An einem Sommermorgen wie diesem 

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Noch Traum noch du darin dein armseliger kleiner Vorstadtkrieg und dann das frühe Ende der vorzeitigen Nacht, die salzverklebten Augen, im Kopf hebt gerade eine Boeing 747 ab, es ist eine Entführung, muss eine sein, ein Terrorakt und der islamische Staat ein untherapierbares Kind mit mindestens ADHS und hyperkinetischem Stressyndrom zusammen, zum Kuckuck, schreit Freud, alles ist therapierbar, verdammt noch mal alles und Osama Bin Laden kam als Kind nicht über den Verlust seines Lieblingskamels hinweg und verfluchte Allah dafür und das ist der wahre Grund für das Zurückbleiben des demografischen Wandels beim islamischen Staat. Alles ist zu verstehen, ist Psychologie und Alma Mater kotzt im Moment bloß noch und niemand will was davon wissen und alle wollen shoppen gehen und auf faltenlosen Events spenden gehen und dabei positiv denken bis es auch den letzten Arzt die abgeschriebene und geklaute Dissertation den schnell im Internet fratzenverhetzten Ruf kostet. Nach den Nachrichten das echte und ehrliche Erwachen dann noch einmal aufs Neue und dann das Setzen und den Kopf von vorn und hinten mit den Händen festhalten, der Schrei von Edvard Munch werden, doch keiner, der fassungslos seine Verzweiflung mit zugehaltenen Ohren herausschreit, sondern einer mit gefletschten Zähnen wie ein wütender Affe. 

*

Der Kupferkessel ist blank poliert, er schimmert und spiegelt rosagolden meine klitzekleine Welt wider. Ein Gefühl des Erkennens, die groteske Wahrheit neuer Toter und das viele Nachdenken der anderen. Eine tote Motte auf dem Küchentisch. Irrsinnigerweise heule ich um ihren Tod, er ist im Moment noch ein Zehnfaches größer als sonst. Ich bedecke den Winzling, leichter Aschehauch mit Beinen mit einer Träne und bestatte ihn dann respektvoll in meiner leeren Kaffeebohnentüte; tu noch eine Rose bei und einen Lavendel. Die tote Motte wiegt ganze Menschen auf, ist mehr als eine Kerze, wird mehr als klein, ist ein Schocksymbol. Dann besinne ich mich und lege sie so respektvoll es mir möglich ist zum Müll. Zünde mit Kleinkindgedanken die Kerze neben Buddha an und frage ihn wohl zum tausendsten Male welche Farbe Allah hat und ob Wahnsinn nach alten vertrockneten Popeln schmeckt. Heute wünsche ich mir ein Miniquantum vom extra heilenden bitteren Handal konzentrierter Wüstenweisheit auf meine offene Wunde, damit sie sich schnell schließe. Dann mahle ich die frischen Bohnen, die ich in einer 100 Jahre alten knallrot lackierten Kaffeemühle zermüllere und in einer italienischen Kaffeekanne auf dem Herd dampfbrühe und schwarzcremadolce auf dem Balkon im Schaukelstuhl genieße. Trendy fühlt sich heute zeitlos. Lieblingsweise ist es dabei Sommer, der Lavendel umhaucht die Peripherie der Blumenoase, die Vögel piepen, erste Sonne flasht mich mit Morgenrot bis ich brenne vor Seligkeit. Nur ein Augenblick davon weidet mich bis ich wieder jung und grün genug geworden bin, um diesem Weltwahnsinn standzustehen einer verlorenen Ordnung denkend und dennoch dankbar für eine Ordnung in ihrem kleinsten Maßstab und Motiv. Eine Gesinnung in vielen zu sein, sich in den anderen mit Vertrauen bergen im Mut einander gut tun zu wollen. Nein. Sie stehen leider nicht wieder auf. Es ist kein böser Film, es ist kein Videospiel, es ist kein Alptraum. Es ist das Gespenst des Friedens, der leibhaftige Spuk einer entarteten und pervertierten Realität, die von Geld regiert wird. Doch ringsum stehen andere mit offenen Augen, sie sehen und hören gut, sie sind wachsam, es sind die Gefährten, die Verbündeten. 

Es ist Sommer und für einige Menschen wird es der traurigste Sommer ihres Lebens werden. Mein Herz ist groß und weit genug, damit alle darin Platz finden. Ich mache Ausdauer- und Kraftsport, damit sich mein Herz weitet und wächst, damit ich stark genug werden kann, um jeden, der es sich wünscht unter die Fittiche zu packen und mitzunehmen und sei es in den Morgenmoment meines ambivalenten Sommermorgens, in eine friedlichere Stimmung als diese, die aus politischen Köpfen Rauch- und Stinkbomben macht. Es ist gleichermaßen schön wie grausam um meine Unwissenheit zu wissen. Darin ruht jede Menge noch unbewusstes Kraftpotential. Es findet sich Wasserperle zu Wasserperle zum perpetuummobilen Weltspiegel in einem limnischen System an einem Sommermorgen wie diesem.

