KLEE – Zwischen den Jahren

Liebe blogfreunde, ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Es soll ein glückliches und gesundes für Euch werden und angefüllt sein mit reichen, schönen und unvergesslichen Momenten, die das Leben lebenswert machen.

Bis nächstes Jahr,

Liebe Silvestergrüße,

Eure Karfunkelfee

 

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Im Mond tanzen heut‘ Pferde

Müßig, nun da die Ursache bekannt, einen weiteren Gedanken an ihren Hergang und ihre Folgen zu verschwenden. Dies wurde bereits ausgiebigst getan. Die Unfallursache geklärt. Menschliches Versagen im übermüdeten Zustand bei miserablen Wetterverhältnissen.
Es erfolgte ein umgehender Freispruch ohne abschließendes Urteil.

Der Blick aus dem Fenster in die Sonnenfarben am Ursprung des blutroten Untergangs ist wunderschön. Heilzeit bis der Ahorn wird knospen, antwortet das winterkahle Geäst. Sein hohles Klappern der Zweige vor dem Fenster bewegt seine Worte mit dem milden Wind.

Es ist lösungsorientiert und analytisch vorzugehen.Das linke Bein ist also unbrauchbar. Die Gewichte verlagern sich. Vergangene Schritte wähnten sich aufgehoben und sicher. Traue nie deiner Erfahrung! Es war ein langer Satz. Er brach in die Zukunft ein. Ich glaubte, sie in der Hand zu halten und wähnte mich unverletzbar. Ich übersah schlicht die tiefen Schluchten der Möglichkeiten oder wollte sie überspringen in meinem Ehrgeiz.
Immer wieder das Bild eines in Drachenblut badenden Siegfried, der für die Unkenntnis seiner wunden verletzlichen Stellen mit dem Tod bezahlte. Wie ich das Bild auch drehe und wende, hinterfrage, bleibt es doch eines von meinen. Zu vertraut lächelt Siegfried, zu sehr lernte ich den Lindwurm Fafnir lieben, weil er das wahre Opfer dieser menschlichen Tragödie war.
Manche Erfahrungen im Leben braucht man mehrmals, macht sie so lange, bis ihr Lehrgehalt sich einprägte und in das tägliche Handeln einfließen kann. Andere Erfahrungen braucht man nur ein einziges Mal um zu wissen, dass man alles dafür Notwendige tun wird, um sie nicht noch einmal machen zu müssen. Gebrochene Knochen gehören eindeutig in Kategorie zwei. Ein Knochen der an einer Stelle gebrochen wurde, wird an dieser selben Stelle niemals wieder brechen, weil sich die Knochendichte an dieser Stelle erhöht.

Mittlerweile verbirgt die Nacht zwischen den Jahren die hellichten Pläne kommender Tage mit einer Dunkelheit, die in der folgenden Nacht von Feuerwerk durchbrochen werden wird. Das Bild des Neujahrs ist das eines Menschen, der mit geöffneten Armen und einem Lächeln die neue Zeit begrüßt. Er trägt die gläserne Fracht seiner Erfahrungen mit aller Behutsamkeit, die ihm möglich ist. Draußen vor dem Fenster der Baumschatten, in den Konturen erahnbar, ein stummes Frühlingsbild.

Die Besinnung kommt im Versenken von sich selbst in das Draußen. Besinnung hat etwas mit Hingabe zu tun, im Vergessen es zu tun, vielmehr es zuzulassen mit allem, was es mit sich bringt. Es sind Herausforderungen an das Organisieren und der Rundum-Betreuung der Gefühle, die sich nun eine Weile nicht mehr sportlich austoben können. Stattdessen werden andere Dinge in den Vordergrund rücken. Die Kunst ist es, sich immer wieder anders zu erfinden. Die Anpassungsfähigkeit und ihre Ansprüche an das Improvisationstalent sollen geduldig sein. Die Figuren auf dem Schachbrett wurden neu gemischt, das Spiel unterliegt nun anderen Regeln. Einiges bleibt auch unverändert bestehen. Es tut gut, in der Nacht vor der Silvesternacht draußen zu stehen und die Luft die vom Wald Herbstduft herüberbringt, tief einzuatmen. In den abnehmenden Mond zu schauen, der in den letzten Nächten besonders hell strahlend erschien. Zwischen den Jahren kommt die Zeit zur Ruhe wie ein alter müder Gaul. Noch satt vom vielen guten Essen über die Feiertage hängt sie in den Seilen zwischen Weihnachten und Silvester. Für mich schon immer die besinnlichste Zeit im Jahr, auch in meinen vollzeit berufstätigen Jahren, in denen ich meistens arbeitete zwischen Weihnachten und Silvester.

Diese schwebenden Tage zwischen den Jahren, in denen die Vergangenheit der Zukunft die Hand entgegenstreckt. Das neue Jahr, das nach frisch gefallenem Schnee und Kälte duftet wie in vergangenen Jahren? Oder eines, das auch mit Vogelgesang in der Nacht und Frühlingsgefühlen beginnt?

