Rauhnacht

10 Wörter – eine Geschichte

Mia hat zum Schreibprojekt gerufen und ich hatte die Freude, 10 Wörter vorschlagen zu dürfen. Nun ist die Geschichte fertig und es ist eine lange geworden und es ist eine winterliche Gruselgeschichte. Viel Freude beim Lesen.

Hier geht es zum Schreibprojekt: http://westendstorie.com/2015/12/06/10-woerter-eine-geschichte-mit-euch/

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

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schwülstig

Klappspaten

Raunacht

Zaubernuss

Blitzzement

Nebelmaschine

Sahnewolke

Pfefferminze

minimalistisch

Gestaltwandler

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(Für Naomi)


Rauhnacht

Den ganzen Dezember über war es mild gewesen wie im Frühling, doch nach Silvester schlug das Wetter um, der Wind drehte scharf auf Nordost und brachte eine eisige Kälte mit. Jetzt, Anfang Januar, waren es selbst am Tage minus 15 Grad. Seit vorgestern bedeckte eine dünne Schneedecke die Äste der gefrorenen Bäume und die Kristalle des frisch gefallenen Schnees auf dem Weg zum Haus knirschten unter den Schuhen wie grobkörniger Hagelzucker. Onkel Paul und Tante Gerda waren zu Beginn der Weihnachtsferien aus Tübingen angereist, sie hatten die Zwillinge mitgebracht. Oma Ruth kam mit dem Zug aus Dresden. Das kleine Einfamilienhaus am Rande des Waldes platzte aus allen Nähten. Onkel Paul und Tante Gerda waren im kleinen Gästezimmer neben dem Elternschlafzimmer untergebracht. Die Zwillinge schliefen bei Melinas Bruder Tim auf einem aufblasbaren Gästebett und Oma Ruth wurde in Melinas Zimmer einquartiert. Melina musste Oma Ruth ihr Bett überlassen und schlief auf einer Luftmatratze. Die letzten Tage und Nächte waren angefüllt mit hektischer und lauter Betriebsamkeit. Melina vermisste die Ruhe im Haus, vor allem wenn die Zwillinge sich wieder einmal lauthals stritten und miteinander rangelten. Es war ein Wunder, dass bis jetzt noch nichts zu Bruch gegangen war, wenn sich die beiden hochaufgeschossenen Jungen keilten und es war nur eine Frage der Zeit, bis etwas zu Bruch gehen würde, denn ständig hatten sie etwas zu streiten und gerieten sich bei den kleinsten Anlässen in die Wolle. Marvin, der Ältere hielt sich auch für den Stärkeren und mehr als einmal musste Onkel Paul die beiden Streithähne voneinander trennen, weil Nils, der Jüngere, wieder einmal mit hochrotem Kopf und hervorquellenden Augen in Marvins Schwitzkasten hing und mit überschnappender Stimme lauthals schrie wie am Spieß. Die Erwachsenen hielten sich überwiegend im überheizten Wohnzimmer auf, in das zusätzlich Stühle aus der Küche gestellt worden waren, um Sitzgelegenheiten und ausreichend Platz für alle zu schaffen. Melinas Mutter schien aus der Küche überhaupt nicht mehr herauszukommen, weil sie entweder kochte oder damit beschäftigt war, Geschirr in die Spülmaschine ein- oder wieder auszuräumen. Melina kam es so vor, als konzentriere sich der gesamte Tagesablauf nur noch auf das Essen und Trinken: ständig wurde irgend etwas gekocht, aufgetragen, aufgegessen und anschließend die leeren Teller und Schüsseln wieder weggetragen in einem ständigen Kommen und Gehen. Es gab Kürbissuppen, Nudellaufläufe, Weihnachtsgans, Enten und Rouladen mit Rotkohl, Erbsen und Möhren, Wirsing in Rahmsoße,  Spätzle, Spaghetti oder Klöße und zum Dessert verschiedene Puddings oder Quarkspeisen in allen möglichen Variationen. Kaum war das eine vertilgt, wurde zwei Stunden später schon wieder Kaffee und Kuchen zelebriert, erneut klapperte das Geschirr, sägten Gabeln über Teller, wurde Kaffee aus Mutters Sonntagskaffeeservice mit den zierlichen Tassen geschlürft, nur um wiederum zwei Stunden später erneut aufzutragen, dieses Mal das Abendbrot, bestehend aus verschiedenen Sorten Brot, Brötchen, Wurst, Gewürzgürkchen, Tomaten und hartgekochten Eiern, von denen jeder der Zwillinge mindestens fünf verdrückte. Melina fragte sich in diesen Tagen, ob Menschen sich auch totessen oder totsitzen können, denn ständig saßen alle zusammen und futterten oder tranken etwas. Ihr war aufgefallen, dass Onkel Paul und Tante Gerda sowie Oma Ruth sich manchmal den ganzen Tag lang nur vom Sessel auf den Stuhl an den Esstisch, zur Toilette, zurück auf den Sessel und abends ins Bett zum Schlafen bewegten. Melinas Vater war der Einzige, der sich zwischendurch ein wenig Zeit für seine kleine Tochter nahm und sich mit ihr für einen Spaziergang in den Wald davonstahl, während die anderen im Hause blieben, weil es ihnen draußen zu kalt war. Melinas Mutter war für ihre Kinder kaum ansprechbar, so sehr war sie ständig damit beschäftigt, sich um die Gäste zu kümmern und dafür zu sorgen, dass alle versorgt waren mit Essen, mit Trinken und mit Zeit. Wenn Melina etwas von ihrer Mutter wollte, bekam sie oft nur eine kurze und gereizte Antwort und mit Sorge sah Melina die müden tiefen Schattenringe, die sich um die Augen ihrer Mutter gegraben hatten, genauso wie die angespannten Falten in ihren Mundwinkeln. Sie wünschte sich, dass die Gäste wieder abreisten, sie wünschte sich, dass es endlich wieder ruhig würde und gestern Abend hatte sich Melina sogar gewünscht, dass die Schule wieder begönne, weil dann endlich alles wieder beim Alten wäre und ihre Eltern ihr nicht mehr vorkämen, als seien sie Fremde wie diese Leute im Haus, die sich Verwandtschaft nannten, doch dabei einen völlig fremden Eindruck in Melina hinterließen.

