Silvesternacht – Kapitel 4

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Aylin fasst sich ein Herz, tritt auf sie zu und umarmt sie als sei sie aus einem zerbrechlichen Material. Aylins Gesicht ist gerötet und ihre Augen glänzen vom Alkohol. Sie lässt die Umarmung zu und die Berührung ihrer Freundin fühlt sich für sie im ersten Moment unvertraut und beängstigend an. Sie zuckt zusammen ohne es beeinflussen oder verhindern zu können, es geschieht wie im Reflex. Erschrocken weicht Aylin ein Stück zurück. Entschuldige, Aylin. Tränen drücken hinter ihren Augen.

Ihre Disziplin, die sie irgendwie bis jetzt ruhig hielt und dafür sorgte, dass sie mechanische kleine Dinge erledigen konnte, die ihren Rücken und die zitternden Knie gerade hielt, bricht wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Alle Spannung weicht aus ihrem Körper. Weinend fällt sie Aylin um den Hals. Sina, Chris und Julie kommen langsam und zögernd näher. Sie wirken hilflos, unschlüssig darin was sie jetzt tun oder wie sie helfen könnten. Der hat mich befingert, geküsst und währenddessen mein Geld und mein Handy geklaut. Er hat mir die Luft abgedrückt. Sie kneift die Augen zusammen und ballt die Hände auf Aylins Rücken zu Fäusten. Julie streichelt mitfühlend über ihren Arm. Irgendwie gelang es mir, ihm meinen Stiefelabsatz in den Fuß zu bohren. Doch dann hat er mir von hinten den Arm um den Hals gelegt und zugedrückt. Ich versuchte zu schreien, doch ich bekam nicht richtig Luft. Sie umklammert die Freundin fester. Seine Freunde standen um uns herum. Die warteten…als stünden sie Schlange… Wenn ihr nicht gekommen wärt…Sie lässt die Schultern nach vorn sacken. Dann ließ er mich los und flüchtete mit seinen Freunden.

Sie löst sich aus Aylins Umarmung und zeigt in die Richtung, in der die Diebestruppe verschwunden ist.  In diesem Moment biegt Murat mit Hassan und Niko um die Ecke. Die drei sehen erschöpft vom Hinterherrennen aus. Hassan atmet immer noch schnell und hastig. Wir haben sie nicht einholen können, die Diebe kennen diese Gegend hier und jeden ihrer Schlupfwinkel  zu genau. Wie gut hast du die erkennen können? Angestrengt denkt sie nach: Es waren zehn. Der Anführer war ein Farbiger, vielleicht Afrikaner, aber da bin ich bin ich mir nicht sicher. Es war zu dunkel doch ich konnte erkennen, dass er ein dunkles Gesicht hatte. Er trug einen dieser Hoodies mit Kapuze. Die Kapuze hatte er sich über den Kopf gezogen. Seine Freunde konnte ich nicht so genau erkennen, weil sie weiter wegstanden und die Luft so verraucht war. Sie kneift die Augen zusammen und überlegt. Einer von ihnen trug so eine gestreifte Wollmütze mit einem auffällig großen Fell-Bommel auf dem Kopf. Mehr weiß ich nicht, außer dass ich das Gefühl habe, dass sie mich schon eine ganze Weile ausgespäht und beobachtet hatten. Murat nickt ihr mit zuversichtlichem Gesichtsausdruck zu. Ich glaube, das wird für eine Anzeige reichen. Tränen laufen über ihr Gesicht. Sie denkt, sie kann nicht mehr aufhören zu weinen. Sina wühlt in ihrer Manteltasche herum, fördert jede Menge zerknülltes Bonboneinwickelpapier und alte Einkaufsquittungen zutage, findet schließlich ein Päckchen Taschentücher und reicht es ihr. Du hast dich aber sehr gut und auch erfolgreich gewehrt! Das ist das doch Wichtigste! Ich habe vor einiger Zeit in der Zeitung von Antanzdieben gelesen. Es ist eine Masche, besonders beliebt unter Nordafrikanern, Algeriern und Marokkanern. Sie umarmen, betatschen und küssen ihre Opfer, nutzen deren Scham und Verblüffung aus um besser an ihre Wertsachen zu kommen. Die sind schon polizeibekannt. Murat hat Recht, wir sollten unbedingt nachher noch zur Polizei gehen, du kannst uns als Zeugen benennen, wir haben dich um Hilfe rufen gehört und können alles bezeugen und bestätigen.

