An Charon (Thema: griechische Mythologie)

 

Wenn Stille Klang ist und im Moment die Zeit in Tropfen schlägt, ist mein Grün dein Gefühl, Charon, das weiter noch als jede Welle trägt. Wenn in Strukturen Reihe um Reihe fließt, wenn in die Form Gedanken in scharfen Konturen gießt, wird Sprache zu Musik und fliegt. Selbst durch Lethes träge trübe Fluten.

Das helle Treiben gleißt die Weihe in frühen strahlenden Stunden, der Morgen ist ein Bleilot in der Ewigkeit der Tage.Die Lieder der Raureifdächer, aus ungeübten Schnabelspitzen glitzern ungebunden  und sie sind frei und wild. Tonfolgen wie Fragen.

Im offenen Vokal das Staunen, ein heller warmer Ton. Der Wind verändert sich, will mild, fühlst du ihn in den Adern der Bäume fließen und raunen? Der Mond, noch allzeit unser Silberschild, genügt uns nicht in allen unseren Launen. Wir hauchen uns in Worten an und es sind Daunen.

Im lauteren Stimmen und wenn der kahle Morgen im Tag droht zu verschwimmen, gib mir deine poetische Idee, dunkler Fährmann, meines Gefühls von Grün, das weiter dich noch tragen wird als jeder anderen Welle Wille. Du manchen Träumen schon die Augen schlossest (ich weiß alles von dir, Unbestechlicher!) und sie begrubst, birgst du doch zuletzt die Seele, fährst sie heim, so sanft wie du auch mich auf deinen Armen wiegtest und davontrugst.

Wir reisten auf dem schwarzen Fluss und wir waren allein. In meinen offenen Augen dein Silberlohn, deine Weisheit in meinem Vertrauen in dir geborgen. Du schwiegst und rudertest im ersten Licht vom Sonnenschein mit deiner Fracht auf dem Fluss, hinaus in den kommenden Morgen.

—-

Advertisements

6 Kommentare zu “An Charon (Thema: griechische Mythologie)

  1. Man möchte tonlos ihn mitansingen, wie er stumm uns geleitet, so eindringlich ist Ihre Zuversicht in seinen schwankenden Kahn herauszulesen, liebe Karfunkelige. Woher rührt dieses Verständnis und die Antwort steht in Ihren offenen Staunvokalen gleich dabei…
    Wundervoll, ein Lesegenuß und subkutanes Wogen.
    Herzlichst, die ImmerIhrigDeine.

    • karfunkelfee sagt:

      Wenn einer, dann hat Charon mich Zuversicht gelehrt. Der begleitet mich seit ich achtzehn bin. An diesem Geburtstag bekam ich zwei Texte geschenkt. Den einen hat mein Vater vorgelesen, das war die Desiderata, die Lebensregel von Baltimore (verbreitet von Rev. Frederick Ward Kates). Ich habe sie angenommen in allen Punkten. Der zweite Text war ein Charon-Text. Ich müsste ihn in meiner großen alten Sektkiste mit besonderen Dokumenten suchen, denn im Netz habe ich diesen Fährmanntext nicht gefunden, auch weiß ich nicht, von wem er stammt. Ein Freund las ihn mir vor, widmete ihn mir und gab ihn mir mit auf den Lebensweg. In diesem Text war Charon nicht der grimmige Tod oder Abschied, sondern ein Freund, der sowohl vor zu viel Leichtsinn warnt als auch am Ende mitnimmt und trägt. Der Text berührte mich tief und ich nahm mir Charon an die Seite. Seither bedeutet mir diese mythologische Figur, ähnlich wie der Phoenix, besonders viel. In meinen Träumen verfährt er behutsam und verständnisvoll mit seiner Fracht, so erschreckend er in seinem dunklen Äußeren auch sein mag. Ich zeichnete die freundliche Seite Charons und ich freue mich, dass Sie mitgekommen sind auf den Flussweg, meine Liebe. Herzlichste Grüße und Dank von Ihrer Karfunkeligen

  2. Flowermaid sagt:

    … wenn du in Worten hauchst federe ich in Daunen getragen vom Klang der Düsternis und der Hoffnung… herzlichst vom Blumenkind 😀

  3. karfunkelfee sagt:

    Donnerwetter, lovely Rita, jetzt habe ich Dich angesteckt mit Wortmusik? Für eine Jam Session bin ich jederzeit gern zu gewinnen, wenn es sich um die schöne Sprache dreht. Deine zum Beispiel. Herzlichst zurückgrüßend und einen lieben Dank von der entzückten Fee 🙂

  4. Der Mythos am Rand unseres Begreifens rudert uns dem Unbegreiflichen entgegen. Eine Weile zahlen wir noch einen Obulus, die Silbermünze, damit er uns in einem vertrauten Gewand verständlich bleibt.
    Sehr beeindruckend, wie aus einer äußerlich eher gruseligen Figur in deiner Meditation ein Bringer der Poesie, des Lichts hinter dem Silberschild unseres Verstehens und der Zeitlosigkeit wird.

    Poetische Grüße von

    Michael

  5. karfunkelfee sagt:

    Lieber Michael, Deine poetischen Grüße unterstreichen Charons durchaus dem Schönen empfängliche und versöhnliche Seite, denn die hat er. Als Orpheus in die Unterwelt stieg um Eurydike zurückzuholen, betörte er Charon, so dass dieser sein Fährboot verließ um Orpheus‘ Leierklängen zu folgen. Beim zweiten Mal fiel er auf Orpheus‘ genialen Trick leider nicht herein und blieb stur. Sonst wäre die Sache mit Eurydike vielleicht anders ausgegangen.
    Also ist er ganz so unbestechlich und herzlos ja doch nicht und er ist mit einer denkbar undankbaren Aufgabe im Hades betraut. Er wird in den Sagen als mürrisch und verstockt beschrieben. Klingt nicht gerade nach einem Traumjob bei Bestbezahlung, wenn Du mich fragst.
    Dies alles und noch viel mehr schießt mir bei Gedanken an Charon durch den Kopf.
    Ich danke Dir sehr für Deine schöne Zeilen.
    Sie kleiden Charon trefflich.

    Einen lieben Gruß,

    Stefanie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s