Abends saßen die Erwachsenen bei Wein, Bier und Schnaps zusammen im Wohnzimmer, die Stimmen wurden lauter, vor allem Onkel Pauls dröhnendes Lachen über die leisen humorigen Geschichten von Melinas Vater hallte durch das ganze Haus. Oma Ruth ging wie üblich kurz nach Sonnenuntergang schlafen und die Kinder wurden auf ihre Zimmer geschickt. Das war das Schlimmste für Melina. Denn wenn Oma Ruth schlafen ging, blieb Melina nichts anderes übrig als sich allein in die Küche zu setzen und ein Buch zu lesen oder zu malen. Das hatte sie in den vergangenen Tagen des öfteren gemacht, damit sie nicht zusammen mit Oma Ruth mit den Hühnern schlafen gehen musste. Melina hörte die Zwillinge im Zimmer ihres Bruders Tim miteinander kichern und an Tim’s Computer Spiele zocken. Sie wollten sie nicht dabeihaben, weil sie ein Mädchen war und sie öffneten die Zimmertür auch nicht, als Melina vor Wut heulend dagegen trat. „Dies ist ein geschlossener Herren-Club, Weiber sind hier unerwünscht!“, rief Marvin, einer der Zwillinge durch die Tür. Doch damit wollte Melina sich nicht abfinden und rief zurück:“ Mach schon die Tür auf, Du Klappspaten! Oma Ruth schläft doch schon, wo soll ich denn jetzt hin? Ich will nicht allein sein!“ „Ja, ist das mein Problem, du dumme Nuss?“, schrie Marvin zurück und hinter der Tür hörte sie die Jungs, wie sie wild lachten und sich über sie lustig machten. „Lass mich rein, lass mich rein..määäh ich bin so allein…“, höhnte ihr Bruder Tim und sie hörte ein klatschendes Geräusch, als ob er sich auf die Schenkel schlüge vor Schadenfreude. Melina gab auf. Sie hatte Bauchschmerzen vor Wut. Mit verzogenem Gesicht hielt sie sich die Hände vor den Bauch. Das Mittagessen, bestehend aus Resten von Roulade und Gans vertrug sich nicht mit dem riesigen Stück Schwarzwälder Kirschtorte, das ihre Mutter ihr zum Kaffeetrinken unter den beobachtenden Augen der Verwandtschaft mit strengem Blick aufgenötigt hatte, als sei es eine außerordentliche Unhöflichkeit, zwei Stunden nach einem mächtigen Mittagessen noch nicht wieder rasenden Hunger zu verspüren. Widerstand war völlig zwecklos und um einer Diskussion mit ihrer Mutter unter den prüfenden Blicken der anderen zu entgehen, aß Melina das ihr aufgedrängte Stück Kuchen, obwohl sie noch pappsatt war. Onkel Paul, der Architekt war, hielt mit geschwollener Brust und vorgerecktem Hals einen seiner schwülstigen Monologe über die Ästhetik minimalistischer Baustile. Ihr Vater, lächelte und zwinkerte ihr verschwörerisch zu. Grinsend verdrehte er in einem unbeobachteten Moment die Augen Richtung Zimmerdecke. Manchmal glaubte Melina, dass ihren Vater diese ganze Verwandtensippe, die Weihnachten über die Familie hereingebrochen war wie eine Horde Heuschrecken, genauso nervte wie sie selbst.