Julie berührt sie am Arm und wieder zuckt sie unwillkürlich zusammen: Sollen wir lieber einen Notarzt rufen? Mit einem Schock ist nicht zu spaßen und du bist wirklich sehr blass um die Nase. Es ist schließlich eine Notsituation gewesen! Du bist nicht nur beklaut, sondern obendrein auch noch befummelt worden und dich hat jemand gegen deinen Willen festgehalten! Das ist ein massiver  sexueller Angriff und obendrein Freiheitsberaubung! Julie redet sich in Rage. So ein Erlebnis macht doch jeden fertig. Also…soll ich den Notarzt rufen? Julie zückt ihr Handy, das Display leuchtet einsatzbereit auf. Nein, Julie, nicht, bitte! Ich will nur nach Hause! Sie zittert, ihre Beine fühlen sich an, als hätten sie sich in zwei Besenstöcke verwandelt, ihre Kniegelenke sind steif und schmerzen. Ihr ist eisig kalt, sie sehnt sich nach der Wärme ihres Bettes, nach der Geborgenheit vertrauter Umgebung und überraschend stark nach ihren Eltern. Heute Nachmittag, in ein paar Stunden, gehe ich mit euch zum Polizeirevier, jetzt will ich nur noch nach Hause ins Bett und endlich schlafen. Murat und Aylin haben sie wieder in die Mitte genommen. Julie, Hassan und Niko laufen ein Stück vor ihnen her. Chris und Sina folgen, Händchen haltend. Es wird nur wenig gesprochen. Die Stimmung ist belegt. Es hat sich in den vergangenen Stunden nicht wesentlich abgekühlt und die Temperatur liegt immer noch bei zehn Grad über Null.

Die Szene spult sich in einer variablen Endlosschleife mit Zufallsgenerator immer wieder aufs Neue in ihrem Kopf ab. Sie denkt darüber nach wie es sich anders hätte abspielen können und einige der alternativen gewaltvollen Enden, die sie sich vorstellt, lassen sie wieder die große Angst fühlen in dem Moment, als sie sich ihrem Angreifer hilflos ausgeliefert sah. Insgeheim zählt sie die zurückgelegten Meter auf dem Bürgersteig und rechnet sich ungefähr aus wie weit es noch bis zu ihrem Elternhaus ist. Warum nur kommt ihr dieser Rückweg so viel länger vor als der Hinweg? Sie ist apathisch und müde, hektisch und aufgedreht, alles gleichzeitig. Murat und Niko, ein paar Schritte vor ihr, unterhalten sich über den Vorfall, ihre Stimmen hallen über die leere, von Feuerwerksmüll übersäte Straße am frühen Neujahrsmorgen. Murat meint, man könne versuchen, die Diebesgruppe in der Stadt wiederzufinden, Niko verwirft diese Idee als völlig unrealistisch, genauso gut könne man eine Stecknadel in einem Heuhaufen versuchen wiederzufinden, meint er lakonisch. Hassan trottet schweigend, mit gesenktem Kopf vorweg. Endlich erreichen sie ihr Haus am Ende der Straße. Aylin umarmt sie: Um wie viel Uhr sollen wir denn nachher bei dir sein? Sie weiß nicht, was sie ihrer Freundin sagen soll. Ihr schwerer Kopf schwirrt vor Erschöpfung, sie lässt ihn nach vorne fallen und bemerkt die feine grüne schmierige Moosschicht auf den Steinen des gepflasterten Wegs und ein paar tiefe Kratzer auf ihren neuen eleganten Stiefeln. Ich rufe dich an, wenn ich so weit bin. Ich muss unbedingt erst mit meiner Mutter und mit meinem Vater über die Sache sprechen und es wird kein Vergnügen sein. Mein Vater ist der Meinung, ich ziehe mich billig an, er wird mir Vorwürfe machen. Sie werden sich bestimmt wieder streiten.

