Archive – Parvaneh

Liebe Blogfreunde,

Wie ich durch einen meiner Kommentatoren freundlich hingewiesen wurde, funktionierte mein Link nicht mehr. Das tat er gestern Abend noch. Heute Morgen lief er nicht mehr. Darum habe ich ihn durch einen anderen ersetzt. Ich hoffe, dieser Link funktioniert, leider läuft vorher Werbung. Bisschen Schwund ist immer…;)

Grüße von der Karfunkelfee

du – zweifelst?

  
du – zweifelst?

sieh her

um dich herum

stelle ich dir

ein meer aus lichtern

es besteht aus dir

bekannten gesichtern

in deinen flammen tanzen

 

sind sie zufrieden

(im großen und ganzen)

nur du haderst dich wund

findest nicht grund

nicht wissen noch tat

weißt dir keinen rat

bleibst ohne frieden

stille,statt und ruh’

 

bis ich das schwarze

erloschene nehme

stelle es zum lichtermeer

dazu

als wollte ich den kalten tod

dir mitten in dein warmes leben

pflanzen

 

da lächelst friedlich

– du

Tag in Celeste


Als du kamst, schien die Sonne. Wir fuhren durch diesen Bilderbuchtag in Celeste. Ein Bild, zu scharf, zu klar, um in Aquarell gemalt worden zu sein. Die Landschaft mit den üppig glitzernden weißen Bäumen unter dem in feinem weißen Dunst schwebenden Himmel war ein Ölbild aus der Renaissance, man meinte noch den leicht tranigen Geruch der Farbe im frischen Auftrag des Kristallzuckers auf Bäumen und Wiesen riechen zu können. Die Landschaft zog fest gefroren und in Sonne eingegossen an uns vorbei, das graue Straßenband akzentuierte das farblich schlichte Bild in Hellblauweiß.

Ich weiß noch wie du sagtest, man könne solche Stimmungen nur selten finden, sie seien etwas Besonderes und ich wusste was du meintest. Tage in Celeste gibt es im Jahr immer mal zwischendurch. Sie sind Eisblumen in den kurzfristigen Zeitfenstern der Gegenwart. In ihrer Klarheit und Schärfe sind sie unübertrefflich und oft geschieht an ihnen etwas Außergewöhnliches. Sie riechen und schmecken intensiver als andere Tage, alles an ihnen wirkt intensiver, frischer und eindrücklicher.Dein Auto ist eine eigenwillige blecherne Ausnahmepersönlichkeit mit nostalgischem Charme. Es ist schon ein älterer Herr und er rappelte auf der Fahrt, als säße ich auf einem Planwagen.

Du warst konzentriert auf das Fahren, doch dabei gleichzeitig auch hingerissen und verzückt von dem winterlichen Panoramaausblick durch die Windschutzscheibe. Du hattest diese verrückte Idee mit dem Parkhaus und wir kurvten mit deinem Friedolin zackig darin herum. In solchen Momenten bin ich keinen Tag älter als Siebzehn, mein Leben ist eine Blaupause und ich liebe es, verrückte Sachen anzustellen. Am besten zusammen mit jemandem wie dir.

Ich wollte noch Bilder knipsen, so viele Bilder wie möglich, um Momente einzufangen. Doch dann hätte ich aufstehen müssen, herumlaufen, geschäftig tun, Motive und Einstellungen suchen, alle diese Dinge, die auf scheue magische Momente wirken wie ein Guss kaltes Wasser auf den Kopf. Du hast mich mit diesem köstlichen Tee abgefüllt. Er wärmte gut durch in der Kälte des Tages undich registrierte Kleinigkeiten, versuchte alles was du erzähltest irgendwo abzuspeichern. Es war viel Wissenswertes dabei, Menschliches und Bewegendes. Leute kamen und gingen wieder. Ich saß in meiner Ecke und genoss es, ein Teil zu sein, so als gehörte ich mit zur Einrichtung und hätte meinen festen Platz in deinem Interieur.