Jetzt, als sie sich über ihren Bruder und die unverschämten Zwillinge ärgerte, kam noch die stille Wut auf ihre Mutter hinzu, die darauf bestanden hatte, dass Oma Ruth in ihrem Zimmer schlafen sollte. „Wo soll Oma Ruth denn sonst hin?, fragte ihre Mutter Melina, als wüsste diese eine andere Lösung als Oma Ruth in ihrem Kinderzimmer unterzubringen. Melina hatte keinen einzigen Ort mehr, an dem sie allein sein und sich zurückziehen konnte und das war das Allerschlimmste daran: dass sie den anderen überhaupt nicht entkommen konnte, außer sie ging nach Draußen zum Spielen. Diese Wut gesellte sich nun zu den übrigen Wutbestandteilen und wuchs stetig größer bis sie Melina gänzlich ausfüllte. Leise schlich sich Melina vor ihr Kinderzimmer, legte den Kopf an die Tür und horchte: regelmäßiges Schnarchen drang an ihr Ohr, es wurde immer wieder unterbrochen von kleinen atemlosen Schnaufern und Japsern. Oma Ruth schlief tief, laut und selig. In Melina reifte langsam ein vage umrissener kühner Plan heran, was sie gegen ihre missliche Lage unternehmen könne. Schnell lief sie die lange gewundene Treppe ins Erdgeschoss hinunter und lauschte an der geschlossenen Wohnzimmertür. Es war der letzte Abend, bevor Onkel Paul, Tante Gerda und die Zwillinge wieder abreisen würden, darum wurde heute noch einmal richtig beim Alkohol zugelangt. Der Geräuschpegel der Stimmen aus dem Zimmer war bereits erhöht, der Alkohol tat seine Wirkung. Sie hörte ihre Mutter, wie sie zu Tante Gerda sagte, dass Melina ihr Sorge bereite, weil sie so empfindlich war: „Sie ist ein so anstrengendes Mädchen“, hörte sie ihre Mutter seufzend zu Tante Gerda sagen. Doch diese lachte nur laut und glucksend in ihrer langsamen behäbigen Art und erwiderte, dass Melinas Mutter froh sein könne, nicht zwei Jungs zu haben und dann auch noch beide im gleichen unmöglichen Alter. Mit gesenkter Stimme gab sie eine Geschichte zum Besten und erzählte wie die Zwillinge in der Schule beim Haschischrauchen im Chemieraum unter der Abzugshaube für gefährliche Chemikalien vom Physiklehrer erwischt und zu fünfzig Stunden Sozialarbeit in der Schule verdonnert worden waren. Melina grinste in sich hinein, denn nun hatte sie etwas, womit sie die Zwillinge ärgern konnte, wenn sie ihr wieder frech kamen. Sie ging zur Garderobe und nahm ihre Winterjacke vom Haken. Sie zog sich die dicken Stiefel mit der Profilsohle an und wickelte sich in den langen Wollschal, den ihr Oma Ruth zu Weihnachten geschenkt hatte. Die grobe Wolle kratzte an Melinas Hals und sie mochte das Schweinchenrosa des Schals nicht sonderlich, doch er war warm und erfüllte seinen Zweck.

Als sie die Haustür öffnete, schlug ihr die Kälte grimmig entgegen. Am Hausdach hingen lange Eiszapfen wie Stalaktiten, obendrein hatte es erneut geschneit. Die gelb blühende Zaubernuss im Vorgarten reckte bizarr ihre Zweige unter der leichten Schneehaube. Es war klirrend kalt. Melina fröstelte trotz der dicken Winterjacke und schaute hoch zum Berg. Einzelne diesig weiße Schleier trieben zwischen den Bäumen am Hang, als hätte jemand sie mit einer Nebelmaschine dort hineingeblasen. Als sie auf den Weg trat, knirschte der Neuschnee unter den Sohlen ihrer Stiefel. Melina schritt zügig aus, damit ihr möglichst schnell warm wurde. Das elterliche Haus mit den hell erleuchteten Fenstern blieb im Dunst der kalten Winternacht zurück. Leise und gedämpft vernahm sie die Stimmen aus dem Inneren des Hauses. Sie ging über die Straße und betrat den Waldweg, der hoch zum Bergrücken führte. Sie hoffte, dass keiner der Erwachsenen sie suchen würde. Doch die waren inzwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit dermaßen betrunken, dass sie Melina einfach vergessen haben würden und annähmen, sie läge bereits längst schlafend auf ihrer Luftmatratze bei Oma Ruth im Zimmer. Niemand würde sie vermissen, dachte Melina und eine unbestimmte Traurigkeit wollte sich in ihr breit machen. Es war ein geradezu herrlich verbotenes Gefühl in der hellen kalten Nacht durch den stillen Wald zu gehen im Wissen was es für einen Riesenärger geben könnte, wenn ihre Eltern es herausbekämen. Doch genau das bereitete Melina bei ihrem Vorhaben die allergrößte Freude. Sollten sie doch ruhig sauer sein! Schließlich hatten sie ihr zugemutet, die ganzen Weihnachtsferien auf die Melina sich so gefreut hatte, mit der dicken schnarchenden Oma Ruth in ihrem Zimmer zu verbringen. Diese hatte ihre unzähligen kleinen Alte-Leute-Utensilien wie den Pillenkasten und die Lesebrille sowie das Glas für ihr Gebiss einfach auf Melinas Nachtschränkchen gestellt und ihr Bett mit Beschlag belegt. Melina gruselte es, dass sie in ihrem Bett schlief, vor allem, weil sie ihre Mutter hatte sagen hören, dass Oma Ruth manchmal inkontinent sei. Sie bat ihren Bruder Tim das Wort in seinem Computer zu googeln und seit sie wusste, dass es bedeutete, dass jemand sein Pipi nicht mehr bei sich halten konnte, gruselte sich Melina noch viel mehr und stellte sich vor, wie kleine Tröpfchen von Oma Ruths Pipi durch das Laken in ihre Matratze einsickerten. Melina kannte ihre Großmutter aus Dresden nicht besonders gut. Sie kam nur Weihnachten zu Besuch. Oma Ruth war eine fremde alte Frau für Melina. Bei ihrer Ankunft presste sie Melina fest in die Fleischberge ihrer wulstigen dicken Arme bis Melina dazwischen wehrlos und gefangen dazwischenhing, als sei sie in einen Schraubstock eingeklemmt und klatschte ihr nasse, nach Spucke riechende Küsse auf ihr Gesicht. Sie roch alt und scharf – es war eine Mischung aus menschlichen Körperausdünstungen und der schmutzig-gelben Kern-Seife, die Oma Ruth morgens und abends zum Waschen benutzte. Melina hatte an dem schmierigen Seifestück gerochen, um herauszufinden, woran es lag, dass ein Mensch alt roch. Doch die Seife war nur ein winziger Bestandteil dieser muffigen Mischung.

