Die Äpfel, die du so gern isst (Herbstahnung aus dem Zeitstromtreiben)

Zeig mir mal wie du sein kannst. Mal was Neues unter dieser altbekannten Sonne, Ungekanntes und Verwegenes, das würde mir gefallen. Diesem Erdendasein noch ein paar Träume abtrotzen, dem Älterwerden eine lange Nase drehen können, rotzfrech und respektlos as ever. Das nennen kluge Menschen Midlife-Crisis. Du willst statt dessen lieber cruisen. Cruisen statt Crisis schreibst du dir dabei hinter die Ohren und passt auf deine ständig verfrorenen Knochen auf. Musstest du ja schon immer. Hat gar nichts mit dem Älterwerden zu tun. Mitnichten! Und dieses Plisseewerk da um deine Glubscherchen? Das war mit zwanzig auch schon so, je älter liebt sich’s desto froh, zwitschert Madame Pompadour und pudert ihre zeitlos weiße Perücke.

Zeig mir mal wie du leben kannst. Mal was Anderes als das was viele tun, Verrücktes vielleicht oder Verlegenes, denn die Schüchternheit der Jugend blaut in so vielem, vor allem jedoch in immer nächste Tage ohne darüber nachzudenken dass der geliebte Frühlingstau hinter den Ohren über den langen Sommer trocknete und die Äpfel vom Baum stellenweise süß schmeckten. Menschen nennen das möglicherweise Erkenntnis. Denn Kennenlernen langt allmählich, jetzt wäre langsam des öfteren ein schmerzlos schnelles Erkennen schön. Und diese Falten an der Nase sind Labialfalten. Die waren schon immer da. Hattest du schon mit Achtzehn. Aber echt jetzt…?

Zeig mir mal wie du lieben kannst. Mal was Innigeres als diese absoluten Idealismen und moralinsauren Werte anderer. Faszinierendes, sich Bewegendes und Schwebendes, denn das Prinzip der Schwerkraft wohnt in allem, der Wunsch nach Vollendung strebt zum Gegensätzlichen. Diesem Leben noch einmal gegen den Sturm fliegende Schmetterlinge abkämpfen, lauter leichte Leben, so reich und üppig wie ein Blütenschwarm in einem ceylonesischen Opferbecken. Die wahrhaft Weisen dieser Welt müssen ständig mächtig verliebt sein, folgerst du. Der gepflückte Apfel hat auch ein paar kleinere braune Flecken. Nun könntest du natürlich behaupten, dass diese Flecken schon der junge Apfel hatte, als er noch grasgrün am Baum hing. Doch du weißt es besser, oder? Er war makellos grün auf den alten Bildern mit dem ersten hauchfein verblichenen Sepiaschimmer und nun hat er auch unverkennbar etwas Rot dazubekommen, das stammt von der Sonne, die ihn jahrzehntelang beschien. Auf den Bildern wirkt der Baum in den Zweigen licht ausgeblichen, als zerre die Zeit an ihm.

Zeig mir mal wie du Äpfel genießen kannst, obwohl du weißt, dass es noch eine Weile dauern kann bis sie richtig reif sind und obwohl du nicht wissen kannst ob sie vorher die Vögel, die Würmer zerfressen oder sie vorzeitig vom Baum abfallen und verrotten. Glücklicherweise sind genügend Äpfel da, so dass du immer mal wieder in einen hineinbeißen kannst um zu prüfen ob er hinten im Hals noch sauer würgt. Du kannst nicht sicher daraus schließen, dass ein späterer Apfel für größere Süße dank längerer Reife bürgt. Mitnichten!  Während du in deinen Apfel beißt, betrachtest du die braunen Flecken, die die Sonne schrieb genau wie sie erste Reiferöte auf grüne Apfelwangen trieb und stellenweise die Schale abrieb. Zeig mir mal wie du leben kannst inmitten jederwelt Elend und Nöten und zeige mir, was dir bis hierher an dieser Stelle erspart blieb, dies ganze weltliche Schlachten, Morden und Töten und erkenne wie viel im ganzen Abriss in einem einzigen Biss in einen Apfel von vielen liegt, zu dem dich der Wunsch nach der Weisheit der Schlange trieb. Falsch sagt sie, wäre nur, wenn dich deine Erwartungen überböten wie sie dich unterliefen, dies steht schon seit immer geschrieben.

