Silvesternacht – Kapitel 3

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Es ist kurz vor elf, noch eine gute Stunde bis Mitternacht. Vor dem Fenster des Restaurants leuchten immer wieder Raketen am Himmel auf. Die Echos der Böller wie Krieg in der Nacht. Aylin und Murat schlagen vor bald aufzubrechen, langsam zum Bahnhof zu gehen, um einen guten Stehplatz zu bekommen. Bis alle in Aufbruchstimmung sind, vergehen weitere zwanzig Minuten. Sie zieht sich ihre Jacke an und nimmt ihr Geld sowie das Handy aus der kleinen Handtasche mit dem langen Schulterriemen. An der Theke bezahlt sie ihre Rechnung und steckt ihr Portemonnaie in die Innentasche ihres Daunenparkas. Das Handy bringt sie in ihrer rechte Jackentasche unter, damit sie es griffbereit hat und zieht den Reissverschluss zu. Es war ein Rat ihres Vaters ihre Wertsachen gut wegzustecken, weil der Bahnhofsvorplatz voller Menschen sein würde. Obwohl sich Trotz in ihr regt, weil er sie mit seinen übrigen Worten verletzt und beschämt hat, beherzigt sie seinen Rat. Sie hakt sich zwischen Aylin und Murat ein. Zusammen gehen sie in Richtung Bahnhof durch die milde Winterluft. Stellenweise riecht es schon nach Rauch. Aus den Gaststätten am Bahnhof schallt Musik, Leute stehen auf der Straße, trinkend und rauchend. Die Luft ist erfüllt von Stimmen und Geräuschen über dem Verkehrslärm der Autos, ein heller zunehmender Sichelmond ist am Himmel aufzogen, die Sterne verwischen hinter dem diffusen Hell des Lichtsmogs über der Stadt.

Aylin steuert zielstrebig auf die Mitte des Bahnhofsvorplatzes zu: Von dort aus haben wir den freiesten Blick. Sie ruckt Murat am Arm, der in eine andere Richtung driftet, sie einen Moment lang überrascht anschaut, sich dann jedoch von ihr mitziehen lässt. Menschentrauben stehen auf dem Gelände, lachend, mit Sektflaschen unter dem Arm und mitgebrachtem Feuerwerk in Plastiktüten. Von Julie kam der Vorschlag, dieses Jahr Silvester nicht zu böllern, sondern sich nur das Feuerwerk anzuschauen, vielleicht ein paar Wunderkerzen anzuzünden und eine Flasche Sekt herumgehen zu lassen. Obwohl die Mädchen heftigere Gegenwehr seitens der Jungen erwartet hätten, kam überraschend wenig Widerspruch. Nur Niko, der gern zündelte, war enttäuscht über den Beschluss der anderen. Julie hat zwei Flaschen Sekt in ihrem Rucksack mitgebracht, die sie nun öffnet und damit beginnt, Pappbecher an alle zu verteilen. Noch eine Minute bis Mitternacht. Sie stehen eng zusammen in der Erwartung, dass das Jahr umspringt auf ein neues Jahr, so leicht und so unbeschwert wie der Sekundenzeiger einer Uhr einen minimalen Schritt weiterrückt auf seinen Runden zwischen Tag und Nacht. Die Glocken beginnen zu läuten, auf dem Bahnhofsplatz singen ein paar leicht angetrunkene schwankende Leute ein altes Neujahrslied, das sie zuletzt in der zweiten Klasse der Grundschule gehört hat. Aylin fällt ihr schwer und warm um den Hals, ihre Locken kitzeln sie im Gesicht und ihr Atem riecht nach Sekt. Frohes Neues Jahr, Süße! trällert sie und schmatzt ihr einen herzhaften Kuss auf die Wange. Hassan umarmt sie auf seine zurückhaltende und höfliche Weise, doch Niko presst sie ungestüm an sich, bevor er sich  Murat zuwendet und die beiden sich umarmen. Frohes Neues Jahr, Mann! Murat lacht laut und lobt Allah, weil er Muslim ist und sich das Neujahr so gehört, wie er inzwischen leicht beschwipst von Sekt, einem Margherita, Bier und Grappa, Niko ausführlich erklärt. Klar, du bist Muslim und schwankst wie eine angeschossene Kartoffel, weil du zu viel Bier getrunken hast. Niko boxt Murat vor die Brust. Frohes Neues auch für Dich! Du ehrenhafter Muslim! Murat kichert leise und flüstert Niko zu: Verrate es niemandem. Vor allem meiner Familie nicht. Allah hat weggesehen.

