Licht und Liebe

   
    

  

  

Das Jahr läuft Revue. Es hat sich Frühlingsklamotten angezogen und kurz vor Weihnachten sehe ich unterwegs eine japanische Kirsche in vollem Blütenprunk.  
Es war schön, nach all der Arbeit, Stress, den kleinen und großen Sorgen, den Alltagspflichten und schlaflosen Nächten, dem Druck heute zu entkommen.   
    
 
Der Wunsch nach Natur war längst übermächtig geworden. Kann die Dankbarkeit sie gesund zu erleben, sie in voller Bewegungsfreiheit zu genießen maßlos sein? Alles kann maßlos sein. Doch meistens wird dieses Wort im Zusammenhang mit negativen Dingen verwendet. Maßlose Dankbarkeit zeigt sich in einem euphorischen vor Glück überquellenden Herzen und durchdringt Muskeln, Nerven, Mark und Knochen. Das Glück wird bebildert an jeder erdenklichen Wegecke. Es zeigt sich groß und mächtig in 80 km entfernten Aussichten bis ins Sauerland,
  
 in kraftvollen Momenten an alten mystischen Kraftorten, wie es im Teutoburger Wald so viele gibt. Die alte Antoniuskapelle ist dem heiligen Antonius geweiht. Er wurde liebevoll„Tönis“ genannt und so kam der Tönsberg im Teutoburger Wald zu seinem Namen. Im 15. Jahrhundert diente die alte Kapelle einem Mönch als Enklave und wurde in den Dreißiger Jahren restauriert. Heute ist sie eine offene Ruine. Als ich in ihr stehe, spüre ich vieles. Wie so oft drängen die Jahrhunderte nah an mich heran. Irgend jemand hat einen kleinen Steinhaufen in eine der Mauernischen gebaut. Ein großes Holzkreuz symbolisiert die Säkularisierung eines Ortes, der in seinen Schwingungen weit über jeder Religion steht. Hier fanden sich viele Geister zusammen. Kein Wunder, dass die Kirche über so etwas eine Oberhoheit ausüben will. Doch das, was erhalten blieb in den alten Steinen, überdauerte alles. Säkularisierung, Oberhoheit und Machtdenken. Die alte Ruine ist von Föhren umgeben. Der Wind rauscht friedlich in den hohen Kronen. Rechts vom Weg öffnet sich der Blick über das weite Lipperland mit seinen kleinen Dörfern. Am Horizont verschwimmen blau die Berge des Weserberglandes. 
   
    
 
Als ich innerhalb der alten Mauern stehe, höre ich viele Stimmen aus der Vergangenheit. Sie hoffen, bitten und wünschen. Sie singen mit dem Wind in den Bäumen. Es ist ein friedlicher guter Ort, er gibt mir Hoffnung für alles Kommende. Ich spüre Verbundenheit und Kraft.

   
  
Die Wege im Wald sind teilweise matschig und schlecht begehbar. Wie die Wege des Lebens. Auch in ihnen sinke ich zuweilen ein und mache mir die Schuhe schmutzig. Meine Schuhe sind leichte, dennoch solide Lederboots. Ich habe sie wie meine eigene Haut sehr gut imprägniert gegen die Nässe und die Pfützen im Wald. Haut will gepflegt werden. Ob tot oder lebendig. Auf der Bank in der Sonne mit der weiten Aussicht über das Land Richtung Paderborn genieße ich die guten Gespräche, die das Leben mir schenkt.
  
Sie sind offen, menschlich, tiefgründig, vertraut wie die Menschen, die mir begegnen und nahe kommen in allem was und wie sie sind. Ihr Vertrauen ehrt mich. Mein Blick schweift über die weite Landschaft. Ich sehe einen großen Ilex, eine Stechpalme. Einsam steht er im niedrigen Gebüsch, ragt trotzig heraus. Die Erdfarben vermischt mit dem klaren Himmelsblau tränken die Leinwand meiner Seele, bis ich einem Bilderbogen gleiche. Wind stößt mir mild in die langen Haare, streichelt mir einzelne Strähnen aus der Stirn. Ich genieße es unendlich, jetzt hier sein zu dürfen, in dieser Frühlingssonne, mitten im Dezember. Auch das Kleine bittet um Beachtung. Winzige Trichter-Flechten bewachsen den Sandstein. Strukturwunder, die Minimalisten unter den Pflanzen.

   
  
Als ich noch ein Kind war, unternahmen meine Eltern mit uns Kindern lange Wanderungen durch die Wälder. Hier, an diesem Ort, war ich zuletzt als Dreikäsehoch. 

  
Ich freue mich unbändig darauf, meinen Eltern, die nicht mehr gut laufen können, diese Bilder zu zeigen. Sie werden die schönsten Erinnerungen in ihnen wecken und sie werden noch etwas anderes mit ihnen tun: Sie werden sie daran erinnern, dass sie uns Kindern das Geschenk der Heimat zu Füßen legten wie eine schlichte Gabe, die nach den tiefen Wäldern der Freiheit duftet. Ich schenke ihnen meine Dankbarkeit zurück. Auf stille und auf unaufdringliche Weise. Das Kind ist erwachsen und hat über den unbeständigen Jahren, die es auf Wanderschaft ist, viel über das Wesen des Glücks gelernt.
   