Zeig mir doch mal wer du bist.

Vielleicht  in den  Äpfeln,  die du so gern isst…

—-

30 thoughts on “Die Äpfel, die du so gern isst (Herbstahnung aus dem Zeitstromtreiben)

  1. Flowermaid sagt:

    … Äpfel und ich hätten das Paradis retten können (Sorbit Unverträglichkeit)

  2. finbarsgift sagt:

    …fein poetisch dahinschwebend, deine Worte über die Äpfel der Liebe und des Lebens…

    Liebe Sommergrüße vom Lu

  3. Ulli sagt:

    Herrlich glitzernde Altweiberfäden spinnst du über das spätsommerliche Land-
    alles ist eine Frage der Haltung, nicht wahr😉
    liebe Spätabendgrüsse
    Ulli

  4. gkazakou sagt:

    Na dann wolln wir mal tüchtig reinbeißen in diesen blauen Monat September, der noch so frisch und unangeknabbert vor uns liegt. Äpfel hab ich hier keine im Garten, aber Quitten, ein paar Feigen, wenn ich sie vor den Vögeln ernte, Granatäpfel, wenn die Rättchen welche übriglassen, Weintrauben, die allerlei Mitesser anziehen … Nun, für mich bleibt schon noch genug, um mich im Paradies zu fühlen.
    Dir eine schöne Zeit!

    • karfunkelfee sagt:

      Quittengelee ist eine Köstlichkeit und auch der Tee aus Quitten ist sehr delikatzartaromatisch…Feigen…mhmmm…die mag ich als Tee, getrocknet, frisch kenne ich sie noch nicht…und diese kleinen süßen griechischen Weinträubchen sind begehrt, nicht nur von Griechen! Hast Du blaue Trauben…?Granatapfel, auch so etwas Himmlisches, dem Granatapfel habe ich sogar einmal ein Gedicht geschrieben!
      Ja, es ist ein Paradies in dem Du lebst , Du nimmst uns mit hinein. ✨👌
      Dir einen schönen blauen September mit ersten warmen Rottendenzen…✨

  5. Clara HH sagt:

    Ein Spaziergang durch dein Frühherbst-Apfel-Paradies tat mir gut. Aber was ich wirklich als Paradies empfinde, dass ich ALLES essen kann, keine Unverträglichkeiten habe, keine Allergien. Der Zahnbefund schränkt manchmal etwas ein, aber nur ein bisschen. – Ich wünsche dir so sehr, dass du bald wieder durch das Paradies der Natur mit Wald und Flur streifen kannst.
    Herzlichst drückt dich
    Clara

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe Clara, ALLES essen zu dürfen ohne jedwede Einschränkung stelle ich mir himmlisch vor….
      Ich erlaube mir also mal eine kleine Portion Neid, doch eine, die Dir aus voller Leber Deine gute Gesundheit gönnt!!!
      Streifen durch Feld, Wald, Wiesen…wie sehr vermiss ich Touren wie diese…
      Herzlichst zurückdrück ich Dich✨

      • Clara HH sagt:

        Woran mag das liegen, dass die Menschen immer mehr mit Allergien und solchen Sachen zu tun haben? Sind viele Mütter zu ängstlich mit ihren Kindern und lassen sie weder im Dreck noch mit Tieren spielen, so dass die Kinder nicht abgehärtet werden. In der Apothekenzeitschrift las ich gerade, dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, im Normalfall gesünder sind. – Ich könnte mir vorstellen, dass da was dran ist.