Die anderen verabschieden sich von ihr. Auch ihre Freunde wirken betroffen, still und müde. Niemand hat mehr Lust noch zu Niko zu gehen und das neue Jahr zu feiern, obwohl es erst zwei Uhr morgens ist. Im vergangenen Jahr und auch in den zwei Jahren zuvor hatten sie die Silvesternacht durchgefeiert. Doch dieses Jahr ist alles anders. Hassan streicht sich nachdenklich und fahrig durchs Gesicht. Als die anderen sich bereits zum Gehen gewandt haben, dreht er um und läuft den Weg zu ihrem Haus zurück. Sie ist gerade im Begriff die Haustür aufzuschließen als sie ihn herankommen sieht. Er bleibt stehen, lässt die Hände sinken und wirkt in seiner leicht krummen vornübergebeugten Haltung mit den einwärts gekehrten Zehen hilflos wie ein kleiner Junge. Als er beginnt zu sprechen, tut er dies mit leiser verhaltener Stimme, völlig anders als sie es sonst von ihm gewohnt ist.. Ich möchte dir noch sagen, dass es mir unglaublich Leid tut, was dir passiert ist. Beklaut zu werden ist an sich schon schlimm genug, doch noch dazu auf eine solche Weise, das finde ich voll widerlich. Er zuckt mit den Schultern und grinst schief….… ich gehöre übrigens als Sohn einer algerischen Einwandererfamilie und obendrein Muslim zu den richtig schlimmen Fremden auf der Achse des Bösen, das weißt du ja auch…Zum ersten Mal fällt ihr auf, dass Hassans Haut nur wenig heller ist als die Hautfarbe ihres Angreifers. Sie lächelt müde. Sehen wir uns nachher?

Hassan runzelt die Stirn. Klar komme ich! Doch er wirkt niedergeschlagen und unschlüssig, lässt die Schultern hängen, zieht mit einem verlegenen Blick sein Handy aus der Jacke und wirft einen Blick auf die Uhr. Es gibt bei uns in Algerien ein Sprichwort, das sagt: Der Frieden kommt durch Verständigung, nicht durch Vereinbarung. Als er sie ernst ansieht, stehen in seinen dunklen Augen viele offene Fragen.

Ich muss jetzt schlafen gehen, Hassan. Danke. Es war trotz alledem ein schöner Abend mit euch allen. Du bist ein echter Freund. Weder du noch deine Familie noch dein Volk können etwas dafür, dass mir das heute passiert ist. Schlaf gut. Langsam schließt sie die Tür hinter sich und geht ins Haus. Das Haus ist verlassen und leer, ihre Eltern verbringen die Nacht und den Neujahrsmorgen bei den Freunden. Sie zieht sich ihre Sachen aus und legt sie sorgfältig gefaltet über eine Sessellehne. Während sie sich die Strümpfe auszieht, erinnert sie sich daran, wie sie angefasst wurde. Als sie das Bustier auszieht sieht sie, dass sich einige rote Stellen auf ihrer Brust befinden, dort wo ihr Angreifer sie gekniffen hat. Sie streichelt mit den Fingern ihrer Hand über die gerötete zarte Haut, als könne sie auf diese Weise die roten Flecken wegstreichen. Sie fragt sich erneut ob es an ihrer Aufmachung gelegen haben könne. Hatte ihr Vater Recht wenn er behauptete, dass Frauen, die solche Sachen anzögen, es nicht anders verdienten als betatscht und begrapscht zu werden, weil sie es provozieren würden? Unsinn! Niemand würde ihr verbieten, das zu tragen was sie Lust hätte zu tragen. Das dunkle wütende und trotzige Gefühl in ihrem Bauch verstärkt sich sofort und sie denkt an die unvermeidliche noch ausstehende Diskussion mit ihren Eltern.

