Zufällige Anordnung

  
Dann die behutsame Flucht. Alles was dazugehört, einfach alles. Entsprechend den Tageszeiten gibt es immer mal wieder ein abstraktes Finden scheinbarer Ähnlichkeiten. Schwer zu vergessen, was einmal grüne Blätter trug. Die leere Fortbewegung während des Stillstands in Akzeptanz zu loten und in den Grenzen erinnerter Stille nach Gemeinsamkeiten neu zu vermessen. Schräg verlaufend die tiefen Laufmaschen alter Räderspuren. Nichts, was sich ändern könnte von hier nach dort. Mitten auf einer grünen Wiese die Eigendynamik eines sich fortsetzenden Gefühls. Langsam verschwinden ohne sich zu bewegen, verloren im Weitergehen, Schritt für Schritt. Landschaften im Kopf, die in Schatten treiben, als gäbe es sie nicht mehr außerhalb davon und wenn, würden sie nicht wiedererkannt. 

Tageslicht fällt durch Maschen von Grün. Der missverständliche Geruch der Wiese. Jeder Halm ein Wort zuviel. Das abwesende Geräusch einer Stimme, die sich zum nackten Flüstern entblößt. Zu bekleideten Lauten fehlt ihr die Kraft. Es wäre entschieden zu viel. Was wäre noch glaubhaft, außer dass alles am Ende nichts genutzt hat? Gleich neuen Puppen treiben heute an silbernen Fäden kleinste Spinnen durch warme Straßen, feinziseliert wie vertrautes Glück. Unter dem trockenen Atem später Sommertage glüht keine Aussicht auf baldige Besserung. Es ist kurz nach Ladenschluss, die Sprache ist leicht wie der Tod, ein unausrottbares Elend hinter vertrockneten Augen. Die Mühsal einer weiteren Nacht wächst in schwarzer Farbe hinauf, sie treibt ein dunkles Meer zwischen alles was einmal war. 

Es bietet sich an, heiter weiterzuleben, belanglos, bis eine neue Stunde die Abendglocken schlägt. Im Stundenglas der Erinnerung das entgangene Trugbild, ein Positiv der Schatten. Meinetwegen das Unglück ausgeworfener Köder, vielleicht Rosen, die auf der Zunge zergehen wie Schnee. Das Wort zu Ende gedacht, bis es sich in Wasser auflöste und noch während des Schluckens die langen Wege in Pfützen aufweichte, als seien sie aus nichtrostendem Edelstahl. Ein Himmel nach dem anderen mit dem Rasiermesser zerteilt: Was nicht aufhört, was nicht beginnt, in der zufälligen Anordnung eines weiteren Blau im zerteilten Bild.
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4 thoughts on “Zufällige Anordnung

  1. Arabella sagt:

    Meine liebe Fee,
    …es bietet sich an heiter belanglos weiterzuleben…

    Es gibt wohl mehrere von Heiterkeiten, eine die belanglos ist, ein flüchtiges lächeln nur, unbedeutend.
    Und dann eine Heiterkeit des Verstehens der Einmaligkeit der Dinge, jedes einzelnen Moments…diese Heiterkeit erlangt zu haben, trägt die Welt.

    • karfunkelfee sagt:

      Sehr schön gesagt.
      Die Heiterkeit des Verstehens trägt die Welt durch den Verfall belanglosen Vergessens.
      Einfach einmalig, vielleicht auch bedeutsam.
      Herzliche Sonntagsgrüße✨

  2. Gerade noch flog der Geist frei, dann stürzte er aus heiterem Himmel durch nichtrostende Edelstahlwolken in die zufällige Anordnung des zerteilten Bildes.
    Mühsame Übungsstunden eines jeden Flugschülers.
    Ausruhen und wieder aufschwingen!🙂

    Gruß von der Landebahn,

    Michael

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