Midsun (21.06.2016)

 

In der Mitte angekommen, gelingt der Wechsel des Fahrradreifens nach Anweisung schon beinahe perfekt. Das Ziel ist es, ihn selbständig wechseln zu können. Auf der Straße Regenschleier und Sonnenspitzen in regem Wechsel, der Wald duftet nass. Trag nicht so schwer an der Ungeduld deines Herzens. Hadere nicht mit dem Fahrbahnbelag, dass er nass und schmierig voller Schlaglöcher sei. Statt dessen bemerke den Passcharakter zwischen den Bergen auf der Höh‘. Wie gut, dass es Passwege wie diese gibt. Wohlvertraut, das Liebkosen der bergigen Sommerwiesen. Schon blüht erster roter Mohn zwischen Gräsern. Die Zeit flieht und nun an Midsun, steht sie für eine Weile still. Leg ab die Uhr vom Handgelenk und lasse das Stehen der Unruh zu. Deswegen braucht du sie nicht zu schütteln wie verrückt, denn sie ist nicht kaputt. Sie wird erst weitergehen, wenn du sie dir anlegst und ihr Bewegung befiehlst. In der unruhigen Nacht träumst du von von leichten Rädern im Fang der Geschwindigkeit. Das Fenster steht einen Spaltweit offen, die schwere verregnete Luft erfüllt den Raum. Die drei Pfingstrosen haben sich geöffnet und verströmen ihren Duft. In der Mitte angekommen ist der Mond voll und leer zu gleicher Zeit. Die junge Unreife treibt tieferes Grün um den brennenden Kern. Das Jahr hat sich in der Mitte eingepegelt, es ist die Zeit des höchsten Sonnenstandes. Du legst die Unschuld gepflückter Blumen als bloße Opfergabe unter dein Kupferhaarkopfkissen, doch dies erst nach dem letzten Tanz und dem daran anschließenden schönen Vermissen.

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8 Kommentare zu “Midsun (21.06.2016)

  1. Flowermaid sagt:

    … ich kann nicht schlafen, dieser Zustand macht mich fertig, das war meine Version… deine ist vielschichtiger, sinnlicher und traumverlorener beschrieben… 😉

  2. Meine liebe Karfunkelige,

    so tief beschrieben und so klare Bezüge auf das eigenen Sein, ich möchte heute Nacht auch Blüten unter das Rabenkopfkissen legen als Huldigung an den kürzesten dunklen Tanz. So unruhig die letzten eingesperrten Nächte, ach, könnte ich doch diese mittsommerige draußen Frieden finden.

    Deine Worte rühren mich an, sie vermitteln ein ahnendes Bedauern ohne in Traurigkeit abzukippen. Danke dafür und wenn heute in der Dunkelhelligkeit ein Wispern Deinen Vorhang bauscht, das sind meine Herzenswünsche, die den Hermann rechts liegen ließen, um nur bei Dir und Deinen Lieben zu landen.

    Alles Liebe, Deine Käthe.

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