Während Melina sich Gedanken darüber machte, wie man den alten Geruch von Oma Ruth näher definieren könnte, atmete sie kleine Dampfwolken aus, die in der Kälte vor ihrer Nase stehenblieben und die Form beibehielten als sei ihr Atem aus Blitzzement gemacht, der, einmal in die Form gebracht, diese sofort beibehielt. Immer weiter wand der stille Waldweg sich bergan, der Laubwald war in einen dunklen undurchdringlichen Tannenwald übergegangen, Melina war bereits zwanzig Minuten gelaufen und nicht mehr weit vom Bergkamm entfernt. Eisiger Wind fegte um ihren Kopf und als sie den Blick nach oben in den vom Schnee erhellten mondlosen Winterhimmel richtete, sah sie wie sich die Wolken darin jagten wie fliehende Tiere. Immer höher und steiler lief Melina die Steigung weiter hoch und endlich, nach einer weiteren Viertelstunde stand sie oben auf dem Bergkamm und konnte von oben hinunter auf das märchenhaft schöne verschneite Land richten. Von hier oben wirkten die Häuser im Tal wie Spielzeug und die erleuchteten Fenster waren kleine Lichtpunkte im Winterweiß. Um Melina herum trieben Nebelschwaden, verwehrten zeitweise den Blick auf die Bäume, die vereinzelt um sie herum standen. Melina erinnerten die wie von einem unsichtbaren Licht innen heraus leuchtenden Nebelfetzen irgendwie an Sahnewolken auf Kuchenstückchen. Ihr Hals war von der Kälte rauh geworden. Sie klaubte ein Bonbon aus ihrer Jackentasche, steckte es sich in den Mund und genoss, wie sich das frische Aroma von Pfefferminze wohltuend und kühlend in ihrem Rachen ausbreitete. Die eisige feuchte Kälte des Waldes biss in ihr Gesicht und ihre ungeschützten Ohren fühlten sich so taub und leblos an, als wollten sie jeden Moment von ihrem Kopf abfallen. Der Wind jaulte hier oben auf dem Berg in schrägen unheimlichen Tönen und als Melina zusah, wie er den Nebel in Fetzen zerriss, meinte sie wabernde Wesen gleich Gestaltwandlern darin erkennen zu können,die ständig ihre Form wieder veränderten. Sie schienen in einem endlos langen Zug verkrüppelter und verkrümmter Körper mit dem Wind über den Bergkamm zu ziehen.

Melina rieb sich mit den Fäusten die Augen, doch je länger sie zu ihnen hinübersah, umso deutlicher schälten sich Konturen aus dem treibenden Nebel und nun konnte sie leidvolle Fratzen voller Schmerz darin erkennen. Entsetzt kniff sich Melina in den Arm, um sicher zu gehen, dass sie nicht träumte. Sie beobachtete, wie die durchsichtigen leuchtenden Körper der Gestaltwandler ihre weißen Füße mühselig Schritt um Schritt voreinander setzten als etwas unsäglich Kaltes Melinas Arm berührte. Mit einem kleinen Aufschrei fuhr sie herum und sah geradewegs in das zerfließende Gesicht einer dieser nebligen Kreaturen. Sie wollte schreien, doch kein einziger Ton drang aus ihrem geöffneten Mund und als sie durch die Berührung mit dem seltsamen Wesen verbunden war, fühlte Melina einen tiefen tödlichen Schmerz. Er raste wie ein eisiges Feuer durch ihren Körper hindurch genau auf ihr Herz zu. Über dem pfeifenden Wind hörte sie eine leise substanzlose Stimme, die ihr zuflüsterte: „Eil Dich! Es ist sein Herz, Du musst Dich eilen!“ Dann ließ der Nebel Melina los und sie sah, wie die Kreatur zurück in die Reihen der anderen trieb. Der Schock löste sich aus ihren Knochen, ihre Stimme kehrte zurück und sie lief schreiend, so schnell sie ihre Füße tragen konnten, auf den Waldweg zurück, von dem sie gekommen war. Sie schwitzte und fror gleichzeitig, die seltsame Klammer, die ihr Herz zusammenzupressen, zum Stillstand zu bringen drohte hatte sich endgültig gelöst und nun raste ihr Herz in schnellen stolpernden Sprüngen, so, wie Melina selbst in Sprüngen den Weg wie ein aufgescheuchtes Reh hinuntersprang. Der neu gefallene Schnee stob um ihre Füße, der Wind johlte in ihren Ohren.

