bleibt unbeteiligt. Doch die Kräfte der Anziehung wirken magnetisch. Was sich sucht, findet sich auch. Empirischer Wert. Mama, was ist empirisch? Ich grinste. Empirisch? Feldforschung. Das, was du durch gezielte Beobachtung lernst. Ein wissenschaftlicher Begriff. Mama, ist das Empire State Building auch empirisch? Ich lachte. Da kannst du deine beiden blonden Zöpfe drauf verwetten! Weißt du, wie viele Wolkenkratzer zusammenkrachen mussten, bevor man wusste, wie man das Ding bauen musste, damit es stehenbleiben konnte?
Du warst heute das hübscheste Burgfräulein auf der Sparrenburg. Ich nahm sie in die Arme und drückte sie an mich. Fein, dass du mitgekommen bist! Nächstes Jahr gehe ich als Hofdame. Kam es verträumt und kostümverliebt aus meinem Arm. Und du? Gehst du wieder als als Hexe verkleidete Fee…? Als das, was ich eben bin, grinste ich. Eben, sagte sie. Kannst ja doch nichts anderes sein, oder? Nein, lachte ich und zupfte an ihren Zöpfchen. Ich bin, was ich bin. Eine Fee. Sowas vermaledeit Verhextes aber auch!

——

Liebe Blogfreunde, hier geht es zu der Gegendarstellung meiner märchenhaften Begegnung, wir haben ohne es zu voneinander zu wissen, zeitgleich aufgeschrieben:

https://bittemito.wordpress.com/2015/07/27/geschichtstraechtigeschoenpraechtiggeschichte/

It’s a Kind of Magic✨

Viel Spaß beim Lesen,

Eure Karfunkelfee

 

24 thoughts on “Die Magie der Gegenwart – Ein modernes Märchen

  1. Arabella sagt:

    Eine Fee in Begleitung des hübschesten Burgfräuleins das ich kenne, denkt an traurige Asternbenn’s im bunten Treiben mittelalterlicher Märkte, die Gesuchte freigeben…wahrlich märchenhaft.

  2. Liebe Karfunkelige, das setzt jetzt dem Ganzen noch das funkelscheißherzchenjuwelenbesetzte Krönchen auf! Ich lese gleich noch mal in Ruhe, im Moment verschwimmt mir der Blick ob der nur schnell überflogenen Worte! Und das Burgfräulein, sie war echt die Hübschigste von allen! Und Sie bannten den Pan Peter! Und überhaupt…
    Herzlämmerschwänzigzitterige Grüße, Ihre Käthe.

    • karfunkelfee sagt:

      Was glauben Sie wohl, warum ich ausgerechnet dieses Bild wählte…
      Dreimal dürfen Sie raten…
      Lämmerbeschwänzte Herzchengrüße zurück…das Burgfräulein hat sich heute durchkringelt betucht und sieht aus wie ein Streifenhörnchen oder ein alter Knastbruder…ich soll Sie ganz herzlich grüßen von meiner kleinen Großen…💖

      • Gestern nochmals stumm gelesen, das erneut quellende Augenwasser weggeschnieft, jetzt noch zwomal und was soll ich anmerken, außer, daß dieser Text etwas einmaliges für mich ist. Besonders Ihre abschließenden Betrachtungen, gemeinsam mit der zukünftigen Hofdame, da steckt soviel Weisheit drin. Wir lassen uns oft verführen von Oberflächlichkeiten und Blenderei und erkennen nicht die fehlende Beteiligung des ganz Innendrinnigen dabei. Wenden uns enttäuscht ab, doch müßten wir froh sein darüber, daß die Täuschung mißlang.

        Wir dürfen nicht aufhören, die Blicke zu heben, den Wimpernvorhang zu lupfen und die zu erkennen, von denen ein Teil in uns selbst wohnt. Denn dadurch sind wir verbunden.

        Kichernd bedanke ich mich auch für die sensationellen Personenbeschreibungen, den Deckenbrüller vernahm ich auch, ich hatte viel Spaß mit dem famosen Glatzkopf an meiner Seite, der noch lauter sang, als er das Nachlassen meines Stimmvolumens bemerkte und für den ich im Ausgleich mithüpfte, weil er grobmotorisch sei, wie er meinte…

        Ich freue mich schon auf weitere Begegnungen, das Leben, es ist ein wundersames, wenn man es denn zuläßt.
        Alles Liebe von hie nach da, immer die Ihre.

      • karfunkelfee sagt:

        Werteste, über das Thema Ent-Täuschung spukt mir seit längerem eine Geschichte im Kopf herum. Mein Burgfräulein hatte mich in einer Angelegenheit um freundschaftlichen Rat gebeten und das Thema war genau dieses, dass man Zuneigung nicht forcieren kann. Interesse zeigen: ja! Unbedingt sogar. Wenn es doch um jemanden geht, den man auch sehr mag. Doch wenn nichts zurückkommt oder sogar Abgrenzung die Antwort ist, dann sollte man es gut sein lassen können und ab diesem Moment an sich selbst denken. Umso schöner jedoch, wenn Sympathie es schafft, über allen Andersartigkeiten zu wachsen, zu gedeihen. Es dauert manchmal eine Weile, doch das Wissen, dass Gras nicht schneller wächst, wenn man an den Halmen zieht, kann dabei eine gute Hilfe sein.
        Ein komplexes Thema und wir sind nun einmal fühlende Wesen. Der unerwiderte Blick eines anderen, den man mag, darf traurig machen…doch…nicht zu lange. Die Welt ist voller spannender Menschen und Möglichkeiten…😊✨

