Spiel, Satz….bitte…

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Vor vielen Jahren, als ich noch in der Maschinenbauindustrie berufstätig war, hatte ich eine Kollegin, mit der ich in der gleichen Abteilung zusammen arbeitete. Wir verstanden uns ganz gut, doch wir wurden uns nicht wirklich grün, wenn ihr versteht was ich meine.
Sie war mir zu fremd. Ich anerkannte ihre Leistung, sie war sehr fähig. Doch charakterlich konnten wir nichts miteinander tun, das musste ich einsehen.

Eines Tages erzählte mir der ältere Kollege, mit dem ich ab und zu nach Hause fuhr, weil er die gleiche Wegstrecke wie ich hatte, dass meine Kollegin behaupten würde, ich würde ihre Arbeit versuchen zu dominieren und wäre oft unhöflich. Das traf mich ganz schön und vor allem völlig unvorbereitet. Sie hatte sich bei Kollegen über mich beschwert.

Erst einmal wurde ich stinksauer. Nachdem ich ein paar Tage im eigenen Saft kochte, musste es raus. Ich stellte sie am Feierabend und sprach sie direkt an, was ich ihr getan hätte? Sie tat erst überrascht und fragte mich dann, wie ich darauf käme? Da erzählte ich ihr, dass ich Gerüchte gehört habe von anderer Seite. Ich fragte sie, warum sie mir das nie gesagt habe? Warum sie mich nie angesprochen habe und mir gesagt habe, dass ich unhöflich sei und dass sie sich von mir bedrängt fühle oder dominiert. Ich sei sehr empört und auch enttäuscht darüber, dass sie so wenig Vertrauen zu mir habe.

Dann ließ ich sie stehen. Ich musste da raus, weil ich überlief.

Am nächsten Tag herrschte eisige Stille zwischen uns. Wir saßen uns gegenüber, das war nicht einfach, ich knirschte ordentlich  mit den Zähnen als ich meinen verletzten Stolz und meine gekränkte Eitelkeit überwinden musste. Ich sagte ihr, dass es mir Leid täte, es sei mir gar nicht bewusst gewesen, dass ich so sei und dass ich gern bereit wäre, das zu verbessern. Wenn sie vielleicht im Gegenzug dazu bereit wäre, mir gegenüber weniger herablassend und von oben herab zu sein. Sie nahm meine Worte an. Wir einigten uns. Ich bangte zuerst noch um meinen Ruf bei den Kollegen. Na  ja….Meine Kollegen mochten mich. Sonst hätten die mir das ja nicht erzählt, oder? Ich sprach mit ihnen darüber. Jau, sagte der eine, du kannst eine ganz schöne Zicke sein. Na, ja. So viel zur Kritikfähigkeit. Ich nahm es zwar wie eine Frau aber innerlich heulte und rotzte ich vor Selbstmitleid herum wie ein Kleinkind.

Doch das Arbeitsklima verbesserte sich. Ich weiß, dass ich bei Stress ruppig werden kann wie ein Kerl. Weil ich das weiß, muss ich darauf aufpassen. Ist eine blöde Sache. Ich kann nicht garantieren dafür, dass ich jetzt nie mehr ruppig bin oder unhöflich oder gedankenlos oder unsensibel oder vergesslich oder dumminant (derdiedaswas da oben bewahre…) oder das Gegenteil…doch ich kann mich bemühen und ich kann für mich stehen, weil ich Fehler mache, weil ich ein Mensch bin, aber einer, der nicht nur eigenverantwortlich, sondern auch zu den andern hin arbeiten möchte.

Diese Arbeitskollegin und ich konnten uns nie sonderlich gut leiden. Es lag am Typ, da war wirklich nichts zu machen. Sie war eine sehr distanzierte,  hochkultivierte und überaus gebildete klavierspielende, den schönen Künsten und dem Tennisspiel mit Begeisterung frönende Vorzeige-Blondbrünette mit einer Supertraumfigur und barbielangen Haaren und ich war, na ja…also ich war, ach, lassen wir das lieber….;)
Wir saßen uns gegenüber und gingen uns dennoch wie wir konnten aus dem Weg.
Ein freundlicher Small Talk war aber drin.
Und als ich im Krankenhaus lag, war sie es, die mir wunderschöne Märchenbücher schenkte und eine handgeschriebene Postkarte dazu. Das kam völlig überraschend und es hat sie mir im Nachhinein in einem sehr positiven Licht in Erinnerung gelassen.

