Zwischentöne


In jedem Sonnensprenkel fand ich Klang und Ton in meiner vagabundierenden Obsession. In losen Klavierfolgen sternte ich die kleinen weißen Blüten wach und sog in der vom Regen gereinigten Luft herb linnenen Schlehenduft wie ein Lächeln auf eine Frage ohne Antwort. Sang dabei dem Ort einen geborgten Morgen, der ein spontanes Zeitfenster in den Ideen von dir schuf und erweckte. Es war mir, als ob dieser vermaledeite Kuckuck mich obendrein auch noch neckend rief, doch vielleicht träumte ich das auch nur. Als schliefe meine innigste Natur im satt getränkten Moos auf einem Stein und wurde zum stecknadelkopfgroßen Bauchgefühl in deinem komplexen Dasein. Meine Seele der Spiegel dieses Sees zu meinen Füßen. Tiefblauer Grund lässt sich von Bachwasser speisen und ineinanderfließen.


Hellgrün das Jung, asiatisches Aquarell führt den Blick zum Quellgrund. Steil und schräg umwalden gold gelaubte Ufer raschelnd grüne Blattpunkte, getupft zwischen Zweige. An diesem Ort neige ich mich hoch zu dir. Und ich vertraue dir an: genau hier starb vor langer Zeit eine Hoffnung, sie ist eine herzliche Erinnerung.


Die Stille dieses Schutzgebietes nordet mich neu ein, sie will mir ein heiliger Kraftort sein. Mir schmutziger Religionsfreier, mir dunkler Lichtfrau. Ich nehme es nicht so genau mit Dogmen. Ich glaube an die Sonnenkraft und daran, dass Licht Leben schafft bis es uns dahinrafft, uns ewig unser Glück im Lebenszweck Suchende. Dieser See liegt vor mir wie ein offenes bewegtes Buch, an diesem besonders beliebigen Tag aufgeschlagen.

Die dicken Karpfen sehen mich am Rande stehen und treiben glasig hoch. Gleich schwarzen Stämmen ziehen sie unter dem Wasser her wie unter einem blank gehämmerten Silbertuch. Es war ein Bild, es stellte dar bewegtes Meer im Kleinen. Dessen Unruhe dämmte mich schließlich ein. Ich wurde eins mit ich und du. Das Licht spielte ruhig mit dem Wind in den Ästen. (Unnötig zu betonen, dass es ein Westwind war, ist klar…) Nur eines wichtig: Ich war dankbar, meine Schwärze in diesen lichten Moment zu gießen, dabei zu wissen, dass er meine große Nacht ganz in sich einspiegeln konnte, weil er groß genug dafür war. So groß, dass sein Helles mein Dunkel überlichtete, meiner Sehnsüchte  Lärm in seiner windigen Stille verwahrte. Manche Momente wie zarte Sonnensprenkel, auf der Wege blühendem Klang. Lose Klavierfolgen in melancholischem Überschwang begleiten meine Schritte, meine vorsichtigen und umsichtigen, doch dabei nachdrücklichen Tritte. Fühle mich blühen, in mir dieses tiefe unablässig dunkelrot heiß sengende Glühen. Minimalistisch klein reduziert im Rotpunkt des ersten Morgenfrühen in seinem leicht melancholischem Beginn in jenem Moment wenn die Sonne aufsteigt. Zeigt sich der Zauber der Zwischentöne in einzeln verklingenden Sonnensprenkeln auf  vertrauten Wegen immer wieder  in scheinbar unwillkürlich gesetzten Akzenten. Da war es wieder das Leben, das mich in seinen schönsten Liedern berührte und umfing. Will sagen, es war erst Tagesbeginn. Im Spiegel des Sees verschwamm friedlich Sinn, Sein und Sorge, das Wasser umspielte meine Füße kühl und sacht. Ich legte alles Gefühl in die Melodie dieses Pianomorgens. Dabei habe ich in mehreren losen Folgen auch an dich gedacht.

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10 Kommentare zu “Zwischentöne

  1. disputnik sagt:

    Ein wunderbarer Spaziergang mit Klavierklangtropfen und zartwarmer Melancholie… Danke fürs Teilen und Mitteilen…

    • karfunkelfee sagt:

      Sehr gern. Ohne dieses spezielle Musikstück hätte der Text so nicht werden können…
      Ich habe ihn danach ausgerichtet. Auch deine Geschichte ging mir dazu im Kopf herum, der tiefere Sinn dahinter. Das ist etwas sehr schönes beim bloggen finde ich: Es begegnet Dir so viel Neues, jeden Tag. Manches einfach nur lesen und genießen und manches initialzündet auch und denkt dich weiter. Wirklich fein ist das.
      Lieben Gruß und Dank

  2. Flowermaid sagt:

    Schön war es mit dir dort zu stehen und den Ort mit deine Worten zu erfahren…

  3. Wunderwunderschön☆♡☆

  4. Ulli sagt:

    Wie gerne ich gerade mit dir in den neuen Tag gewandert bin, Westwind im Haar, Ostlicht im Auge, ganz Nord und ganz Süd, dazu klingt diese traumhafte Musik von deinem folgendem Post … und ich gestehe, nun möchte ich tiefer eintauchen, mehr hören und darum kümmere ich mich bald! Ich danke dir und grüsse dich herzlich
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Ulli, tauche ein bei mir und flieg ein Stück weit mit dem Westwind in meine Zeit, in der laufen Sekundentropfen rückwärts, das Kinderkönigreich ist ein spiegelverkehrtes Weltlabyrinth. Ich reiche es Dir gern zum Stöbern. Den goldenen Schlüssel dazu hältst Du schon länger in Deiner Hand, so, wie ich Deinen, den Deine kleine blaue Frau mir freundlich reichte und mich einlud. So etwas braucht eine besinnliche Weile, die sind mir auch oft viel zu selten.

      Die Musik von Arvo Pärt, dieses Stück…spricht mir zutiefst aus der Seele. Darin fließe ich…
      so entstand der Text.
      Ganz lieben Dank fürs hier sein und Gruß von Stefanie

      P.S. Ich war heute auf dem Berg. Visionssuche. 7 km… Ich habe wunderschöne Bilder geschossen. Die Tochter hat mich begleitet. Ertragreiche Gespräche geführt, einfach fein so etwas wie dieses Naturjuwel vor der Haustür haben zu dürfen…

  5. Endlich, endlich nehme ich mir die Zeit, Deinen sachten Spuren zu folgen. Will ganz stille Dir nachfühlen und heile Luft vertikal athmen…

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