Wunschbild Ausfahrt: Frühling

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Liebe Blogfreunde,

Ich sprach einmal mit einer Freundin über die Lust am Schreiben und die daraus resultierenden Texte. Wie sehr das aktuelle Leben manchmal in sie fließen oder sie beeinflussen kann.  Doch auch darüber, wie sich mancher Text widerwillig von allem aktuellen Leben wie es auch gerade sei abspreizt und distanziert, sein eigenständiges und eigenwilliges stimmungsabhängiges Textleben führen will, herausdrängt zu allen möglichen und unmöglichen Tages- oder Nachtzeiten. Immer mal wieder werde ich gefragt, wenn ich traurige Gedichte oder Beiträge poste, wie es mir denn so geht. Das ist sehr freundlich. Ich freue mich über dieses Interesse. Manchmal stutzen die Fragenden, wenn ich ihnen dann sage, dass es mir gut ginge. Dass ich den Text aus einer Erinnerung, einer Stimmung, einer seelischen Wetterlage heraus geschrieben habe. Aus dem Fundus dessen ,was mich im Leben prägte, das mit einfließt in alles, was ich in Textforum umsetze und hinausbringe. In Texten fließen so viele Aspekte zusammen wie in einem großen Fluss. Das ist der tiefe, fasznierende und symbolische Reiz des Schreibens. Besonders freue ich mich natürlich, wenn jemand etwas von sich selbst wiederfindet in meinen Wortwelten. Manchmal schreibe ich auch über das Aktuelle und auch darüber was mir gerade so um die Ohren fliegt. Doch gerade in den Gedichten, Geschichten und auch manch lyrischer Prosa lasse ich den Geist einfach frei und ihn machen, wozu er Lust hat. 

Nach einem Gespräch über meinen derzeit ausgeknockten bekrückten Zustand bekam ich von A. einen Rat: Ich solle doch mal wieder einen Bewegungstext schreiben, schlug sie mir vor. Einen fließenden Text, einer der mich mobil macht und motiviert, damit ich schneller wieder auf beide Füße komme und diese vermaledeiten Krücken und die Orthese endlich los werde. Mein Job beginnt wieder und ich habe weniger Zeit. Die Normalität kehrt zurück in mein Leben, ein gutes Gefühl. Den Blog muss ich einschränken. Ich entschuldige mich schon jetzt bei allen, denen ich hinterherhinke, weil ich es nicht mehr schaffe, Euch alle zu lesen, Leute. Ist Zeitmangel. Job geht vor.

Der Februar macht wintermüde. Es ist der letzte richtige Wintermonat. Die Natur steht schon in den Startlöchern, ich rieche das in der Luft und habe heute Morgen Wildgänse gehört. Auch erste Kranichvorhuten zogen über den Wald. Es ist bald soweit. Dieser Text ist natürlich für A. doch auch für alle diejenigen, die wintermüde sind und Lust haben auf Frühling. Ich danke ihr für ihren klugen Rat und zeige ihr mit einem Text, dass ich ihn gern angenommen und in die Tat umgesetzt habe. Ich mache es mir gern unbequem, wenn mir ein Ziel lohnenswert und gut erscheint.

Bald…

„Handeln ist leicht, Denken schwer; nach dem Gedanken handeln unbequem.“ (J.W. v. Goethe)

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Wunschbild Ausfahrt: Frühling