   
Verirrungen und Umwege gehören zu Wanderungen dazu. Sie sind sportliche Herausforderungen und fragen nach Zeiten ohne elektronische Navigationssysteme. Sie schulen den Orientierungssinn. Es ist gut, darüber zu lachen im vollen Bewusstsein, dass es wichtig ist, stets zu wissen und immer wieder neu zu lernen, wo man ist und wo man steht. Sich immer wieder neu auszurichten und zu orientieren. Das Alte zu hinterfragen und sich vor allem wohl gesonnen zu bleiben, wenn die Füße ein paar Kilometer Umleitung laufen müssen, um wieder auf den Weg zurückzugelangen, der nach Hause führt.

  
Zuhause, das ist dort, wo das Herz lebt und liebt im besseren Wissen, dass es überall, wo es darauf vertraut eine Heimat zu finden, auch immer ein Wenn und ein Aber gibt. 

Ich bin zuhause.

Angekommen.

  

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Liebe Blogfreunde, dies ist mein letzter Eintrag in diesem Jahr. Ich nehme Euch gedanklich mit auf diese heutige Wanderung, die eine ganz besondere für mich war. Eine Reise zurück in die Kindheit, eine Erinnerung an wunderbare Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. 

Es bedeutet mir sehr viel, dass es das so geben darf für mich.

In diesem Jahr sind mir viele neue Freunde gefolgt. Ich kam noch nicht dazu, Eure Blogs eingehender in Augenschein zu nehmen und ich kann nicht jedem von Euch gerecht werden, auch wenn es mein Wunsch ist, das zu wollen, etwas von dem zurückzugeben, was Ihr mir gebt, wenn Ihr meine Beiträge stille lest oder ihnen ein „Gefällt-mir-Sternchen“ verpasst oder wenn Ihr mir sogar eigene Worte in Euren Kommentaren schenkt. 

Wie Ihr mir signalisiert, dass Ihr da ward, dass ihr mich gesehen habt oder gelesen, bleibt Euch ganz selbst überlassen. Ich freue mich sehr über Euer Interesse.

Mein Blog hat in diesem letzten Jahr so viele neue Follower wie vorher nie erfahren. 

Ich danke Euch. 

Ihr wisst schon.


Habt eine gute Weihnachtszeit, macht das Beste daraus! Ob in Familie, mit Freunden oder auch allein. Kommt gut in das neue Jahr. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen Gesundheit, Liebe und Licht. 


Eure Karfunkelfee

30 thoughts on “Licht und Liebe

  1. pgeofrey sagt:

    Liebe Fee,

    ich danke Dir für Austausch und Unterstützung in diesem Jahr. Für Deine Beiträge, deine Kommentare und der „Schwingung“ die du den Dingen gibst.

    Eine sehr, sehr schöne Wanderung die Du bildreich und wundervoll zu spüren, zum Mitwandern zusammen gestellt hast.

    Ich wünsche Dir eine gute und besinnliche Zeit und freue mich aufs wiederschreiben😉

    Peter

    • karfunkelfee sagt:

      Danke, Peter vom See. Deine Beiträge sind mir Bereicherung, Lernen und Genuss. Ich bin jederzeit gern bei Dir und lese und manchmal lausche Tonspuren.
      Liebe Grüße und von allem das Beste für Dich,
      Liebe Grüße,
      Stefanie✨

  2. Arabella sagt:

    Im Mund schmilzt deine Schokolade, ihr Geschmack mischt sich in die Bilder.
    Fließt mit deinen Gedanken in mein Herz.
    Danke für all das.
    Frohe Weihnachten meine gute Fee.

  3. Dir auch das Beste im neuen Jahr!
    LG

  4. wildgans sagt:

    Die Liebe zur Natur habe ich von Eltern und Großeltern. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar und dabei, das weiterzugeben!
    Möge es uns gelingen: entgegen den harten Winden, die unsere Kinder in ganz andere Richtungen einzusaugen versuchen in die nicht wirkliche, sondern digitale Welt, bäh.
    Dir auch feine gemütliche Gemütsfestlichkeiten samt Ruhestunden in den Behausungen oder in der Natur!

    • karfunkelfee sagt:

      Es liegt in unserer Hand, unseren Kindern weiterzuschenken, was unsere Eltern und gaben. Es ist keine einfache Aufgabe im digitalen Zeitalter und darum um so wichtiger, sie ernst zu nehmen.
      Mein Sohn fuhr heute mit dem Mountainbike aus. Er hat es längst verstanden und auch meine Kleine weiß wie man einen Bach mit Steinen staut bis er über die Ufer tritt, wie man Zeit ohne Handy genießt und wie schön sich das Draußen anfühlt.
      Du machst das schon mit Deinem Enkel, das lese ich immer wieder bei Dir!
      Danke für Deine lieben Wünsche! Ich erwidere sie auf das Herzlichste!