Das Feuerwerk spritzt bunt und wild über den Himmel. An besonders verrauchten Stellen ist er nur noch zu ahnen. Dicke Schwaden des Qualms von Böllern und Raketen treiben im Wind über den Bahnhofsplatz. Jemand kickt eine leere Bierdose an die Laterne neben ihr. Mit lautem Gescheppere prallt sie von dem Laternenpfahl ab und rollt vor ihre Füße. Manchmal stellt sie sich vor wie Krieg riechen könnte. Sie ist ein Kind des Friedens und kennt Krieg nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern. Diese rauchgeschwängerte fette, irgendwie schmierige Luft, die übrig bleibt nach dem Silvesterfeuerwerk in der Stadt, ist von einer Dichte  in der man die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, die nur erhellt ist vom Leuchten der Raketen und durchdrungen vom Geknalle der Böller. Diese Luft wirkt bedrohlich und macht orientierungslos. Sie fühlt sich den Geräuschen ausgeliefert, weil sie nicht ausmachen kann, aus welcher Richtung diese an ihr Ohr dringen. Um dem Qualm um sie herum zu entkommen, bewegt sie sich ein paar Schritte von den anderen fort, findet einen ruhigen Platz hinter einer Litfaßsäule und schickt ihren Eltern per SMS einen Neujahrsgruß. Erste Leute verlassen den Bahnhofsplatz und kehren zurück in die Gaststätten oder machen sich auf den Heimweg.

Sie fühlt sich beobachtet, es kribbelt an ihrem Haaransatz. Als sie sich umdreht sieht sie wie eine Gruppe farbiger junger Männer tanzend und springend auf sie zuhält. Sie benehmen sich übermütig, werfen die Arme in die Luft, albern herum und lachen dabei laut. Sie schätzt das Durchschnittsalter auf Anfang bis Mitte Zwanzig. Instinktiv bewegt sie sich ein paar Schritte aus der Richtung, da ihr die Gruppe bedrohlich erscheint wie eine massive Front, die auf sie zukommt. Sie kann nicht einschätzen, was als nächstes geschehen könnte, die jungen Männer wirken in ihrem überdrehten Gebaren unberechenbar. Sie vermutet, dass sie Drogen genommen haben und überprüft mit einem schnellen Blick, ob ihre Freunde noch da sind. Hassan ist mit Julie in irgendein Gespräch vertieft und gestikuliert mit weit ausholenden Gebärden seiner Arme.

Als sie sich umdreht um zu ihren Freunden zurückzugehen, stürmt der Anführer der Gruppe auf sie zu und hält sie am Arm fest. Ein heißes überraschtes Gefühl fährt in ihre Knochen und im ersten Augenblick ist sie zu verblüfft um die Situation zu erfassen. Sie spürt wie die Hand des Mannes sich in und unter ihre Wäsche fummelt,  ihre linke Brust umfasst, sie schmerzhaft zusammenpresst  und an ihr herumquetscht während er gleichzeitig versucht sie zu küssen, indem er ihr den Kopf nach hinten zieht. Laut und triumphierend johlt er in die Richtung seiner Freunde. Endlich beginnt etwas in ihr gegen die Lähmung ihrer Fassungslosigkeit zu protestieren, durchbricht sie, so dass sie wieder in der Lage ist sich zu bewegen. Sie reißt ihren Kopf herum und bemerkt seine Füße in den neongrünen Designerturnschuhen. Es gelingt ihr, ihm ihren zehn Zentimeter hohen Stiefelabsatz in die Spitze seine  Turnschuhs zu bohren und legt ihr komplettes Gewicht auf den linken Fuß.  Überrascht vom Schmerz heult der Mann auf und lässt von ihr ab. Sie versucht zu schreien, doch sie kann nicht. Verzweifelt schaut sie zu den Freunden, die knapp hundert Meter entfernt stehen und nichts mitbekommen haben. Erneut versucht sie zu schreien, während der Angreifer eine Hand auf ihren Mund presst um sie daran zu hindern. Ein lautes halb unterdrücktes Krächzen kommt aus ihrem Hals und noch ein anderer Ton, der in seiner durchdringenden Höhe und Dringlichkeit an einen spitzen Vogelschrei erinnert.  Hassan und Julie haben etwas gehört und drehen überrascht und suchend den Kopf in ihre Richtung. Um sie herum knallen immer noch Böller und Raketen. Vereinzelte Gruppen von Menschen stehen herum und unterhalten sich. Sie sieht wie Julie zu Aylin und den anderen rennt. Sie zeigt mit dem Arm in ihre Richtung, dreht sich um und läuft auf sie zu. Die anderen folgen ihr, Hassan mit seinen langen Beinen stürmt an Julie vorbei. Sie kämpft, um die Hand ihres Angreifers von ihrem Arm zu lösen, doch er ist stärker, hat einen Arm von hinten um ihren Hals gelegt und drückt ihr die Luft ab. Sie röchelt. Er biegt sie weiter nach hinten, schiebt ihren Rock nach oben und presst eine Hand zwischen ihre Beine. Sie spürt, wie er sich an sie drückt. Sie kann nicht richtig atmen und starke Übelkeit vernebelt ihr Denken. Die übrigen Männer aus der Gruppe sind näher gerückt und haben einen Kreis um sie gebildet. Geduckt und lauernd stehen sie abwartend da. Heiße Angst kocht in ihr hoch als sie zehn Männer zählt und mit der Angst droht sie erneut jene verhängnisvolle Lähmung zu überkommen, die sie wehrlos gegen ihre Angreifer macht. Sie stemmt sich gegen ihre Angst und tritt um sich. Mit ihrer freien Hand zieht sie ihre langen sorgfältig manikürten Fingernägel so tief es ihr möglich ist über den Handrücken ihres Angreifers und registriert dabei beinahe euphorisch, dass sich blutige Striemen darauf zeigen. Endlich lockert er den Würgegriff um ihren Hals und zieht seine Hand mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück. Niko hat beim Laufen sein Handy gezückt, doch es gelingt ihm nicht, gleichzeitig zu wählen und zu rennen. Hassans Augen glühen, er hat die Situation erfasst, seine rechte Hand ist zur Faust geballt, seine ganze Laufhaltung ist auf Angriff ausgerichtet.

