Augustlektüre

Manchmal geschieht es, da kommt ein Buch ganz unverhofft als kleines Geschenk daher. Im Umschlag aufgeklappt, als wolle es sch0n beim Ankommen einladen, darin loszulesen. Als ob ich nichts anderes zu tun hätte als mich mit leidenschaftlichen und unkonventionellen jüdischen Müttern herumzuschlagen. Natürlich lockte das Leseding. Und ewig lockt das Weib. Angelika Schrobsdorff ist auch eins und schreibt als Tochter über das Leben ihrer nicht-alltäglichen Mutter Else Kirschner. Auch den Wallace Stegner mit seiner Zeit der Geborgenheit kann ich nur sehr langsam lesen, weil es zu den Büchern gehört, die es einfach wert sind, so viel tiefe Poetik, wie in ihnen enthalten ist, so viel, wie ich daraus lernen kann. Als Autorin hängt man auch immer von dem Umgebenden in wesentlicher und beeinflussender Weise ab. Eigentlich ist man angewiesen auf Mentoren, liebe nahe Menschen, die mit dem, was man schriftthümlich so verfasst, klarkommen und gern auf Tuchfühlung gehen. Das kann inspirierendes Brainstorming sein. Wer so etwas hat, dem sei gesagt, dass das wirklich etwas sehr Schönes ist. Ich bin hingegen ziemlich autodidaktisch unterwegs. Mir lief schon lange niemand mehr über den Weg, der Lust hatte, auch mentorisch einzuwirken. Mir in manchem kritisches Feedback zu liefern, wo ich stilistisch noch Wachstumsbedarf und Schulungsnotwendigkeit zeige. Das finde ich zwar sehr schade, doch da es nicht zu ändern ist, nehme ich mir als Mentoren ein Beispiel an den großen lebenden oder toten Vorbildern, die mich in dem, was sie schufen oder noch schaffen, bewegen und berühren.


Ein solches Buch wie das von Angelika Schrobsdorff kommt wie ein arbeitsexemplarisches Geschenk daher. Es lädt mich dazu ein, es auf noch andere und sehr beobachtende Weise zu erkunden.  Mit dem alten Mont Blanc Druckbleistift meines Großvaters randverziere und unterstreiche Sätze oder ganze Passagen. Schreibe eigene Gedanken daneben, Impressionen und Eindrücke.  Ich bin dabei, mir im Internet etwas Wissen über Angelika Schrobsdorff zu suchen. Die Bücher, die mir geschenkt wurden, völlig egal, ob sie gebraucht oder neu waren, ob sie Arbeitsexemplare mit Randnotizen geworden sind oder Schmuckstücke wie der dicke Dante auf meiner alten geschnitzten Truhe, halten besondere Plätze inne, an denen ich sie schnell wiederfinden kann wenn ich sie brauche. Ein Buch so wie früher zur reinen Unterhaltung zu verschlingen, finde ich leider weder Ruhe noch Zeit. Dazu drängt mich der innere Schreibtrieb zu sehr, verwende ich zu viel Zeit auf das eigene Schaffen. So gesehen, lese ich sehr konzentriert und langsam, eher genussvoll und mich voll auf das Thema einlassend, oft und immer gern auch kürzere Texte, dafür umso intensiver.

Einiges fand ich in den allgemeinen Blogthemen über die Einsamkeit. Der Spätsommer naht, das macht die Gemüter empfindsam. Der noch einmal prächtige Sommer mit den ersten spätsommerlichen Nuancen bringt mit den tieferen Farben im Licht auch erste Herbstgedanken. In diesem Sommer fehlten mir die Glühwürmchen und die lauen Spaghettiträgernächte. Ein Nachtspaziergang, leicht bekleidet in lauer Luft. Es war im Juli durchgängig zu kalt und zu regnerisch dafür. Auch die Perseiden entzogen sich meinen suchenden Blicken. Sie fanden wohl woanders statt als in Bielefeld. Nun gut. Bielefeld gibt es ja auch gar nicht wirklich. Sonst könnte ich schließlich auch keine Fee sein, sondern wäre vielleicht etwas ganz anderes. Von den anderen magischen Dingen in und um Bielefeld herum fange ich erst gar nicht an. Amerika hat Bielefeld einmal versucht, in der Serie „Twilight Zone“ zu beschreiben. Gelang ganz gut, wenngleich auch gänzlich unwestfälisch.