So vergehen Minuten, bis ich bemerke, dass meine rechte Seite steif vom einseitigen Stehen ist. Es ist Zeit für etwas vorsichtige Gymnastik und Bewegung. Die Koordination der Bewegungsabläufe steht an oberster Stelle. Kein Körper sitzt gern lange. Meiner überhaupt schon gar nicht. Ich bin ein Bewegungsmodell. Also muss ich mir Bewegung verordnen, so gut es geht und ich das heilende Knie nicht überlaste.

Ein paar Sternlein prangen am Himmel und liefern sich eine Lichtschlacht mit den weihnachtlichen Glühlämpchen in Nachbars Vorgarten. Die Sternlein verlieren. Eine Wolke schiebt sich vor den Mond.

Letzte Gedanken bewegen sich hin zum Unvorhergesehenen und Ungewissen. Der Unfall war genau so ein unvorhersehbarer Lebensaspekt wie die Freunde, die sich spontan und impulsiv dazu entschlossen haben, mich am letzten Tag des Jahres sehen zu wollen. Über den Unglücken des Lebens sollen auch die kleinen und großen Wunder, wenn etwas Schönes geschieht, gesehen werden. Der strenge Lehrer Leben schickt sie mir um mir zu zeigen, dass er mir durchaus wohl gesonnen ist, damit ich Kraft genug habe meinen Mut, meine Hoffnungen und meine Träume leben zu wollen.

Die Wolke ist am Mond vorbeigezogen, hell leuchtet er mich an. Ich wünsche mir von ihm guten Schlaf und schenke meine letzten Gedanken der Liebe und der Freundschaft. Es sind beides so betörend schöne und strahlende Geschöpfe. Immer mal wieder begegnen sie mir und im letzten Jahr gleich mehrere in Form von Menschen, die mir entgegenkamen. Sie sind meine freiesten und verwegensten Weggefährten.

Freundschaft

Im Mond tanzen heut’ Pferde,
sie laufen frei und wild
In ihnen wohnt
der Liebe Herde
ich finde sie
in meinem Bild
Am Himmel springen Wolken
gleich Schatten hin und her
In diesem ewigen Schauspiel
kenne ich mich
immer mehr

Gesetz

Du verlässt mich
im gleichen Winkel
in dem du mich trafest

in meiner ebenen
Spiegelung
werfe ich
fast dein gesamtes Licht
auf dich zurück.

Das ist Gesetz.
Was für ein Glück.

Ich wünsche mir…

…dass Ihr friedvolle und frohe Tage verlebt, wie auch immer Ihr dieses Fest feiern mögt.
…Zeit, um das Leben zu genießen und zu schätzen, wie auch immer es Euch mitgespielt haben mag im letzten Jahr.
…Liebe zu fühlen, in welcher Form sie auch zu Euch kommen mag: in Euren Kindern, Euren Partnern, Eurer Familie, gemeinsam mit Euren Freunden oder gemeinsam mit Menschen, die Euch noch fremd sind, denen es sich vielleicht lohnt entgegenzugehen.
…eine Weile Frieden in Euer Herz einziehen zu lassen, auch wenn es durch Sachzwänge, Umstände, andere Menschen, die Missstände in Gesellschaft und Welt oder durch Krankheiten hadert mit dem Leben.
…das nachhaltige Geschenk des Glücks, das sich manchmal in einem einzigen erfüllten Augenblick zeigt, ohne auch nur einen Gedanken an die Erwartungen der Zukunft zu verschwenden.
… die Ruhe innezuhalten und das Bewusstsein, dass Unendlichkeit ein Kreislaufsystem ist…
…Freude, weil sie die Gesundheit erhält und wiederherstellt.
…immer einen guten Grund zum Lachen…
…das Gefühl angekommen und angenommen zu sein, wo immer Ihr gerade steht.
…den Mut für weitere Wünsche und Träume…

…und ich wünsche mir, dass ich heute auf meinen Krücken die vier Stockwerke heile herunterkomme, um meine Familie sehen zu können…. 😉

Liebe (Weihnachts)-Grüße von Eurer Karfunkelfee

Das Leben…

…kann ein Arschloch sein.
Es nimmt Dir etwas, das Dir viel bedeutet,
Deine Bewegungsfreiheit.
Es bricht Dir Dein Bein am Schienbeinkopf mitten durch…
dann läufst Du an Krücken…
…und lernst wieder zu schätzen…
…was Gesundheit wirklich bedeutet…
…alles vor Weihnachten….
…vor Silvester….
…das Leben
…kann ein Arschloch sein…

…doch irgendwoher kommt auch immer Licht…
…Hoffnung….Vertrauen…Glaube…Liebe…
…ein Wow!

tim shel – thou mayest – (John Steinbeck, East of Eden)