Frühlingstag. Luft wie frische Wäsche auf der Leine und blauer Himmel, Wind streicht um nackte Beine, Kerouacs Pocket Poems leicht und klein in der Trikottasche, drücken auf den Po, on the road, mit dem schnellen Renner. Alle Straßen und das Wohlbefinden im glatten Asphalt auf einem gemeinsamen Nenner. Natürlich warmer kitzeliger Sonnenschein! Wie könnte dies an einem solchen Bilderbuchtag anders sein? In den Tag  hinaus und mitten in das Leben hinein, ganz allein mein in allen seinen elysischen Stunden fliegend durch eine viele Kilometer lange Hausrunde über Berg und Tal, von meinem Atem beschlägt die Brille, mein Ziel steht fest im Willen vor mir hellgrün im Laubfeuerfanal. Solange das Licht mich federleicht in diesen Tag entlassen mag, will ich ihn in seiner vollen Schönheit ausspüren und kosten bis es mich schmerzt, so wund wie man nur sein kann nach einem voll ausgeschöpftem Maß Genuss. Das Bild ist beweglich, es strotzt vor kraftvollen Farben aufgetragen aus einem einzigen Guss. Es ist auf Baumrinde gemalt und die Leinwand trägt tiefe rissige Narben. Manche sind erhaben, manche ein zerklüfteter Graben, die tiefen haben vom frischen Farbauftrag die meiste Hoffnung getrunken. Bergab zu fliegen;  in hohen Geschwindigkeiten schießt vermischt mit heißem Adrenalin Fahrtwind wie ein Speerhagel durch den Magen. Dann unten stehen und hinter dem letzten Berg die Sonne auf hohem Niveau hinter der Kuppe sinken sehen. Der Körper friedlich in seiner Glut im Gleichmaß, bewegt, verzaubert und berührt. Das Glück hat die warmen Farben in diesem Wunschbild mit energischen Pinselstrichen im frei abstrahierten Stil ausgeführt, abschließend alles mit einem knallfeuerroten Herz umrahmt. Die Blüte steht zum Trocknen im Sonnenschein bis sie sich selbst aussamt.

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20 thoughts on “Wunschbild Ausfahrt: Frühling

  1. Arabella sagt:

    Oft bin ich selbst hingerissen von Erinnerungen. Meine persönliche Meinung ist, ihnen nur dann nachzugeben und zu folgen, auszuloten und zu verarbeiten, wenn ich physisch intakt bin. Auch dahin war ein weiter Weg, den wie schiebt man Bedrängendes weg und holt Heilendes so schnipp einfach herbei.
    Auch meine liebe Fee war es kein Rat, das hat oft etwas von Bevormundung.
    Ein Hinweis aus Lebenserfahrung trifft es eher.
    Danke für deine Geschichte, ich genieße sie heute Abend in Ruhe.
    Einen herzlichen Gruß zu dir.
    Deine Ute

    • karfunkelfee sagt:

      Ich bin Deiner Meinung. Manche Erinnerungen brauchten lange Zeit, um hinausgelassen werden zu können, somit aus dem Leben entlassen auf ein stillgelegtes Gleis, so, wie es mit Erinnerungen sein soll.

      Ein Rat kann immer nur dann ein Rat sein, wenn man ihn als das annehmen will. Die Bevormundung schwirrt in Deinem Kopf herum und nicht in meinem und das ist gut so. Das Sprichwort sagt: Guter Rat ist teuer. Teuer im Sinn von wertvoll. Wie gut ein Rat sein kann, erschließt sich in der daraus resultierenden Handlung und einer vielleicht veränderten Sicht der Dinge des Wissenszugewinns, einer positiven Einstellung zu etwas, dem Nutzen, den man daraus für sich ziehen kann.
      Genieße den Text, ist ein frühlingsgrüner.😉
      Der Tallis allerdings ist schwerere Kost, wenn auch fantastische.

      Herzliche Grüße zu Dir und mein Dank.
      Deine Stefanie

  2. karfunkelfee sagt:

    …fein…so soll das sein…

  3. Willi sagt:

    Sehr schön. Wie geht es der verunglückten Fee mit dem bekrückten Bein?

    • karfunkelfee sagt:

      Die verunglückte Fee fliegt immer noch einbeinig und dank der schweren Orthese versägt sie dauernd den Kurs, doch sie ist zuversichtlich, dass das Bein bald wieder hergestellt sein wird.
      Lieben Dank Deiner Nachfrage, Willi…

  4. Flowermaid sagt:

    … wenn das der Frühling ist, dann wäre das Blumenmädchen dem Sommer nicht gewachsen… MITREISSEND 😀

  5. finbarsgift sagt:

    Du machst genau das, bitteschön, was dich the most zufriedenstellt, ob das nun im VL stattfindet oder im RL oder im Zwischenraum (wo ich mich nur zu gerne tummle), egal…
    auf jeden Fall: enjoy your days!
    AND nights… *smile*

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