Jetzt, an diesen Augustabenden geht es nicht mehr länger ohne Strickjacke. In der Sonne spielt mehr Rot als im Monat zuvor und der Zeitunterschied des Untergangs wird im früheren Abenddunkeln fühlbar. Das Licht gewinnt an tiefer Pracht, am gestrigen Abend zog sich eine feurige Spur durchs Blaue. So beeindruckend ich den bevorstehenden Herbst auch finde, zieht mich bislang wenig bis gar nichts in seine Richtung. Schon gar nicht die Vorstellung von Regenmatsch, kalten Füßen und heißem Tee. Darum denke ich nicht länger darüber nach, sondern genieße jeden Spätsommertag, der noch unverbitterlich nach Wind und Sonnenschein duftet. Die Stimmung verlangt nach den fantastischen Vier, ein paar echten Helden, die immer für wahrhaft ozeanische Gefühle gern zu haben sind.

Danke, liebe Sonja Wildgans🌹✨

‚Ein Frieden muss von unten wachsen, er kann nicht von oben diktiert werden‘

(Angelika Schrobsdorff in einem Interview hier nachzulesen und zu finden)


 
 

 

 

 

 

 

 

 

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9 Kommentare zu “Augustlektüre

  1. wildgans sagt:

    Es gefällt mir gar sehr, wie Du damit umgehst und wie Du darüber hier schreibst!
    Derzeit lese ich „Vom Ende der Einsamkeit“ (Benedict Wells) – und weiß, es würde auch Dir sehr gefallen!
    Lieben Gruß von
    Sonja Wildgans

    • karfunkelfee sagt:

      Ich wollte gern einmal zeigen, wie manche Bücher bei mir aussehen…😎Der Pessoa ist noch viel schlimmer zugerichtet. Solange keine Seiten rausfallen wie lockere Zähne, ist es okay. Mal schauen, wie Frau Schrobsdorff sich in allen Lebenslagen, unterwegs und auf dem schnellen Fahrrad im Rucksack macht. Sie beschreibt ihre Mutter so liebevoll und lebendig. Ihre Großmutter Minna auch…bei Minnas Lieblings-Wort ‚überkandidelt‘ lachte ich laut. Das Lieblingswort ist mir nur allzu vertraut. ..Meine Großmutter hatte ein neologistisches Synonym für ‚überkandidelt‘: exzebrillisch
      Niemand wusste was es bedeutete, doch schrill, schräg und verrückt passte dazu und im Gegensatz zu überkandidelt war es ein positiv besetztes Wort. Es huldigte dem Mut zur Verrücktheit. Das Berlin um die Jahrhundertwende, Ende und Anfang, fasziniert mich seit jeher. Einige meiner Erbstücke stammen aus genau dieser Zeit. Benedict Wells ist notiert! An Paul Austers ‚Winterjournal‘ las ich ein ganzes Jahr – das Buch berührte mich sehr und Austers Schreibstil ist so einer, vor dessen Präzision und Brillanz ich mich nur verbeugen kann.
      Mein alter Deutschlehrer schrieb:
      ‚Die Kunst ist zwar nicht das Brot, doch der Wein des Lebens‘ von Jean Paul.