Endlich tauchte die Straße vor ihr auf. Sie war so schnell gerannt, dass sie nur zwanzig Minuten für den gesamten Rückweg benötigt hatte. Völlig außer Atem erreichte sie das elterliche Haus. Sämtliche Lichter waren  erloschen, inzwischen waren wohl alle schlafen gegangen. Melinas Hände zitterten so sehr, dass sie kaum den Schlüssel im Schloss der Eingangstür umdrehen konnte. Doch endlich gelang es ihr und die Tür sprang auf. Melina horchte in die dämmerige schlafende Stille des Hauses. Sie öffnete die Tür zum Wohnzimmer. Niemand befand sich mehr darin. Melina lief auf Zehenspitzen die Treppe hinauf. Sie wollte heute Nacht nicht mehr ins Badezimmer gehen und sich die Zähne putzen, sie wollte nur noch auf ihre Luftmatratze und sogar Oma Ruths Schnarchen erschien ihr höchst angenehm im Vergleich dessen, was sie gerade oben auf dem Kamm des Berges erlebt hatte. Als sie an der Tür des Zimmers in dem ihre Eltern schliefen vorbei huschen wollte, hörte sie ein seltsames Geräusch. Es war, als röchele jemand. Melina legte ihr Ohr an die Tür. Es war einen Augenblick so still, dass sie schon wieder gehen wollte. Doch dann hörte Melina ein Gurgeln oder Würgen, als versuche jemand einen Stein hinunterzuschlucken. Es wird schon nichts sein, versuchte ihr Verstand sie zu beruhigen, doch Melina erinnerte sich an die Stimme der Kreatur im Nebel: Es ist sein Herz. Eile Dich! Eine tiefe Angst erfasste Melina, so groß und absolut wie sie noch nie zuvor in ihrem Leben Angst verspürt hatte. Sie wusste genau, was sie für einen riesigen Ärger bekommen würde, wenn sie nun ohne triftigen Grund das Zimmer ihrer Eltern beträte und ihren Vater oder ihre Mutter grundlos aufwecken würde, doch wie aus einem inneren Zwang heraus drückte sie die Türklinke hinunter und betrat mit zögerlichen Schritten das dunkle Schlafzimmer ihrer Eltern.

Melinas Augen versuchten sich an die Schwärze im Raum zu gewöhnen und dann hörte sie erneut das eigenartige Geräusch. Sie trat an das Bett ihrer Eltern und erkannte die Kontur ihrer zur Seite gedrehten fest schlafenden Mutter. Sie lauschte ihren ruhigen und regelmäßigen Atemzügen, ihr dunkles Haar lag wie ein Fächer ausgebreitet auf dem Kopfkissen. Auf der anderen Seite des Bettes lag ihr Vater. Erschrocken sah Melina, dass er die Augen weit aufgerissen hatte. Er presste seine Hand auf seine Brust über dem Herzen, stöhnend und verzweifelt rang er nach Luft. Er lag, den Kopf halb zur Seite gedreht, wie eine verrenkte Marionette im Bett. Melina schrie entsetzt auf. Ihre Mutter drehte sich auf die andere Seite und erwachte. Verwirrt schaute sie sich um, sah ihren Mann neben sich nach Luft ringen und Melina schreiend daneben stehen, schlug die Hand vor den Mund und schrie ebenfalls entsetzt. Melina überlegte nicht lange, rannte hinunter ins Wohnzimmer zum Telefon und wählte die Nummer des Notrufs. Sie war so aufgeregt, dass sie kaum sprechen konnte: „Schnell, schnell, er stirbt, es ist mein Vater, es ist sein Herz, schicken Sie einen Wagen in den Paracelsusweg 52, bitte ganz ganz schnell!“ Eine ruhige klare Stimme bat sie ihren vollen Namen zu nennen und dann, die Symptome zu beschreiben, die sie beobachtet hatte, als sie oben bei ihrem Vater war.

