der bloße wunsch 

 


Ein Beitrag zum Schreibprojekt von Jutta Reichelt: http://juttareichelt.com/2015/11/20/sie-schaut-aus-dem-fenster/

Sie schaut aus dem Fenster
einzig bekleidet
mit der Verzierung
hellen Marmors nackter Haut
der Himmel aufgescheucht
von Wolken
hat den Horizont
in Schatten aufgebaut

Ein Luxus
die winterliche Kälte
nur als an die Fensterscheibe
gepresste Ahnung wahrzunehmen
keine Kleider brauchen Träume
Liebchen heizte zentral ein
um den Räumen
Wärme zu geben.

Ihre Lippen sind blass
ihre Rundungen
weiche Sinnenglut
der Kopf ruht
leicht schräg
an erhobenen Armen
lauscht sie ferner Zeiten
leises Reden
ihr Lächeln
auf immer entspannt
im Spiel ihres Leibes
ihrer Seele Blühen
spiegelt sich Erbarmen
im erfrorenem Tau
stiller mineralischerAugen
angesichts des
asphalttoten
Leibes der Straße

hat sie ihr linkes Bein
leicht vorgestellt
lässig im Zauber der Bewegung
posiert sie
vor dunklem Glas
sich selbst gefällig
solle die Dunkelheit
bersten sie zu sehen
außerhalb des Rahmens
der leere Bürgersteig
wäre ein Blick
der zufällig sie träfe
im Stehenbleiben
rein abstrakt
fern jeder
tiefer gehenden
Betrachtung.

Die Nacht
hat den halbfernen Mond
zu Hilfe gerufen
sein Silberlicht entrückt
aus sämtlichen toten Winkeln
im knochenen Weiß
ihrer Glieder
steht unbedarft
in dem
was von Geburt aus
immer schon war
der bloße Wunsch
—-

6 thoughts on “der bloße wunsch 

  1. Das ist schön zu lesen.

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