      Daran denk ich jedes Mal, wenn ich ein richtig gutes Buch lesen darf und noch zig andermal, wann immer jemandes Kunst mich schwer beeindruckt.
      Lieben Gruß zu dir, es war und ist mir ein Vergnügen✨

  2. Liebe karfunkelfee ich wollte dich fragen wie du es geschafft hast so viele follower zu bekommen? Wie haben deine ersten blogs ausgesehen?
    Liebe grüße! xoxo

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe xoxo, es gibt im Blogland große Flaggschiffe mit Tausenden Followern. Genau wie Du frage ich mich immer mal wieder wie diese Leute es zu so großer Beliebtheit schaffen. Ich fand viele Antworten, Können und Kunst oder hohe Sozialkompetenz und diese setzt voraus, dass man selbst sich die Blogger suchen muss und sie ansprechen, kommentieren. Es ist ein Geben und Nehmen und über einen Kommentar freuen sich die meisten Blogger. Mein erster Blog befand sich auf Blog.de, einer Seite, die mittlerweile leider geschlossen ist. Hier bin ich seit 2012. Vorwiegend poste ich meine Texte, meistens mit einem Song-Video in Verbindung. Musik ist sehr wichtig für mich…

      Fang einfach an. Es gibt so viele schöne blogs. Andere werden neugierig auf Dich wenn Du Anteil an ihnen nimmst und Dich für das was sie tun, ebenfalls interessierst.

      Viel Spaß und liebe Grüße✨

  3. Clara HH sagt:

    Ach liebe Fee, ein bisschen traurig, viel poetisch und sehr literaturaffin lese ich dich hier und in vielen vorhergehenden Artikeln von dir. Wenn du es dir wünschst, ein Buch herauszugeben, dann wünsche ich dir, dass dich dieser Gedanke beflügelt und dich bis zum Ziel trägt.
    Herzlichst von der Clara, die ihre Zeit so oft „vertrödelt“ – heute habe ich wieder ein wenig Wohnung-verzieren gemacht.

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Clara, meine Wünsche plus deine Wünsche sind Flugstaub auf Flügeln, die jetzt noch Junge beschützen müssen. Wenn die alle gut auf dem Weg sind, kann ich loslegen und mich so tief auf einen längeren Schreibprozess einlassen wie es ein stringentes Buch erfordert. Noch geht um mich herum dafür viel zu hektisch zu. Am Stück mehrere Stunden durchzuschreiben gehört ebenso dazu wie eine gute Recherche bei Wissensfragen oder geschichtlichen Angaben. Du siehst…in meinem Kopf und Herzen arbeitet der Wunsch zielstrebig vor sich hin und irgendwann geht es einfach los und findet sich Zeit, geschrieben zu werden. Dann bin ich auch stilistisch wieder ein paar Umdrehungen weiter. James Joyce muss ich noch mit arbeiten…uff…Ulysses…ohoh…😎
      Herzlichst zu Dir,
      Stefanie

      • Clara HH sagt:

        Jetzt wäre mir doch beinahe dein Kommentar durch die Roste (des Backofens) gerutscht – ich habe nämlich gerade in DIESER Wohnung meinen ersten Kuchen gebacken – nach 11 Monaten wohl keine Glanzleistung. – Ich steh dazu!
        Ich schreibe zwar keine Bücher oder andere poetische Werke – doch manchmal würde ich die Ruhe um mich herum gern gegen flügelbeschützende Jugendliche tauschen – zumindest öfter, als ich das mussdarfsollkann.
        Jetzt muss ich mich um die Quarktorte kümmen, die muss aus dem Ofen.
        Liebe Drückerlis zu dir!

      • karfunkelfee sagt:

        ….nu, Du arbeitest doch daran! Die Weichen dafür stellst Du mit. Bring it on…👌
        Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Backergebnis. Es gibt für alles ein erstes Mal. Huldige Deinem Kuchen, egal wie er aussieht. Dabei sein ist alles.✨

      • Clara HH sagt:

        Meine Schwägerin (Rezept- und Sonderzutatengeberin) meinte, der geht nicht hoch – und er ist von 5 cm Höhe auf 8 gewachsen, schrumpft jetzt allerdings wieder rapide.
        Gestern beim Doko-Turnier habe ich mir als Preis eine süße Pillendose mit Rosen ausgesucht — altersgerecht *grins*

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