Die Notrufzentrale hatte in der Zwischenzeit den Krankenwagen losgeschickt. Als Melina auflegte, hörte sie bereits die Sirene und sah durch das Küchenfenster das Blaulicht schimmern. Sie öffnete den beiden Sanitätern die Tür. Sie rannten die Treppe hinauf in das Schlafzimmer. Melinas Vater bewegte sich nicht mehr, wie eine leblose weiße Puppe lag er im Bett. Zitternd beobachtete Melina wie die Sanitäter ihn untersuchten und mit einem Stethoskop sein Herz abhorchten. Einer der beiden zog eine Spritze auf. Melinas Mutter kniete im Nachthemd neben dem Bett und hielt die Hand ihres Mannes. Tränen liefen aus ihren Augen, sie schüttelte immer wieder den Kopf. „Mama, er wird wieder ganz gesund“, sagte Melina, setzte sich auf den Fußboden, die Beine angezogen, die Arme fest um ihre Knie geschlungen und wiegte sich hin und her. „Es ist das Herz, ich muss mich eilen, hat es zu mir gesagt, dort oben auf dem Berg.“.
„Was hast Du gesagt, Melina?“ Ihre Mutter trat zu ihr und nahm sie in die Arme. „Willst du mitkommen ins Krankenhaus? Bleib du hier bei ihm und ich sage gerade den anderen Bescheid.“ Sie zog sich schnell Hose und Pullover über, streifte Schuhe über die nackten Füße und rannte durch das Haus. Melina hörte Schritte und aufgeregte Stimmen. Sie hatte den Platz ihrer Mutter eingenommen und hielt die Hand ihres Vaters fest. Seine Finger fühlten sich klamm und kalt an, als sei alles Leben aus ihnen herausgeflossen. Eine Sauerstoffmaske bedeckte sein Gesicht und die Sanitäter hatten ihm eine Spritze mit Heparin gesetzt. Inzwischen war auch der Notarzt eingetroffen. Er untersuchte Melinas Vater kurz und gab den Sanitätern die Anweisung ihn auf einer Bahre nach unten zu bringen, er sei nun transportfähig. Melina hörte, wie er ihre Mutter in der Küche über den Zustand ihres Vaters informierte: „Es ist ein akuter Herzinfarkt. Dadurch, dass Ihre Tochter so schnell Hilfe herbeigerufen hat, wird Ihr Mann alles gut überstehen. Es ging buchstäblich um Sekunden. Er hatte großes Glück!“

Melinas Mutter holte das Auto aus der Garage, der Krankenwagen war bereits unterwegs ins Krankenhaus. Die Kabine des Autos war eisig kalt und obwohl Melinas Mutter das Heizgebläse voll aufgedreht hatte, wurde es erst nach zehn Kilometern endlich warm in dem alten Audi.„Nun erzähl mal“, wollte Melinas Mutter wissen als sie Richtung Krankenhaus über die Landstraße fuhren, „wie du darauf aufmerksam geworden bist, dass es deinem Vater so schlecht ging.“ Melina überlegte, ob sie ihrer Mutter die Geschichte der seltsamen Kreaturen auf dem Berg erzählen solle oder doch lieber eine abgespeckte und zurecht frisierte Version, in der sie vom Schnarchen von Oma Ruth wach geworden wäre und zufällig mitbekommen hätte, dass aus dem Schlafzimmer seltsame Geräusche kamen. Melina rechnete damit, dass ihre Mutter ihr böse sein würde, weil sie einfach von zu Hause abgehauen war.
Dass sie ihr niemals glauben würde, was ihr dort oben auf dem Kamm mit den gespenstischen Kreaturen widerfahren war. Zweifelnd und nachdenklich beobachtete sie das Gesicht ihrer Mutter, die konzentriert den Blick durch die Windschutzscheibe auf die schneebedeckte Straße gerichtet hatte.
Dann erzählte sie ihr alles, angefangen von ihrer Wut auf die Zwillinge, auf die Verwandtschaft bis hin zu ihrer abenteuerlichen und trotzigen Wanderung auf den Bergkamm. Als sie ihrer Mutter von dem gespenstischen Zug der Kreaturen auf dem Bergrücken erzählte, wie das Wesen sie berührte und sie den unerträglichen Schmerz im Herzen fühlte, die seltsame Botschaft hörte, begann sie wieder zu weinen. Ihre Mutter wandte kurz den Kopf zur Seite, sah Melina zärtlich an und  strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht: „Kleines, ohne Dich wäre dein Papa jetzt tot und ich habe so fest geschlafen, ich habe es nicht einmal bemerkt wie schlecht es ihm ging! Du hast ihm das Leben gerettet und was immer dir dort oben auf dem Berg heute Nacht widerfahren ist, hat dazu beigetragen, dass du rechtzeitig bei ihm sein konntest um ihm zu helfen! Ich möchte dir etwas erzählen aus meiner alten Heimat.“ Während draußen die Winternacht am Auto vorbeiflog, erzählte Melinas Mutter ihr die alte Geschichte von den Rauhnächten, von denen die Nacht zum 5. Januar die „Perchtennacht“ genannt wurde. Sie erzählte Melina von ihrer Heimat Bayern und von den Perchten-Läufen und den Umzügen, mit denen die bösen krankheitsbringenden Geister und Dämonen vertrieben werden sollten.

“Dieser seltsame Zug der Nebelkreaturen, die du heute Nacht auf dem Bergkamm beobachtet hast, nannten unsere Dorfältesten „die wilde Jagd“. Ich habe nie an diese alten Sagen glauben wollen. Du hast so ein unglaubliches Glück gehabt, weißt du das eigentlich?“ Sie ließ mit einer Hand das Lenkrad los und schüttelte Melina an den Schultern, das Auto reagierte und schwankte leicht  auf der Straße zur Seite, während es weiter voran in die Dunkelheit fuhr.  „Einer dieser Dämonen hat dich gewarnt, dir eine Botschaft übermittelt.“
„Sind sie böse, die Perchten, Mama?“, wollte Melina wissen und dachte an die eisige Kälte, die durch ihren Körper bis zu ihrem Herzen drang, als die Nebelkreatur sie am Arm berührte. Melinas Mutter schüttelte den Kopf. „Nein, böse und verdorben sind sie nicht, nur entsetzlich traurig, denn sie tragen das Leid und den Schmerz der ganzen Welt mit sich. Wen sie besuchen, dem wollen sie etwas zeigen, ihn vor etwas warnen. Wer ihnen gut zuhört statt sie zu vertreiben und keine Furcht vor ihnen zeigt, den können sie vor Krankheit und Tod beschützen. Du bist ein sehr mutiges Mädchen gewesen und heute Nacht, in der letzten der Rauhnächte, hast du deinem Vater dank deiner Unvernunft und der Warnung des Wintergeistes das Leben gerettet!“