  5. Ein schöner, mich ergreifender und sinnlicher Eintrag. Danke dafür.

    Alles Gute für Dich.

  6. Danke, liebe Fee, für diesen schönen Beitrag und für all Deine anderen auch. Meine guten Wünsche für Dich und ein herzlicher Gruß.

  7. Flowermaid sagt:

    Reisen lassen das Licht der Sterne sanfter scheinen alleine Du

  8. Flowermaid sagt:

    … durch die Bewegung im gefühlten Moment…

  9. Meine Liebe, heute komme ich zum Träumen und Du schenkst hier einen Tagtraum, wie er schöner und erholsamer nicht sein könnte. Danke dafür und alle guten Wünsche für Dich und Deine Lieben.
    Auf bald, Deine Käthe.

    • karfunkelfee sagt:

      Wie schön, dass ich Dich in meinen gestrigen Tagtraum mitnehmen konnte, liebe Käthe…
      Ich denke fest an Dich und freue mich, dass Du nach vieler Arbeit heute zum Ausruhen und Entspannen kommen kannst.
      Auf bitte ganz bald,
      Deine Stefanie✨

  10. autopict sagt:

    Frage dort, Antwort hier😉
    Danke dir und wünsche dir ebenfalls schöne Tage.
    Ein toller Beitrag, so kraftvoll in diesen Tagen, an welchen vielen die Luft eher wegbleibt.
    Machs gut die Tage und LG,
    der Mister Pict von nebenan.😉

    • karfunkelfee sagt:

      Danke…Ich freu mich, dass Du antwortest, Mr. Nachbarpict. Das Gartentürchen zum Kinderkönigreich steht Dir immer offen für einen Plausch, ein paar Worte. Ich wünsch Dir gute Tage. Wenn sie von Leben erfüllt sind, fehlt manchmal woanders die Zeit. Doch wenn Du zu lange fort bleibst komme ich an Deinen Blog-Gartenzaun und rufe mal rüber um nach dem Rechten zu schauen.
      Liebe Grüße zurück und Dank für die Rückmeldung , Mr. Pict von nebenan. Ich habe den Zwergen und Elfen in Auftrag gegeben, sich nächstes Jahr besonders gut um die Vielfalt an Blumen und Krabbelviechern in Deinem Garten zu kümmern. Sie sind schon unterwegs bei Dir. Halte Ausschau nach winzigen Lichtern knapp unter der Erdkrume, das sind die Helferlinge der Feen, sehen aus wie die Geminiden, aber die waren erstens schon (13.12.) und die sind zweitens ganz hoch oben am Himmel. Meine Wünsche sind eher klein und erdverbunden. ✨

  11. meertau sagt:

    sehr gerührt sitze ich vor ihren bildern …. bin in gedanken mitgewandert, ein bisschen schmunzelnd über mich selbst, weil ich mir nie hätte träumen lassen, dass ich den teuto mal vermissen werde. in den letzten 3 der 10 jahre allerdings, habe ich den blick für seine schönheit geöffnet und ihn lieben gelernt.
    zu blöd, dass ich ihren blog nach meinem wegzug entdeckt habe. hätte sie gerne kennen gelernt.
    nun also …. herzlichen dank für ihre nachdemherzgreifenden zeilen…. und haben sie schöne tage …..🙂

    • karfunkelfee sagt:

      Sie bleiben doch! Auch wenn Sie das Meer wählten als neue Heimat und nun auf einer Insel sind, bleibt der Teuto in Ihrem Herzen. Es ist alles gut und genauso wie es sein muss. Genießen Sie die Zeit auf der Insel mit ihren besonderen Menschen und Mentalitäten. Ich war einmal zwischen den Jahren auf Amrum. Es war sehr kalt und der blanke Hans war gefroren. Kein Urlauber war dort. Außer uns. Da lernte ich ein paar Leute kennen, die mich außerordentlich berührt haben. Ich kann Sie sowas von verstehen! Wenn Sie mich suchen, bin ich hier. In meinen Wäldern. Ich suche Sie an meinem geliebten Meer.
      Schöne Tage für Sie. Grüßen Sie mir die Wellen. Ich denke gern an Sie,
      Ihre Karfunkelfee

  12. Eine für mich völlig fremde Gegend, aber sehr vertraute Beschreibung des Erlebten. Orte der Kindheit, ja, die haben was ganz besonderes, auch noch nach Jahrzehnten. Ich war sehr ergriffen von Deinem Beitrag, liebe Fee, auch wenn Du mich noch nicht kennst, schreibe ich das einfach mal so frei weg. Das Wandern in der Natur, das „eins-werden“ mit ihr, das ist eines der schönsten Glücksgefühle, die der Mensch haben kann ….wenn er es mag, und ich mag das sehr.
    Ich wünsche Dir unbekannterweise ein frohes Fest und noch viele, viele solche Glücksmomente wie Du sie in diesem herrlichen Beitrag beschreibst . Danke, daß ich das lesen durfte!🙂 Der blaue Elefant

  13. willnstark sagt:

    Danke für den schönen Bericht & die Bilder in die Heimat meiner Vorfahren. Ich wünsche Dir alles Gute. VG Willi

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