      • karfunkelfee sagt:

        Ich könnte mir vorstellen, dass es eher mit unserem schlechten Fleisch und Gemüse zusammen hängt, also eine Folge degenerativer Ernährung ist. Die Tiere werden in der Massentierhaltung so stark mit Medikamenten gespritzt, dass dies nicht nur multiresistente Keime hervorbringt, sondern auch das Immunsystem einer Art Dauerangriff aussetzt. Meine Großmutter sagte schon, dass Dreck den Magen reinigt. Es ist nicht gut, zu steril zu leben, da der Körper ansonsten keine Resilienzen und Immunitäten ausbilden kann. Nichts trainiert die Körper eigene Immunabwehr so effektiv wie der unmittelbare Kontakt zur Natur und Tieren…
        Wir essen uns krank…
        Das vermute ich zumindestens…

      • Clara HH sagt:

        Kinder kommen aber schon mit solchen Unverträglichkeiten oder Hautkrankheiten oder anderem zur Welt, was die Eltern jedoch nicht haben, so dass es nicht unbedingt Vererbung ist.
        Dass unsere schlechte Ernährung die Menschen krank macht – nur die ganz Harten wie ich bleiben in dieser Beziehung verschont – ist unbestritten, gesund leben sieht wirklich anders aus.
        Und das ist jetzt wirklich der letzte Tastenklick für jetzt – ich mache aus!!!!!!

  6. maribey sagt:

    Beim Lesen dieses Textes, habe ich gedacht, von wem mag er sein, einem bekannten Autor, einer bekannten Autorin, gar von Karfunkelfee?
    Dann sah ich, dass kein Autor/keine Autorin unten benannt ist. Diese wunderbaren Zeilen also von Karfunkelfee.
    Hier zeigt es sich wieder, was ich manchmal denke, es gibt großartige Schreiber/innen hier. Du bist eine.

    • karfunkelfee sagt:

      Liebe maribey, schon bei Käthe lese ich stets gern Deine Kommentare. Nun bekomme ich sogar selbst einen von Dir und darüber freue ich mich sehr…

      Es ist einer von den ältesten und am sorgsamsten gehüteten Karfunkelfeeträumen, dass ihre Texte und Poems wer gern lesen mag…und jeden Tag versuche ich, selbst wenn es nur ein klein wenig ist, für diesen Traum zu arbeiten. Er wächst und gedeiht gut, denn ich füttere ihn mit Likes als Mutpunkte und mit Kommentaren als Anregungen, Anfeuerungsrufen , konstruktive Kritik oder einfach ein paar freundlichen Worten und über solche wie Deine…freue ich mich ganz besonders riesig…
      Ich danke Dir…✨

      • maribey sagt:

        Hab Dank für deine herzliche Antwort. Ich möchte dir gerne ganz viele Mutpunkt-Likes senden, denn deinen Text fand ich toll und da schimmerte, nein, leuchtete viel Talent, Schreib- und Erzähltalent. Den kann ich mir so gut in einem Buch vorstellen.
        Herzliche Grüße zu dir!

      • karfunkelfee sagt:

        Jetzt leuchte ich …oder funkele?
        Ich glaub irgendwie beides…und warm ist mir auch geworden…✨☺️

  7. Das literarische Du im Text richtet sich an dich, oder? Ich kann es auch als Anrede an mich als Leser verstehen und mich den Aufforderungen ergeben. Also: Morgen Apfel kaufen! Vom Baum pflücken wäre freilich schöner.

    • karfunkelfee sagt:

      Es ist auch eine Anrede an Dich, an sich selbst…
      Was für Äpfel magst Du gern…?
      Ich mag diese alten aromatischen Sorten, man findet sie wieder…zum Beispiel 300 alte Apfelsorten auf 2 ha im Bielefelder Arboretum, das es sich zur Aufgabe erklärt, alte Apfelsorten die weitaus resistenter sind und nicht so viele Pestizide brauchen wie neue Apfelsorten zu erhalten. Doch auch Kirschen, Aprikosen- und Pflaumensorten finden sich dort.
      Es wird angenommen, dass das Arboretum Bielefeld am Rande der Stadt die größte Apfelsorten-Sammlung in Nordrhein-Westfalen beherbergt.
      Ein toller Ort.
      Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Apfelkauf…✨

      • Ich mag Boskoop. Gar wundervolles teilst du mit über Bielefeld. Das hätte ich wissen soillen, als ich tatsächlich mal da gewesen bin. http://trithemius.twoday.net/stories/falschrum-durch-bielefeld-zwei-cafehausbesitzer-auf-der-autobahn-und-e/