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37 thoughts on “Rauhnacht

  1. Good morning Liebes, darf ja noch nicht lesen, schnell nur runter gescrollt um zu bitten, das du deinen Beitrag mit der Einladung verlinkst? Nicht das er mir durchgeht, wenn ich endlich auch mal fertig bin😀
    Herzliche Grüße durch die Lande zur Radrennschreibefee ♥

  2. Christiane sagt:

    Mir verschlägt es die Sprache und zieht mich in seinen Bann. Das ist eine wunder-volle, zauberhaft erzählte Geschichte, die mir sehr sehr sehr gefällt.
    Danke.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Christiane, ich fürchtete, die Geschichte würde zu lang werden! Vor drei Tagen begann ich sie zu schreiben, vorgestern stand die Rohfassung und ich wusste nicht wo ich hätte kürzen können. Ich las sie meiner Tochter vor, die fand sie obergruselig und manchmal lustig. Nimm nix weg dran, Mama, sagte sie, das gehört da alles mit rein! Ich hörte auf sie. Wenn sie es trotz ihrer Länge geschafft hat Dich in den Bann zu ziehen, dann bin ich auf einem guten Weg, längere Erzählungen schreiben zu können und genau da will ich hin!
      Danke für Dein Lob und liebe Grüße✨

      • Christiane sagt:

        Sie ist lang, ja, klar. Gruselig fand ich sie kein Stück, lustig dagegen auch. Toll finde ich solche Details wie den Geruch von alten Leuten …
        Ich mag das sehr, eine Geschichte sich entwickeln zu lassen, meine ist dieses Mal auch länger geworden. Der Zauber deiner Begriffe … neee, wirklich, wunderschön.
        Wenn du längere Erzählungen schreiben wirst, komme ich lesen, versprochen!😉
        Liebe Grüße
        Christiane

      • karfunkelfee sagt:

        Wie, nicht gruselig? Meine Tochter fand sie schwer schaurig, aber junge Mädels sind empfänglich für Gruselgeschichten, die etwas älteren Mädels sind sensibel für den Grusel des Alltags und die leiseren Zwischentöne. Mich fasziniert immer wieder wohin und in welche Zwischenbereiche mich meine Geschichten führen, an die ich vorher gar nicht gedacht habe. Die leisen Details sind es, die eine Geschichte mit Leben auffüllen…ich werde zu Dir lesen kommen und bin sehr gespannt, was Du gebastelt hast aus meinen Wörtern. Ich freue mich, wenn Du mich wieder besuchen kommst. Wer weiß, wohin mich meine Schreibreisen noch führen werden? Ich freue mich auf jede einzelne, die in meinem Kopf entsteht und wenn jemand lesend mit mir reist, ist es das Schönste…
        Ich danke Dir für Deine lieben Worte!

      • Christiane sagt:

        Dann ist es das Alter bei mir …😉
        Ich bin als Geschichtenschreiberin erst am Anfang und froh über ideentechnische Gehhilfen wie die 10 Wörter. Aber dass meine Figuren, meine Geschichte ein Eigenleben haben/hat, das erfahre ich auch, und ich nehme es als Indikator, dass sie leben/lebt und gebe/gehe dem gern nach.
        Ich freue mich auf deinen Besuch.
        Morgengrüße
        Christiane🙂

  3. Arabella sagt:

    Weihnachtszaubermärchen…sehr fein.

  4. maribey sagt:

    Deine Worte, die du Mia und uns geschenkt hast, gefielen mir schon.
    Und nun lese ich deine Geschichte und staune darüber, wie du die Worte verdichtest und diese runde Geschichte entstehen lässt.

    • karfunkelfee sagt:

      Meine verrückten Wörter…wie kam ich bloß ausgerechnet auf diese…?
      Sie waren einfach da…ich bin sehr gespannt auf die anderen Beiträge. Einige tolle Texte habe ich schon gelesen und gestaunt wie unterschiedlich die Wörter eingesetzt wurden…
      Die Idee zur Geschichte war genauso spontan im Kopf wie die Wörter und es ist ein völlig anderes Schreiben nach vorgegebenen Worten.
      Macht mir sehr viel Spaß…
      Vielen Dank, Maribey…für Deine lobenden staunenden Worte…
      sie freuen mich sehr…✨

      • maribey sagt:

        Wunderbar verrückt schöne Wörter. Bei Christiane bzw. ihren Kommentaren haben wir schon überlegt, wie du darauf gekommen bist.
        Ich finde diese Vielfalt der Umsetzung auch klasse.
        Danke nochmal für deine Worte!