        Ich bemerkte wohl die opulente Stimmgewalt Ihres Kahlköpfigen Stehnachbarns und hatte eine Riesenfreude an Ihrem beachtlichem Sprungtalent. Da ergänzte sich was formidable👍

        Ihren Text las ich schon ein paar mal mit warmen schönen Gefühlen.
        So etwas ist unbezahlbar…Danke…
        Verbindlichst, die Ihrige Karfunkelige✨💖

        Ich las

      • Noch ein wichtiger Nachtrag für die Hübschbezopfte: Nie und nimmer darf der Pupille Traurigkeit ob einer unerwiderten Liebe den Blick trübe machen für die anderen möglichen Lieben! Benennen Sie ruhig den Kahlfamosgesellen an diesem Abend an meiner Seite. Bis dato unbekannt, hatten wir ein schöne gemeinsame Zeit und alle Möglichkeiten hätten uns offen gestanden für mehr.
        Herzundblickoffene Grüße, der Ihrige Flummy.

      • karfunkelfee sagt:

        Das habe ich ihr auch schon gesagt. Sie hat den Jungseinbonus. Da tut eine Trennung noch nicht so lange weh und das ganze Leben liegt noch vor ihr, um auszuprobieren…
        Es verkompliziert sich meistens erst im Alter über dem Zuviel schlechter Erfahrungen oder der Einsicht, dass man eine Kasserole oder Stielpfanne ist, zu der es eben keinen Deckel gibt.😉
        Das barhaarige Gesangstalent an Ihrer Seite benenne ich gern, er hat sich ja einfach rundum überzeugend eingebracht!
        Offen – das klingt immer gut und heute sagte ich dem gnädigen Burfräulein:
        Gute Freunde sind das Salz in der Suppe des Lebens.
        Glücklich der, der welche hat.
        Sie hat und das ist sehr sehr gut!
        Stürmische Regen-Grüße…✨

      • Ich lächele noch immer innenbeglückt und merke hier nur noch an, daß die besten Gerichte oft offenbruzzelig sind…
        Jadezwinkerig zugetan, die Ihre.

      • karfunkelfee sagt:

        Ich habe eine Affinität zu auf der Zunge zergehenden Genüssen.
        Mancherlei Konsistenzen sind so…Pistazieneis und manche offenbruzzeligen Momente.
        Ich versuche zu zwinkern.
        Lachen Sie bloß nicht…ich sehe dann immer so komisch aus…😉

  3. […] die Silbersilbenversion dieses modernen Märchens finden Sie bei der Karfunkelfee, kwasi als andere Sichtgeschichte. Mit Bildern obendrein. Und dem entzückendsten Burgfräulein, […]

  4. Das ist eine sehr schöne Begebenheit in einer märchenhaften Kulisse ☺
    Liebe Grüße, Polly ☺

  5. mickzwo sagt:

    Sch:-)n!

  6. Eine wundersame Begegnung … märchenhaft versilbersilbt. Als wäre man dabei gewesen, hätte direkt daneben gestanden, als sich grünäugige Funkelblicke, die Zeiten überdauernd, kreuzten. Und dann noch mit trefflich akustischer Untermalung! Ich finde, Mittelaltermärkte sind ganz besondere Begegnungsstätten.
    Herzliche Grüße, Mme C.

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Madame Contraire, Ich freu mich über unsere Begegnung hier in meinem Blog! Dann noch mit so schönen Worten. Als waschechtes Märchenwesen liebe ich Mittelaltermärkte natürlich, sie sind ein Blick in die Vergangenheit und allerbestens geeignet für Begegnungen, die zeitenüberdauerndes Potential in sich tragen. Allerdingsens gehört in meine Augen noch eine Portion Blau mit hinein. Kreuzt man das mit Grün, ergibt das Türkis und das – ist meine allerliebste Lieblingsfarbe neben Grün, Granatendunkelrot und allen kupfrigen Farben.
      Danke für die schönen Worte und Gedanken,
      sehr herzliche Grüße von der
      Karfunkelfee ✨

  7. wildgans sagt:

    Das war ja gar kein Blogeintrag!
    Stattdessiglich ein kleines Buch der Mysterien…
    Wunderbar märchenhaft🙂

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Sonja, hier konnte ich mich endlich mal märchenhaft austoben, diese Seite der Karfunkelfee kommt im Alltag der Realitäten leider viel zu oft viel zu kurz. Das Schreiben (über 2000 Zeichen, hurra!!!) hat mir Riesenspass gemacht.
      Fein, dass Du hier warst und so schöne Gedanken daließest!
      Mystische Grüße vom Märchenwesen✨

  8. Das ist ja wirklich märchenhaft und vor allem zauberhaft geschrieben. – Ich ahnte sofort um die Zielperson mit helldunkellila Asternblumenhaar.

    • karfunkelfee sagt:

      Danke für alle Deine Worte , Clara…
      Zielperson ist ein besonders schönes Wort. Das habe ich mir gleich weggebunkert und nun lasse ich es in Nebengleisgedanken heruminspirieren und sein Unwesen treiben.
      Mal schauen, was ich textlich damit anstellen kann.
      ✨😉

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