      • karfunkelfee sagt:

        Dein lokalkoloraturbuntes geistreiches Textchen zu kommentieren, freue ich mich jetzt schon nur so wie sich eine echte Bielefelder Fee freuen kann…na, die ist auch ein Vorstadtkrokodil und bekommt das City-Treiben glücklicherweise nicht täglich mit. Der Teuto macht stramme Waden, der Eingeborene Bielefelder fritt nich gleich watte nich kennt und verbittet sich jegliches Nachfragen, bevor nicht zumindest einmal der Bergfried der Sparrenburg erklommen und ausgiebigst bejuchheit wurde, genauso wie der Leineweber, der unbedingt im Nachgang inklusive Linnenkiepe zu knipsen sei. Danach ist der gemeine Bielefelder (Humus surbier bielefeldiensis) freundlich allem Fremden gestimmt.
        Also lieber Jules: sollte Dich Dein treuer Drahtesel noch einmal auf Reisen nach Bielefeld treiben, dann komm dieses Mal von der anderen Seite der Stadt hinein, damit das Ankommen in Bielefeld mehr Spaß macht. Ich versorge und pimpe Dich vorher mit dem faszinierendsten Bielefeld-Insiderwissen. Schillernd sage ich, schillernd!
        Das ich mir selbstredend vorher auch nochmal anlesen muss, wie sich das für eine solide Heimathalbbildung gehört. Das mystische Bielefeld treibt kein Gewerbe, weder in Eckendorf noch sonstwo. Es erkundet das Heimatidyll und beschwert sich gefälligst nicht, sondern ist erquicket, hier leben zu dürfen. Amen…

        Bielefeld ist voller Vielfalt! Boah. Toller Slogan. Den muss ich unbedingt Herrn Claussen vorstellen… Ach, so, das ist der Bielefelder Bürgermeister….
        Einstweilen ein freudiges Horrido!
        Radfahrer machen mich immer irgendwie froh…✨

  8. Bielefeld ist Vielefält, lerne ich bei dir, meine Liebe. Mit dem Fahrrad schaffe ich die Tour leider nimmer. Denn ich bin sechs Jahre nach meiner Tour nach Aachen und verschiedenen gesundheitlichen Einbrüchen nicht mehr so fit. Aber ein bisschen neugierig hast du mich schon gemacht. Lieben Gruß, Jules

    • karfunkelfee sagt:

      Es ist ja auch eine ganz schöne Strecke zu fahren und bergig obendrein. Ich stelle mir das anstrengend vor mit einem Fahrrad, das obendrein noch mit Packtaschen beladen ist. Hast Du mal über ein E-Bike nachgedacht…? Oder wäre das zu unsportlich? Bei Anstiegen wäre es hilfreich und würde Deine Gelenke entlasten…?
      Deine Neugier regen wollte ich gern. Du hast von meiner Stadt keinen besonders schönen Eindruck mitnehmen dürfen und Gütersloh war ja noch viel schlimmer…
      Darum ist es wichtig, diesem Eindruck etwas entgegenzusetzen. Hannovers charmante Ecken hast Du in Jahren erfahren und erkundet und mit Bielefeld, ich denke, irgendwie mit jeder Stadt ist es so…
      Ich vermute, die wenigsten Großstädte sind so schön, dass sie gleich beim Ankommen faszinieren…
      Ich bin leider nicht so oft auf Reisen wie Du, doch es reizt mein Nomadenherz manchmal schon sehr.
      Ich füttere es mit deftigen Reiseberichten wie Deinen. Literaturfleisch ist das.
      Sag einfach vorher kurz Bescheid. Dann schmeiß ich den Original Bielefelder Staunomaten für Dich an, der braucht etwas Warmlaufzeit, ist schon ein älteres Schätzchen, dafür bestechend bildend. Er beherrscht sogar Bielefelderisch und Du bekommst einen Crashkurs in Pillepoppen, Pumpernickel, Pömpeln und Pinöckeln.
      Vielefält klingt spitze!
      Lieben Gruß von der Karfunkelfee✨

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