Das Ruhelose und Treibende in mir kam zum Stillstand. Das gelingt mir nur in Anwesenheit von Menschen, in deren Gesellschaft ich mich entspannt und wohl fühle.  Ich halte es für kein gewöhnliches Glück, solche Menschen zu finden. Vielleicht bemühe ich mich auch darum, weil Beweglichkeit, Vertrauen und Offenheit im Älterwerden abnehmende Tendenzen sind, aufgrund negativer empirischer Werte, die den Reichtum des Herzens in tiefen Frostzeiten allzu kurz beschnitten. Es ist schwer, das Herz ohne Erfrierungen über die Winter der Jahre zu bringen.  Diese Zeit bei dir verging, wie es solchen Tagen zu eigen ist, wie im Zeitraffer einer Abfolge zahlloser schneller Momente in verschiedenen Winkeln und Einstellungen. Draußen wurde es langsam dunkel und die Bewegung in den Dingen um mich herum floss aus dem Tag wie Tinte in die Nacht. Von den Fragen des Alltags freigestellt, klang der Abend  in eurer Gesellschaft aus. Auf der Rückfahrt war es im Auto noch kalt, doch ich fror nicht. Mir war innerlich so warm, dass mir die Würdigung  winterlicher Minustemperaturen wie eine reine Formalität am Rande erschien.

Wieder zuhause angekommen teilte und versorgte ich deine Blumen in zwei Sträußchen, setzte mich dann noch einen Augenblick hinaus auf den Balkon. Ließ den Tag Revue passieren, wünschte dir im Stillen eine gute Heimfahrt und fand mich, vollgepumpt mit prallem und aktivem Leben, friedlich und vollgesogen mit schönen Momenten wie ein Schwamm. Es sind manche Tage in Celeste, die die Herzgefäße von innen mit einer Lebensschrift kalligraphieren, die nicht verblasst, sondern mit jedem Pulsschlag wärmer und leuchtender wird.

Da kam noch ein Nachtgedanke angesegelt. Vielleicht lag es daran, dass ich einprägsame Kunst gesehen hatte und Menschen begegnet war, die mir von ihren Wünschen, Träumen und Visionen erzählten. In all dem Praktischen, dem Zweckmäßigen, dem Sachlichen und Rationellen, von dem ich umgeben bin, erkannte ich wiederum den tiefen Sinn der Träumer. Ihre Aufgabe ist es, die Phantasie zu nähren, das funktionelle Herz mit bunten Gefühlen zu füllen und die Bedeutsamkeit aufzuzeigen, auch dem Ideellen praktikable Wege einräumen und finden zu wollen. In der Hingabe liegt das Glück aller Arten Kunst und der Mond war am Ende des Tages in Celeste in seinen kristallinen Strukturen in einem Renaissance-Ölgemälde hinter einer Wolke verschwunden. Sah aus wie gemalt.

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Die Blasphemie der Schwäche

 

 

Wäre es naturgewollt, dass Frauen sich verschleiern, wäre die Sonne mit schwarzen Tüchern verhüllt, weil es jemandem gefiele, dass sie ihm gehöre. Wäre es vorgesehen, dass einer Frau weniger Bildung zustünde als einem Mann, wäre das Höhere, das was Menschen Religionen nennen, geschlechtlich zuzuordnen. Unterjochte sich ein Glaube den Traditionen menschenüberlieferter Grundsätze, wäre es kein freie Glaube mehr, sondern ein gemeinschaftliches Lebenskonzept mit einer übergeordneten Gewalt, an die die Schuld, ihre Sühne und die Verantwortung delegiert wird.

Sich eine übergeordnete Gewalt zur Seite zu stellen um seine menschlichen Schwächen und die Unfähigkeit der Triebkontrolle dadurch zu entschuldigen, dass man das Objekt seiner Begierden allen Blicken entzieht außer dem eigenen, entbehrt den Willen zur Selbstkritik im Widerstand gegen sich selbst. Somit dient die religiöse Erklärung zur Notwendigkeit, Frauen auch zu ihrem eigenen Schutz zu verschleiern der Bequemlichkeit sich seiner Schwäche nicht aussetzen zu wollen und der Bereitschaft, andere für die Durchsetzung dieses Willens in ihrer Freiheit zu kasteien und zu beengen. Es ist die Blasphemie der Schwäche, den Glauben zur Schutzgelderpressung zu zwingen. Der Preis für die Unversehrtheit an Körper, Geist und verkorkster Moral ist das schwarze Tuch vor dem Gesicht. Eine wahre Opfergabe für das Paradies, in dem Frauen keine Schleier benötigen, weil sie die Schwäche der Männer nicht zu fürchten hätten, weil ihr Gott dort keine standesrechtlichen Unterschiede in Jäger und Beute aufteilt und weil sie dort den Verführungen nicht auflauern, sondern begegnen und sich, bei allem Respekt ,eine unverhüllte Wahl erlauben dürfen.

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