Dann ist sie mit einem Mal frei. Ihr Angreifer wendet sich ab und und rennt mit seinen Freunden um eine in Dunkelheit getauchte Häuserecke. Hassan gibt sich nicht zufrieden und nimmt zusammen mit Murat und Niko die Verfolgung auf. Aylin, Sina und Julie stehen um sie herum, wollen sie in den Arm nehmen, doch sie schüttelt heftig den Kopf, hat die Arme um sich geschlagen, steht da wie ein menschliches Bollwerk. Sie hat vielleicht einen Schock, lassen wir sie einen Moment für sich sein, hört sie Chris Aylin zuflüstern.

Misstrauisch und nervös ruckt ihr Kopf unausgesetzt in sämtliche Richtungen um potentielle neue Angreifer ausfindig zu machen, zuckt sie bei jedem neuen Geräusch zusammen. Langsam und mechanisch schlüpft sie mit der Hand in ihren Parka und richtet das nach oben geschobene Bustier, zieht die Bluse und den hochgeschobenen Rock hinunter. Am reparierten Strumpf registriert sie eine riesige Laufmasche, die bei der Rangelei mit dem Anführer der Gruppe entstanden sein musste. Diese würde sie nicht ausbessern und reparieren können, denn sie läuft über die gesamte Länge des Beines. Der Strumpf ist ruiniert. Ein Griff in die Taschen ihres Parkas bestätigt ihre schlimmsten Befürchtungen: Sowohl ihr Portemonnaie als auch ihr Handy sind verschwunden.

29 thoughts on “Silvesternacht – Kapitel 3

  1. wildgans sagt:

    Liebe Karfunkelfee,
    Du fühlst und denkst Dich hinein, ich bin ganz fassungslos, mir blieb beim Lesen teilweise die Luft weg, bisschen Angststarre auch – und mir fiel dieser eben verlinkte Artikel dazu ein, heute früh gelesen.
    Gruß von Sonja

    • karfunkelfee sagt:

      Es ist eine Geschichte, die alles in allem gut ausgeht. Vor allem gut für die Freundschaft. Das ist wichtig…

      • Hart, stark und ehrlich! Ich hake mit diesem Kommentar hier ein, weil genau die von Sonja mitgefühlte Angststarre sowohl ein Anzeichen für Stefanies unterhäutige Schreibe ist, als auch genau das benennt, was wir Frauen endlich verdammtnochmal überwinden söllten. So wie die Hauptfigur in dieser Erzählung (Stilistische Anmerkung: Sie hat keinen Namen. Absicht? Der Lesefluss wäre einfacher, wenn statt „sie“ zwischendrin ein Name auftauchte.)