18 thoughts on “An einem Sommermorgen wie diesem 

  1. finbarsgift sagt:

    Ein derart packender Gezeitenbericht!

    Die Wellen des irdisch-unmenschlichen Ozeans schlagen hart zu, an Land,

    und zertrümmern unter der sengenden Sonne alles, was sich ihnen zu sehr nähert,

    sie kennen kein Pardon, nirgendwo!

    Toll geschrieben, liebe Fee, dein Text hat einen fantastischen Flow…

    Hab einen schönen Tag, Lu

    • karfunkelfee sagt:

      Lu, das hab ich gestern Morgen um drei Uhr in der Frühe geschrieben. Konnte doch nicht so gut schlafen wegen dem blöden Husten…
      Als ich das heute Morgen noch einmal las, erschrak ich erst einmal. Weil sich da so viel auf einmal losgetreten hatte und ich auch wieder spürte, wie sehr ich mir Gemeinsamkeiten wünsche und wie wichtig es ist, die winzigen Momente im Fluss zielsicher herauszugreifen und sich davon glücklich durchdringen zu lassen. Sie sind wichtige Wegzehrung. Ich hab so viel Gutes in den blogs gelesen. Das Echo darauf ist ein Sommermorgenecho mit frisch aufgebrühtem Kaffee und Gedanken an wunderbare Menschen. Die sich stark machen füreinander und Worte finden für etwas, das fassungslos macht. Es ist eine Form der Stärke, genauso wie die Tagespoesie, La Belle de Jour, damit das Kämpferherz überdauert, wenn die Muskeln mal lahmen…

      Deine Worte haben mich riesig gefreut. Ich stand dem Text nämlich etwas ambivalent gegenüber, weil er so viel Widersprüchliches zusammenbringt und im Kern manchmal zynisch ist. Ich mag doch Zynismus nicht….und doch ist er manchmal in mir und mein Lachen ist verzweifelt. Gegen Wellen steht man am ehesten an, wenn man sich bis zu den Knöcheln in den Meeresboden mit den Füßen bohrt. Probier das demnächst mal aus, es ist ein schönes Gefühl, vor allem, wenn die Wellen mal etwas höher schlagen. Ich wünsche Dir ebenso einen schönen Tag, Deine Fee

      • finbarsgift sagt:

        Ich freue mich auf die hohen Wellen dort vor Ort, es ist für mich heaven on earth, jedes mal ein Wunder🙂

        Und diese Wellen haben für mich nach wie vor eine zauberhafte Heilkraft…
        eine integratiefe…

        Und eine solche benötige ich dringend für ein paar Wochen,

        sonst verliere ich immer mehr den Glauben in die Menschheit und der Zynismus packt mich wieder am Schlawittchen…
        wie schon mal vor einigen Jahren…

        Bonjour liebe Fee!
        Herzliche Morgengrüße vom Lu

      • karfunkelfee sagt:

        Lieber Lu, ein guter Plan. Wenn Du Dich in die Vergangenheit denkst, denk dreidimensional. Wer waren damals Deine Freunde und wer sind sie jetzt? Dann vergleiche den Ort der Vergangenheit mit dem Deiner Gegenwart. Nimm hinzu, was sich bei Dir positiv verändert hat. Dann lass die Wellen herankommen und jede wird ein kleines Glück sein.

        À bientôt, mon cher ami ✨

      • finbarsgift sagt:

        Welch wundervolle, kluge Worte für den dreidimensionalen Shift von der damaligen Raumzeit in die heutige, liebe Fee,
        Herzlichen Dank dafür!
        Bonne journée, ma chère amie 🎆🎈🎆

      • karfunkelfee sagt:

        …pour toi aussi, mon ami…✨

      • finbarsgift sagt:

        🌟🌠🌾🌾🌾💫✨

  2. meertau sagt:

    ein herrlicher Text, atemlos und auf dem verzweifelten Punkt !!!