Sie widersetzt sich dem Gedanken, das Opfer eines Diebstahls und eines sexuellen Übergriffes mit Gewalteinwirkung gewesen zu sein. In ihr kämpft der Widerstreit der Vernunft ein Opfer der Umstände sein zu müssen mit der Vorstellung, kein willenloses Opfer gewesen zu sein, sondern ein handlungsfähiges. Immerhin hatte sie sich erfolgreich wehren und den Angreifer dabei verletzen können. In ihr dämmert die bittere Erkenntnis herauf, dass ihr weitaus mehr genommen worden war als ihr Portemonnaie oder ihr Handy. Beim Gedanken an den Besuch des Polizeireviers in ein paar Stunden wird sie unsicher. Was, wenn die Beamten ihr Vorwürfe machen würden, weil sie einen kurzen aufreizenden Rock und hohe Schuhe getragen hat? Bis vor wenigen Stunden erschien ihr ihre Anwesenheit in der Welt so wie sie war, gesichert und bestätigt. Bis auf ein paar Rangeleien in der Schule, war sie zuvor noch nie Gewalt ausgesetzt gewesen. Gewalt, das passierte der Welt draußen in den Nachrichten und anderen, doch nicht ihr, so glaubte sie. Der durch ihre behütete Erziehung und die Sicherheit ihres Elternhauses gefestigte Sockel des Vertrauens in einen guten Verlauf aller grundsätzlichen Dinge sowie das Vertrauen in den mindesten Anstand jedes Menschen in die Würde eines anderen hatte einen massiven Schlag erlitten und nun wusste sie nicht mehr, was sie glauben sollte. Eine Tatsache jedoch in all dem erlebten Unglück hatte sie trotz ihres Schocks, ihrer Wut und ihrer Traurigkeit zu einem kurzen bitteren Auflachen vor dem Badezimmerspiegel gebracht: Sie hatte genauestens den Rat ihres Vaters befolgt, ihre Wertsachen so nah am Körper wie möglich zu verstauen. Doch dieser Rat war nutzlos, denn die Diebe hatten es gerade auf diese Menschen abgesehen, die ihre Wertsachen in ihren Jacken und nah am Körper transportieren. Sie hofft, dass dieser Umstand für sie und ihren guten Willen sprechen wird. Ein anderer Teil in ihr rebelliert gegen den Wunsch, ein artiges und fügsames Kind sein zu müssen, als erkenne sie damit stillschweigend eine Schuld an. Sie fragt sich welche.

Als sie sich versucht vorzustellen, wie das Gespräch mit ihren Eltern in ein paar Stunden verlaufen könnte, gelingt es ihr nicht. Beim Gedanken daran, die Verantwortung für diese Angelegenheit zumindest zu einem kleinen Teil an ihre Eltern abgeben zu können, Kind sein zu dürfen, spürt sie wie sich die lange herbeigesehnte Ruhe in ihren Körper legt. Nach ein paar Stunden Schlaf würde sie sich schon besser fühlen. Sie dreht sich auf die Seite und zieht sich die Bettdecke über die Ohren. Die Neujahrsnacht ist still geworden, nur der Wind klappert in den kahlen Zweigen des Baumes draußen vorm Fenster. Bleierne Müdigkeit erstickt jeden ihrer weiteren Gedanken und die Erlebnisse der Nacht rutschen in eine unbeobachtete Ecke ihres Kopfes. Mit fest angezogenen Beinen schlingt sie die Arme so eng um sich herum bis sich ihr beschleunigter Atem langsam beruhigen kann und sich ihr Körper im Schlaf beinahe entspannt.

——

29 thoughts on “Silvesternacht – Kapitel 4

  1. Ulli sagt:

    Liebe Fee,
    treffender kann man diese Gefühle wohl kaum beschreiben. Ich bin froh, dass sie sich gewehrt hat, dass sie Freunde und Freundinnen hat. Ich bin froh, dass du die andere Seite nicht vergessen hast, dass eben eine Scham die befällt, die auch eine andere Hautfarbe haben, die aber „anständig“ geblieben sind.
    Auch, dass du die Zweifel benennst, ob der Vater vielleicht doch Recht hatte, gefällt mir. Vieles kenne ich noch aus meiner Jugendzeit, aber wie wir sehen hat sich hier wenig verändert, leider. Ich glaube, dass wir noch einen weiten Weg in der Frage der Gleichberechtigung vor uns haben, bleiben wir dran!
    Es bleibt natürlich immer wieder die Frage, wieso werden die einen so und die anderen anders? Ein grosses Thema, das uns noch länger beschäftigen wird und vor allen Dingen auch die Frage nach der Integration.
    Ich danke dir nochmals und grüsse dich sehr herzlich
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Ulli, Du wirfst viele Gedankengänge und Fragen auf, die auch mich beschäftigen. Doch ich halte es nach wie vor für sehr wichtig, dass Mädchen und Frauen geschult werden, um in der Lage zu sein, sich im Notfall wehren zu können und um Hilfe zu rufen. Auch wichtig zu vermitteln, dass eine gute und selbstsichere Ausstrahlung viele Täter schon von vornherein abhält. Den weiten Weg, an dessen Ende ein gleich berechtigter und respektvoller Umgang der Geschlechter miteinander möglich sein kann, sehe ich genauso wie Du. Die Integration, auch Synchronisation der unterschiedlichen Kulturkreise kann nur im Zuge gegenseitiger Rücksichtnahme und Öffnung gelingen….