        Liebe Karfunkelige, ich kann mich nur wiederholen: Ihre sensible Herangehensweise ist spürbar. Am meisten gänsehaute ich beim letzten Absatz. Genau da wird der Ausgang dieser Erzählung entschieden. Und nicht nur der. Zig-fache Entscheidungen jeden Tag in der Realität: Bleibe ich frei in meinen Ängsten, wenn so etwas passiert oder werde ich zu Freiwild?

        Erzählerisch muß ich noch ein ganz dickes Lob aussprechen, man mag mich hier gerne texthautabschüttelnd zeihen, aber die zarte Sinnlichkeit der Reparatur des Strumpfes gegen diese rauhe Rissigkeit der hier beschriebenen Gewalt ist einfach nur grandios, meine Liebe.
        Schreiben Sie weiter, schreiben Sie! Sie sind dafür gemacht!
        Von Herzen, die Ihre.

      • karfunkelfee sagt:

        Liebe Käthe, ich habe mir Sonjas Link zum Artikel bereits angesehen. Die Autorin spricht mir so aus dem Herzen! Dass meine Protagonistin keinen Namen hat, wollte der Text so von mir, das ist vielleicht das, worin ich mich auch manchmal sperrig machen möchte, denn ich möchte dem Leser einen Raum geben, wie er die junge Frau für sich nennt. Für mich ist sie namenlos wie Unzählige dieser jungen Frauen, die Übergriffe und Gewalt erleben und die sich nicht trauen, es anzuzeigen, aus Scham vor der Moralisierung und Wertung einer Gesellschaft, die bislang immer noch nicht in der Lage ist, Sexualdelikte per Gesetz als strafbare Handlung zu verurteilen. Diese Vorfälle in den Städten fachen diese Diskussion erneut an. Dass es meist ausländische Banden sind, die auf diese Weise Diebesbeute machen wollen, gießt natürlich Öl auf das Feuer des durch die Flüchtlingskrise im Land hochkochenden Fremdenhasses. Als meine Eltern nach der Flucht 1945 hier in der Senne landeten, wurden sie keineswegs freundlich aufgenommen und behandelt. Es gab Menschen, die ihnen halfen und es waren Hungerzeiten. Doch es gab auch jene, die offen ihre Ablehnung auf feindselige Weise zeigten. Es ging um Deutsche in Deutschland. Doch was, wenn zusätzlich zum Misstrauen gegen jeden Eindringling in das gewohnte Umfeld und Leben noch eine Kulturschwelle und ein Mentalitätenkonflikt aufgrund unterschiedlicher religiöser Gesinnungen und Ansichten hinzukommt? Gedankengänge im Nachgang zu Sonjas Artikel…für Ihre Worte meinen allerherzlichsten Dank! Ich habe mich unbändig darüber gefreut. Gleich blogge ich den letzten Teil der Geschichte. Von Herzen, Ihre Karfunkelige…(dankbar, dass sie jetzt viel Zeit hat zu schreiben…)