14 thoughts on “Spiel, Satz….bitte…

  1. Arabella sagt:

    Eine lehrreiche Geschichte, zu der ich Streuselkuchen reiche.

    Frohe Ostern liebe Fee

    • karfunkelfee sagt:

      Frohe Ostern auch Dir.
      Ein gelungener Streuselkuchen ist eine echte Herausforderung für Backanfänger und eine Leichtigkeit für wen, der gut Kuchen backen kann.
      Ich übte es sehr lange, doch kann ihn immer noch nicht gut, habe kein gutes Händchen dafür.
      Wenn sich wer einen Kuchen von mir wünscht, versuche ich mich wieder daran. Ostern zum Beispiel. Kein Streuselkuchen, der gerät mir immer zu hart und zu trocken.
      Lieber eine Obsttorte auflegen. Mit Schlag-Sahne.
      Keine große Kunst, ich beckleckere mich überhaupt nicht mit Bäcker-Ruhm dabei.
      Ist mir jedoch egal.
      Hauptsache, es schmeckt allen gut.

  2. karfunkelfee sagt:

    Nee, für meinen Sohn wären die Äpfel garnix. Er würde jeden Apfelschnitz aus Deinem Gesamtkonstrukt polken, so wie meine Tante Rosinen, weil diese sie an tote aufgeblähte Fliegen erinnerten, wie sie mal entschuldigend sagte. Neben ihrem Stück Kuchen lag immer ein Häuflein Rosinen und es war für uns alle eine Herausforderung, ihr zuzusehen, wie sie den schönen Kuchen akribisch sezierte…Operation gelungen, Patient tot…
    Man kann es niemals allen Recht machen und das ist leider so. Ich könnte mich dem Backen verweigern, ich könnte sagen: ich kann das nicht und es delegieren. Der hätte dann aber auch die Arbeit und ich hätte mal wieder gekniffen.
    Nö.
    Dann grade nicht.
    Ein Kompromiss.
    Obsttorte mit Schlagsahne statt Frankfurter Kranz.
    Mein Sohn nicht da.
    Sonst hätte ich dem noch einen Fertigbackmischung-Schokokuchen fabriziert. Wegen seiner Obstantipathie.
    Das krieg ich gerade noch hin…

  3. karfunkelfee sagt:

    Oh ja…das ist gut…zu wissen.

  4. finbarsgift sagt:

    Solche Arbeitsplatz-Geschichten habe ich auch reichlich hinter mich gebracht…
    Angenehm, die Überraschung am Ende deiner Geschichte…
    Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

  5. Flowermaid sagt:

    Eindeutig Matchball für dich…😉

    • karfunkelfee sagt:

      ..und das, obwohl ich überhaupt kein Tennis kann und meine Aufschlagsbälle dank meiner Unkenntnis der Ballistik und geradezu völliger Talentfreiheit beim Anvisieren und Zielen mit irgendwas in irgendwas mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo im Strafraum abseits des Courts landen würden. Wahrscheinlich mitten in einem Hundehaufen bei der Technik und dem Glück, das ich bei solchen Aktionen an den Tag lege…;)

  6. Clara HH sagt:

    Ich habe diese deine Geschichte seit Erscheinen mir im Feedreader gelassen und schon einige Male gelesen, weil ich mich nicht so richtig durchringen kann, was ich sage. Ich entdecke Ähnlichkeiten und dann wieder nicht.
    Hätte ich einen besseren Zahnbefund, ich würde schon ab und zu mal in die Tischkante beißen, um Ärger und anderes zu verarbeiten – doch es würde sicher auch nichts bringen.
    Du sollst nicht drunter leiden, denn du kannst nichts dafür – du bekommst viele und vor allem liebe Grüße

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