      Ich las für die Geschichte viele arabische Sprichwörter. Dieses hier fand ich sehr schön: geh eine Meile, einen Kranken besuchen; geh zwei Meilen, um Frieden zu stiften,; aber geh drei Meilen, um einen Freund zu sehen.

      Vielen Dank für Deine klugen Gedankengänge, das Befassen mit der überforderten Thematik. Viele herzliche Grüße zurück von Stefanie

      • Ulli sagt:

        Ja, liebe Stefanie, ich glaube auch, dass es total wichtig ist den Mädchen beizubringen sich zu wehren. Als ich mit meinen beiden Kids in berlin lebte, ging meine Tochter zum Wen-Do, das hat ihr zumindest eine gwisse Ausstrahlung verliehen, auch wenn sie im Kampf gegen ihren grossen Bruder immer wieder verlor, weil sie lachen musste😉 Ich selbst habe ähnliche Erfahrungen gemacht, das führt hier jetzt nur zu weit …
        Letztens überlegte ich, dass ich es für unumgehbar halte in allen Schulen den Ethikunterricht einzuführen, in dem es nicht nur um unterschiedliche Glaubensrichtungen geht, sondern auch um die Haltungen gegenüber dem anderen Geschlecht.
        Ich überlege schwer daran rum, wie ich meine Arbeit, zum Beispiel das Couciltraining in die Schulen bringen kann, wie ich Jugendliche aus unterschiedlichen Herkunftsländern begleiten kann … hier sehe ich den Ansatz.
        Wusstest du, dass Kindergartenkinder keine unterschiedlichen Hautfarben wahrnehmen, wenn man sie nicht explizit darauf hinweist? Interessant, oder!
        Das arabische Sprichwort gefällt mir-

      • karfunkelfee sagt:

        Ethikunterricht wäre sogar sehr wichtig, das sehe ich genauso wie Du. In Sachen Gleichberechtigung braucht es Nachhilfe und Schulung. Etwas Kampfsportgeist würde keinem Mädchen schaden, eher das Gegenteil. Ins Poesiealbum meiner Tochter schrieb ich einen Adenauer: „Die persönliche Freiheit bleibt das höchste Gut des Menschen“. Hinter dieser Aussage kann ich voll und ganz stehen. Von den Kindergartenkindern habe ich gelesen und fand diese Weise der Wahrnehmung faszinierend. Ich hatte immer schon ausländische Freunde. Dass sie sich durch Kultur, Mentalität oder Hautfarbe von mir unterschieden, registrierte ich irgendwo am Rande. Es faszinierte mich mehr über Kultur und Menschen zu erfahren.
        So etwas verbindet auf eine schöne Weise. Spätestens wenn man miterlebt, wie die türkische Nachbarin ihrem anglophobischen Nachwuchs die Ohren langzieht, weil er den Englischtest mit einer glatten Sechs vergeigt hat, wird einem klar, dass es auch viele Gemeinsamkeiten gibt und Ansatzpunkte, um sich gut über alles andere hinweg zu verständigen.
        Es gibt tolle arabische Sprichwörter. Ich kenne noch mehr..fein, dass es Dir gefällt…:)

  2. Flowermaid sagt:

    … unglaublich gut beschrieben wie sich ein Opfer fühlt… immer mit dieser Portion Selbstschuldzuweisung… der Freundschaftsmoment ist sehr fein…⭐

    • karfunkelfee sagt:

      …danke….liebes Blumenmädchen…ich freue mich sehr über Deine Worte….Freundschaftsmomente sind Salz in der Suppe des Lebens …

      • Flowermaid sagt:

        … wie könnte man das besser formulieren als du… in welchem Genre auch immer… 💥

      • karfunkelfee sagt:

        …das ist eine Ansage…vielen lieben Dank…🌹🌹

      • Flowermaid sagt:

        … nein, es ist eine Aussage über den unglaublich wohlformulierten Einblick in unsere kulturelle Istzustandsgesellschaft… die auch Schattenwesen ungewollt nährt… die sich für Herrlich halten und ohne menschliche Liebe sind …

      • karfunkelfee sagt:

        Jede Gesellschaft hat auch ihre Schattenwesen, wie Du sie nennst, ihre Randgestalten und ihre Subkulturen. Ich kann nicht sagen, ob diese Diebe sich für herrlich halten oder wissen ob sie lieben, obwohl ich sicher bin, dass es Menschen gibt, die genauso sind wie Du sie beschreibst und solche Menschen machen mir Angst….genauso, wie Gleichgültigkeit, Dünkel, Gewaltbereitschaft, Skrupellosigkeit und Gier mir Angst einjagen, denn diese Eigenschaften überwinden mühelos ethische Vorgaben.
        Wenn Du mich jetzt noch einmal lobst, zergele ich Blätter aus der Bromelie und winde mir damit vor lauter Übermut einen sperrigen Dickblatt- (Jungfern-)kranz. (frischfrankfreinachfreischütz)…

        …danke…Dir…Blumenmädchen….🌺

      • Flowermaid sagt:

        … du hast meine Befürchtungen in wohlformulierte Wortgebinde verwandelt… elebä… mach doch, aber bitte mit Wortfoto ;-D 😇

      • karfunkelfee sagt:

        Würde ich gern, aber die dickhäutige Bromelie widersetzt sich unbiegsam und auf das Zäheste meinen inständigen Kranzwindversuchen… die freischützige Arie bleibt mir grad veilchenseidenblau beim Refrain im Halse stecken…

      • Flowermaid sagt:

        … ist den der Istzustand ein selbstbestimmtes Muss… oder kannst du dich einhüpfig nicht den blumigen Klangwelten erwehren… ;-D

      • karfunkelfee sagt:

        Einhüpfer zum Radio, ein Knopfklick und schon ist Stille. Die Bromelie bleibt ungerupft und darf sich weiter dekorativ vor sich hinlangweilen. …😉

      • Flowermaid sagt:

        … Erfahrungsbereich einer Blumenbeauftragten… Pflanzen haben eine andere Wahrnehmung von Langeweile…
        ;-D

      • karfunkelfee sagt:

        Die Bromelie ist statisch und wächst auf derart subtile Weise, dass man nicht mitbekommt wie sie wächst, sondern nur DASS sie wächst. Seltsames Gewächs…

      • Flowermaid sagt:

        … *lächel*… das zu einem Kranz zu binden braucht eingebungsvolle die Natur der Dinge erkennende Worte… oder
        chillige Klänge😉

      • karfunkelfee sagt:

        hach, das haste jetz aba schön gesacht…das lasse ich jetzt einfach so stehen…:)

  3. Liebes, das Ende paßt zu der ganzen Erzählung. Sie halten sich zurück mit jedweder Wertung und lassen den offenen Fragen den nötigen Freiraum in den Köpfen von uns Lesern. Ein jeder kann seine eigenen Erfahrungen und Gedanken einflechten, meine jagen mich zurück in die Zeit als junge Ostfrau. Als Bedienung auf schwäbischen Weinfesten quasi die personifizierte Grabscheinladung, weil wir Ossis ja so freizügig lebten. Nach den ersten Schocks erfolgte Gegenwehr in Form von überschwappender Rotweinsoße… vielleicht schreibe ich das mal auf…

    Zurück zu Ihnen:
    Diese Geschichte ist es wert gelesen zu werden. In Schulen, Magazinen, ach, allerorten.
    Sie ist ein unter die Haut gehendes Fitzelchen Blaupause in Zeiten des Umbruchs und des Verschmischens verschiedener Kulturen. Danke fürs Aufschreiben und falls ich es schaffe, selbst etwas zum Thema zu schreiben, erbitte ich jetzt schon eine Verlinkungserlaubnis, meine Liebe.
    Applaudierende Grüße, Ihre Käthe, herzundkopfvoll zugeneigt.