  2. Ulli sagt:

    Liebe Fee,
    du schreibst mitreissend, aber ich weiss gerade nicht wirklich, ob mir das so gefällt.
    Warst du Sylvester in Köln oder ist deine Geschichte ein Ergebnis der Berichterstattungen? Ich frage deswegen, weil ich noch immer sehr viele Ungereimtheiten wahrnehme und mir nicht klar ist, was wahr ist und was nicht. Nicht umsonst setzt NRW jetzt einen Untersuchungsausschuss ein.
    Auf der anderen Seite kennt man diese Methoden des „Antanzens“ und dann Beklauens schon länger. Ich heisse das nicht gut und auch schon gar nicht, wenn sich Männer an Frauen vergreifen, aber ich mag die Stigmatisierungen nicht.
    Es gibt das Problem der unterschiedlichen kulturellen Hintergünde, der unterschiedlichen Frauenbilder, dem muss man sich stellen und sich dafür einsetzen, dass bei uns Frauen in Minröcken (zum Beispiel) herumlaufen (dürfen). Aber ich denke auch immer wieder, dass es ein Stückweit verlogen ist was jetzt so an Frauenfreundlichkeit herumgeistert, als gäbe es keine deutschen Männer, die vergewaltigen, übergriffig sind, etc. …
    herzlichst
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Ulli, ich schreibe nicht immer politisch korrekt. Das Leben ist nicht politisch korrekt. Diese Geschichte ist völlig frei erfunden und stützt sich auf die polizeiliche Berichterstattung. In Bielefeld und anderen Städten sind junge Frauen von Antanzdieben in dieser Weise bedrängt und belästigt worden. Es handelte sich überwiegend um Marrokkaner, Nordafrikaner und Algerier. Selbstredend traktieren nicht nur Ausländer Frauen in übergriffiger Weise. Darum geht es in dieser Geschichte auch nicht. Es geht um die Situation als solche, die ich aus der Sicht und des Erlebens einer jungen Frau schreibe, die die Kindheit noch nicht lange hinter sich ließ. Ich bringe den Generationenkonflikt mit hinein und auch die Angst und die Zweifel an unserem Gesellschaftssystem, den Rollenbildern, wie die Eltern der jungen Frau zu ihr stehen. Diese Geschichte will sich nicht erklären außer insofern, als dass sie den Unterschied zwischen Freundschaft und Fremdheit erklärt. Dir wird aufgefallen sein, dass ihre Freunde selbst Ausländer sind, sie erlebt die Stigmatisierung durch ihren Vater und sie distanziert sich klar davon. Das sind alles auch Strömungen in dieser Geschichte, die über den Geschehnissen noch etwas anderes aussagen und die meiner Meinung kräftig genug transportiert werden, nicht auch zuletzt durch das Ende der Geschichte, um keinen Fremdenhass zu schüren, sondern im Gegenteil, Verbindungen zu suchen, zusammenzustehen gegen Gewalt, egal von welcher Seite sie versucht zu kommen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Wenn ich Texte schreibe, die explizit von Begebenheiten handeln, die ich selbst erlebte, schreibe ich in der Ich-Form. Wenn ich in dritten Personen schreibe, handelt es sich überwiegend um frei erfundene Protagonisten. Wichtig: Ich danke Dir für Deine aufmerksamen Gedanken. Sie weisen hin, achtsam mit einem sensiblen Thema umzugehen. So etwas nehme ich ernst und es wäre okay, auch wenn dir die Geschichte nicht gefällt. Herzliche Grüße von der Fee

      • Ulli sagt:

        Ich danke dir sehr für deine ausführliche Antwort, liebe Fee. Ich lese auf alle Fälle weiter, wie gesagt, du schreibst mitreissend! Es geht ja auch nicht vornehmlich darum, ob ich die Geschichte mag oder nicht, es waren meine Gedanken zum Thema, dabei habe ich vieles andere, was auch in dieser steckt, ignoriert. Ich bin Zurzeit etwas „zickig“ mit dem Thema, tut mir leid. Es gab für mich in der letzten Woche sehr seltsame Diskussionen und ein Teil meiner „Zickigkeit“ fusst genau hier. Ich bin trotzdem froh, dass ich diesen Kommentar schrieb, so sehe ich jetzt, Dank deiner Antwort, klarer.
        Herzlichst
        Ulli

      • karfunkelfee sagt:

        Liebe Uli, eins vorweg: Zicken sind toll! Sie mögen nervig sein, unbequem und im negativen Kontext der Gesellschaft gebraucht, auch meinetwegen Frauenzimmer bezeichnen, die immer etwas zu nörgeln haben, doch die Ziege an sich ist ein kluges und vorsichtiges Tier und sie können sehr treu und anhänglich werden, sind gesellig und genügsam. Nichts gegen Ziegen als solche. Ich bin selbst eine.🙂

        Andere Perspektiven und Blickwinkel zu sehen, finde ich sehr wichtig. Auch, wenn ich mich bemühe, rundum zu blicken, könnte mir etwas entgehen. Wenn andere mich darauf aufmerksam machen, kann ich dadurch etwas lernen oder hinterfragen, doch ich kann arbeiten damit. Deine Kommentare tauchen tief ein in den Text und befassen sich mit der Problematik. Das, was Du anzumerken hast, ist ein wichtiges Problem: Das der Generalisierung und Verallgemeinerung durch die Hetzkampagnen der sozialen Netzwerke und Medien. Ich blogge heute noch den Schluss der Geschichte und Du wirst feststellen, dass es mir mehr um diese junge Frau ging, um ihr Erleben und um das Erschüttern ihres Vertrauens in das Gute der Welt. Bleibt ein solches Trauma unbehandelt, könnte das für meine Protagonistin schwerwiegende Folgen haben. Es geht mir darum, die ganze Kraft der Gewalt von außen zu beschreiben, wie sie in das Innere einer jungen Frau dringt, langsam in sie einsickert wie Gift. Und es ging mir um die Eltern, die Ansichten, die Reaktionen, die sich heute nicht wesentlich unterscheiden von den Ansichten meiner eigenen Eltern oder Großeltern. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich das brisante Thema des Fremdenhasses gut in der Waage halten kann. Wenn du etwas anzumerken hast, eine Verbesserung, eine Kritik, einen Gedankengang, werde ich dafür dankbar sein. Ich gehe an so etwas konstruktiv heran und schätze Ehrlichkeit sehr. Ganz liebe Grüße zu Dir, Stefanie Karfunkelfee

