Aus den Dialogübungen: Horatio -Liebeslyrik mit ohne Erato

  
Ich: Oh, nein! Wer bist du denn und dann auch noch um diese Uhrzeit?
Erato: Das Produkt deiner verkrüppelten Phantasie bezüglich Liebeslyrik. Ich bin Erato.
Ich: Du siehst aus wie Atze Schröder bevor er den Frisör verklagte…sind das etwa Überreste blonder dauergewellter Locken?
Erato: Holde Maid…das war alles mal Natur pur!
Ich: Mooment…wir müssen hier erst einmal etwas klären, bevor du mich zuschwuchtelst…erstens: ich bin unhold wie ein Unhold, zweitens: ich bin zwar originally Maid in Germany, aber keine Maid im holden Sinne, damit das mal klar ist, Atze.
Erato: Ich heiß nicht Atze, ich heiße…Erato.
Ich: Ja, genau…Errato, abgeleitet von errare, wie irren, was bekanntlich menschlich ist, querrrido….und jetzt geh bitte, ich will schlafen….immer diese nächtlichen Ruhestörungen!
Erato: Nein!
Ich: Oh, er grollt ein Wort wie Donnerhall, habt Acht! Gute Nacht…
Erato: Jetzt weiß ich, warum die mich zu Dir schickten!
Ich: Wer ist die?
Erato: Na, die anderen. Du bist eine Schande für die Poesie der Liebe!
Ich: Wer ist die anderen? Los, raus mit der Sprache!
Erato: Die Musen natürlich.
Ich: Habe ich die auch mit meiner Phantasie verstümmelt wie Dich, Du antimusische Heulsuse…?
Erato: Wenigstens ein Vierzeiler! Es ist schließlich September. Du weißt schon, die Zeit der Sehnsucht und Liebe…wenn draußen erstes Gold die linden Sommerblätter säumt, ein Verslein hold von deinen azurnen Augen träumt…
Ich: Warte, du…ich komm dir gleich mit der Flinte auf diese azurnen Augen! Ich mach Purpurpudding daraus!
Erato: Wenn dann ein sanftes Lüftlein weht, ein Träumchen sich um dich nur dreht….
Ich: Erbarmung! Das ist vorsätzliche Körperverletzung….
Erato:bIch kann noch stundenlang so weiter….immer hoffend, immer heiter…
Ich: Das halt ich nicht mehr aus! Los, raus hier! Achtung Ruhestörung! Runter da! Sofort runter von meinem Bücherregal, da hast du dich letztens schon hingeflüchtet….Oh, gerechter Himmel, womit hab ich das verdient?
Erato: Wo ist der Ritter mit dem prächtigen Schimmel, der so mutig dein Herze schient?
Ich: Ich reim dir gleich was auf Schimmel, da wird dir rabenschwarz vor Augen…da fällt dir gar nix mehr zu ein…duu….duu…
Erato: Ei ei, wer wird denn nur so grantig sein?
Ich: Wieso kannst du nicht einfach eine Frau sein?
Erato: Weil du schon eine bist!
Ich: Ach, was…wirklich? Dann schick mir lieber die Thalia….Thalius, however…
Erato: Die brauchst du nicht, der geht es wundervoll…
Ich: Ist ja wundervoll. Dann leih mir wenigstens ihren Schäferstab, ich brauch was zum wen verkloppen….
Erato: Los, hör schon auf zu bocken! Nur, damit endlich meine Locken nachwachsen: Am Hange die süßen Schäfelein mit den flauschigen Haxen…
Ich: Das ist keine Liebeslyrik! Du bist total talentfrei, Erato.
Erato: Machs doch besser!
Ich: Ha! Du hältst dich wohl für sehr ausgebufft, wie? ….aus der Wäsche kucken wie Lee van Cleef…pfff…da musst du früher aufstehen!
Erato: Oder später kommen? Je später der Abend, desto…
Ich: …schlimmer die Belästigungen….Hallo…könnte bitte mal wer kommen? Erato, der musische Hermaphrodit will von seinen Eltern aus dem Spieleparadies abgeholt werden! Thalia, Pygmalion ist hier, der dichtet schlimmer als ein Tier!
Erato: Wetten, die kann da gar nicht drüber lachen…schlechte Scherze auf meine Kosten machen…
Ich: Beleidigt, was? Schnute ziehen, wie? Nachts zur Geisterstunde hier hereinspazierfliegen, mich vollreimschleimen, mich mental mit billigen Versen erpressen, nötigen und auch noch Verständnis dafür erwarten, was? Liebe Güte! Wo ist Justitia, wenn man sie braucht? Blindgänger, wie immer!
Erato: Wenn du so weiter machst, habe ich bald überhaupt keine Haare mehr und zersetze mich völlig! Ich brauche phantasievolle Liebeslyrik, damit ich gut aussehe, Mann, Frau, äh….Maid…
Ich: Na, endlich lässt du mal dieses Gesäusel, jetzt wirst du mir direkt sympathischer, du narzisstischer Antikerl. Kauf dir doch mal ein Kleid….
Erato: Was ist dein Leid?
Ich: Hä? Leid? Welche Muse ist nochmal für die Püschologie und die Alma Mater zuständig?
Erato: Ich…?
Ich: Du schaffst mich! Horatio!
Erato: So ist recht und jetzt bitte verdichtet! Ah, ich fühle schon neue Löckchen wachsen, sie kränzen mir die hohe Stirne!
Ich: Geh mir los, du komischer Schlacksen, ich kloppe dir gleich vor die matschige Birne…Flitzpiepe…ich zürne, aber echt…
Erato: Ein Gedicht, ein Gedicht.
Ich: Lauter ungereimtes Zeug hier..
Erato: Ein Hoch auf die Liebe und die Poesie!
Ich: Demnächst, du Quälgeist, sonst endet das hier nie…
Erato: Versprochen und gehalten?
Ich: Hau bloß endlich ab, Alter….
Erato: Juhu…
Ich: Na endlich ist er weg, dieser nervtötende Freiraumgestalter und ich habe Ruh und mache meine Klappe zu!
….

