Dann wieder August

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Dann noch einmal August
die blauen Vögel flogen
zu hohen Eichen hinauf

wir saßen vorm geliehenen Haus
als sei ein Leben füreinander
noch nicht genug
jeder Tag ein Jahr
jede Stunde ein Marathonlauf
dem unsere begrenzte Zeit
ein ums andere Mal
die Umstände um
geringste Längen schlug

Dann fallen noch einmal Sterne
aus alten Bildern ins geschenkte Grab
wir sagen wir hätten uns
groß oder gerne
wir loteten bleischwere Erkenntnisse
in unbekannte Tiefen hinab

bis zum Herbst im Winter
die alten Bäume gefällt
die blauen Vögel gepfählt
das Haus leer zerfallen
einsam der Wind hetzt in allem.

Dann schon wieder August
tiefblaue Regenpfützen
sternübersät die Wiesen
das blatte grün
wie nur noch geliehen
in Erinnerungen vor der Brust
Dieses immer wieder
Ansichziehen

11 thoughts on “Dann wieder August

  1. Flowermaid sagt:

    … ich falle mit, in und diesen Worten… und wieder ist mein Geburtstagsmonat da…

  2. Dieses immer wieder Ansichziehen, das ist doch existenziell wichtig. Wie könnte man sonst die Pfählung der blauen Vögel ertragen und die einsamen Winde?

    Fein ist diese Lyrik und schwertuchig, sie könnte Melancholias Silbenstola sein.
    Danke fürs Sein und Schreiben, Deine Käthe.

    PS: War’s die Ruhe vor oder nach dem Sturme? Obgleich, egal wann, Hauptsache es gab die Ruhe…

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Käthe, meine Gedichte können ganz schön komisch sein. Dies ist so eins. Die blauen Vögel wurden in der Vergangenheit gepfählt, das ist richtig…und der Wind hetzt immer noch einsam in den Ruinen der Erinnerung. Doch in der Zukunft gibt es grüne Bäume und die Kinder der Toten beleben ihr Laub. Liebe ist unsterblich, sagt das Gedicht. Wenn man sie so sein lassen will und kann. Dies geschieht in dem Moment, indem man ein neues Haus beginnt zu bauen, aus Trümmern und mit der Hoffnung auf friedlichere Zeiten.
      Ein Anflug erster leiser Herbstmelancholie legt Worte in Altgold auf Maiengrün.
      Deine Worte tun gut, danke…
      Sternchen zu Dir gefunkelt, heute Sonne und Ruhe, ja…✨für Dich auch…✨

      • Ganz schön komisch? Ganz schön schön, liebe Karfunkelige! Und lasse ruhig die Melancholia ihrer Sommerliebe noch nachsinnen, sie braucht noch Warmsturmregen und Hitzewind, Pfützenpatscherey und ja, auch Draußentanzwut in den Hüften bis die Abende sich tiefer neigen…

        Ruhepulsende Grüße von Deiner nackenbesonnten Fernnahfreundin Käthe.

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