      • Clara HH sagt:

        Nur nebenbei die Bemerkung: Ich habe das so ähnlich mit Kindern gemacht. Ich hatte mal zwei Brüder zur Betreuung. Jeder durfte 5 Wörter beisteuern. Dann zog ich mich kurz zum Überlegen zurück und dann ging sie los, die Erzählung. Und sie lauschten wie die Luchse und strichen jedes gelieferte Wort ab, wenn es auftauchte. – Natürlich waren die Begriffe anders, z.B. kamen großohrige rosa fliegende Elefanten vor – und das waren nicht etwa schon 4 Wörter, sondern nur ein Begriff.
        Meinen richtigen Kommentar schreibe ich noch.

      • karfunkelfee sagt:

        Das klingt klasse, weil Du die Phantasie dieser Kinder aufweckst…Kinder lieben es, wenn sie ‚interaktiv‘ werden können….

  5. kowkla123 sagt:

    Das Lesen hat echt viel Spaß gemacht, habe einen guten Tag

  6. Tausend sagt:

    Oh, das Wilde Heer! Ich habe mal gelesen, dass sogar Frau Holle da mitgezogen ist.🙂 Wenn der Vater im Krankenhaus ist, kann die Oma ja jetzt solange in seinem Bett schlafen. ;-p

    • karfunkelfee sagt:

      Du hast eine unvergleichlich pragmatische Art! Und so feinfühlig…Melinas Mutter wird hellauf begeistert sein…und Melina erst…😉
      Frau Holle im wilden Heer? Schneewittchen auch? Wenn schon, denn schon…✨

  7. Clara HH sagt:

    Gänsehaut pur habe ich beim Lesen gespürt. Und wieder einmal eingeschätzt, dass es in meinem Fall besser ist, Besuch von den Enkeln zu empfangen als zu ihnen hinzufahren, wo ich auch der Kleinen das Bett wegnehmen müsste. Hier habe ich mein eigenes und die anderen dürfen auf Couch und Luftmatratze schlafen.
    Und solche Feste oder Treffen, wo ich tagelang nur in der Küche stehen müsste, sind mir ein Graus. Ich war es nie, ich bin es nicht und ich werde es nie sein: ein Kochwunder.
    Hätte ich genug Geld, würde ich mit allen Gästen zur warmen Mahlzeit ins Restaurant gehen. Frühstück und Abendbrot lassen sich ja noch wuppen.
    Fazit: Ich habe sie gern gelesen, deine Geschichte mit den Vorahnungen.

    • karfunkelfee sagt:

      Ja, da habe ich ein ganz schönes Horrorszenario entworfen, was? Doch wie oft mag es genauso ablaufen in Familien? Ich koche schon gern, doch würde mir wünschen, dass alle mitmachen. Schwieriger wird es mit einer alten Dame. Dem Kind hätte ich das Zimmer nicht weggenommen. Eher vielleicht Onkel und Tante zu einem anderen Zeitpunkt eingeladen, damit alle gut Platz hätten. Das, was ich hier beschrieb, war Familienchaos pur. So etwas musste ich nie erleben. Dafür bin ich dankbar! Wenn Weihnachten die Freundin meines Sohns kommt und das Töchterchen noch eine Übernachtungsfreundin einlädt, wird es hier bei mir in der kleinen Hütte zwar auch eng, doch dennoch bleibt alles entspannt und locker. Und wenn ich koche und die Kinder alles mit Begeisterung auffuttern, die kleine Küche rappelvoll mit Jungspunden ist, kommt immer gute Stimmung in die Bude mit viel Herumgealbere und Spaß. Fein, dass meine Geschichte so gut bei Dir ankam…ich tigere jetzt schnell ins Bett…morgen um halb sieben rappelt der Wecker…
      Schlaf schön…auf Deinem tollen neuen Lilalaunebett…✨

  8. Flowermaid sagt:

    … vom Geruch und Art meiner Oma (Mottenkugeln vergessen) bis hin zu allen irdischen und überirdischen Familienerlebnissen… feines Schreibkino🙂

  9. akpancho sagt:

    Liebe Stefanie,
    eine fantastische Geschichte. Du schreibst wirklich als wäre man stiller Beobachter mitten im Geschehen. Es ist spannend und unterhaltsam, auch lustig und nachdenklich und wie aus dem Leben gegriffen und alles gewürzt mit einer Wortwahl wie es nur äußerst talentierten Feeen😉 vorbehalten ist, Danke Dir dafür.
    Am allergruselustigsten fand ich die Umsetzung des Klappspatens und des Blitzzementes🙂. Köstlich !
    Liebe Grüße, Andreas

    • karfunkelfee sagt:

      Lieber Andreas,
      Danke- Du liest so viel aus meiner Geschichte heraus und ich habe viel hineingepackt an kleinen und großen menschlichen Dramen genauso wie den unfreiwilligen Humor, der ihnen innewohnen kann. Das wollte ich genauso und wenn Du das alles gefunden hast, was Du beschreibst, ist es gelungen, denn die Perchten sind in dieser Schauermär nicht die wahrhaft Schaurigen, die hier zum Fürchten sind, sondern eher gute Geister.
      Ich danke Dir für Deinen Leseeindruck, für jemanden der schreibt, ist das Schönste, wenn das Geschriebene so eingehend gelesen wird.
      Ich wünsche Dir einen guten Morgen.
      Liebe Grüße von Stefanie✨

  10. finbarsgift sagt:

    …zauberschöne Geschichte…

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