    • karfunkelfee sagt:

      In aller Verzweiflung will ich einer kleinen verklärten Wirklichkeit einen Raum lassen, indem sie bunte schöne Blüten treiben darf. Danke für Ihre Worte, liebe Frau Meertau✨

  3. Ulli sagt:

    Liebe Fee, auch bei dir lese ich das Schöne und das Schwere zu gleichen Teilen. Bemühung um Balance, die die Welt nicht mehr kennt. Es kostet (mich) gerade viel, zu viel Energie, die Wippe in der Waage zu halten. Wie schön es gestern mit den Enkeln war und dann schaue ich in ihre Mittagsschlafgesichter und seufze leise … vor Glück und wegen dem Ist.
    Heute ist Schmerztag, schade!
    Herzliche Grüsse und Heilesegen für den Husten
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Ulli, ich würde jetzt am liebsten „Montag ist Schontag“ sagen, ich bin leicht übermüdet und mein Geist dreht sich in schlingernden Ellipsen…es ist jedoch schön warm draußen und das genieße ich. Darauf kommt es bei allem an…sich Kraft und Energie zu ziehen, wo immer es möglich ist. Es ist keine Schande, selbst wenn man traurig ist, zu versuchen, sich aufzuheitern, es ist sogar lebensnotwendig. Diese kleinen Schlafgesichter mit ihren Engelslächeln. Wie gut ich mich bei meinen eigenen Kindern daran noch erinnere…doch auch Erwachsene lächeln unwillkürlich (und hinreißend) wenn jemand sie im Schlaf an der Wange streichelt. Danke für deine Grüße und den Heilesegen, der kommt mir wie gerufen! Ich wünsch Dir, dass der Schmerz schnell vergeht…genauso wie der Tag und dass der folgende schmerzfreier wird. Alles Liebe karfunkelnd, Stefanie

      • Ulli sagt:

        Deine guten Wünsche nehme ich gerne, was das nur wieder mit den Schmerzen ist. Sie kamen einfach angeflogen. Müde bin ich auch. Sommergrippe? Keine Ahnung. Ruhepause, jaaaa!

      • karfunkelfee sagt:

        Schontag…Pause und Schonung ist wichtig. Ich gehe heute meine Arbeit langsam an, recherchierte und schrieb Artikel am Wochenende. Das spüre ich heute…das Brain braucht büschn Erholung, gekühlte Ingwer-Shots mit Rapshonig und alles schön lentement angehen lassen. Du auch…✨

  4. Clara HH sagt:

    Liebe Fee – mein Handagelenk und noch einige andere Stellen des Körpers signalisieren mir, dass ich eigentlich nicht tippen sollte – aber dieses Konglomerat aus Schmerz und Hoffnung musste ich lesen, musste ich antworten. – Nicht München macht mir die großen Probleme, sondern die vielen, vielen anderen Herde, die ganz viele Opfer fordern und die bei uns in den Nachrichten gerade noch mit einem Satz erwähnt werden. Offensichtlich haben sich viele schon an die Gewalt gewöhnt, so lange sie schön weit weg von ihnen ist.
    Dein Balkon ist ein Pflanzenwunder, besonders der große „Monster“topf – traumhaft.
    Mit dir husten will ich nicht, aber mit dir wachen gerne!

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Clara,
      War es nicht schon immer einfacher wegzuschauen als hinzusehen? Ist der Mensch nicht schon immer ein Sklave seiner Bequemlichkeiten und Gefühle? Überwiegend…
      Natürlich sehe ich das was Du ansprichst genauso…zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig sachliche und ungefärbte Aufklärung über die Faktenlage. Ich bemühe mich in meinen Artikeln um Sachlichkeit, sie ist mir ungemein wichtig. Die Menschen die ich interviewe haben Schönfärberei nicht nötig. Sie sprechen durch sich selbst und durch das was sie tun. Diesen Respekt bin ich ihnen in meiner journalistischen Tätigkeit schuldig. Mein Balkon ist die pure Weltflucht. Meine antiken Gartenzwerge beschützen diese kleine Oase vor dem Chaos in der Welt. Es ist ein echter Feenort und wer ihn besucht, soll immer Kraft und Erholung dort finden. Hugh, ich habe gesprochen!😉
      Mein Husten ist auch ein Erschöpfungsmerkmal. Ich hab viel gearbeitet, wenig geschlafen, viele Kindersorgen abgekämpft. Die Feenflügelchen hängen etwas auf Halbmast…ich bin so müde…
      Darum Danke und Du, schreib bitte nicht, wenn es Dir nicht gut tut, das befürworte ich nicht und dann zieh ich Dir Deine Ohren lang so wie jetzt…😎…denn wenn ich schreibe, schreib ich los und trete mich frei und das ist so ein Befreiungstext. So gesehen geht es mir, wenn Du liest, schon wieder gut😊…
      Dir…lieben Gruß✨

  5. Flowermaid sagt:

    … was du da immer Lyrisch/Prosaisch rausrotzen kannst ist wie ein verbaler Tornado, reinigend,appellierend und auf sich besinnend…

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