Gesang der Säulen

Nachträglich zum internationalen Tag der deutschen Sprache am 12.9.2015:

  
In der
Architektur der Himmelsrichtungen
der Gesang der Säulen
ausgesparte Zwischenräume
tragen schwer
am zerfetzten Konstrukt Himmel
wie kam ich hierher?

auf abgeflammten Trampelpfaden
die Wegranddickichte
frisch ausgeschlüpfte Erinnerungen
an Tanzschritte

suche ich
in immer weiteren
Jahresringen
in Zwischendistanzen
einen exakten
Parallelabstand
um das Nest
in der Mitte
heile heile
eine Weile Be-Bop…
die Bäume glühen


ich habe mich abgeschnallt
fliege immer noch
im Maschendraht der Sprache
fische Zeilen zwischen
Zaungrenzen
ein namenloser Pennäler
will mal wieder
das Fegefeuer schwänzen
war ich auf einmal da

mitten ins Leben gerotzt
wusch wie Schmutzteller
Liebe von mir ab
hatte alles verziehen
alles vergeben
nichts mehr da
fange noch einmal
im Satz an
wie war der Schritt
welcher Fuß
wer kommt mit?
ich bitt…

abwesend
beim Hinausgehen
im Zeitrafferstil
die Mythologien
wuchernder Gewächse
wie brüchige Blätter
abgestreift

über all dem stinkenden Dreck
wuchern in klaren Nächten
diffuse Sternhaufen
der geschichtsträchtige Blick läuft
in ungebärdigen Herden darüber
Jazz will die Pflicht
Themen zu improvisieren


der Mond ist eine Kidney-Bohne
Mutter Sonne schüchtern
ich glaube ich…
bin zu nüchtern…


stecke meine Nase
tief in einen sonderbaren Traum
eine Empfindung von Wärme
plötzlicher Windstoß
lüftet den Staubmantel
zieht den Hut
sagt:
wirst es
trotz zu langer Gespräche
an deren Ende
sich von
den üblichen Verdächtigen
keiner mehr rührt
doch noch schaffen
alles wird gut…


die auswändig gelernte
wilde Schrift
verbrannte
zu mundtotem Rauch
nach dem Feuersturm
im Archipel meiner Unruhe
demütig
im Kniefall
die gleichgültigen Mönche
um Nachsicht gefragt
einer lächelte
der riss mir doch glatt
die Luft weg…