    • Ulli sagt:

      Ihre Geschichte, liebe Frau Knobloch, über die überschwappende Rotweinsosse würde ich sehr gerne lesen!
      Herzlichst
      Ulli

      • karfunkelfee sagt:

        ich würde die Rotweinsaucen-Geschichte auch sehr gern lesen…

      • ich antworte spät, aber herzvoll dankend. Die schwäbische Rotweinsoßenüberschwappgeschichte muß nun eingeklickerdiklackt werden, deucht es mich. Lieben Dank für das Interesse, liebe Frau Ulli und liebe Karfunkelige. Damit lege ich Entwurf Nummer 55 im Dashboard an… Ohweh, die eilende Zeit…

        Nicht wirklich jammernde Grüße, Ihre Käthe, den Damen erfreut zugetan. Und ein bonfortionöses Wochenende wünschend.

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Käthe, ich hatte gestern schon den Antwortkommentar geschrieben und weil ich zu schusselig war, nicht zwischenablagenkopiert und da schmiert das Internet ab und schwupp!
      Pardautz, weg war mein ganzes schönes kluges Gerede über Respekt und Menschenwürde. Diese typischen „Frauengeschichten“ erleben wir wohl alle mehr oder minder. Es wäre schön, wenn Sie Ihre Geschichte irgendwann aufschreiben mögen würden, denn sie klingt mir nach einer Geschichte mit Kampfgeist und das gefällt mir sehr.
      Wann immer Sie zu mir gern hinlinkwinken möchten, tun Sie es, ich freue mich sehr darüber.
      Innigst herzvoll verbunden, Ihre Karfunkelige

  4. Clara HH sagt:

    Liebe Fee, du hast keiner Seite so richtig den Schwarzen Peter zugeschoben, das finde ich sehr gut. Es ist so toll, dass in ihrem Freundeskreis genau diese Nationalitäten sind, die hier zu Tätern wurden. –
    Ich denke, jetzt bin ich raus aus dem Alter von sexuellen Belästigungen, jetzt würden die nur noch mein Geld oder eventuelle Wertsachen stehlen wollen.
    Doch Anfang des Jahrhunderts/Jahrtausends lebte ich in einer Wohngegend, wo der Weg von der nächtlichen S-Bahn ein wenig abgelegen war. Da hat mich das Thema Vergewaltigung oder ähnliches schon bewegt. Zum Glück musste ich auch nicht ansatzweise so etwas erleben. Ich bin mir bis zum heutigen Tag nicht sicher, ob ich mich gewehrt hätte – einfach aus Angst, dass es dann noch so viel schlimmer kommen kann. Denn die meisten Männer, oft bullig von Statur, sind garantiert kräftiger als ich.
    Deine Geschichte macht nachdenklich – und ich gehe jetzt nicht gleich schlafen.
    Dennoch gute Nacht und liebe Grüße von mir

    • karfunkelfee sagt:

      Nein, schwarze Peter wollte ich auch niemandem zuschanzen. Der Fokus dieser Geschichte richtet sich auf meine Protagonistin, wie sie dies alles erlebt und welche Fragen sie sich stellt, was es in ihr verändert und auch darstellen, wie tief ein solches Erlebnis einen Menschen erschüttern kann. Manche behalten von so einer Erfahrung ein Leben lang etwas zurück, andere sind stark genug es zu überwinden, doch einen schweren Schaden richtet es immer an. Ich hoffe, Du hast gut geschlafen. Liebe Grüße…

      • Clara HH sagt:

        Wenn das mit meiner Gut-Schläferei so weiter geht, muss ich bald ein Weckkommando bestellen – na gut, vielleicht täte es auch ein Handyweckruf🙂
        Ich stelle jetzt abends die Heizung auf Null – das ist sehr positiv – und dann wird noch 10 Minuten gelüftet.

  5. […] Die Silvesternachtgeschichte der Karfunkelfee und Ellas Blickwinkel zu diesem Thema, denn DIE gibt es wirklich nicht. […]

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