Wilde Rosen

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Arm, die nicht träumen können in wachsenden Briefen. Die anderer Trauer und Weh als Schwäche verstehen für sich selbst. Auf die Auszeichnung einer Gnade hoffend, die sie inständig für andere beten lässt. Demütig halb ertrunken unter mildtätigen Tritten krümmt sich dieweil der Schatten des kleinen Schicksals mühselig wieder hinauf. Den ganzen Sommer lang treibt er, singt in der Sonne Rebellenlieder als ob dies irgend etwas änderte an der Dinge Lauf. Der Narr fängt dennoch demütig voller Reue von vorn an, für das Dunkel der Geringschätzung ist er zu blind. In aller Unschuld lebt das Kind unbedarften Vertrauens. Die nicht träumen können, werden dies nie erleben, die erbittert dem  Leben nachstellen wie einem fliehenden Wild. Denn was jagt, kann sich nicht ausliefern, meinen sie und finden dieses Bild auch noch erbauend.

Heim in die Liebkosung tunkt dieweil der vertriebene Narr sein Haupt in den seltsamen Atem der Ruhe. In die Bläue der Tiefen, verschwendet er sich an Mondzeiten, offenbart sich in Vogelschreien. Schlief das Licht der stillen Sterne im erregenden Wind zeitlos gesund, blüht über Angst, Flut und erschüttertem Grund das kleine Schicksal gut. Umsteht die wilde See als sei er eins und vieles, wagemutig zu gleicher Zeit wie scheu vor Angst. Der Narr, das ewige Kind, von seinem zagen Bangen nichts hören will, er kennt es schon lange. Folgt der verlockenden Gunst seiner Ziele weit hinaus, stürzt sich nieder in wilde Rosen, kämpft um das was er träumt. Steht mit unaufgeräumten Augen auf dem leeren Bauplatz bis er wieder ein glückliches Haus sein darf. Übt sich leuchtend in Wundern vor. Die ohne Träume, lachen über den armen Toren nur, sind sich Zuflucht genug in ihrem schnellen Vergessen. Erheben sich gemäß der Wichtigkeit ihrer Anlässe und finden überhaupt Narren sehr vermessen. Wer will ihrer Vernunft schon widersprechen? Währenddessen der Narr küsst und trinkt und atmet den süßen Lohn seiner Begierden Fron, es ist ihm nie genug. Umarmt im Blick seiner Goldsalamanderaugen sogar den kalten toten Stein, der ihn schließlich erschlug. Doch starb in Liebe und Frieden. Denen, die nicht träumen können, ist anderes beschieden.

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9 thoughts on “Wilde Rosen

  1. Arabella sagt:

    Narren werden unterschätzt, für mich sind sie die wahren Helden.

    • karfunkelfee sagt:

      …und für mich…
      …willst Du auch eine Schelle von meiner Kappe haben…?

      …gülden gülden Narren-Glöckchen …klingele mit Mut…wer wie die Spatzen Gedichte von Dächern pfeift , reift wie Wein und liebt gern gut…😉…

      • Arabella sagt:

        Ich hab ein Lieblingsbuch, “ Des Königs Narr „,mein Sohn trägt den Namen des Heldens daraus.
        Ich habe also einen eigenen Narren<3

  2. „Die ohne Träume, lachen über den armen Toren nur, sind sich Zuflucht genug in ihrem schnellen Vergessen.“…Ein grandioser, poetischer Text, der mich stellenweise sehr an den Schreibstil Hölderlins erinnert.

    Gruß Constanze

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Constanze…der Hölderlin…von dem ich nur so wenig kenne, nur eine Handvoll Gedichte, ich denke, den werde ich auf Deinen Verweis hin jetzt unbedingt lesen. Ein Artverwandter, vielleicht so lieb und teuer möglich wie mir Ingeborg Bachmann oder Tucholsky ist.
      Ich hab den Hölderlin bislang zu wenig gewürdigt und ich mag seine Lyrik sogar sehr…das, was ich kenne.
      Ich freue mich riesig über Deine Worte, lieben Dank…
      Dieser späte Frühling fühlt sich gewaltig und drängend an vorm schnellen Sommerlauf. Wie viele liebliche Tage bleiben, bis die große Wärme kommt, frage ich mich? Ganz nach Narrenart…
      Gruß, Stefanie

  3. Flowermaid sagt:

    … wahnsins Bilder hast du gerade durch meine geistigen Augen gejagt… wie du mittlerweile weißt mache ich mich auch immer mal wieder gern zum Obst…

  4. Sein Briefroman „Hyperion“ beispielsweise ist ein einziges großes Gedicht. Über den Frühling heißt es darin:“…so flog und sprang und strebte jedes Leben in die göttliche Luft hinaus,…und was die Erde festhielt, dem ward zum Fluge der Schritt,…“

    Nochmals herzliche Grüße
    von Constanze

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