      • Ulli sagt:

        Liebe Stefanie Karfunkelfee, ich fühle mich bei dir sehr Willkommen und dafür danke ich dir jetzt zuerst. Nicht überall werden meine Anmerkungen so positiv aufgenommen, wie bei dir! Schön!!! Ich bin sehr auf das Ende der Geschichte gespannt. Du jonglierst ja wahrlich mit „heissen“ Eisen, davor ziehe ich meinen Hut. Und auch danke, dass du mich quasi einlädst wieder genau zu lesen …
        Dazu fällt mir noch etwas ein, weischt, wenn ich nicht aufnahmefähig bin, was ja durchaus vorkommt, dann lese ich hier keine langen Geschichten, weil ich mich dann eben nicht einlassen kann, da wäre ein Like verlogen! Alles in allem bemühe ich mich um einen ehrlichen Umgang, auch bei den Kommentaren. Klar, und dann gibt es die Texte, die ich lese, die ich mag, aber nichts dazu zu sagen habe.
        Du weisst schon, gäll?!
        Herzliche Morgengrüsse vom grauen Schneeberg
        Ulli bei der ersten Tasse Kaffee … ich Nachteule, ich😉

      • karfunkelfee sagt:

        Liebe Ulli, Du BIST willkommen und das sehr herzlich. Ja, ich jongliere mit heißen Eisen, da sagst Du was. Und dennoch war es mir ein Bedürfnis, die Geschichte aus mir herauszuschreiben, ich lief damit einige Tage wortschwanger herum und verkleckste mich textlich in losen Satzkonstrukten und Silbenanordnungen, bevor ich ein Gerüst bauen konnte ,das ich für tragfähig hielt, um eine Problematik auszuhalten, die in jede erdenkliche Richtung so sensibel wie ein rohes Ei und so sprengwütig wie ein Chinaböller ist. Ich empfinde es als völlig normal, wenn ich manche Texte die ich lese, umkommentiert lasse. Nicht immer fällt mir etwas ein, das ich für gut, konstruktiv oder passend befinde. Die Schneeberge sind hier weiß wie puderzuckerbestäubt und leuchten in der Morgensonne. Ein wunderschönes Bild. Ich habe sie gestern Morgen geknipst. Seit sechse bin ich auf und bastele am Geschichtenende, nun ist es fertig und für mein Gusto „rund“, um es in den Blog zu entlassen. Mein Morgenkäffchen habe ich leider schon auf….

        Sonnige Grüße zu Dir auf den grauen Schneeberg….

      • Ulli sagt:

        Ich komme gerne gleich bei dir vorbei!

      • karfunkelfee sagt:

        Fein…ich freu mich…✨

  3. Flowermaid sagt:

    …es ist unglaublich gut geschrieben und beschrieben wie Teen sein im Moment in Deutschland aussieht… Freundschaft ist Kulturverbindent und dominante Ignoranz gefühlsarm ohne jegliche Kultur egal welcher Kirche und Hautfarbe… eine starke Geschichte FEE!

  4. Clara HH sagt:

    Trotz der frühen Stunde habe ich den von Sonja verlinkten Artikel gelesen – so war es und so ist es: Wenn nicht der wirkliche Tatbestand der Vergewaltigung vorlag, war ja „nichts“ passiert.
    Mir geht es ein ganz klein wenig wie Ulli und auch wie vielen anderen, dass man neuerdings die inländischen Sexualdelikte (etwas) herunterspielt, weil man ja jetzt etwas hat, auf dass man sich konzentrieren kann, um von anderem abzulenken.
    Damit meine ich jedoch nicht deine Geschichte.
    Hoffentlich hält sich ihr Vater im letzten Teil ein wenig zurück, um für sie die Sache nicht noch drastischer zu machen.
    GUTE NACHT!

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